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Lothar von Trotha
Er wirkte als Kommandeur der Kolonialtruppen in Deutsch-Südwestafrika und war für den Völkermord an den Herero und Nama verantwortlich. Generalleutnant …
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Einordnung und Herkunft
Adrian Dietrich Lothar von Trotha (* 3. Juli 1848 in Magdeburg; † 31. März 1920 in Bonn) war ein preußischer General der Infanterie. Er ist vor allem bedeutsam, weil er als Kommandeur der Kolonialtruppen in Deutsch-Südwestafrika wirkte und für den Völkermord an den Herero und Nama verantwortlich war.
Von Trotha stammte aus einer preußischen Offiziersfamilie des Adelsgeschlechts von Trotha. Wegen des Berufs seines Vaters Thilo Wolf von Trotha wechselte er als Kind häufig den Wohnort und besuchte Gymnasien in Wittenberg, Koblenz und Köln. Er war zweimal verheiratet: ab 15. Oktober 1872 mit Bertha Neumann, mit der er zwei Kinder hatte, und ab 19. Mai 1912 mit Lucy Goldstein-Brinckmann verwitwete Herber; die zweite Ehe blieb kinderlos.
Militärische Laufbahn
Von Trotha trat am 24. November 1865 als Fahnenjunker in das 2. Garde-Regiment zu Fuß der Preußischen Armee ein. Er nahm am Preußisch-Österreichischen Krieg und am Deutsch-Französischen Krieg teil und erhielt das Eiserne Kreuz II. Klasse.
Ab 1892 kommandierte er als Major das Lauenburgische Jäger-Bataillon Nr. 9 in Ratzeburg. 1894 wurde er, inzwischen Oberstleutnant, zum Auswärtigen Amt kommandiert und mit Aufgaben in Deutsch-Ostafrika betraut: Er war Stellvertreter des Gouverneurs und Kommandeur der dortigen Schutztruppe. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er unter anderem Kommandeur des Infanterie-Regiments „von Stülpnagel“ (5. Brandenburgisches) Nr. 48, führte die 72. Infanterie-Brigade und wurde am 27. Januar 1900 zum Generalmajor ernannt.
Während des Boxeraufstands erhielt er am 17. August 1900 das Kommando über die 1. Ostasiatische Infanterie-Brigade. Danach wurde er nach Torgau versetzt, führte die 16. Infanterie-Brigade und ab 1903 die 16. Division. Am 22. März 1903 wurde er unter Beförderung zum Generalleutnant zum Divisionskommandeur ernannt.
Deutsch-Südwestafrika und Vernichtungsbefehl
Am 3. Mai 1904 wurde von Trotha nach der Abberufung Theodor Leutweins zum Oberbefehlshaber und Gouverneur von Deutsch-Südwest-Afrika ernannt. Sein Auftrag war, den Aufstand der Herero niederzuschlagen. Die Ernennung war umstritten. Berichte beschreiben ihn als machthungrig, hart, unnachgiebig und beratungsresistent. In der Schutztruppe kam es zu schweren Konflikten, unter anderem mit Berthold Deimling und Ludwig von Estorff. Auch einheimische Hilfstruppen reagierten ablehnend; die Loyalität der Nama, besonders Hendrik Witboois, geriet ins Wanken. Der Aufstand der Nama im Oktober 1904 wird im Artikel als unmittelbare Folge des Kommandowechsels von Leutwein zu von Trotha bezeichnet.
Unter von Trothas Führung wurden die Herero in der Schlacht am Waterberg geschlagen. Viele flohen in die Trockensavanne der Omaheke. Deutsche Truppen vertrieben die Flüchtenden von den wenigen Wasserstellen; Zehntausende verdursteten. Das Vorgehen gegen die Herero gilt im Artikel als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts und kostete rund 80.000 Menschen das Leben. Diese Einordnung stützt sich besonders auf die erklärte Absicht, das Hererovolk zu vernichten, sowie auf den Schießbefehl, die Weigerung, Gefangene zu machen, und die Sperrung der Wasserstellen nach der Schlacht am Waterberg vom 11. August 1904. Überlebende wurden weit entfernt von ihren ursprünglichen Siedlungsgebieten in Konzentrationslagern interniert; nur rund jeder zweite Insasse überlebte.
