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Samuel Maharero

Samuel Maharero (* 1856; † 14. März 1923 in Serowe) führte die Herero in den Aufstand gegen die deutsche Schutztruppe in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Herkunft
  2. 2. Aufstieg zum Oberherrscher
  3. 3. Krise und Ursachen des Aufstands
  4. 4. Aufstand und Niederlage
  5. 5. Flucht, Tod und Vermächtnis

Bedeutung und Herkunft

Samuel Maharero (* 1856; † 14. März 1923 in Serowe) war von 1890 bis 1915 Gruppenführer der Ovaherero. Er führte die Herero 1904 in den Aufstand gegen die deutsche Schutztruppe in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia. Sein Sohn Frederick wurde sein Nachfolger.

Seit 1840 hatten die Herero nahezu ständig Kontakt zu europäischen Missionaren. Dadurch lernten besonders die Söhne der Kapteine, also der traditionellen Anführer, Lesen und Schreiben. Samuel Maharero erhielt ebenfalls eine solche Ausbildung. Wegen seiner guten Leistungen wählte ihn der Missionar Carl Hugo Hahn zusammen mit seinem Bruder Wilhelm als möglichen Nachwuchspriester aus. Beide gehörten zu den ersten Schülern des von Hahn gegründeten Augustineums, einer Priesterschule in Otjimbingwe.

Aufstieg zum Oberherrscher

Nach dem Tod seines Vaters Maharero ua Tjamuaha am 7. Oktober 1890 konkurrierte Samuel Maharero mit vier weiteren möglichen Erben um die Herrschaft. Da er christlich getauft war, stand ihm nach dem Erbfolgerecht der Herero lediglich das Wohnhaus seines Vaters zu. Missionare und weiße Händler in Okahandja unterstützten jedoch seine weitergehenden Ansprüche.

Maharero suchte außerdem die Hilfe des deutschen Gouverneurs Curt von François, der seinen Herrschaftsanspruch anerkannte. Als andere Hereroführer ihn im Juni 1894 aus Okahandja vertrieben, bat er François’ Nachfolger Theodor Leutwein um Unterstützung. Leutwein wollte die Hererogesellschaft spalten und verhalf Maharero militärisch zum Sieg. Dadurch sicherte sich Maharero die Stellung des Oberherrschers, geriet aber zugleich in Abhängigkeit von den Deutschen.

Weiße Südwestafrikaner und besonders Leutwein stellten Maharero später als politisch schwach und einflusslos dar. Dieses Bild lässt außer Acht, dass er in der Auseinandersetzung um die Führung etwa 1000 Krieger versammeln konnte. Der Historiker Jürgen Zimmerer betont, dass Maharero nicht nur Opfer deutscher Spaltungspolitik war: Er nutzte die deutsche Unterstützung bewusst für seine eigenen Ziele. Leutweins Politik des „divide et impera“, also des Herrschens durch Spaltung, war erfolgreich, weil sie zeitweise mit Mahareros eigenen Interessen übereinstimmte.

Krise und Ursachen des Aufstands

1897 verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der Herero dramatisch. Eine aus Südafrika kommende Rinderpest und eine schwere Heuschreckenplage vernichteten 70 Prozent ihres Viehbestands. Viele Herero mussten deshalb weiteres Land verkaufen und schließlich als Lohnarbeiter bei deutschen Siedlern arbeiten.

Deutsche Farmer begingen wiederholt Übergriffe, darunter sexuelle Gewalt, ohne dass die bereits bestehende deutsche Gerichtsbarkeit angemessen dagegen vorging. Zusätzlichen Unmut verursachten Händler und deren Kreditvergabepraxis. Samuel Maharero reichte deshalb 1901 eine formelle Beschwerde beim Gouverneur ein. Leutwein verbot am 7. Juni 1902 Landverkäufe zur Schuldentilgung und untersagte Händlern, Kapteine für die Schulden ihrer Stämme verantwortlich zu machen. Die Misshandlungen hörten dennoch nicht auf. Besonders brutal wurde das angebliche Recht zur „väterlichen Züchtigung“ von Buren angewandt, die aus Südafrika nach Südwestafrika geflohen waren.

