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Livia Drusilla

Livia Drusilla (* 30. Januar 58 v. Chr.; † 29 n. Chr. in Rom), meist nur kurz Livia genannt, war die dritte Ehefrau des römischen Kaisers Augustus.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Wer Livia war
  2. 2. Herkunft und frühe Ehen
  3. 3. Ehefrau des Augustus
  4. 4. Einfluss, Vermögen und öffentliche Rolle
  5. 5. Witwe, Augusta und Kaisermutter
  6. 6. Vergöttlichung und spätere Beurteilung

Wer Livia war

Livia Drusilla (* 30. Januar 58 v. Chr.; † 29 n. Chr. in Rom), meist Livia genannt, war die dritte Ehefrau des späteren Kaisers Augustus und eine der wichtigsten Frauen der frühen römischen Kaiserzeit. Nach Augustus’ Tod hieß sie Iulia Augusta und war die erste Römerin mit dem kaiserlichen Titel Augusta. Im Jahr 42 n. Chr. wurde sie von ihrem Enkel Kaiser Claudius zur Göttin erhoben und trug danach den Namen Diva Augusta.

Ihre Bedeutung liegt darin, dass an ihr erstmals die Rolle einer Kaisergattin und später einer Kaisermutter im römischen Prinzipat sichtbar wurde. Der Prinzipat war die von Augustus geschaffene Herrschaftsform: faktisch eine Monarchie, aber in republikanischen Rechtsformen. Livia verkörperte dabei zugleich das Ideal der ehrbaren römischen Ehefrau und Mutter sowie den dynastischen Anspruch der neuen Herrscherfamilie. Von ihr stammten vier Kaiser ab: Tiberius war ihr Sohn, Claudius ihr Enkel, Caligula ihr Urenkel und Nero ihr Ururenkel.

Herkunft und frühe Ehen

Livia wurde in Rom als Tochter des Marcus Livius Drusus Claudianus und der Alfidia geboren. Ihr offizielles Geburtsdatum wurde der 30. Januar, weil Caesar 45 v. Chr. den Kalender reformierte und Livia die alte römische Datumsformulierung beibehielt. Ihr Vater stammte aus dem patrizischen Geschlecht der Claudier, war aber in die Familie der Livier adoptiert worden. Beide Familien gehörten zur politisch einflussreichen römischen Nobilität.

Nach Caesars Ermordung 44 v. Chr. unterstützte Livias Vater die Caesarattentäter. Die Triumvirn Octavian, Marcus Antonius und Lepidus setzten ihn 43 v. Chr. auf die Proskriptionslisten; damit galt er als Staatsfeind, und sein Vermögen konnte eingezogen werden. In dieser gefährlichen Lage wurde Livia mit Tiberius Claudius Nero verheiratet. Sie war etwa 15 Jahre alt. Am 16. November 42 v. Chr. brachte sie ihren ersten Sohn Tiberius Claudius Nero zur Welt. Ihr Vater hatte kurz zuvor nach der Niederlage der Caesarmörder bei Philippi Selbstmord begangen.

Livias erster Mann floh mit ihr und dem kleinen Tiberius 40 v. Chr. vor Octavian, kehrte aber nach der politischen Verständigung der Triumvirn nach Rom zurück. Dort begegnete Livia 39 v. Chr. Octavian. Dieser ließ sich von seiner zweiten Frau Scribonia scheiden und bat Claudius Nero, sich von Livia zu trennen, obwohl sie mit ihrem zweiten Sohn Drusus schwanger war. Octavian erhielt eine Sondererlaubnis der Pontifices und heiratete Livia wohl Mitte bis Ende Oktober 39 v. Chr.; offiziell wurde später der 17. Januar 38 v. Chr. als Hochzeitstag festgelegt. Drusus wurde im dritten Monat nach der Hochzeit geboren. Gerüchte, er sei Octavians Sohn gewesen, werden im Artikel als Propaganda des Marcus Antonius dargestellt.

Ehefrau des Augustus

Als Ehefrau Octavians, des späteren Augustus, rückte Livia in das Zentrum der römischen Macht. Die Ehe dauerte 52 Jahre bis zum Tod des Augustus im Jahr 14 n. Chr., was für die römische Aristokratie ungewöhnlich war. Obwohl die Verbindung auch politische Gründe hatte, betont der Artikel gegenseitige Zuneigung und Respekt. Livia konnte Augustus keinen überlebenden gemeinsamen Erben schenken; ein Kind kam zu früh zur Welt und starb.