Im „Aufruf an das Volk der Herero“ vom 2. Oktober 1904 erklärte von Trotha, die Herero seien „nicht mehr deutsche Untertanen“. Er forderte die Auslieferung von Anführern, setzte 1000 Mark für einen gefangenen Kapitän und 5000 Mark für Samuel Maharero aus und schrieb: „Das Volk der Herero muß jedoch das Land verlassen.“ Weiter hieß es, innerhalb der deutschen Grenze werde jeder Herero „mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen“. Frauen und Kinder sollten nicht aufgenommen, sondern zurückgetrieben oder beschossen werden. In einer Zusatzanweisung erklärte er, das Schießen auf Frauen und Kinder sei als Hinüberschießen zu verstehen, um sie zum Laufen zu zwingen. Der Erlass wurde im Dezember 1904 auf Bitten der Reichsleitung von Kaiser Wilhelm aufgehoben, nachdem es im Reichstag und in der deutschen Öffentlichkeit starke Proteste gegeben hatte.
Abberufung und Lebensende
Nach dem Tod des Nama-Führers Hendrik Witbooi am 29. Oktober 1905 im Gefecht bei Fahlgras sah von Trotha seine Aufgabe als beendet an und bat um Abberufung. Am 19. November 1905 verließ er Deutsch-Südwestafrika zusammen mit seinem früheren Generalstabschef Erich von Redern. Friedrich von Lindequist wurde sein Nachfolger als Gouverneur, Berthold von Deimling Kommandeur der Schutztruppe.
Weil von Trotha für den schleppenden Verlauf des sogenannten „Hottentottenkrieges“ verantwortlich gemacht wurde, fiel er wie der frühere Gouverneur Leutwein beim Kaiser in Ungnade. Zwar erhielt er den Orden Pour le Mérite, doch Kaiser Wilhelm II. empfing ihn bei seiner Ankunft in Berlin demonstrativ nicht; später wurde er auch von offiziellen Kreisen gemieden. Am 21. Mai 1906 wurde von Trotha zur Disposition gestellt. Am 27. Januar 1910 erhielt er den Charakter als General der Infanterie. Er starb am 31. März 1920 in Bonn und wurde auf dem Poppelsdorfer Friedhof beigesetzt.
Bewertungen und eigene Aussagen
Von Trothas Ernennung wurde auch von erfahrenen sogenannten „alten Afrikanern“ abgelehnt. Hermann von Wissmann, Forscher, Afrikadurchquerer und Offizier, bezeichnete ihn als „schlechter Staatsmann“ und als „unedlen, selbstsüchtigen und kaltherzigen Mensch“. Major von Estorff schrieb, Wissmann habe sich gegen von Trothas Ernennung ausgesprochen, sei aber nicht gehört worden.
Auch in der öffentlichen Berichterstattung gab es Kritik. Ein Artikel in der Wiener Zeitung „Die Zeit“ vom 20. August 1905 schrieb, von Trotha mache eher durch „drakonische Verfügungen“ und Kritik am Reichskanzler Bülow von sich reden als durch praktische Erfolge.
Von Trothas eigene Äußerungen zeigen die Gewaltlogik seines Vorgehens. In einem Zitat heißt es: „Gewalt mit krassem Terrorismus und selbst mit Grausamkeit auszuüben, war und ist meine Politik.“ Weitere überlieferte Aussagen sprechen von „Vernichtung“ der Aufständischen und vom „Zweck der ganzen Kriegführung, Vernichtung der ganzen Nation“. Aus der Zeit des Völkermordes sind fünf Tagebücher und ein Fotoalbum von Trothas erhalten; Historiker der Ruhr-Universität Bochum erarbeiteten eine Edition, die 2024 veröffentlicht wurde.
Erinnerung und Entschuldigung
Der Umgang mit von Trothas Namen ist bis heute umstritten. In Namibia sind weiterhin Straßen nach ihm benannt, unter anderem in Otjiwarongo und Windhoek. In Otjiwarongo sollte eine Straße 2022 umbenannt werden; bis April 2024 war dies laut Artikel nicht geschehen. Auch in Deutschland gab es Straßen mit seinem Namen. In München wurde die Von-Trotha-Straße 2006 in Hererostraße umbenannt.
Es gibt keine lebenden Nachfahren Lothar von Trothas. Im Jahr 2004 luden Mitglieder der Familie von Trotha Alfons Maharero, einen Hererohäuptling und Nachfahren Samuel Mahareros, nach Deutschland ein. Sie entschuldigten sich öffentlich für Lothar von Trothas Taten und baten um Vergebung. Im Oktober 2007 fand ein Gegenbesuch in Omaruru statt. Der Artikel weist aber darauf hin, dass Alfons Maharero keine Funktion als offizieller Vertreter der heute lebenden Herero besitzt. Thilo von Trotha sagte 2007: „Wir schämen uns für die fürchterlichen Ereignisse, die sich vor einem Jahrhundert in Namibia abgespielt haben.“