Ein weiterer Konflikt entstand durch die Otavi-Minen- und Eisenbahngesellschaft (OMEG). Beim Ausbau des Eisenbahnnetzes verlegte sie Schienen quer durch das Hereroland, ohne die Zustimmung der betroffenen Landeigentümer oder sogar gegen deren ausdrücklichen Willen.

Da seine Beschwerden keine ausreichende Wirkung zeigten, mobilisierte Maharero 1903 weitere Hereroführer gegen Landraub und fortgesetzte Demütigungen durch die deutschen Kolonialisten. Er bemühte sich auch um Verbündete aus anderen Stämmen, darunter seinen früheren Gegner Hendrik Witbooi. Diese lehnten wegen ihrer Schutzverträge mit den Deutschen eine Teilnahme ab und stellten sich teilweise auf die deutsche Seite. Eine indirekte Hilfe waren jedoch die Bondelswart, ein Nama-Stamm bei Warmbad. Ihr Aufstand gegen die Registrierung ihrer Waffen band im Süden die Hauptmacht der deutschen Schutztruppe und ließ andere Gebiete militärisch weitgehend ungeschützt.

Aufstand und Niederlage

Am 12. Januar 1904 löste Maharero in Okahandja den Hereroaufstand aus. Die zahlenmäßig unterlegene deutsche Schutztruppe wurde überrascht und militärisch überfordert. Schnelle erste Erfolge der Herero führten dazu, dass sich der Aufstand über das gesamte Hereroland ausbreitete.

Gouverneur Theodor Leutwein versuchte zunächst, eine Verhandlungslösung zu erreichen. Wegen der Ermordung von Farmerfamilien durch Aufständische kritisierten ihn jedoch sowohl die europäischen Siedler als auch die Reichsregierung in Berlin. Er wurde als militärischer Befehlshaber abgelöst. An seine Stelle trat Generalleutnant Lothar von Trotha, der am 11. Juni 1904 mit einer Verstärkung von rund 15.000 Soldaten eintraf.

Von Trotha setzte ein Kopfgeld von 5.000 Mark für Mahareros Gefangennahme aus und führte den Krieg mit äußerster Härte. Sein sogenannter Schießbefehl und dessen Folgen brachten die deutsche Truppe in Verruf. In der Schlacht am Waterberg wurden die Herero am 14. August 1904 vernichtend geschlagen und in die Omaheke-Wüste getrieben. Dort verdursteten mehrere tausend Menschen.

Flucht, Tod und Vermächtnis

Samuel Maharero entkam mit etwa 1500 Angehörigen seines Volkes durch die Omaheke-Wüste nach Britisch-Betschuanaland, dem heutigen Botswana. Er ließ sich in Serowe nieder. Nach einem längeren Magenkrebsleiden starb er dort am 14. März 1923 an Erschöpfung und Herzversagen.

Maharero hinterließ ein Testament, das aus Niederschriften seiner Visionen, Gespräche und Diktate bestand. Darin deutete er das Schicksal der Herero als göttliche Strafe für ihre Sünden und das Überleben eines Teils des Volkes als Zeichen der Gnade Gottes.

Sein Leichnam wurde am 23. August 1923 nach Okahandja gebracht und drei Tage später neben seinem Vater und seinem Großvater beigesetzt. Herero aus allen Teilen des Landes nahmen teil. Die von ihnen selbst organisierten Feierlichkeiten orientierten sich am Zeremoniell für hochrangige deutsche Kolonialbeamte, beispielsweise am Staatsbegräbnis für Joachim von Heydebreck. Mahareros Söhne und der neue Herero-Führer Hosea Kutako führten die Ehrengarde an; der Missionar Heinrich Vedder hielt den Gottesdienst.

Für die Herero war die Beerdigung das größte gesellschaftliche und politische Ereignis seit dem Krieg. Sie demonstrierten damit erneut ihre Existenz als selbstverwaltete politische Gemeinschaft und sahen darin den Beginn einer neuen Ära. An Maharero wird bis heute mit dem Hererotag erinnert.

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