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Sumerische Religion

Die sumerische Religion gilt als erste schriftlich fassbare Religion der Region Mesopotamiens; sie inspirierte in den nachfolgenden Zeitepochen viele Kulturen, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundzüge und Weltordnung
  2. 2. Wichtige Götter und religiöse Praxis
  3. 3. Leben, Tod und die Heilige Hochzeit
  4. 4. Der Weltenbaum und die Unterweltfahrt
  5. 5. Mythen, Flut und biblische Parallelen

Grundzüge und Weltordnung

Die sumerische Religion gilt als erste schriftlich fassbare Religion Mesopotamiens. Sie beeinflusste unter anderem die Akkader, Assyrer, Babylonier und Juden. Im Mittelpunkt stehen die Götter, die Weltordnung, die Me sowie die Verbindung von Leben, Tod, Fruchtbarkeit und Wiederauferstehung.

Vor der Erschaffung des Menschen wurden die Götter erschaffen. Nammu, die Göttin des Urmeeres, brachte die Erdgöttin Uraš und den Himmelsgott An hervor. Es folgten Enlil, der Vegetations- und Luftgott, und Ninlil, die als Getreidegöttin für die Ernährung stand. Weitere göttliche Nachkommen waren Nergal, Ereškigal, Ningal und Nanna. Ningal und Nanna galten als Eltern des Sonnengottes Utu, der Fruchtbarkeitsgöttin Inanna und des Feuergottes Nusku.

Die Menschen entstanden nach sumerischer Vorstellung durch das Aussprechen göttlicher Worte. Für die Ordnung der Welt wurden die Me geschaffen. Sie waren eine Sammlung unumstößlicher Regeln und Gesetze, die aus göttlicher Weisheit hervorgegangen waren. Jeder Mensch musste ihnen folgen, weil sonst Chaos und Untergang drohten.

Eine wichtige Rolle spielten die Anunna, der göttliche Ältestenrat beziehungsweise die „Großen der großen Götter“. In älteren Vorstellungen lebten sie auf dem heiligen Berg Du-Ku. Von dort wurden Ackerbau, Viehzucht und Webkunst zu den Menschen gebracht.

Wichtige Götter und religiöse Praxis

Zu den bedeutendsten Gottheiten gehörten Nanna, Utu und Inanna. Große Bedeutung hatte außerdem Ninurta, der Gott des Südwindes. Der Schäfergott Dumuzi war besonders beliebt. Ursprünglich galt er als sterblicher Herrscher; seine Heirat mit Inanna sollte die Fruchtbarkeit des Landes sichern.

Enki war der Gott der Weisheit, des Wissens und der Geheimnisse. Sein Thron befand sich unter der Erde in Verbindung mit dem Abzu beziehungsweise Apsu in Eridu. Aus Gefäßen an seinem Thron entsprangen zwei Wasserströme. Enki wurde deshalb auch als Grundwasser- und Quellengott verehrt. Er handelte häufig listig und manipulierte andere Götter und Menschen. Ihm wurde zugeschrieben, durch einen nam-shub die Ursprache der Menschen verwirrt und damit das Ende eines goldenen Zeitalters verursacht zu haben. Enlil dagegen brachte den Menschen die Sprache bei.

Beim Totenkult wurden Könige, hohe Würdenträger und einflussreiche Bürger am Kianag durch Opfer geehrt. Meist handelte es sich um Trankopfer aus Bier oder Wasser, die an Vorabenden wichtiger religiöser Feste dargebracht wurden. In den Königsgräbern von Ur waren dafür senkrechte Röhren eingelassen.

Zu den genannten Opferfesten gehörten Akiti-šekinku, das Fest des Gerstenschneidens, im 1. Monat, Gusisu, ein Opferfest für Ninurta und die Erstlingsfische in Nippur, im 2. Monat, Nesag-šara als Fest der Erstlingsabgaben und Neujahrsfest in Umma im 4. Monat, Akiti-šununum als Aussaatfest im 7. Monat sowie Ezem-maḫ als erhabenes Erntefest im 10. Monat.

Leben, Tod und die Heilige Hochzeit

Der Mythos von Inanna und Dumuzi verbindet Herrschaft, Fruchtbarkeit und die Erfahrung von Leben und Tod. Enki sagte Inanna voraus, dass sich die Erkenntnis der Wahrheit in der Kunst der Liebe und in der Feier der Heiligen Hochzeit zeige. Vor der Hochzeit wurde um die Braut geworben. Inannas Bruder und ihre Mutter wirkten bei der Auswahl des Bräutigams mit. Zunächst bevorzugte Inanna einen Ackerbauern und lehnte den Schafhirten Dumuzi ab. Die Erzählung führt schließlich zu einer Verbindung zwischen Ackerbauern und viehzüchtenden Nomaden.

Auf die Werbung mit rituellen Wechselgesängen folgte die Inthronisierung Dumuzis als König von Sumer. Die Königsherrschaft wurde dabei durch göttliche Zuweisung begründet, nicht durch Eroberung. Die Krönung fand daher nicht im Palast, sondern im Hochzeitsbett Inannas im heiligen Tempel statt. Dort übergab Inanna den Königen die göttliche Macht und die Regierungssymbole.

Das neue Jahr wurde mit der Heiligen Hochzeit von Dumuzi und Inanna gefeiert. Im Höhepunkt der Zeremonie verkörperten der König den Dumuzi und eine Hohepriesterin die Inanna. Die rituelle Vereinigung sollte die erneute Fruchtbarkeit des Tier- und Pflanzenreichs sichern.