In der Triumviratszeit erhielten Livia und Octavia, die Schwester Octavians und Ehefrau des Marcus Antonius, 35 v. Chr. besondere Ehren. Dazu gehörten die sacrosanctitas, also eine religiös-politische Unantastbarkeit nach dem Vorbild der Volkstribunen, die Befreiung von der Vormundschaft und das Recht auf Statuen im öffentlichen Raum. Solche Ehrungen für Frauen waren in Rom außergewöhnlich. Sie zeigten bereits, dass Octavian seine Familie als Herrscherhaus sichtbar machte.

Nach dem Sieg über Antonius und Kleopatra am 1. August 30 v. Chr. wurde Octavian zum unangefochtenen Herrscher. 27 v. Chr. erhielt er den Ehrennamen Augustus. Er stellte seine Herrschaft als wiederhergestellte Republik dar, blieb aber durch seine auctoritas, sein prokonsularisches Imperium und später die tribunicia potestas der faktisch mächtigste Mann im Reich. Livia passte in diese Ordnung, indem sie öffentlich das Ideal der römischen Matrona verkörperte: eine ehrbare, zurückhaltende Ehefrau und Mutter. Gleichzeitig wurde sie durch Statuen, Münzen und öffentliche Ehrungen Teil der dynastischen Selbstdarstellung.

Im Westen erschienen zu Augustus’ Lebzeiten keine Münzen mit Livias Porträt. Im Osten des Reiches, besonders in Ägypten und Kleinasien, wurde sie dagegen auf Münzen dargestellt, teils wie eine Königin oder mit Göttinnen wie Ceres, Vesta oder Demeter verbunden. Das zeigt den Unterschied zwischen der republikanischen Zurückhaltung in Rom und den monarchischen Darstellungsformen im Osten.

Einfluss, Vermögen und öffentliche Rolle

Livia hatte politischen Einfluss, ohne ein Amt zu besitzen. Augustus besprach wichtige Fragen mit ihr und holte ihren Rat ein. Der Artikel betont, dass sie dabei ihre Rolle sorgfältig ausfüllte: öffentlich sittenstreng, privat einflussreich, aber nach außen ohne offen politische Ambitionen. Antike Autoren lobten ihre pudicitia, also eheliche Sittsamkeit; zugleich kritisierten spätere Autoren ihre Nähe zur Macht.

9 v. Chr. erhielt Livia das ius trium liberorum, ein Ehrenrecht für Mütter von drei lebendgeborenen Kindern. Obwohl sie selbst nur zwei Söhne hatte, wurde sie damit im Rahmen der augusteischen Ehe- und Sittengesetze ausgezeichnet. Das Recht befreite Frauen von Vormundschaft und bestimmten Nachteilen der Kinderlosigkeit. Im selben Jahr spielte Livias Geburtstag, der 30. Januar, eine wichtige Rolle: Die Ara Pacis Augustae, der Friedensaltar des Augustus, wurde an diesem Tag geweiht. Der Artikel deutet dies als dynastisches Zeichen, weil Livia dadurch als Trägerin der dynastischen Legitimation sichtbar wurde.

Livia verfügte über ein großes eigenes Vermögen und verwaltete es selbst. Zu ihren Besitzungen gehörten unter anderem ein Bergwerk in Gallien und eine Villa in Prima Porta nördlich von Rom. Für ihre Sklaven und Freigelassenen stiftete sie ein Columbarium, eine Grabanlage mit Nischen für Urnen. Ihr Haushalt war organisatorisch eigenständig; vor 14 n. Chr. sprachen Quellen von der domus Caesarum et Liviae, also vom Haus der Caesaren und Livias.

Auch als Bauherrin trat Livia hervor. Sie ließ Tempel erneuern, besonders solche, die mit Frauenleben, Ehe und Familie verbunden waren, etwa Heiligtümer der Fortuna muliebris und der Bona Dea. 7 v. Chr. weihte sie zusammen mit Tiberius die Porticus Liviae ein, eine nach ihr benannte Säulenhalle mit einem Tempel der Concordia, der Göttin der Eintracht. Damit unterstützte sie das Programm des Augustus, Religion, Ehe und Moral als Grundlagen der erneuerten Ordnung darzustellen.

