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Pour le Mérite

Der Orden pour le Mérite (französisch „Für das Verdienst“) wurde durch König Friedrich II. gestiftet und war die höchste Tapferkeitsauszeichnung, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Entstehung und Grundfunktion
  2. 2. Militärische Auszeichnung
  3. 3. Militärische Insignien
  4. 4. Friedensklasse bis 1945
  5. 5. Friedensklasse seit 1952
  6. 6. Besonderheiten und Doppelverleihungen

Entstehung und Grundfunktion

Der Pour le Mérite (französisch „Für das Verdienst“) ist ein preußischer Orden, der ursprünglich vor allem militärische Leistungen auszeichnete. Er wurde 1740 von Friedrich dem Großen umgewidmet und war bis 1918 die höchste Tapferkeitsauszeichnung, die ein König von Preußen an einen Offizier vergeben konnte. Seit 1842 gibt es daneben eine zivile Friedensklasse für Wissenschaften und Künste.

Der Orden geht auf den 1667 gestifteten Ordre de la Générosité zurück. Der neunjährige Prinz Friedrich von Brandenburg, der spätere König Friedrich I. in Preußen, hatte diesen Orden gestiftet; Statuten wurden dafür jedoch nicht ausgearbeitet. Friedrich der Große übernahm im Juni 1740 Gestalt, Farbe und Form der Beschriftung und verwendete den Orden nun unter dem Namen Pour le Mérite. Er wollte damit vorwiegend militärische Leistungen belohnen. Bis 1791 wurde der Vorgänger sporadisch noch an Ausländer verliehen.

Militärische Auszeichnung

Am 18. Januar 1810 bestimmte Friedrich Wilhelm III., dass der Orden nur noch für außerordentliche Verdienste auf dem Schlachtfeld vergeben werden durfte. Er blieb Offizieren vorbehalten; Unteroffiziere und Mannschaften erhielten stattdessen die Verdienstmedaille. Die Ordensritter bildeten eine eigene Ritterschaft. 1816 umfasste sie eintausend Offiziere, deren Mitglieder einen lebenslangen Ehrensold erhielten.

1813 wurde das Eichenlaub als zusätzliche Auszeichnung für besonderes Verdienst eingeführt. Es bestand aus drei goldenen Eichenblättern am Ring. 1844 kam die Krone zum Pour le Mérite hinzu. Sie konnte verliehen werden, wenn jemand eine mindestens 50-jährige Inhaberschaft des Ordens nachweisen konnte; insgesamt sind 147 solche Verleihungen belegt. Nach dem Feldzug von 1866 stiftete Wilhelm I. außerdem das Großkreuz. Es wurde nur fünfmal verliehen: 1866 an Wilhelm I., Kronprinz Friedrich Wilhelm und Prinz Friedrich Karl von Preußen, 1878 an Zar Alexander II. von Russland und 1879 an Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke. Der König konnte den Orden auch ausländischen Offizieren verleihen.

Im Ersten Weltkrieg erhielten Otto von Emmich und Erich Ludendorff den Orden am 7. August 1914 als Erste für den erfolgreichen Handstreich gegen das belgische Fort Lüttich. Insgesamt wurde der Pour le Mérite im Ersten Weltkrieg 687-mal verliehen; darunter waren 132 Jagdflieger. Der blaue Orden erhielt in deutschen Fliegerkreisen den Spitznamen „Blauer Max“, nachdem Max Immelmann ihn am 12. Januar 1916 als erster Flieger erhalten hatte. Zu den späteren Trägern gehörten unter anderem Manfred von Richthofen, Hermann Göring, Erwin Rommel, Paul von Hindenburg und Ernst Jünger.

Die Ordensträger hatten besondere militärische Ehren: Sie mussten stets zuerst gegrüßt werden, auch von Ranghöheren, und Wachen mussten vor ihnen ins Gewehr treten. Mit dem Ende der preußischen Monarchie in der Novemberrevolution endete 1918 die Geschichte der Militärklasse. Insgesamt war sie 5430-mal verliehen worden. Nur rund zehn Prozent der mit dem Pour le Mérite ausgezeichneten Offiziere des Ersten Weltkriegs wurden später in die Reichswehr übernommen.

Militärische Insignien

Das Kleinod der Militärklasse ist ein blau emailliertes, golden bordiertes achtspitziges Malteserkreuz. Im obersten Balken steht in goldener Schrift ein gekröntes F für Friedrich II.; in den drei anderen Balken steht „Pour· le Mé· rite“. In den vier Kreuzungswinkeln befinden sich vier gegenständige, ungekrönte Adler. Die Rückseite ist blau emailliert und glatt.

Beim Großkreuz sind die Adler gekrönt. Außerdem besitzt das Kreuz ein goldenes Medaillon mit dem Bildnis Friedrichs des Großen. Der annähernd rhombische, blassgoldene Stern zum Großkreuz trägt ebenfalls dieses Medaillon. Sein blau emaillierter Ring zeigt den Ordensnamen und zwei grün emaillierte Lorbeerzweige.