Der Weltenbaum und die Unterweltfahrt

Der Mythos vom Weltenbaum spielt in einer Welt, die in Himmel, Erde und Unterwelt gegliedert ist. Ein am Euphrat wachsender Baum droht entwurzelt zu werden. Inanna rettet ihn und pflanzt ihn in ihren Garten. Dadurch entsteht eine erste kulturschaffende Ordnung. Im Wipfel lebt der göttliche Himmelsvogel, im Stamm die als dämonische Gottheit dargestellte Lilith und in den Wurzeln eine Schlange als Symbol der Unterwelt.

Inanna lässt den Weltenbaum später fällen. Aus seinem Holz werden ihr heiliger Thron und ihr heiliges Bett für Uruk hergestellt. Diese Handlung macht Inanna zur Achse und zum Mittelpunkt der sakralen Weltordnung und symbolisiert zugleich den Aufstieg Uruks zur heiligen Stadt. Utu hilft typischerweise beim Fällen. Die Erzählung zeigt außerdem eine Ordnung, in der männliche Gottheiten die symbolische Doppelaxt führen, während weibliche Gottheiten die Entscheidungen treffen. In späterer Zeit stiegen männliche Götter im Pantheon auf und übernahmen Funktionen älterer weiblicher Gottheiten. Inannas Symbole waren die Mondsichel und der Planet Venus als Achtzackstern.

Inanna reist freiwillig in die Unterwelt, um neben den Gesetzen des Himmels und der Erde auch die Gesetze des Todes zu erfahren. Nach der Überquerung des Unterweltflusses Ḫubur verliert sie schrittweise ihre göttlichen Attribute. Ereškigal, die herrschende Göttin des Totenreichs und Inannas ältere Schwester, tötet sie mit einem einzigen Blick. Auf Anweisung Enkis bringen zwei Helfer Inanna Lebenswasser und Lebensspeise. Ereškigal gebiert Inanna schließlich aus dem Totenreich wieder; nach drei Tagen kann Inanna in die Welt der Lebenden zurückkehren.

Für diese Wiedergeburt fordert das Gesetz des Todes ein Opfer. Inanna wählt Dumuzi, weil er ihr gegenüber fremdartig erscheint und um sie nicht getrauert hat. Dumuzi wird als Verurteilter in die Unterwelt geschickt und verliert beim Abstieg seine Heldenattribute. Er muss jährlich sechs Monate im Totenreich verbringen. Geschtinanna, die Dumuzi liebt, übernimmt für sechs Monate seine Vertretung. Dumuzi und Geschtinanna wechseln sich dadurch im Reich der Lebenden und der Toten ab; ihre Rückkehr steht für die jahreszeitlich wiederkehrende Fruchtbarkeit.

Mythen, Flut und biblische Parallelen

Zu den wichtigen sumerischen Mythen gehört „Enki und Nammu“. Darin beauftragt Enki die Göttinnen Nammu und Ninmach, den Menschen nach dem Abbild der Götter zu schaffen. Der Mensch wird aus Lehm und dem heiligen Wasser des Urozeans geformt und soll künftig von den Göttern geleitet werden.

„Adapa“ erzählt von einem Mann, dem Unsterblichkeit angeboten wird. Er soll Speisen und Getränke der Götter zu sich nehmen, die ihm Tammuz und Ningišzida im Auftrag Ans anbieten. Auf Enkis Rat verweigert Adapa beides, weil er glaubt, sonst zu sterben. Enki verleiht ihm stattdessen große Weisheit und magische Kräfte, worüber An verärgert ist.

Die Fluterzählung ist unter anderem in der elften Tafel des Gilgamesch-Epos überliefert. Eine vollständig erhaltene Fassung existiert nicht; der Text wurde aus sumerischen, akkadischen, hurritischen und hethitischen Fragmenten rekonstruiert. Enki warnt Ziusudra vor einer Flut, die alles Leben vernichten soll, und weist ihn an, ein Schiff zu bauen. Wegen eines Verschwiegenheits-Eides spricht Enki gegen die Schilfwand von Ziusudras Haus, sodass dieser die Warnung in einem Traum erhält. Ziusudra baut aus seinem Haus ein Boot, nimmt seine Frau, seine gesamte Sippe und die Tiere der Steppe auf und informiert die übrigen Menschen nicht. In der babylonischen Fassung überfluten mehrere Wellen das Land. Nach dem Rückgang des Wassers werden Ziusudra und seine Frau von Enlil vergöttlicht und erhalten auf Dilmun ein göttliches Leben. Archäologische Funde belegen mehrere Überschwemmungen von Euphrat und Tigris; ein früher angenommener Zusammenhang mit der Sintflut lässt sich heute jedoch nicht mehr bestätigen.

Die Me werden in neueren Studien als Rituale verstanden, deren Besitz und ordnungsgemäße Durchführung der Versorgung und Zufriedenstellung der Götter dienten und damit den Fortbestand der Gesellschaft sichern sollten. Parallelen zu biblischen Motiven finden sich bei der Erschaffung der Menschheit, der Erschaffung durch Wort und Herstellung, der Sprachverwirrung beim Turmbau zu Babel, der Sintflut und Arche Noah, Inannas drei Tagen im Totenreich mit anschließender Wiederauferstehung sowie der Vertreibung aus dem Paradies.

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