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Herero

Die Herero (Singular; eigentlich OvaHerero bzw. Ovaherero) sind ein die Bantusprache Otjiherero sprechendes südwestafrikanisches ehemaliges Hirtenvolk.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Wer die Herero sind
  2. 2. Wanderungen und Konflikte vor der Kolonialzeit
  3. 3. Deutsche Kolonialzeit und Völkermord
  4. 4. Erinnerung und Folgen
  5. 5. Anerkennung als Kolonialverbrechen
  6. 6. Herero in Angola

Wer die Herero sind

Die Herero, eigentlich OvaHerero oder Ovaherero, sind ein südwestafrikanisches Volk, das die Bantusprache Otjiherero spricht. Sie waren traditionell ein Hirtenvolk, also stark auf Viehhaltung ausgerichtet. Die Mehrheit lebt heute in Namibia; für 2023 nennt der Artikel knapp 179.000 Herero in Namibia. Weitere Herero leben in Botswana und Angola.

In Namibia gliedern sich die OvaHerero ursprünglich in drei Hauptgruppierungen: die Weiße Flagge (Zeraeua Royal House), die Rote Flagge (Maharero beziehungsweise Tjamuaha/OtjikaTjamuaha Royal House) und die Grüne Flagge (Ovambanderu). Im November 2023 kam die Blaue Flagge (Erapi RotjiBlou) hinzu.

Ein oft als Teilgruppe behandeltes Volk sind die OvaHimba, die im Kaokoveld und in der südangolanischen Provinz Namibe leben. Die Zuordnung der angolanischen Mundimba und Vakuval(e) ist nicht völlig geklärt, wird aber überwiegend angenommen. Mitte des 20. Jahrhunderts verdienten Herero in Namibia ihren Lebensunterhalt meist als Arbeiter auf großen Farmen oder in Städten als Händler und Handwerker. Die nach Angola versprengten Herero lebten dagegen weiterhin sehr traditionell als Hirten.

Wanderungen und Konflikte vor der Kolonialzeit

Mitte des 16. Jahrhunderts wanderten die Herero mit ihrem Vieh vermutlich zusammen mit den ebenfalls bantusprachigen Ovambo aus Zentralafrika in das Betschuanaland, das heutige Botswana, ein. Die ackerbauenden Ovambo zogen weiter nach Westen zum oberen Kunene-Fluss. Die Herero gerieten mit den dort bereits ansässigen Batswana in Streit und trennten sich in verschiedene Gruppen. Ein Teil, die Himba, zog im 17. und 18. Jahrhundert mit dem Vieh in den Norden des heutigen Namibia und siedelte am Kunene und im Kaokoveld. Ein anderer Teil zog in Richtung Okahandja im heutigen Zentralnamibia und wird Mbanderu, Ostherero oder kurz Herero genannt.

Im ausgehenden 18. Jahrhundert wurde Okahandja zum Zentrum des Hererovolkes. Ein bekannter traditioneller Führer in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Tjamuaha. Um 1830 führten längere Dürren dazu, dass die rinderzüchtenden Herero ihre Weidegebiete nach Süden ausdehnten. Dabei verdrängten sie Nama, die dort seit etwa 1700 siedelten.

Den Nama kamen im 19. Jahrhundert Orlam-Gruppen aus der südafrikanischen Kapkolonie zu Hilfe, besonders die Afrikaner unter Häuptling Jonker Afrikaner. Gemeinsam drängten Nama und Orlam die Herero bis etwa auf die Höhe Windhuk zurück. Das 19. Jahrhundert war von ständigen Auseinandersetzungen und gegenseitigen Raubzügen zwischen Herero einerseits und Nama und Orlam andererseits geprägt. Der Artikel weist darauf hin, dass einige Angaben in diesem Abschnitt nicht ausreichend belegt sind. Genannt werden unter anderem Händler, die Alkohol und Schusswaffen verkauften und dafür Rinder annahmen, sowie hohe Kreditzinsen und Handelsspannen, die Verarmung und Raubzüge verstärkt haben sollen.

Nach dem Tod Jonker Afrikaners 1861 gelang den Herero unter Häuptling Maharero zusammen mit dem schwedischen Unternehmer Karl Johan Andersson, dessen „Privatarmee“ und der „Roten Nation von Hoachanas“ eine Rückkehr zu alter Stärke. 1870 kam es zur Unterwerfung der Orlam-Afrikaner im sogenannten 10-Jahresfrieden von Okahandja.

