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Bahāʾullāh

Bahāʾullāh (arabisch بهاء الله , DMG Bahāʾ Allāh ‚Herrlichkeit Gottes'; auch Baháʾuʾlláh transkribiert) ist der religiöse Ehrentitel von Mirzā Husain-ʿAli …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Person und religiöser Anspruch
  2. 2. Lebensweg von Iran nach Akkon
  3. 3. Zentrale Lehren
  4. 4. Schriften und Entwicklung der Lehre
  5. 5. Nachfolge und Einheit der Gemeinschaft

Person und religiöser Anspruch

Bahāʾullāh ist der religiöse Ehrentitel von Mirzā Husain-ʿAli Nuri, dem iranischen Religionsstifter des Bahaitums. Er wurde am 12. November 1817 in Teheran geboren und starb am 29. Mai 1892 in Akkon. Mitte des 19. Jahrhunderts verkündete er, ein Gottesgesandter zu sein. Nach seiner Lehre soll seine Offenbarung zur Veredelung des menschlichen Charakters und zum gesellschaftlichen Fortschritt beitragen.

Bahāʾullāh beanspruchte, der Verheißene aller Zeitalter und Religionen zu sein. Seine Lehre beruht auf der wesentlichen Einheit der Religion und der fortschreitenden Offenbarung Gottes: Gott ist in allen Religionen derselbe und sendet in regelmäßigen Abständen Boten oder „Manifestationen Gottes“, die den Menschen den göttlichen Willen entsprechend den Bedürfnissen ihrer Zeit vermitteln. Zu dieser Reihe zählte Bahāʾullāh unter anderem Abraham, Moses, Zarathustra, Krishna, Siddhartha Gautama, Jesus Christus, Mohammed, den Bāb und sich selbst.

Bahāʾullāh erklärte, die Menschheit habe ein Stadium der Reife erreicht. Sie müsse ihre Gegensätze überwinden und eine friedvolle, geeinte Weltgemeinschaft bilden. Seine Lehren sollten die Grundlage dafür schaffen. Heute gibt es weltweit nach verschiedenen Angaben zwischen 5 und 8 Millionen Bahāʾī; an anderer Stelle werden etwa 8 Millionen genannt. Sie leben in nahezu allen Ländern und Territorien und engagieren sich unter anderem in sozialen Projekten, Bildungsaktivitäten und gesellschaftlichen Diskursen.

Lebensweg von Iran nach Akkon

Mirzā Husain-ʿAli Nuri war der Sohn des Hofministers und Kalligraphen Mirzā Abbās Nuri und Khadījih. Er besuchte keine Schule, erhielt aber privaten Unterricht in Lesen, Schreiben und Rechnen. Eine angebotene Stellung am Hof des Schahs lehnte er ab, kümmerte sich stattdessen um seine Ländereien und widmete sich karitativen Tätigkeiten. Mit 18 Jahren heiratete er Āsīyih. Von sieben Kindern erreichten drei das Erwachsenenalter, darunter ʿAbdul-Bahāʾ, der 1844 geboren wurde und später sein Nachfolger werden sollte.

1844 schloss sich Bahāʾullāh der Bābī-Bewegung an. Der Bāb verkündete den Anbruch eines Zeitalters des weltweiten Friedens und der Gerechtigkeit und kündigte das baldige Auftreten des „Verheißenen aller Religionen“ an. Bahāʾullāh wurde eine herausragende Persönlichkeit der Bewegung. Bei der Versammlung von Badascht im Juni und Juli 1848 trug er dazu bei, den Bābī-Glauben als eigenständige Religion und unabhängig von islamischen Traditionen zu etablieren. Der Bābī-Bewegung schlossen sich in Iran und Irak bis zu 100.000 Menschen an. Die iranische religiöse und politische Führung reagierte mit brutaler Verfolgung; Tausende wurden gefoltert und ermordet. Der Bāb wurde am 9. Juli 1850 in Täbris erschossen.

Nach einem Attentatsversuch dreier Bābī auf Nāser ad-Din Schāh im August 1852 wurde Bahāʾullāh fälschlich der Mittäterschaft beschuldigt. Er wurde im unterirdischen Kerker Siyāh Tschāl in Teheran in schwere Ketten gelegt. Dort erlebte er nach eigener Darstellung den Beginn seiner göttlichen Offenbarung. Im Dezember 1852 wurde er nach vier Monaten ohne Beweise gegen ihn unter der Bedingung freigelassen, das Land zu verlassen.

