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Bahai-Weltzentrum
Die Lage des Bahai-Weltzentrums in Akkon und Haifa geht zurück auf die Verbannung Bahāʾullāhs, dem Religionsstifter des Bahaitums, nach Akkon durch osmanische …
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Bedeutung und Aufbau
Das Bahai-Weltzentrum in und nahe den nordisraelischen Städten Haifa und Akkon ist das geistige und administrative Zentrum des Bahaitums. Es umfasst die wichtigsten heiligen Stätten der Religion, historische Wohnorte Bahāʾullāhs und seiner Familie sowie Einrichtungen für die weltweite Leitung der Bahai-Gemeinde. Dazu gehören das Universale Haus der Gerechtigkeit, das Internationale Lehrzentrum, das Internationale Archiv und das Zentrum für das Studium der Heiligen Texte.
Das Zentrum ist zugleich das wichtigste Ziel der Bahai-Wallfahrt. Seine Schreine und Gärten ziehen jährlich etwa eine Million Besucher an. Die Hängenden Gärten am Berg Karmel gelten als Friedenssymbol und als Ort der Ruhe in Haifa. Die meisten Gebäude des Weltzentrums, darunter der Schrein des Bab und seine Terrassen, wurden 2008 als UNESCO-Welterbe eingetragen. Die Welterbestätte umfasst 62,58 Hektar und eine Pufferzone von 254,70 Hektar.
Entstehung des Weltzentrums
Die Lage des Weltzentrums geht auf die Verbannung Bahāʾullāhs, des Religionsstifters des Bahaitums, zurück. Nāser ad-Din Schāh verbannte ihn 1853 aus Persien nach Bagdad. 1863 ließ ihn der osmanische Sultan Abdülaziz auf Bitten des persischen Schahs weiter vom Iran entfernen; 1868 wurde Bahāʾullāh schließlich nach Akkon im damaligen osmanischen Syrien gebracht. Von dort hielt er durch besondere Kurierdienste Kontakt mit Anhängern im Nahen Osten, in Zentralasien und in Indien. Dadurch wurde Akkon zum Mittelpunkt eines wachsenden religiösen Netzwerkes und nach der Aufhebung seiner Haft auch zum Wallfahrtsziel.
Bahāʾullāh besuchte Haifa viermal. Auf dem Berg Karmel zeigte er seinem Sohn ʿAbdul-Bahāʾ die Stelle, an der der Schrein des Bab errichtet werden sollte. In seiner „Tafel vom Karmel“, die als eine Gründungsschrift der Bahai-Administration gilt, beschrieb er außerdem die künftige Bedeutung des Berges als Verwaltungszentrum. Bahāʾullāh starb 1892 nahe Akkon.
Sein Sohn ʿAbdul-Bahāʾ wurde danach Oberhaupt der Bahai. Er ließ die Gebeine des Bab aus dem Iran nach Palästina bringen, erwarb das benötigte Land und beaufsichtigte den Bau des Schreins, der 1909 abgeschlossen wurde. Nach seiner Freilassung infolge der jungtürkischen Revolution von 1908 zog er nach Haifa. Seitdem befindet sich dort das administrative Zentrum. Nach seinem Tod 1921 wurde er in einem Raum des Schreins des Bab bestattet.
Shoghi Effendi, der anschließende „Hüter“ des Glaubens, erweiterte die heiligen Stätten und plante die Verwaltungsgebäude am Karmel als einen von Gärten umgebenen Bogen. In dessen Mitte liegt ein Grabmalgarten für Angehörige der Familie Bahāʾullāhs. Shoghi Effendi begann mit dem Internationalen Archiv, renovierte 1929 das Haus Bahāʾullāhs in Bahji, sicherte in den 1950er Jahren das umliegende Land und ließ Gärten anlegen. Zudem erweiterte er den Schrein des Bab, der dabei seine goldene Kuppel erhielt. Eine 1987 von Schimon Peres unterzeichnete Vereinbarung bezeichnete das Bahaitum als „anerkannte religiöse Gemeinschaft in Israel“ und bestätigte das Universale Haus der Gerechtigkeit als Treuhänder der heiligen Stätten und Bahai-Stiftungen in Israel.
Schreine und Wallfahrtsstätten
Der Schrein des Bab am Berg Karmel enthält die Gebeine des Bab. Bahāʾullāh wählte den Ort, während ʿAbdul-Bahāʾ den Bau und die Überführung der sterblichen Überreste nach 60 Jahren Wanderschaft von Teheran zum Karmel organisierte. In dem Gebäude befindet sich gegenwärtig auch das Grab ʿAbdul-Bahāʾs. Am 7. Mai 2019 beauftragte das Universale Haus der Gerechtigkeit Hossein Amanat mit der Planung eines eigenen Schreins für ʿAbdul-Bahāʾ; der Entwurf wurde am 19. September 2019 vorgestellt, und der Bau ist im Gange.