Das Ordensband ist schwarz und besitzt zwei silberne Seitenstreifen sowie eine schwarze Bordierung. Bei einer zweiten, dem Eichenlaub entsprechenden Verleihung wurde zusätzlich ein silberner Mittelstreifen angebracht.

Friedensklasse bis 1945

Auf Anregung Alexander von Humboldts stiftete Friedrich Wilhelm IV. am 31. Mai 1842 eine Friedensklasse unter der Bezeichnung Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste. Sie umfasste die Bereiche Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften und Medizin sowie Schöne Künste. Nach dem ursprünglichen Statut waren nur Männer zugelassen; Theologen waren zunächst ausgeschlossen. Alexander von Humboldt wurde am Stiftungstag eines der ersten Mitglieder und zugleich Kanzler.

Bis 1918 wurde die Friedensklasse vielfach verliehen. Nach der Abdankung der Hohenzollern 1918/1919 war der Pour le Mérite keine staatliche Auszeichnung mehr, die verliehen wurde. Die vom Kaiser verliehenen Orden durften in der Weimarer Republik jedoch öffentlich getragen werden. Weil die Verfassung von 1919 alle Stiftungen von Orden verbot, organisierten sich die verbliebenen Mitglieder als freie Gemeinschaft von Künstlern und Gelehrten. Das Staatsministerium billigte diese Praxis 1924. So wurden unter anderem Gerhart Hauptmann 1924, Max Liebermann 1927 und Käthe Kollwitz 1929 aufgenommen; Kollwitz war die erste Frau.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Mitglieder politisch und künstlerisch überprüft. Hermann Göring ließ als preußischer Ministerpräsident bisherige Inhaber durch die Gestapo überprüfen. Juden und politische Gegner des Nationalsozialismus, darunter Kommunisten und Käthe Kollwitz, wurden aus dem Orden ausgeschlossen.

Friedensklasse seit 1952

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es zunächst keine neuen Verleihungen. Danach entstand erneut eine zivile Gemeinschaft mit staatlicher Anerkennung unter dem Namen Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste. Bundespräsident Theodor Heuss wurde 1952 Protektor. Das Sekretariat wird vom Kulturstaatsminister beim Bundeskanzler geführt. Der Orden besitzt in Deutschland hohes Prestige, ist aber keine offizielle staatliche Auszeichnung wie der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

Die Zahl der inländischen Ordensinhaber ist auf 40 begrenzt. Die Zahl der ausländischen Mitglieder soll diese Zahl nicht übersteigen. Für die Einteilung zählt nicht nur die Staatsangehörigkeit, sondern auch der maßgebliche Tätigkeitsort und der Lebensmittelpunkt; daher können deutsche Staatsangehörige als ausländische Mitglieder gelten. In beiden Gruppen soll ungefähr die gleiche Anzahl auf Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften und Künste entfallen.

Neue Mitglieder werden vom Ordenskapitel in freier Wahl durch Stimmzettel gewählt. Grundlage sind Vorschläge des Kanzlers und der Vizekanzler; jedes wahlberechtigte Mitglied kann Vorschläge einreichen. Dem Ordenskapitel gehören alle Ordensmitglieder an. Eine Wahl ist nur möglich, wenn mindestens zwei Drittel der inländischen Mitglieder teilnehmen. Das Ordenszeichen besteht aus einem blau emaillierten goldenen Ring mit preußischer Krone, acht Initialen F II und einem goldenen Medaillon mit Adler. Das Band entspricht dem der Militärklasse. Nach der Satzung in der Fassung von 2010 bleiben die Insignien Eigentum der Bundesrepublik Deutschland und müssen nach dem Tod zurückgegeben werden.

Besonderheiten und Doppelverleihungen

Wegen der sehr unterschiedlichen Voraussetzungen für die Verleihung wurden nur wenige Personen mit beiden Klassen ausgezeichnet. Dazu gehörten Helmuth von Moltke, Julius von Verdy du Vernois, Otto von Bismarck und Hermann von Kuhl. Moltke erhielt die Kriegsklasse mit Eichenlaub, Krone und Brillanten; Hermann von Kuhl erhielt sie mit Eichenlaub.

Als militärische Auszeichnung für Unteroffiziere galt das 1864 gestiftete preußische Goldene Militär-Verdienst-Kreuz. Das Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern galt seit 1851 als informelle Vorstufe der militärischen Klasse, war aber keine Voraussetzung für deren Verleihung. Das Kanonenboot Iltis war das einzige Schiff der Kaiserlichen Marine, das den Pour le Mérite im Bugwappen führen durfte.

Albert Einstein gab sein Ordenszeichen 1933 an den Ordenskanzler Max Planck zurück und lehnte 1951 Gespräche über einen Wiedereintritt ab. Louis Pasteur weigerte sich, den Pour le Mérite anzunehmen. Der letzte lebende Träger der Militärklasse war Ernst Jünger, der 1998 starb.

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