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Liste von Schöpfungsgottheiten
Liste von Schöpfungsgottheiten ; El · Ugaritische Religion, höchster Gott ; Elohim · Judentum · Synonym des einzigen Gottes Jahwe ; Enki · Sumerische Religion, hat …
Inhalt4 Abschnitte
Gegenstand und Einordnung
Die Liste ordnet Schöpfungsgottheiten einzelnen Religionen, regionalen Ausprägungen und Mythologien zu. Schöpfungsgottheiten gelten dabei als Gottheiten, die die Welt, Menschen, bestimmte Bereiche der Welt oder die schöpferische Urkraft erklären. Eine Gottheit wird für jede Religion einzeln genannt, auch wenn sie in mehreren Religionen vorkommt. Falls sie nur in einem geographischen oder inhaltlichen Teilbereich verehrt wird, ist dies bei der Religion angegeben.
Einige aufgeführte Religionen verstehen eine Gottheit als einzigen Gott: Adonai, El und Elohim sind im Judentum Synonyme für Jahwe; Jahwe selbst ist dort der einzige Gott. Allah ist der einzige Gott im Alevitentum, Islam und Sikhismus. Im Bahaismus ist Ullāh der einzige Gott, im haitianischen Voodoo Bondye der einzige Gott und Schöpfer der Welt, im westafrikanischen Voodoo Mawu-Lisa die einzige Gottheit. Im Zoroastrismus ist Ahura Mazda Herr der Weisheit und einziger Schöpfer unter den Göttern. Im Christentum gilt Gott in nichttrinitarischen Richtungen als einziger Gott, während Gott der Vater in trinitarischen Richtungen eine Person des einzigen Gottes ist. Die übrigen aufgeführten Religionen sind polytheistisch orientiert und kennen mehrere Gottheiten oder auch mehrere Schöpfungsgottheiten.
Ägyptische und vorderasiatische Schöpfungsvorstellungen
In der ägyptischen Mythologie treten besonders viele Gottheiten mit Schöpfung, Urzuständen, Naturkräften oder Wiedergeburt in Verbindung. Aa fertigt das erste Schilf und gewann das erste Land; Wai fertigte mit Aa ebenfalls das erste Schilf und gewann das erste Land. Atum ist Schöpfer- und Himmelsgottheit, Kamutef ein Weltschöpfer mit dem Mysterium der Selbstentstehung, und Heka-pa-chered ist die kindliche Erscheinungsform des Gottes Heka, der personifizierten Schöpferkraft. Hu repräsentiert den zur Sprache gewordenen Schöpfungsbefehl des Re.
Re ist Sonnengott; Amun ist Wind- und Fruchtbarkeitsgott. Amun-Re vereinigt als altägyptischer „König der Götter“ Eigenschaften von Re, Min und Amun, während Min-Amun Eigenschaften von Min und Amun verbindet. Min steht für Zeugung und Fruchtbarkeit. Weitere Natur- und Himmelsbezüge haben Geb als Erdgott und Sohn des Luftgottes Schu, Schu als Gott der Luft und des Sonnenlichtes, Nut als Mutter der Gestirne und Symbol des Firmaments sowie Mesechtiu als Himmelsgottheit des Sternbilds des großen Wagens.
Zum Urzustand gehören Nun als oberer Himmel außerhalb der Erde, Naunet als Göttin des vorzeitlichen Meeres der Unterwelt, Heh für räumliche und zeitliche Endlosigkeit sowie die Erdatmosphäre, Hehet für die Unendlichkeit des Raumes und Tenemu als Gottheit der „Wegelosigkeit“ im Urchaos. Kek und seine Gattin Keket bilden ein Götterpaar; Keket ist Urgöttin in der Achtheit von Hermopolis. Amaunet ist das weibliche Gegenstück zu Amun und Mutter des Re. Heket ist Göttin der Geburt, Frau von Chnum und Tochter von Re; Chnum ist Helfer der Sopdet und der Satis. Neith ist zugleich Kriegs-, Schöpfer-, Mutter- und Totengöttin, Iaret Toten- und Wiedergeburtsgöttin, Osiris Gott des Jenseits, der Wiedergeburt und des Nils. Tefnut symbolisierte das Feuer, Tithoes ist seit der Spätzeit Sonnen- und Schöpfungsgott, und Tjenemit schafft das Leben im ganzen Land.