Am 12. Januar 1853 brach Bahāʾullāh mit seiner Familie nach Bagdad auf und kam dort am 8. April an. Er stärkte die demoralisierte Bābī-Gemeinde, zog sich aber vom 10. April 1854 an für zwei Jahre nach Kurdistan zurück. In den Bergen bei Sulaimaniyya lebte er wie ein Derwisch, verfasste mystische Werke und gewann das Ansehen lokaler Sufis. Auf Bitten der Bābī kehrte er am 19. März 1856 nach Bagdad zurück. Dort entstanden unter anderem Die Verborgenen Worte, Die Sieben Täler und Das Buch der Gewissheit. Im Garten Ridvān am Tigris erklärte er ab dem 21. April 1863, der vom Bāb Verheißene zu sein.

Nach einer kurzen Zeit in Istanbul wurde Bahāʾullāh im Dezember 1863 nach Edirne verbannt. Ab 1867 richtete er Sendschreiben an Herrscher wie Napoleon III., Zar Alexander II., Königin Victoria, Nāser ad-Din Schāh und Papst Pius IX. Er verkündete offen seinen Anspruch und forderte Gerechtigkeit, Abrüstung, einen Staatenbund und ein Ende des Krieges. 1868 wurde er nach Akkon weiter verbannt. Zunächst lebte er dort unter sehr harten Haftbedingungen. Später wurden diese gelockert. 1873 vollendete er das Kitáb-i-Aqdas, sein wichtigstes Werk. Ab 1877 lebte er zeitweise in Mazraʿih und während der letzten zwölfeinhalb Jahre in Bahjí bei Akkon. Dort verfasste er unter anderem den Brief an den Sohn des Wolfes. Er starb am 29. Mai 1892 und wurde nahe Bahjí beigesetzt; sein Schrein gilt den Bahāʾī als heiligster Ort.

Zentrale Lehren

Der Mittelpunkt von Bahāʾullāhs Lehren ist die Einheit der gesamten Menschheit in ihrer Vielfalt. Die Menschheit wird mit einem menschlichen Körper verglichen: Verschiedene Teile müssen harmonisch zum Wohl des Ganzen zusammenarbeiten. Kooperation soll daher wichtiger sein als Konkurrenz. Ziel ist eine friedvolle Weltzivilisation, die geistigen und materiellen Wohlstand miteinander verbindet.

Nach Bahāʾullāhs Lehre ist die „vernunftbegabte Seele“ die wahre Identität des Menschen. Sie gehört nicht zur materiellen Welt, ist mit dem Körper aber verbunden wie das Licht der Sonne mit einem Spiegel. Die Seele besitzt kein Geschlecht und keine ethnische Zugehörigkeit. Mit dem Tod endet ihre Verbindung zum Körper; sie setzt ihre ewige Reise zu Gott fort. Der Sinn des Lebens besteht darin, Gott zu erkennen, zu lieben und sich ihm zu nähern. Dies soll durch Gebet, Meditation und ein freigebiges Leben im Dienst an den Mitmenschen geschehen.

Jeder Mensch ist nach dieser Lehre wie ein Bergwerk voller wertvoller Edelsteine. Bildung und freier Wille sollen dazu beitragen, einzigartige Talente und Fähigkeiten zu entwickeln und für den Fortschritt der Gesellschaft einzusetzen. Zu den geforderten Eigenschaften gehören unter anderem Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit, Großzügigkeit, Sanftmut, Vertrauenswürdigkeit, Mitgefühl und die Bereitschaft, Armen, Bedrängten und Unterdrückten beizustehen.

Gott wird als alliebender und allwissender Schöpfer beschrieben. Der Mensch kann göttliche Eigenschaften wie Gerechtigkeit, Liebe, Großzügigkeit und Wahrhaftigkeit widerspiegeln, aber die Realität Gottes niemals vollständig erfassen. Die Boten Gottes vermitteln den Menschen Wissen über Gott und seinen Willen. Alle großen Weltreligionen stammen nach Bahāʾullāh aus einer Quelle. Unterschiede erklären sich durch die wechselnden Bedürfnisse der Zeitalter. Feindschaft im Namen der Religion widerspricht deshalb dem Zweck der Religion.