Im Schrein Bahāʾullāhs bei Bahji befinden sich dessen sterbliche Überreste. Er wurde am 29. Mai 1892 kurz nach Sonnenuntergang im nördlichsten Zimmer des Hauses seines Schwiegersohnes Siyyid ’Ali Afnan beigesetzt. Der Schrein ist für die Bahai der heiligste Ort. Er dient als „Qiblih“, also als Gebetsrichtung für die täglich zu sprechenden Pflichtgebete und für das Totengebet. Pilger besuchen ihn zu stillen Gebeten und zur Meditation.
Weitere Wallfahrtsstätten erinnern an Bahāʾullāhs Leben in Akkon. Im Haus von Abbud lebte er mit seiner Familie fast sieben Jahre unter sehr beengten Bedingungen; zeitweise mussten 13 Personen ein Zimmer teilen. Dort wurde 1873 der Kitab-i-Aqdas, das Heiligste Buch der Bahai, offenbart. Seine Gefängniszelle, in der er mit Angehörigen von 1868 bis 1870 festgehalten wurde, liegt heute im Museum der Gefangenen des Untergrunds. Sie wurde restauriert und im Juni 2004 wiedereröffnet.
Der Garten Ridvan bei Akkon ist eine kleine grüne Insel in einem Fluss. Nach fast einem Jahrzehnt Haft konnte Bahāʾullāh dort erstmals die Gefängnisumfriedungen verlassen und wieder Natur erleben. Der Ort ist nicht mit dem gleichnamigen Garten in Bagdad zu verwechseln, in dem er 1863 seine Sendung verkündete. Das Landhaus Bahji, ein ehemaliger Sommerpalast, wurde 1879 von ʿAbdul-Bahāʾ erworben und diente einem großen Teil der Familie als Wohnsitz.
Leitung und Einrichtungen
Der überwiegende Teil der internationalen Leitung und Verwaltung des Bahaitums findet im Weltzentrum statt. Dazu gehören weltweite Entscheidungen sowie das Studium und die Übersetzung der heiligen Schriften. Das 1963 erstmals gewählte Universale Haus der Gerechtigkeit ist das internationale Leitungsgremium. Das Internationale Lehrzentrum koordiniert die Arbeit kontinentaler Räte und verbindet diese mit dem Universalen Haus der Gerechtigkeit.
Nach dem Palästinakrieg von 1948 verließen die meisten Bahai Israel; Shoghi Effendi und einige weitere Personen blieben. Später wuchs die Belegschaft des Weltzentrums auf mehrere Hundert Menschen aus mehr als 60 Ländern. Sie arbeitet unter anderem in den Bereichen Sekretariat, Forschung, Finanzen und Statistik oder kümmert sich um Gebäude und Gärten.
Zum Bogen der Verwaltungsbauten gehören das 1982 fertiggestellte Universale Haus der Gerechtigkeit, das 1999 vollendete Zentrum für das Studium der Heiligen Texte, das 2000 fertiggestellte Internationale Lehrzentrum und das zuvor errichtete Internationale Archiv. Eine Internationale Bahai-Bibliothek am östlichen Ende des Bogens ist als Zentrum für „Wissen in allen Bereichen“, einschließlich wissenschaftlicher Forschung, vorgesehen. Die Terrassen am Schrein des Bab wurden 2001 fertiggestellt.
Trotz der vielen internationalen Freiwilligen besteht in Israel keine formale Bahai-Gemeinschaft: Es gibt dort weder Neunzehntagefeste noch Geistige Räte. Seit Bahāʾullāhs Zeit gilt ein selbstauferlegtes Verbot, die einheimische Bevölkerung Israels im Bahai-Glauben zu unterweisen; formale Glaubenserklärungen israelischer Bürger werden nicht angenommen. Sachliche Fragen werden beantwortet, Bücher sind zugänglich und Israelis können Schreine und Gärten besuchen. Auch Israelis im Ausland werden nicht unterwiesen, wenn sie nach Israel zurückkehren wollen.
Verhältnis zur Umgebung
Eine Untersuchung von Dozenten der Universität Haifa befragte 29 Einwohner, die von den Erweiterungen des Weltzentrums in den späten 1980er und in den 1990er Jahren betroffen waren. Die 2001 eingeweihten Anlagen wurden als Wahrzeichen der Stadt sowie als hervorragend verwaltet und gepflegt beschrieben. Genannt wurden auch finanzielle Beiträge für ein Nachbarschaftszentrum und arabische Studierende, höhere Immobilienwerte und eine bessere Umweltqualität.
Zugleich fühlten sich einige Einwohner wegen Zäunen und Zugangskontrollen vom Gelände entfernt oder empfanden einen Gegensatz zwischen den gepflegten Anlagen und den umliegenden Wohngebieten. Konflikte betrafen nach den Interviews vor allem Raumplanung und lokale Belastungen, teilweise auch das als aggressiv wahrgenommene Vorgehen bei den Erweiterungen. Die Stadt Haifa und weitere Unterstützer befürworteten die Projekte wegen ihrer Bedeutung für interreligiöse Toleranz, Stadtbild, Wirtschaft, Tourismus und das Ansehen Haifas. Das Weltzentrum erlaubt jedoch keinen jederzeit freien Zutritt, sondern bietet kontrollierten Zugang zu festgelegten Öffnungszeiten und im Rahmen von Führungen.