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Technikgeschichte

Die Technikgeschichte befasst sich mit der historischen Entwicklung von Methoden zur praktischen Anwendung unterschiedlicher Naturwissenschaften und …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und Wandel der Disziplin
  3. 3. Fachgesellschaften im deutschen Sprachraum
  4. 4. Internationale Vernetzung und Tagungen

Gegenstand und Bedeutung

Technikgeschichte ist eine wissenschaftliche Disziplin und ein Teilgebiet der Geschichtswissenschaft. Sie untersucht, dokumentiert und analysiert, unter welchen Bedingungen sich technischer Wandel vollzieht. Dabei bezeichnet Technik nach Akoš Paulinyi die „Gesamtheit aller Artefakte sowie aller Verfahren und Handlungen, mit denen der Mensch zum Erreichen eines Zweckes diese Artefakte vorausdenkend entwirft, herstellt und anwendet“.

Die Disziplin befasst sich mit der historischen Entwicklung von Methoden zur praktischen Anwendung verschiedener Naturwissenschaften und Technologien. Untersucht werden sowohl einzelne technische Entwicklungsstränge als auch deren Auswirkungen. Ein Beispiel ist die Dampfmaschine: Technikgeschichte betrachtet ihre Entwicklung, ihren Einfluss auf die Industrialisierung und die mit ihr verbundenen Personen, insbesondere ihren Miterfinder und erfolgreichen Vermarkter James Watt. Ein weiteres berühmtes Beispiel ist das Rad, das ungefähr im 4. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung erfunden wurde.

Technikgeschichte untersucht außerdem als Technikfolgenabschätzung die Wechselwirkung zwischen technischem Fortschritt und sozialen Prozessen. Ihr Ziel ist es, die kulturellen und gesellschaftlichen Voraussetzungen, Bedingungen und Folgen von Technik zu analysieren. Ihre Bedeutung ergibt sich daraus, dass Technik die moderne Kultur stark prägt und technische Entwicklungen viele Lebensbereiche beeinflussen.

Im Mittelpunkt steht die materielle Kultur, also die von Menschen hergestellte und verwendete gegenständliche Welt. Deshalb nimmt die Technikgeschichte stärker als viele andere historische Disziplinen konkrete Objekte in den Blick. Sie untersucht die Entstehung, Entwicklung und Durchsetzung von Artefakten sowie komplexen Sachsystemen. Außerdem erforscht sie technische Handlungen von Akteuren, die dafür notwendigen Wissensformen und den Gebrauch sowie die Aneignung von Artefakten durch Nutzer in allen Lebensbereichen. Technikhistorisches Wissen soll dadurch Orientierung in einer von Technik geprägten Gegenwart ermöglichen. Als „Geschichte der Naturwissenschaft und Technik“ bezeichnet, ist die Technikgeschichte an vielen größeren Universitäten als Lehrstuhl vertreten.

Entstehung und Wandel der Disziplin

Als institutionalisierte Wissenschaft entstand die Technikgeschichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunächst in einem ingenieurwissenschaftlichen Zusammenhang. Ingenieure wollten die gesellschaftliche Anerkennung ihrer Arbeit als „Kulturleistung“ stärken und entdeckten dafür die Geschichte der Technik als geeignetes Instrument. Unterstützt wurden diese Bestrebungen besonders von Conrad Matschoss vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI).

Weitere wichtige Impulse kamen aus der Soziologie und der Historischen Schule der Nationalökonomie. Werner Sombart und Joseph Schumpeter beschäftigten sich mit Technik als Bestandteil von „Wirtschaftssystemen“ und mit Innovationsprozessen.

Anfangs war die Technikgeschichte vor allem eine „internalistische“ Beschreibung technischer Entwicklungen. Sie wurde überwiegend von Technikern für Techniker verfasst und konzentrierte sich auf die innere Entwicklung technischer Lösungen. Nach erheblichen Konflikten in den 1970er Jahren wandelte sie sich zu einer eigenständigen historischen Disziplin.

Besonders prägend war das 1975 erschienene Werk „Moderne Technikgeschichte“ von Karin Hausen und Reinhard Rürup. Es näherte die Technikgeschichte der Gesellschaftsgeschichte und den Sozialwissenschaften an. Zugleich stellte es die Vorstellung, technischer Fortschritt könne als allein maßgebliches Leitmotiv der Forschung dienen, grundsätzlich infrage. Damit rückten gesellschaftliche Voraussetzungen, soziale Folgen und die Einbettung technischer Entwicklungen in umfassendere historische Prozesse stärker in den Mittelpunkt.

Fachgesellschaften im deutschen Sprachraum

Im deutschen Sprachraum gibt es mehrere wissenschaftliche Fachgesellschaften und Institutionen, die sich mit Technikgeschichte oder angrenzenden Bereichen befassen:

  • Die Deutsche Gesellschaft für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik wurde 1901 gegründet. Die DGGMNT vertrat neben der Technikgeschichte auch die Geschichte der Naturwissenschaften und die Medizingeschichte. Zusammen mit der Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte wurde sie 2017 zur Gesellschaft für Geschichte der Wissenschaften, der Medizin und der Technik e. V. (GWMT) zusammengeschlossen.

  • Die Georg-Agricola-Gesellschaft zur Förderung der Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik wurde 1926 gegründet. Sie ist besonders zur industrie- und unternehmensgeschichtlichen Seite hin orientiert.

  • Der Verein Deutscher Ingenieure verfügt über einen VDI-Ausschuss Technikgeschichte. Dieser Ausschuss veranstaltet jedes Jahr eine technikhistorische Tagung und unterhält technikhistorische Arbeitskreise.

  • Die Gesellschaft für Technikgeschichte (GTG) wurde 1991 gegründet. Der VDI und die GTG geben gemeinsam die Zeitschrift „Technikgeschichte“ heraus.

Neben den wissenschaftlichen Fachgesellschaften gibt es zahlreiche Vereine interessierter Laien, die sich mit speziellen technikhistorischen Themen beschäftigen.

Internationale Vernetzung und Tagungen

Auf internationaler Ebene gehören unter anderem die Society for the History of Technology (SHOT) aus den USA und das International Committee for the History of Technology (ICOHTEC) zu den wichtigen Fachgesellschaften. Die SHOT bildet gewissermaßen eine Dachorganisation verschiedener technikhistorischer Gemeinschaften; viele dieser Gemeinschaften sind bei ihr Mitglied.

Seit 1999 besteht außerdem das europaweite Netzwerk Tensions of Europe. In ihm sind Historiker aus 20 Ländern organisiert. Es fördert die internationale Zusammenarbeit innerhalb der Technikgeschichte.

Ein Beispiel für eine fachübergreifende Veranstaltung war die Gemeinsame Jahrestagung 2021 der Gesellschaft für Technikgeschichte (GTG) und der Gesellschaft für die Geschichte der Wissenschaften, der Medizin und der Technik (GWMT). Sie stand unter dem Thema „Skalen, Normen, Grenzwerte im (digitalen) Wandel“, fand als Onlinetagung statt und wurde vom Technischen Museum Wien und der Universität Wien ausgerichtet.

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