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Lotustempel
Der Sakralbau ist einer der bekanntesten des Bahaitums und wurde bereits von über 50 Millionen Menschen besucht, was etwa drei Millionen Besuchern pro Jahr …
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Überblick und Bedeutung
Der Lotustempel (englisch Lotus Temple; Hindi कमल मंदिर Kamal Mandir) ist ein Bahaitempel in Neu-Delhi, Indien. Er ist der zweitjüngste von weltweit acht kontinentalen Bahaitempeln und dient als Muttertempel für den indischen Subkontinent. Der Sakralbau wurde von dem iranisch-kanadischen Architekten Fariborz Sahba entworfen und am 24. Dezember 1986 eingeweiht.
Sein auffälliges, einer Lotosblume nachempfundenes Design machte ihn zu einer bekannten Sehenswürdigkeit Delhis und zu einem der bekanntesten Bauwerke des Bahaitums. Seit 2014 steht der Tempel auf Indiens Tentativliste für das UNESCO-Weltkulturerbe. Er steht allen Menschen offen, unabhängig von Glauben, Geschlecht oder anderen Kriterien.
Entstehung und Eröffnung
1976 beauftragte das Bahai-Weltzentrum Fariborz Sahba mit Entwurf und Bauüberwachung. Die Tragwerksplanung übernahm das britische Architekturbüro Flint & Neill innerhalb von 18 Monaten; gebaut wurde durch die ECC Construction Group von Larsen & Toubro Limited. Die Bauarbeiten kosteten 10,56 Millionen US-Dollar.
Ein großer Teil des Geldes für den Grundstückskauf stammte von Ardishir Rustampur aus Hyderabad, Pakistan. Er hatte testamentarisch bestimmt, dass seine gesamten Ersparnisse für den Tempelbau verwendet werden sollten. Eingesparte Baukosten wurden teilweise für ein Gewächshaus eingesetzt, um einheimische Pflanzen und Blumen für die Gärten auszuwählen.
Rúhíyyih Khánum legte am 19. Oktober 1977 den Grundstein. Zur Einweihung am 24. Dezember 1986 kamen etwa 8.000 Bahai aus 107 Ländern, darunter 4.000 aus 22 indischen Bundesstaaten. Am 1. Januar 1987 wurde der Tempel für die Öffentlichkeit geöffnet; am ersten Tag kamen 10.000 Besucher.
Gottesdienste und Regeln
Bahaitempel sind Orte für Zusammenkünfte, Reflexion und Gottesdienst. Nach der Bahai-Lehre können Angehörige aller Religionen dort Gott anbeten. Im Lotustempel dürfen aus den heiligen Schriften des Bahaitums sowie aus Texten aller Religionen in der jeweiligen Sprache gelesen oder gesungen werden.
Weltliche Texte, Vorträge, Vorlesungen und Spendensammlungen sind im Tempel nicht erlaubt. Gebete und Lesungen können von Chören musikalisch gestaltet werden, Musikinstrumente sind im Inneren jedoch nicht erwünscht. Die Andachten folgen keinem festen Ritual; rituelle Zeremonien sind nicht gestattet.
Bauform, Gelände und Energie
Die Architektur folgt Merkmalen von Bahaitempeln. Ihr Grundriss ist eine neunseitige Kreisform, die Offenheit gegenüber anderen Religionen symbolisieren soll. Bilder, Statuen, Altäre und Kanzeln sind nach den Bahai-Schriften im Gebäude nicht vorgesehen; Leser dürfen einfache, tragbare Rednerpulte verwenden.
Der Lotustempel besteht aus 27 freistehenden Blütenblättern aus Marmor. Je drei Blütenblätter bilden eine der neun Seiten. Neun Türen führen in die zentrale Halle. Diese ist etwas mehr als 34 m hoch; ihre Kapazität wird mit 1.300 bis 2.500 Personen angegeben. Der Tempel hat einen Durchmesser von 70 m. Innenraum und Fassade bestehen aus weißem Marmor vom Berg Pendeli in Griechenland.
Die Lotusblume steht hier symbolisch für Reinheit, Heiligkeit, Spiritualität und Wissen und hat in Indien spirituelle Bedeutung. Neun Teiche und Gärten umgeben das Bauwerk. Das Gelände umfasst 26 Acre, also 105.000 m² beziehungsweise 10,5 ha. 2017 eröffnete neben dem Tempel ein Informationszentrum. Der Tempel liegt im Dorf Bahapur in Neu-Delhi, etwa 500 m von der Metrostation Kalkaji Mandir entfernt.
Von einem Stromverbrauch von etwa 500 kW erzeugen Solarpanels 120 kW. Dadurch werden monatlich 120.000 ₹ eingespart; laut Artikel war dies der erste Tempel in Delhi, der Solarstrom nutzte. Luftverschmutzung lässt den weißen Marmor durch Autoabgase, Produktionsanlagen und weitere Quellen grau und gelb werden.
Besucherzahlen, Anerkennung und Vorfall
Die Angaben zu den Besucherzahlen unterscheiden sich: Der Artikel nennt allgemein über 50 Millionen Besucher und etwa drei Millionen pro Jahr. CNN-Reporter Manpreet Brar berichtete, bis Ende 2001 hätten mehr als 70 Millionen Menschen den Tempel besucht; die Ständige Vertretung Indiens bei der UNESCO nannte bis April 2014 mehr als 100 Millionen. Schätzungen für ein Jahr reichen von 2,5 bis 5 Millionen Besuchern. Zu manchen religiösen Festen kommen mehr als 100.000 Menschen.
Der Tempel erhielt zahlreiche Auszeichnungen. 1987 ehrte die britische Institution of Structural Engineers Fariborz Sahba für Leistungen in religiöser Kunst und Architektur; im selben Jahr erhielt er einen Ehrenpreis des Interfaith Forum on Religion, Art and Architecture. Weitere Auszeichnungen betrafen 1988 die Außenbeleuchtung und 1989 die Betonstruktur. Die Encyclopædia Britannica bezeichnete den Tempel 1994 als herausragende Leistung der damaligen Architektur; 2000 wurde er in World Architecture 1900–2000 als kanonisches Werk des 20. Jahrhunderts aufgeführt.
2006 beschuldigten ehemalige Angestellte Freiwillige unter anderem der Spionage, religiösen Bekehrung und Herstellung gefälschter Pässe. Ein erstinstanzlicher Richter ordnete die Verhaftung von neun identifizierten Freiwilligen an; das Oberste Gericht in Delhi hob diese Verhaftungen später auf.