In sumerischen, akkadischen, assyrischen und babylonischen Religionen sind An, Enki, Enlil und mit ihnen verbundene Gottheiten zentral. An ist Ahnherr aller Götter. Enki erschuf die Menschen im Epos Enki und Nammu; Nammu ist Gottheit des Urmeers. Enlil ist in der sumerischen Religion Hauptgott des Pantheons und Gatte der Ninhursanga, in der akkadischen Religion Sohn des Himmelsgottes An und oberster Gott, in Assyrien mit Aššur gleichgesetzt und in Babylonien Gatte der Ninlil oder von Mami im Anzu-Mythos. Ninlil ist je nach Religion Gattin Enlils und Mutter von Nanna, Nergal und Išum, Frau oder Tochter des Ištar, Muttergottheit untergeordneter Gestalten oder Fürsprecherin bei Enlil. Ninki ist ursprüngliche Schöpfungsgottheit, Ninḫursanga Herrin der steinigen Einöde und Mutter aller Kinder, Ereškigal große Herrin der Unterwelt und oberste Schlangengöttin. Ea ist in Babylonien Regen- und Wassergott sowie Himmels- und Elementargott. In der ugaritischen Religion ist El der höchste Gott. Sebiumeker ist in der meroitischen Religion königlicher Schöpfergott und Partner des Arensnuphis.
Griechische, indische und ostasiatische Gottheiten
Die griechische Mythologie führt zahlreiche Urmächte und Personifikationen auf: Chaos bedeutet vollständige Unordnung oder Verwirrung. Gaia personifiziert die Erde und gehört zu den ersten Gottheiten; Uranos ist der Himmel in Göttergestalt und herrscht in der ersten Generation über die Welt. Erebos personifiziert die Finsternis, Nyx die Nacht, Hemera den Tag, Chronos die Zeit mit Ablauf und Lebenszeit und Ananke das unpersönliche Schicksal. Aither ist Seele der Welt und Element allen Lebens.
Auch Landschaft und Wasser erscheinen als göttliche Schöpfungsbestandteile: Okeanos ist ein die bewohnte Welt umfließender gewaltiger Strom, Pontos eine Seegottheit und Sohn der Gaia, Thalassa die Verkörperung des Meeres beziehungsweise des inneren Mittelmeers, Tethys Titanin und Meeresgöttin der irdischen Frischwasserquellen und Ourea die Personifikation des Gebirges. Eros ist Gott der begehrlichen Liebe. Phanes heißt „der Erscheinende, der Leuchtende“; Phusis und Nesoi sind Protogonos, also erste Gottheiten, wobei Nesoi in der Kosmogonie der Orphiker als erster Gott gilt. Eurynome ist in der pelasgischen Mythologie die Große Göttin aller Dinge, die „weithin Geltende“.
Im Hinduismus werden Brahma als Schöpfer des Priestertums und Gatte der Sarasvati, Daksha als Schöpfergott und Gott des Viehs, Hiranyagarbha als Schöpfergottheit sowie Vishvakarman als göttlicher Baumeister und Erschaffer der Welt genannt. Indra wird als mächtig und stark beschrieben. In der vedischen Religion bildet Indra mit seinen Brüdern Agni und Vayu eine Göttertriade; Prajapati ist ein androgyner Schöpfergott und das erste aller Wesen, Soma Mondgott. Vishnu wird für die vedische Religion aufgeführt, ist im Hinduismus jedoch keine Schöpfergottheit. Zurvan im Zurvanismus personifiziert Zeit und Ewigkeit.
In Japan sind Izanagi und Izanami Urgötter im Mythos von der Entstehung der Welt. Itzamná ist Schöpfergott der Maya Yucatáns des Postklassikums. Kukulkan ist in der Maya-Religion Gott der Auferstehung und der Reinkarnation. Quetzalcoatl wird sowohl in der aztekischen Religion als leuchtende Schwanzfederschlange als auch in der toltekischen Mythologie als synkretistische Gottheit mehrerer mesoamerikanischer Kulturen genannt.
Schöpfung in weiteren Kulturen
Weitere Schöpfungsgottheiten beziehen sich oft unmittelbar auf die Entstehung von Welt und Menschen. Pachakamaq ist in der Inka-Mythologie Schöpfer der Welt, des ersten Mannes und der ersten Frau. Papa und Rangi sind in der Māori-Kultur Begründer der Welt; Rangi ist dabei der Vater Himmel. Quaoar ist in der Tongva-Kultur eine urzeitliche, gestalt- und geschlechtslose Schöpfergottheit. Makemake ist in der Orongo-Kultur Schöpfer- und Fruchtbarkeitsgottheit. Wula′ Lara setzte im Animismus auf Timor bestimmte Menschen auf die Erde.
Die Liste zeigt damit unterschiedliche Formen von Schöpfungsvorstellungen: Eine einzige Gottheit kann die gesamte Welt schaffen, während in polytheistischen Religionen mehrere Gottheiten für Urmeer, Himmel, Erde, Zeit, Licht, Geburt, Fruchtbarkeit oder Wiedergeburt stehen. Manche Gottheiten werden ausdrücklich als Schöpfer bezeichnet, andere erklären durch ihre Personifikation einen grundlegenden Bestandteil der Welt.