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Liste von Unternehmenszusammenbrüchen und -skandalen

Die Liste von Unternehmenszusammenbrüchen und -skandalen umfasst Unternehmenszusammenbrüche, die zum Zeitpunkt ihres Eintretens große wirtschaftliche oder …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Auswahlprinzip
  2. 2. Frühe Zusammenbrüche bis zum 19. Jahrhundert
  3. 3. Prägende Fälle des 20. Jahrhunderts
  4. 4. Großkrisen und Skandale seit 2001
  5. 5. Skandale ohne Insolvenz

Gegenstand und Auswahlprinzip

Die Liste erfasst Unternehmenszusammenbrüche, die wegen ihrer Begleitumstände und ihrer großen wirtschaftlichen oder politischen Folgen überregional Aufmerksamkeit erhielten. Sie ist keine vollständige Sammlung aller Insolvenzen. Viele Fälle verbinden Zahlungsunfähigkeit mit Bilanzfälschung, Betrug, Korruption, Fehlspekulation, Managementfehlern, politischen Eingriffen oder Schäden für Beschäftigte, Anleger, Kunden und die Umwelt. Nach einem Hinweis im Artikel fehlen Betriebe aus dem Ostblock und aus Ostdeutschland noch weitgehend.

Frühe Zusammenbrüche bis zum 19. Jahrhundert

Bereits frühe Fälle zeigen, wie einzelne Zahlungsausfälle oder politische Krisen ganze Finanzsysteme belasten konnten. Die florentinische Compagnia dei Bardi wurde 1345 bankrott, nachdem der englische König Eduard III. einen Kredit von 900.000 Goldflorin im Hundertjährigen Krieg nicht zurückgezahlt hatte. Der Banco Medici, einst eine wirtschaftliche Stütze von Florenz und Verwalter päpstlicher Finanzen, musste 1494 nach politischen Problemen und in instabiler Wirtschaftslage abgewickelt werden.

Die von Korruption geprägte Niederländische Ostindien-Kompanie verlor gegen Ende des 18. Jahrhunderts durch sinkende Nachfrage nach exotischen Gewürzen und den vierten Englisch-Niederländischen Krieg Geld. Sie wurde ab 1798 aufgelöst; Vermögen und Schulden gingen an die Batavische Republik. Am 31. Dezember 1799 endete die Gesellschaft.

Im 19. Jahrhundert konnten Bankenpleiten internationale Krisen auslösen. Die Zahlungseinstellung der Ohio Life Insurance Company am 24. August 1857 in New York City leitete eine bis 1859 dauernde, als eine der ersten Weltwirtschaftskrisen geltende Krise ein. In den USA gingen über 5000 Firmen pleite. Overend, Gurney and Co. wurde 1866 nach langfristigen Eisenbahninvestitionen, sinkender Liquidität und Kursverlusten zahlungsunfähig. Weil die Bank of England eine Stützung ablehnte, löste der Zusammenbruch den Schwarzen Freitag von 1866 aus.

Prägende Fälle des 20. Jahrhunderts

Im 20. Jahrhundert waren Banken, Industrieunternehmen und Konzerne häufig durch Expansion auf Kredit, Spekulation oder manipulierte Bilanzen gefährdet. Die Danatbank musste 1931 wegen Einlagenabzügen und Verlusten beim in einen Bilanzfälschungsskandal verwickelten Nordwolle-Konzern 45 Millionen Reichsmark abschreiben; ihre Zahlungsunfähigkeit löste einen Bank Run aus. Die österreichische Lebensversicherungs-Gesellschaft PHÖNIX brach 1936 nach jahrelang durch gefälschte Bilanzen, Bestechung und politische Beziehungen verdeckter Überschuldung zusammen. Das Defizit von 250 Millionen Schilling entsprach fünf Prozent des österreichischen Volkseinkommens von 1936. Ob PHÖNIX zuvor die zweit- oder drittgrößte Gesellschaft ihrer Branche in Europa war, hängt von der Quelle ab.

Bei Borgward führten eine zu große Modellvielfalt, schwache betriebswirtschaftliche Führung und Kreditabhängigkeit 1961 zur Übertragung an das Land Bremen und zur späteren Abwicklung. Alle Gläubigeransprüche konnten gedeckt werden, dennoch gingen viele Arbeitsplätze verloren. Die US-Bahngesellschaft Penn Central meldete am 21. Juni 1970 nach einer misslungenen Fusion Konkurs an. Wegen der Gefahr eines Zusammenbruchs des Schienenverkehrs im Nordosten der USA wurde 1976 die staatliche Auffanggesellschaft Conrail gegründet.

