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Lohnpolitik
Zu den Rahmenbedingungen der Lohnpolitik in Deutschland gehört die Tarifautonomie. Lohnpolitik hängt auch vom Machteinfluss ab, der in Arbeitskämpfen zum …
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Begriff und Ziel der Lohnpolitik
Lohnpolitik ist eine Unterart der Politik. Ihr Ziel besteht darin, allgemein verbindliche Entscheidungen über die Höhe der Löhne als Arbeitsentgelt zu erreichen. An diesem Entscheidungsprozess beteiligen sich mehrere Interessengruppen gezielt, vor allem Gewerkschaften als Vertreter der Arbeitnehmer und Arbeitgeberverbände als Vertreter der Arbeitgeber. Auch andere Einrichtungen und Personen können beteiligt sein.
Auf die Lohnpolitik nehmen staatliche Einrichtungen wie Regierung oder Parteien sowie Medien und wissenschaftliche Beratungsinstitutionen indirekt Einfluss. Die Ergebnisse der Lohnpolitik werden in Tarifverträgen festgehalten, beispielsweise im Flächentarifvertrag in Deutschland.
Verhandlungen und Einflussfaktoren
Eine wichtige Rahmenbedingung der Lohnpolitik in Deutschland ist die Tarifautonomie. Die Verhandlungsmacht der Tarifparteien zeigt sich auch in Arbeitskämpfen. Arbeitnehmer können dabei streiken, während Arbeitgeber Arbeitnehmer aussperren können.
Die Forderungen in den Tarifverhandlungen orientieren sich an verschiedenen wirtschaftlichen Größen. Dazu gehören die Arbeitsproduktivität, also die Leistung der Arbeit, die Rate der Inflation, die Quote der Arbeitslosigkeit und die Lohnquote, also der Anteil der Löhne an der gesamten Wertschöpfung beziehungsweise am Einkommen. Diese Bezugsgrößen sollen eine schnellere Einigung ermöglichen, längere Arbeitskämpfe vermeiden und Verteilungskonflikte zwischen den Beteiligten entschärfen.
Lohntheorien
Zu den im Artikel genannten Lohntheorien gehören die Kaufkrafttheorie des Lohns und die Produktivitätstheorie des Lohns. Zur Kaufkrafttheorie wird auf einen ausführlichen eigenen Artikel verwiesen; im vorliegenden Artikel werden dazu keine weiteren inhaltlichen Aussagen gemacht.
Die Produktivitätstheorie des Lohns bildet die Grundlage der produktivitätsorientierten Lohnpolitik. Daneben werden unterschiedliche Bezeichnungen für verwandte Konzepte genannt: Viktor Agartz bezeichnete die produktivitätsorientierte Lohnpolitik als „dynamische Lohnpolitik“. Theodor Brauer verwendete die Begriffe „regulative“ und „spekulative“ Lohnerhöhung.
Produktivitätsorientierte und expansive Lohnpolitik
Nach der Produktivitätstheorie sollen die Löhne in dem Ausmaß steigen, in dem die Arbeitsproduktivität gestiegen ist. Dadurch soll sich das Verhältnis, in dem die Wertschöpfung der Unternehmen auf Gewinne und Löhne verteilt wird, nicht verändern. Arbeitnehmer erhalten demnach einen konstanten Anteil an der Produktivitätssteigerung sowie an der gesamten Produktion beziehungsweise am Einkommen. Eine solche Politik führt zu einer stabilen Lohnquote.
Kritiker wenden ein, dass die Arbeitsproduktivität eine rein statistische Größe ist. Aus ihr lasse sich nicht ableiten, welchen ursächlichen Anteil die einzelnen Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital an einer Produktivitätssteigerung haben. Viele Wirtschaftswissenschaftler empfehlen die Produktivitätstheorie, halten aber abhängig von der allgemeinen Wirtschaftslage – besonders von der Höhe der Arbeitslosigkeit – und von der zugrunde liegenden Wirtschaftstheorie Zu- oder Abschläge für erforderlich. Für Ludwig Erhard gehörten Lohnerhöhungen entsprechend einer gesteigerten Ergiebigkeit der Volkswirtschaft zur Marktwirtschaft.
Viktor Agartz unterschied die expansive Lohnpolitik von einer bloß „dynamischen“ Lohnpolitik. Bei der dynamischen Variante wird der Reallohn, also der um Preisveränderungen bereinigte Lohn, lediglich an die Produktivitätsentwicklung angepasst und bleibt nach Agartz hinter dieser Entwicklung zurück. Eine expansive Lohnpolitik soll dagegen durch die steigende Kaufkraft der Arbeitnehmer die Ausweitung der Produktion fördern und dadurch das Wirtschaftswachstum weiter vorantreiben. Herbert Ehrenberg verstand Lohnpolitik deshalb auch als Instrument der Verteilungspolitik. Nach einigen neo-Schumpeterschen Ökonomen, darunter Alfred H. Kleinknecht und Hans-Heinrich Bass, können höhere Lohnsätze außerdem als „Produktivitätspeitsche“ arbeitssparende Prozessinnovationen fördern und den technischen Fortschritt beschleunigen.