Witwe, Augusta und Kaisermutter

Augustus starb am 19. August 14 n. Chr. in Livias Armen. In seinem Testament erhielt Tiberius zwei Drittel des Erbes und Livia ein Drittel. Damit wurde sie zur reichsten Frau Roms. Außerdem wurde sie in die julische Familie adoptiert und erhielt den Namen Iulia Augusta. Sie war damit die erste Frau, die die weibliche Form des Ehrennamens Augustus führte.

Livia setzte sich dafür ein, dass Augustus am 17. September 14 n. Chr. offiziell zum Gott erhoben wurde. Sie wurde Priesterin des Divus Augustus. Dass eine Frau Priesterin eines männlichen Gottes wurde und Opfer für ihn vollzog, war in Rom einzigartig. Ihr neuer Status wurde durch Bilder, Gemmen und religiöse Darstellungen verbreitet, in denen sie etwa mit Ceres oder Kybele verbunden wurde.

Unter ihrem Sohn Tiberius gewann Livia als Kaisermutter hohes Ansehen, aber ihre Stellung war rechtlich nicht klar geregelt. Im Osten und zunehmend auch im Westen wurde sie kultisch verehrt. Der Artikel nennt etwa Antequaria in Südspanien, wo sie als genetrix orbis, „Gebärerin des Erdkreises“, verehrt wurde. Zugleich kam es zu Spannungen mit Tiberius, weil Livia öffentlich sichtbar blieb und nach Ansicht ihres Sohnes zu viel Anteil an der Macht beanspruchte. Besonders heikel war eine Weihung im Jahr 22 n. Chr., bei der ihr Name vor dem des Tiberius stand.

Tiberius versuchte ihren Einfluss zu begrenzen. Zuerst nahm er ihr laut Cassius Dio Einfluss auf öffentliche Angelegenheiten und ließ ihr nur die häusliche Leitung. Spätestens seit seinem Rückzug nach Capri 26 n. Chr. entzog er sich ihrer Nähe noch stärker. Als Livia 29 n. Chr. im Alter von 86 Jahren starb, kam Tiberius nicht zu ihrer Bestattung und verweigerte die vom Senat vorgeschlagene Vergöttlichung.

Vergöttlichung und spätere Beurteilung

Erst Kaiser Claudius, Livias Enkel, ließ sie am 17. Januar 42 n. Chr. offiziell vergöttlichen. Der Termin entsprach dem offiziellen Hochzeitstag von Livia und Augustus. Livia wurde nun Diva Augusta genannt und ihrem vergöttlichten Ehemann Augustus zur Seite gestellt. Münzen trugen die Umschrift Divus Augustus – Diva Augusta, und der gemeinsame Tempel hieß templum Divi Augusti und Divae Augustae. Claudius stärkte damit auch seine eigene dynastische Legitimation, weil seine Verbindung zu Augustus über Livia lief.

Die antike Beurteilung Livias ist stark widersprüchlich. Einerseits erscheint sie als ideale Gattin, Mutter und Vertreterin altrömischer Sitten. Andererseits schildern spätere Autoren, besonders Tacitus, sie als machtbewusste Intrigantin und sogar als mögliche Giftmörderin. Der Artikel betont, dass solche Vorwürfe schwierig zu bewerten sind, weil fast alle Quellen von Männern stammen und oft nicht nur Livia selbst, sondern den Prinzipat insgesamt beurteilen wollen.

Auch die moderne Forschung schwankt zwischen diesen Polen. Manche Darstellungen übernahmen das Bild der ehrgeizigen Machtpolitikerin, andere betonten ihre Rolle als kluge, loyale und politisch fähige Partnerin des Augustus. Als gesichert hebt der Artikel vor allem ihre historische Bedeutung hervor: Livia gab dem frühen Prinzipat ein weibliches Gesicht, prägte die Rolle der römischen Kaisergattin und Kaisermutter und trug wesentlich zur Festigung der von Augustus begründeten Herrschaftsordnung bei.

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