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Brahma

Brahma gilt als Begründer einer der vier klassischen Vaishnava-Guru-Linien, heute bekannt als Brahma-Gaudiya-Sampradaya, die durch Chaitanya stark geprägt wurde …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Brahma im Hinduismus
  2. 2. Legenden zur Entstehung
  3. 3. Deutungen und religiöse Einordnung
  4. 4. Aussehen und Attribute
  5. 5. Abgrenzung ähnlicher Begriffe
  6. 6. Vergleich mit Abraham

Brahma im Hinduismus

Brahma ist einer der Hauptgoetter im Hinduismus. Zusammen mit Vishnu und Shiva bildet er die Trimurti, eine Dreiergestalt wichtiger goettlicher Prinzipien: Brahma steht fuer Schoepfung, Vishnu fuer Bewahrung und Shiva fuer Zerstoerung. Brahmas Gattin ist Sarasvati.

Brahma gilt als ideeller Gott der Schoepfung. Der Artikel beschreibt ihn als unbewegten Beweger, der dem Universellen zu seiner Bewegung verhalf. Zugleich wird gesagt: Er ist die Zeit und unterliegt dieser. Fuer die Brahmanen, also die Kenner des Brahman und Angehoerigen der Priester- und Gelehrtenkaste, hatte Brahma als Schoepfer des Priestertums besondere Bedeutung. Diese Verehrung hat gegenueber grossen hinduistischen Richtungen wie Vishnuismus, Shivaismus und Shaktismus stark an Bedeutung verloren. In der oeffentlichen Anbetung stand Brahma historisch immer hinter anderen Gottheiten zurueck; in der Mythologie spielt er aber weiterhin eine wichtige Rolle.

Brahma gilt ausserdem als Begruender einer der vier klassischen Vaishnava-Guru-Linien, der heute als Brahma-Gaudiya-Sampradaya bekannten Tradition, die durch Chaitanya stark gepraegt wurde.

Legenden zur Entstehung

Die Texte ueber Brahma erzaehlen unterschiedliche Entstehungslegenden. Nach einer Ueberlieferung ging Brahma aus dem kosmischen Goldei Hiranyagarbha hervor, das auf den Wassern des Urozeans schwamm. Nach einer anderen Legende entspross er einem Lotos, der aus dem Nabel Vishnu-Narayanas hervorkam.

Eine weitere Erzaehlung berichtet, Brahma habe aus sich selbst seine Tochter Shatarupa erschaffen. Sie wird manchmal mit seinen Gefaehrtinnen Sarasvati oder Gayatri gleichgesetzt. Brahma begehrte Shatarupa so sehr, dass ihm Koepfe in alle vier Himmelsrichtungen wuchsen, damit er sie immer sehen konnte. Zusaetzlich erhielt er einen fuenften Kopf. Dieser wurde ihm von Shiva als Strafe fuer den begangenen Inzest abgeschlagen. Aus diesem fuenften Kopf ging Manu hervor, der Stammvater aller Menschen.

Brahmas Rolle als aus sich selbst erschaffener Schoepfergott wird in anderen Legenden infrage gestellt. Einmal erscheint er als Geschoepf von Pitamaya, einem anderen Urwesen der hinduistischen Mythologie. Ein andermal ist er nur die Kreatur des Narayana, der auf der Weltenschlange ananta oder shesha ruht. Auch wird Brahma wegen Leichtglaeubigkeit oder Eitelkeit als anfaellig fuer die Tricks der Daemonen, der asuras, geschildert. Die dadurch entstehenden Stoerungen der weltlichen und goettlichen Ordnung muss Vishnu in seinen Formen als Eber, varaha, oder als Mann-Loewe, narasimha, wieder beheben.

Deutungen und religiöse Einordnung

Der Artikel erklaert Brahma als personale Gottheit aus der Vorstellung des Brahman. Brahman ist hier eine gestaltlose, arupa, eigenschaftslose, nirguna, und unerkennbare, acintya, Entitaet. Aus dieser schwer greifbaren Macht entwickelte sich die Vorstellung eines persoenlichen Schoepfergottes mit Bewusstsein und einer bestimmten aeusseren Form. Sprachlich wird diese Entwicklung als Verschiebung des Akzents und Wechsel des grammatischen Geschlechts beschrieben.

Da der Veda keine Gottheit mit dem Namen Brahma ueberlieferte, wurde Brahma mit bereits vorhandenen und durch den Veda belegten Gottheiten verbunden. Besonders geeignet war Prajapati, der „Herr der Geschoepfe“. Auch die Vorstellung des goldenen und unvergaenglichen Embryos, hiranyagarbha, legitimierte Brahma: Dieses Wesen herrschte ueber Leben und Tod, war anderen Gottheiten gegenueber weisungsbefugt und galt als Schoepfer von Erde und Himmel. Im Rigveda erscheint eine solche personifizierte Schoepfergottheit vor allem unter den Namen Prajapati und Purusha, spaeter unter Bhagavan oder Ishvara.

In dieser Entwicklung sieht der Artikel erste Ansaetze monotheistischen Denkens, also der Ausrichtung auf einen obersten Gott, im Gegensatz zu monistischem Denken, das alles auf ein einziges Grundprinzip zurueckfuehrt. Zugleich entsteht eine Hierarchie der Goetter, in der Brahma allen anderen Goettern uebergeordnet erscheint.