Deutsche Kolonialzeit und Völkermord

Ende des 19. Jahrhunderts kamen die ersten Europäer ins Land, die eine dauerhafte Besiedlung anstrebten. Deutsche Siedler erwarben von den Herero Land im Damaraland und im zentralen Hochland um Windhoek, um Farmen aufzubauen. 1883 schloss der Kaufmann Franz Adolf Eduard Lüderitz einen Vertrag mit einheimischen Stammesältesten, der Grundlage späterer deutscher Kolonialherrschaft wurde. 1884 wurde Südwest-Afrika nach Anerkennung durch die britische Krone deutsche Kolonie, formal ein deutsches Schutzgebiet, unter dem Namen Deutsch-Südwestafrika.

Anfangs bestand laut Artikel ein gutes Verhältnis zwischen deutscher Kolonialverwaltung und Herero. Bald entstanden aber Konflikte mit deutschen Kolonisten, vor allem um Land- und Wasserrechte. Streitpunkte waren unter anderem der Bau der Otavi-Bahn und ein Landkaufvertrag über mehrere „Meilen“, bei dem Lüderitz verschwiegen hatte, dass deutsche Landmeilen von etwa 7,5 km gemeint waren. Dazu kamen rechtliche Diskriminierung, ungeahndete sexuelle Übergriffe auf Hererofrauen, Missionierung, Unterdrückung und Ausbeutung der Einheimischen durch Weiße. Auch hier markiert der Artikel mehrere Angaben als nicht ausreichend belegt.

1897 trafen Rinderpest aus Südafrika und eine große Heuschreckenplage zusammen. Fast 70 % des Viehbestandes der Herero gingen verloren. Zusammen mit Kreditverkäufen durch Händler führte dies zu starker Verarmung, weiteren Landverkäufen und Lohnarbeit bei deutschen Farmern.

Im Januar 1904 begann der Hereroaufstand unter Häuptling Samuel Maharero. Auslöser war laut Artikel die Ungeschicklichkeit des deutschen Distriktchefs in Okahandja, Oberleutnant Ralf Zürn. Der Aufstand begann mit der Plünderung Okahandjas; die Vorplanung erfolgte durch Briefe zwischen Stammesführern. Zu den ersten Militärschlägen gehörte das Niederbrennen von Farmen und Siedlungen, wobei rund 150 deutsche Siedler, meist Männer, ermordet wurden. Missionare sollten auf Befehl der Herero geschont werden, wurden später aber fälschlicherweise der Kollaboration beschuldigt.

Die Herero-Armee war gut organisiert und mit Schusswaffen ausgerüstet. Die deutsche Schutztruppe unter Gouverneur Theodor Leutwein war zunächst zahlenmäßig unterlegen und im Süden durch einen Aufstand der Bondelswarte gebunden. Nach anfänglichen Erfolgen der Herero entsandte das Deutsche Kaiserreich ein Expeditionskorps unter Lothar von Trotha mit etwa 15.000 Mann. Am 11. August 1904 verloren die Herero die Schlacht am Waterberg. Viele flohen in die wasserarme Omaheke. Die deutsche Schutztruppe und verbündete Orlam-Witbooi versuchten, die Omaheke abzuriegeln und die Herero von Wasserstellen zu vertreiben. Auch Frauen und Kindern wurde ausdrücklich die Möglichkeit verweigert, sich zu ergeben.

Von Trotha vertrat die Auffassung, die Nation der Herero müsse vernichtet werden. Sein Kommando führte zum ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts. Der Artikel nennt unterschiedliche Zahlen: Im Hintergrund ist von schätzungsweise 65.000 bis 85.000 getöteten Herero die Rede, etwa 80 Prozent des Hererovolkes. Im Abschnitt zur Kolonialzeit heißt es, bis zu 80 Prozent seien getötet worden; im Krieg und danach seien zwischen 25.000 und 100.000 Herero sowie 1749 Deutsche umgekommen. Nur etwa 1000 Herero gelang mit Samuel Maharero die Flucht ins Betschuanaland. Andere wurden von den Ovambo aufgenommen oder kehrten zurück und ergaben sich. Gefangene Herero wurden in Konzentrationslagern interniert; Reichskanzler Bernhard Fürst von Bülow verwendete diese Bezeichnung am 11. Dezember 1904 erstmals offiziell.