Die Herstatt-Bank verlor durch Devisenspekulationen auf einen steigenden US-Dollar nach der Ölkrise 1973 mehr als ihr Eigenkapital und wurde 1974 abgewickelt. Goldin Tankbetriebe ging 1979 mit etwa 345 Millionen DM Steuerschulden im bis dahin größten Steuerskandal der Bundesrepublik in Konkurs. Im selben Jahr wurde die Chemische Fabrik Stoltzenberg aufgelöst, nachdem der Tod eines Kindes eine Untersuchung ausgelöst hatte. Das Unternehmen hatte ohne nötige Genehmigungen chemische Kampfstoffe hergestellt und große Mengen gefährlicher Stoffe unzureichend gesichert gelagert.

Weitere typische Ursachen waren kreditfinanzierte Expansion und interne Kontrolldefizite. Wienerwald meldete 1982 Insolvenz an, nachdem Banken die sofortige Rückzahlung von Krediten verlangten. Die durch zahlreiche Zukäufe verschuldete IBH-Holding brach 1983 zusammen. Bei der Hammer Bank wurden 1984 vermutlich abzuschreibende Kredite von 1,1 Milliarden DM festgestellt. Texaco ging 1987 nach einer gerichtlichen Zahlungsverpflichtung von 10,53 Milliarden US-Dollar bankrott, konnte aber saniert werden. Die co op AG wurde nach Bilanzmanipulationen, Vermögensverschiebungen und einer bekannt gewordenen Verschuldung von fünf Milliarden Mark zerschlagen.

In den 1990er Jahren verbanden sich Insolvenzen oft mit groß angelegtem Betrug. Die Barings Bank verlor durch Spekulationen des Händlers Nick Leeson 1,4 Milliarden US-Dollar und wurde 1995 für ein Pfund von ING übernommen. Beim Bergbauunternehmen Bre-X waren angebliche Goldfunde durch verfälschte Proben vorgetäuscht worden. Der Hedgefonds Long-Term Capital Management verlor 1998 mehrere Milliarden Dollar; wegen befürchteter Folgen für das internationale Finanzsystem wurde er staatlich gestützt und 2000 abgewickelt. FlowTex verursachte mit nicht existierenden Bohrmaschinen und Sale-Lease-Back-Verträgen einen Schaden von etwa fünf Milliarden DM. Iridium scheiterte 2000 an Fehlkalkulationen: Telefonate kosteten rund 8 Dollar pro Minute, und statt geplanter zwei Millionen wurden nur etwa 55.000 Nutzer gewonnen.

Großkrisen und Skandale seit 2001

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts prägten Bilanzskandale mehrere Großinsolvenzen. Enron verbuchte Erträge zu früh, verlagerte Verluste in kontrollierte, aber nicht konsolidierte Unternehmen und setzte Bestandswerte zu hoch an. Die Insolvenz 2001 vernichtete rund 60 Milliarden US-Dollar Börsenwert. Arthur Andersen wurde wegen der teilweisen Deckung des Betrugs und der Vernichtung von Akten wegen Justizbehinderung verurteilt. WorldCom blähte seine Bilanzen um bis zu 11 Milliarden Dollar auf; der Fall trug zum Sarbanes-Oxley Act bei. Bei Parmalat wurde 2004 ein bilanzieller Fehlbetrag von 23 Milliarden Euro festgestellt. In Deutschland scheiterten unter anderem Philipp Holzmann, die Kirch-Gruppe und CargoLifter. Bei CargoLifter verloren 74.000 Kleinaktionäre 320 Millionen Euro, die öffentliche Hand 50 Millionen Euro.

Die weltweite Finanzkrise ab 2007 führte zu besonders folgenreichen Bankenfällen. Northern Rock wurde nach Refinanzierungsproblemen und massenhaften Einlagenabzügen 2008 verstaatlicht. Bear Stearns wurde nach Liquiditätsengpässen von JPMorgan Chase übernommen. Lehman Brothers meldete am 15. September 2008 Insolvenz an, nachdem die US-Regierung anders als in mehreren vorherigen Fällen keine Rettung gewährte. AIG erhielt einen Kredit von 85 Milliarden Dollar; dafür gingen 79,9 % der Anteile an die Federal Reserve. Washington Mutual verlor durch Einlagenabzüge 16,7 Milliarden US-Dollar an Liquidität und wurde, gemessen am Einlagevolumen, zur größten Bankenpleite der US-Geschichte. Der Madoff-Fonds beruhte jahrzehntelang auf einem Ponzi-Schema, also der Auszahlung älterer Anleger mit Geldern neuer Anleger; der Schaden betrug mindestens 50 Milliarden US-Dollar.

Auch Gesundheits-, Umwelt- und Produktschäden führten zu Insolvenzen. Sanlu mischte Melamin in Milchpulver, um einen höheren Proteingehalt vorzutäuschen. Rund 300.000 Kleinkinder erkrankten, sechs Säuglinge starben. Takata musste nach gefährlichen Airbag-Fehlauslösungen Bauteile in 34 Millionen Fahrzeugen austauschen und etwa 940 Millionen Euro Strafe zahlen; bei der Insolvenz 2017 bestanden Verbindlichkeiten von mehr als einer Billion Yen beziehungsweise 8,1 Milliarden Euro. Purdue Pharma meldete 2019 wegen milliardenschwerer Forderungen im Zusammenhang mit Oxycontin und der Opioid-Epidemie Insolvenz an. Wilke schloss nach listerienbelasteten Wurstwaren, 37 Erkrankungen, mehreren Todesfällen und festgestellten Hygienemängeln.

