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Bahaitempel
Die deutschsprachigen Bahai-Gemeinden benutzen üblicherweise die Bezeichnung Haus der Andacht, eine wortwörtliche Übersetzung von House of Worship. Bahaitempel …
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Grundidee und Bedeutung
Bahaitempel sind die Sakralbauten der Bahai. Sie werden auch Haus der Andacht genannt, als wörtliche Übersetzung von House of Worship. Der arabische Begriff lautet Mashriqu’l-Adhkár und bedeutet „Aufgangsort des Lobpreises Gottes“. Die Tempel dienen als Orte für Gebet, Meditation und gemeinsame Andacht.
Bahaitempel gibt es weltweit unter anderem in den Vereinigten Staaten, Samoa, Australien, Panama, Deutschland, Indien, Uganda, Chile, der Demokratischen Republik Kongo, Kambodscha, Kolumbien, Kenia und Vanuatu. Die Gebäude sind für Menschen aller Religionen offen und sollen die Einheit und Offenheit der Religionen sichtbar machen.
Andacht und Gestaltung
In Bahaitempeln versammeln sich Gläubige aller Religionen zu Gebet und Meditation. Es gibt dort keine Bilder, Statuen oder Musikinstrumente. Im Mittelpunkt stehen die Heiligen Schriften aller Weltreligionen. Sie werden ohne Predigt, Auslegung oder Kommentar rezitiert, entweder in der Originalsprache oder in Übersetzung. Bahāʾullāh, der Religionsstifter der Bahai, bestimmte, dass das „Wort Gottes“ selbst wirken soll. Besucher können sich nach Absprache an den Lesungen beteiligen.
Gesungene Gebete sind in allen Sprachen und spirituellen Traditionen willkommen. Die Tempel sind als zentrale Kuppelbauten gestaltet, deren Akustik die menschliche Stimme trägt. Andere Geräusche sollen die persönliche Reflexion und Meditation nicht stören.
In der Kuppelspitze befindet sich eine arabische Kalligrafie des Größten Namens. Sie enthält den Lobpreis „O Herrlichkeit des Allherrlichen!“. Ein gemeinsames architektonisches Merkmal aller Tempel sind neun Tore nach allen Seiten. Sie symbolisieren Offenheit gegenüber den Anhängern verschiedener Religionen. Abgesehen davon sind die Häuser der Andacht bewusst architektonisch vielfältig und nehmen unterschiedliche Stile und Symbole verschiedener Kulturen auf.
Entwicklung der Tempel
Der erste Bahaitempel entstand in Aşgabat, das damals zum Russischen Reich gehörte und heute Hauptstadt Turkmenistans ist. Der Grundstein wurde im Dezember 1902 in Gegenwart führender Vertreter des öffentlichen Lebens gelegt. Um 1908 war das Haus fertig erbaut. Nach der Oktoberrevolution wurde es 1928 von sowjetischen Behörden enteignet, konnte aber bis 1938 weiter von der Bahai-Gemeinde als Haus der Andacht genutzt werden. 1938 wurde es vollständig enteignet und in eine Kunstgalerie umgewandelt. Ein Erdbeben beschädigte es 1948 stark; jährliche Regenfälle schwächten die Struktur weiter. 1962 wurde es zum Schutz angrenzender Häuser abgerissen. Zu seinen Nebeneinrichtungen gehörten ein Krankenhaus, eine Schule und eine Herberge für Reisende.
Der erste Bahaitempel in Amerika wurde am 1. März 1912 von ʿAbdul-Baha' im Chicagoer Vorort Wilmette in Illinois gegründet. Die Einweihung am Michigansee erfolgte erst am 2. Mai 1953. 1959 nahm dort als erste Nebeneinrichtung ein Altersheim seine Arbeit auf.
1961 folgten wichtige Tempel in Afrika und Australien: Im Januar wurde in Kampala in Uganda der erste afrikanische Bahaitempel eingeweiht, im September bei Mona Vale, etwa 35 Kilometer nördlich von Sydney, das erste Haus der Andacht der Antipoden. Der erste europäische Bahaitempel wurde im Juli 1964 in Hofheim am Taunus, Stadtteil Langenhain, eingeweiht. Das Land Hessen erklärte dieses Gebäude bei Frankfurt am Main 1987 zum Kulturdenkmal.
Der erste Bahaitempel Lateinamerikas wurde im April 1972 auf dem Cerro Sonsonato nördlich von Panama-Stadt eingeweiht. Der erste Tempel Ozeaniens entstand 1984 in Tiapatu, 9 Kilometer südlich von Apia, auf Samoa. Der lotusblütenförmige Tempel in Delhi, bekannt als Lotustempel, wurde im Dezember 1986 eingeweiht und erhielt zahlreiche Architekturpreise. Weitere neuere Tempel wurden 2016 in Chile fertiggestellt, 2017 in Kambodscha eröffnet und 2018 in Kolumbien eingeweiht.
Gebäudekomplexe und Zukunftspläne
Der Bahaitempel ist grundsätzlich als Zentralgebäude eines größeren Gebäudekomplexes gedacht. Zu diesem Komplex sollen Einrichtungen gehören, die sozialen, humanitären, pädagogischen und wissenschaftlichen Zwecken dienen. ʿAbdul-Baha' bezeichnete eine solche Anlage als „eine der wichtigsten Institutionen der Welt“. Shoghi Effendi beschrieb sie als greifbaren Ausdruck der Verbindung von „Bahai-Andacht und -Dienstbarkeit“. Dort soll dem „Leidenden Linderung, dem Armen Unterhalt, dem Reisenden Zuflucht, dem Hinterbliebenen Trost und dem Unwissenden Erziehung“ gewährt werden.
Nach dem Kitab-i-Aqdas soll ein Mashriqu’l-Adhkar in jeder Stadt und in jedem Dorf errichtet werden. Deshalb haben bereits zahlreiche Nationale Geistige Räte Grundstücke für künftige Tempel erworben. Shoghi Effendi kaufte für Israel ein Gelände auf dem Berg Karmel. Der Platz eines zukünftigen Bahaitempels dort ist seit August 1971 durch einen Obelisken markiert. Im Landhaus Bahji im Bahai-Weltzentrum ist ein Modell dieses zukünftigen Tempels zu sehen.