Für die Reife der Menschheit sind nach diesen Lehren mehrere gesellschaftliche Veränderungen notwendig: der Abbau von Vorurteilen aufgrund von Rasse, Religion, Geschlecht oder anderen Merkmalen, die Gleichheit von Mann und Frau, die Verbindung von Wissenschaft und Religion, allgemeine Schulpflicht, eine universelle Hilfssprache, die Beseitigung extremer Armut und extremen Reichtums, ein Welttribunal zur Schlichtung internationaler Streitigkeiten sowie ein dauerhafter universaler Frieden. Glaube und Vernunft sollen zusammenwirken. Ohne Wissenschaft könne Religion zu Aberglauben und Fanatismus werden, ohne Religion Wissenschaft zum Materialismus.

Schriften und Entwicklung der Lehre

Bahāʾullāh verfasste über etwa 40 Jahre hinweg, vor und nach seiner Verkündigung im Jahr 1863, zahlreiche Texte. Etwa 20.000 Schriften sind katalogisiert; zusammen umfassen sie fast sieben Millionen Wörter. Dazu gehören kurze Briefe, lange Bücher, „Sendschreiben“ und „Tafeln“. Die meisten Texte wurden auf Arabisch oder Persisch geschrieben und am Bahai-Weltzentrum in Haifa aufbewahrt. Für Bahāʾī gelten die Schriften Bahāʾullāhs und des Bāb als göttlich inspiriert und als Teil der heiligen Schriften.

Die Texte behandeln unter anderem die Einheit Gottes, die Einheit der Botschaften seiner Gesandten und die Einheit der Menschheit. Sie enthalten außerdem mystische Betrachtungen, Aussagen über Bahāʾullāhs Anspruch, religiöse Pflichten, soziale Grundsätze und die Grundlagen der Bahai-Verwaltungsordnung. Bahāʾullāh schrieb häufig als Antwort auf die Korrespondenz mit Anhängern. Zu den Empfängern gehörten später auch Christen, Juden, Zoroastrier sowie Herrscher und politische Führer. Stil und Inhalt wurden dem Verständnis und Hintergrund der jeweiligen Adressaten angepasst.

Die Schriften werden in drei Hauptperioden eingeteilt, die den Exilsorten Bagdad, Edirne und Akkon entsprechen. Die erste Periode wird als „Frühlingsjahre“, die zweite als „Sommerzeit“ und die dritte als „Erntezeit“ seiner Offenbarung bezeichnet. Der Schwerpunkt verlagerte sich von mystischer Kontemplation über Erläuterungen seines prophetischen Anspruchs hin zu gesellschaftlichen Prinzipien. Beispiele sind Die Verborgenen Worte für die erste, die Sure an die Könige für die zweite und das Sendschreiben über die Welt für die dritte Periode.

Zu den wichtigen Werken gehören außerdem die Ährenlese, Anspruch und Verkündigung, Botschaften aus ʿAkká, der Brief an den Sohn des Wolfes, das Buch des Bundes, Das Buch der Gewissheit, Das Tabernakel der Einheit, Edelsteine göttlicher Geheimnisse, das Kitáb-i-Aqdas, Sieben Täler – Vier Täler und Worte der Weisheit.

Nachfolge und Einheit der Gemeinschaft

Die Nachfolge wird in der Bahai-Religion als Bund Bahāʾullāhs bezeichnet. In seinem Heiligsten Buch und seinem Buch des Bundes ernannte Bahāʾullāh seinen ältesten Sohn ʿAbdul-Bahāʾ (1892–1921) zum Nachfolger und autorisierten Ausleger seiner Schriften. ʿAbdul-Bahāʾ übertrug diese Aufgabe in seinem Testament an Shoghi Effendi (1921–1957). Seit 1963 steht das international gewählte Universale Haus der Gerechtigkeit an der Spitze der Religion. Es soll die Lehren Bahāʾullāhs entsprechend den Anforderungen einer sich entwickelnden Gesellschaft anwenden und ihre praktischen Folgen erläutern.

Für die Bahāʾī ist dieser Bund besonders wichtig, weil er ausdrückliche Regelungen zur Nachfolge enthält und dadurch die Einheit der Gemeinde bewahren soll. Die Einheit der Bahai-Gemeinde gilt zugleich als Voraussetzung für den Aufbau einer friedlichen und geeinten Weltgemeinschaft. Der Bund soll den individuellen Glauben in konstruktive Taten überführen.

Fotos Bahāʾullāhs sollen aus Sicht der Bahāʾī mit großer Ehrfurcht behandelt und nur zu besonderen Anlässen gezeigt werden. Der Orientalist Edward Granville Browne beschrieb ihn nach einer persönlichen Begegnung als eine hoheitsvolle und ehrwürdige Gestalt, deren Auftreten Macht und Würde ausgestrahlt habe.

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