Digitale Geschäftsmodelle brachten neue Betrugs- und Verlustrisiken. Mt.Gox meldete 2014 den Verlust von 750.000 Kunden-Bitcoins und 100.000 eigenen Bitcoins; 200.000 tauchten später wieder auf. Theranos behauptete, kleinste Blutmengen mit eigenen Geräten untersuchen zu können, verwendete diese aber nur selten und arbeitete mit umgebauten Siemens-Geräten. FTX meldete am 11. November 2022 Insolvenz nach Chapter 11 an; Berichten zufolge waren 10 Milliarden US-Dollar an Kundeneinlagen an Alameda Research übertragen worden, zusätzlich wurde knapp eine Milliarde US-Dollar in nicht autorisierten Transaktionen entwendet.

Deutschland verzeichnete mehrere große Anleger- und Bilanzskandale. P&R soll etwa eine Million nicht existente Container verkauft und rund 2,5 Milliarden Euro Schaden verursacht haben. Wirecard räumte 2020 ein, dass Bankguthaben von 1,9 Milliarden Euro wahrscheinlich nie existiert hatten; dies entsprach rund 25 % der Bilanzsumme. Die Commerzialbank Mattersburg hatte ihre Bilanz nach ersten Angaben um rund 500 Millionen Euro verfälscht. Bei der Greensill Bank erhielten mehr als 20.500 Einleger rund 2,7 Milliarden Euro aus Entschädigungseinrichtungen.

Neuere Zusammenbrüche zeigen zudem die Folgen von Zinsanstieg und aggressiver Expansion. Die Credit Suisse verlor nach Skandalen und Mittelabflüssen stark an Wert, erhielt 2023 Liquiditätshilfe und wurde mit staatlicher Unterstützung von UBS übernommen. Die Signa Holding geriet durch hohe Schulden, steigende Baukosten und Zinsen sowie Wertberichtigungen auf Gewerbeimmobilien in Schwierigkeiten. Sie beantragte am 29. November 2023 Insolvenz; die Eigenverwaltung scheiterte, sodass das Verfahren am 11. April 2024 in ein Konkursverfahren umgewandelt wurde. Für 2022 waren Verbindlichkeiten von 10,8 Milliarden Euro vorhergesagt worden.

Skandale ohne Insolvenz

Die Liste nennt außerdem Wirtschaftsskandale, bei denen keine Insolvenz einherging. In Deutschland gehören dazu der Cum-Ex- und Cum-Cum-Skandal mit mehreren Kreditinstituten, die Flick-Affäre, der Contergan-Skandal um Grünenthal, der Arsenskandal der Norddeutschen Affinerie und Verstöße von Imhausen-Chemie gegen das Außenwirtschafts- und Betäubungsmittelgesetz. Boehringer Ingelheim stellte unter anderem T-Säure für US-Unternehmen zur Herstellung von Agent Orange bereit.

In den Vereinigten Staaten werden unter anderem Umweltvergehen von Duke Energy, Preismanipulationen durch El Paso, der Datendiebstahl bei Equifax 2017, Lockheeds Bestechungsskandale ab den 1960er Jahren sowie die Missachtung von Sicherheitsvorschriften durch Southwest Airlines bis März 2008 aufgeführt. Union Carbide wird als Verursacher der Katastrophe von Bhopal genannt; Halliburton soll der US-Armee überhöhte Preise berechnet haben.

Zu den internationalen Fällen zählen der Abgasskandal ab 2015 mit manipulierten Abgaswerten, hauptsächlich beim Volkswagen-Konzern, und der Libor-Skandal, bei dem mehrere Großbanken Zinssätze manipulierten. Weitere Beispiele sind Kobes Fälschung von Produktdaten, der Bilanzskandal bei Olympus 2011, Bilanzfälschungen bei Steinhoff International Holdings sowie die Sumitomo-Affäre: Nicht autorisierte Geschäfte mit Kupfer-Terminkontrakten verursachten 1,8 Milliarden US-Dollar Schaden. Genannt werden auch Gesundheits- und Umweltkatastrophen wie der Sevesounfall durch Hoffmann-La Roche und Givaudan, der Kolontár-Dammbruch bei Magyar Alumínium und der Großbrand von Schweizerhalle bei Sandoz. Beim Umgang mit Asbest wurde weltweit vielen Unternehmen vorgeworfen, Beschäftigte, Kunden und Unbeteiligte erhöhten Gesundheitsrisiken ausgesetzt zu haben.

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