Erinnerung und Folgen

An die Schlacht am Waterberg und an die in Okahandja bestatteten Hererohäuptlinge Tjamuaha, Maharero, Samuel Maharero und Hosea Kutako erinnert jedes Jahr im August der Hererotag. Er findet mit Schwerpunkt in Okahandja statt und ist ein Gedenktag, der vom Stammesbewusstsein der Herero und ihrem Ahnenkult geprägt ist.

Zum 100. Jahrestag der Schlacht am Waterberg im August 2004 gedachte die deutsche Ministerin für Entwicklungszusammenarbeit Heidemarie Wieczorek-Zeul vor Ort der Toten und bekannte sich erstmals zur politischen und moralischen Schuld der deutschen Kolonialverwaltung. Seit dem 10. Juli 2015 erkennt die Bundesregierung die damaligen Ereignisse als Völkermord an.

2011 beantragten Herero die Rückführung von Herero-Schädeln, die während kolonialer Besetzung und Völkermord zu pseudowissenschaftlichen Untersuchungen nach Deutschland gebracht worden waren. Viele solcher Schädel lagerten laut Artikel in der Berliner Charité, bei der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte und in Freiburger Universitätsgebäuden. Im November 2011 konnte eine Herero-Delegation die ersten Schädel in der Charité entgegennehmen und nach Namibia überführen. 2014 folgten eine zweite Übergabe in der Charité und eine erste Übergabe aus Freiburger Beständen. Im August 2018 wurden weitere Gebeine in einem Gedenkgottesdienst übergeben. Dabei forderte die evangelische Bischöfin Petra Bosse-Huber die Anerkennung des Völkermords als Genozid ein; Staatsministerin Michelle Müntefering übergab die Gebeine an die namibische Delegation.

Anerkennung als Kolonialverbrechen

Die deutsche Bundesregierung bekennt sich laut Artikel zum „Deutschen Kolonialverbrechen“ in Namibia, Stand 2021. Die Nachfahren der Opfer des Verbrechens im Deutschen Kaiserreich sollen finanzielle Unterstützung der Bundesregierung von Deutschland erhalten. Heiko Maas bezeichnete das Verbrechen der deutschen Kolonialtruppen als Völkermord.

Herero in Angola

Die Geschichte der Herero in Angola verlief nach Darstellung des Artikels weniger dramatisch als in Namibia. Herero-Gruppen siedelten als Hirtenvölker nördlich von Namibia in der heutigen angolanischen Provinz Namibe. Dort gab es ansonsten nur kleine, verstreute Khoisan-Gruppen. Die Herero lebten und leben dort als Nomaden oder Halbnomaden.

Der portugiesischen Besetzung dieses Teils von Angola zu Beginn des 20. Jahrhunderts leisteten sie kaum Widerstand. Zugleich wurden sie von den Kolonialherren kaum behelligt, da diese an der Namibwüste und ihren wenigen Bewohnern wenig Interesse hatten. Den Vakuval kam es sogar entgegen, im Gebiet der heutigen Stadt Moçâmedes Saisonarbeit zu finden, weil dadurch eine Verbindung zur sich langsam ausbreitenden Geldwirtschaft entstand. Am antikolonialen Guerillakrieg in Angola von 1961 bis 1974 beteiligten sie sich nicht.

Als es 1974/75 zum bewaffneten Konflikt zwischen den drei Befreiungsbewegungen kam, versorgte die MPLA die Vakuval mit einem kleinen Kontingent an Waffen, um sie gegen FNLA und UNITA im Kampf um Lubango einzusetzen. Praktisch nahmen sie daran aber nicht teil. Nach der Unabhängigkeit Angolas 1975 setzten die Hererogruppen ihre Lebensweise fort. Auch vom angolanischen Bürgerkrieg von 1975 bis 2002 wurden sie kaum berührt, ebenso wenig von SWAPO-Basislagern im Südwesten Angolas.

Von der wirtschaftlichen Entwicklung Angolas ließen sie sich bisher kaum beeinflussen, anders als etwa ihre Nachbarn, die Nyaneka-Nkhumbi. Sie nehmen nur begrenzt an übergreifenden Wirtschaftskreisläufen teil, nutzen Schulunterricht für ihre Kinder und Gesundheitsversorgung nur eingeschränkt und bleiben im Großen und Ganzen unempfänglich für Missionierungsversuche.

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