Eine weitere Deutung stammt aus der Lehre des Buddhas. Danach kann ein Mensch durch Meditation verschiedene Konzentrationszustaende erreichen, die Jhanas genannt werden. In solchen Zustaenden erlebt der Geist bestimmte Empfindungen, zum Beispiel allumfassende Liebe. Wenn ein Wesen in oder mit einem solchen Bewusstseinszustand stirbt und den Wunsch hat, in einer entsprechenden Existenzebene wiederzuerscheinen, kann es als ein „Brahma“ wiedergeboren werden. Je reiner und stabiler ein Jhana ist, desto feiner ist die Existenzebene, mit der dieses Wesen in Beziehung treten kann. Die Existenzdauer dort ist deutlich laenger als in der Menschenwelt. Im Hinduismus war beziehungsweise ist es ein Ideal, das Leben so zu fuehren, dass es zum Reich des Brahma fuehrt.

Aussehen und Attribute

Brahma wird in der Kunst meist mit vier Gesichtern und vier Armen dargestellt. Haeufig traegt er einen Gebetskranz und die Veden, die aelteste indische Literatursammlung. Fruehmittelalterliche Skulpturen zeigen ihn ohne Bart; seit dem 11. oder 12. Jahrhundert erscheint er oft mit Bart.

Manchmal sitzt Brahma auf einer Lotosbluete, die dem Nabel des Gottes Vishnu-Narayana entspringt. Vishnu-Narayana ruht dabei auf der Weltenschlange ananta oder shesha. Diese Darstellung verbindet Brahma eng mit Vishnu und mit der Vorstellung seiner Entstehung aus dem Lotos.

Zu Brahmas wichtigsten Attributen gehoeren der quadratische, Yoni-artige Schoepfloeffel shruk, der bei Opferzeremonien der Brahmanen wichtig war, der Opferkrug mit Henkel, kamandalu, und ein Palmblattmanuskript, pustaka. Sein Symbol und Begleittier, vahana, ist die mystische Gans hamsa. Sie kann Brahma geistesschnell an jeden gewuenschten Ort im Universum tragen. Am bedeutendsten Brahma-Tempel im indischen Pushkar aus dem 14. Jahrhundert ist diese Gans ueber dem Eingangstor abgebildet. Einige Skulpturen zeigen Brahma zusammen mit seiner Gemahlin Sarasvati, auch Savitri oder Gayatri genannt.

Abgrenzung ähnlicher Begriffe

Der Name Brahma darf nicht mit mehreren aehnlich klingenden Begriffen verwechselt werden. Brahman, Sanskrit Neutrum, bezeichnet die Weltseele und ist ein zentraler Begriff der hinduistischen Philosophie, besonders im Vedanta und in den Upanishaden. Es meint das unwandelbare, unsterbliche Absolute, das Hoechste. Brahman ist unpersoenlich, ohne Anfang und Ende, die letzte Wirklichkeit ohne eigene Ursache, aus der alles entstanden ist. Brahma dagegen ist eine maennliche, personale Hauptgottheit, die sich aus dem Brahman-Verstaendnis entwickelt hat. Alle Goetter und Goettinnen, auch Brahma, gelten dabei als Aspekte des Absoluten, des Brahman. Brahman ist in seinem Wesen identisch mit Atman, dem inneren Kern des Menschen.

Brahmanas sind Ritual- und Opfertexte und Teil der Veden. Sie entstanden um ca. 800 v. Chr. und beschreiben verschiedene Opferzeremonien, zum Beispiel das Agnichayana, ein Feueropfer.

Brahmanen sind Mitglieder der obersten hinduistischen Priester- und Gelehrtenkaste. In den alten Schriften gelten sie als unverletzlich. Heute ueben viele Brahmanen auch andere Berufe aus.

Brahmavihara bezeichnet eine grundlegende Meditation im Buddhismus. Sie dient dem Erzeugen von vier als tugendhaft anerkannten Geisteshaltungen. Im Mahayana werden sie „die vier Unermesslichen“ genannt, im Theravada „die himmlischen Verweilzustaende“.

Vergleich mit Abraham

Der Artikel nennt auch eine Deutung, nach der Brahma mit Abraham identifiziert wurde. Der britische Schriftsteller Godfrey Higgins vertrat diese Ansicht. Als Bezug wird angefuehrt, Abraham habe die Soehne seiner Nebenfrauen „nach Osten hin ins Morgenland“ geschickt und ihnen „Geschenke“ gegeben, nachdem er Isaak all sein Gut gegeben hatte (Gen 25,5-6 EU).

Der Altertumswissenschaftler, Rabbiner und Anthropologe Alexander Seinfeld ergaenzte dazu, diese Geschenke seien spirituelles Wissen gewesen, weil Abraham sein Gut bereits Isaak gegeben habe. Als weiteres Motiv wird genannt, dass Brahmas Gemahlin Sarasvati hiess, waehrend Abrahams Frau Sarai beziehungsweise Sara hiess. Der Artikel stellt diese Identifikation als Ansicht einzelner Autoren dar.

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