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Liste sozialistischer Staaten
Charakteristika für viele dieser Staaten sind eine Einparteienherrschaft einer kommunistischen beziehungsweise sozialistischen Partei, die Verstaatlichung der …
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Begriff und gemeinsame Merkmale
Die Liste umfasst gegenwärtige und historische souveräne Staaten, die in der wissenschaftlichen Literatur als sozialistisch gelten. Viele hatten eine Einparteienherrschaft einer kommunistischen oder sozialistischen Partei, verstaatlichten die wichtigsten Produktionsmittel und bekannten sich in ihrer Verfassung zum Sozialismus. Produktionsmittel sind etwa Betriebe, Boden, Banken und Rohstoffe, mit denen Güter hergestellt werden. Häufig beruhte die Staatsideologie auf Marxismus-Leninismus; die Wirtschaft war planwirtschaftlich organisiert oder enthielt starke planwirtschaftliche Elemente. Planwirtschaft bedeutet, dass der Staat wesentliche wirtschaftliche Entscheidungen lenkt. Als Selbst- und Fremdbezeichnung wurde oft „Realsozialismus“ verwendet.
Im Kalten Krieg waren viele dieser Staaten eng an die Sowjetunion gebunden. Die meisten osteuropäischen Staaten waren Satellitenstaaten der UdSSR. Andere verfolgten eigene Modelle und Blockfreiheit, etwa Jugoslawien unter Tito, Indien unter Nehru und Ägypten unter Nasser; Blockfreiheit bedeutete dabei nicht Neutralität zwischen Sozialismus und Kapitalismus. Nach dem chinesisch-sowjetischen Zerwürfnis konkurrierte das spätmaoistische China mit der UdSSR um Einfluss auf sozialistische Staaten.
Europa: sowjetisch geprägte Staaten und eigene Wege
Die europäischen sozialistischen Staaten waren überwiegend ab 1949 im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (Comecon) und ab 1955 im Warschauer Pakt zusammengeschlossen; beide standen unter sowjetischer Hegemonie. Das 1947 gegründete Kominform wirkte ebenfalls als politisches Bindeglied. Jugoslawien, Albanien und begrenzt Rumänien gingen eigene Wege. Nach 1989 wandelten sich alle europäischen sozialistischen Staaten in marktwirtschaftliche Systeme um.
Zu ihnen gehörten die Sowjetunion (1922–1991), die DDR (1949–1990), Bulgarien (1944–1990), Polen (1944/52–1989), Rumänien (1948–1990), die Tschechoslowakei (1948–1990) und Ungarn (1949–1989). In diesen Staaten dominierte meist Marxismus-Leninismus; zeitweise prägte Stalinismus ihre Entwicklung. Die Sowjetunion durchlief laut Liste Leninismus (1917–1924), Marxismus-Leninismus (1924–1991), Stalinismus (1927–1953), Breschnewismus und Reformkommunismus. In der Tschechoslowakei steht der Prager Frühling 1968 für Reformkommunismus, in Ungarn der „Gulaschkommunismus“ von 1956 bis 1989.
Jugoslawien bestand 1945–1992, zunächst unter Stalinismus und ab 1948 unter Titoismus. Albanien wechselte von Titoismus über Stalinismus und Maoismus zum „Albanischen Sozialismus“ beziehungsweise Hoxhaismus. In der DDR wurde bis 1989 Marxismus-Leninismus genannt, 1990 bei den ersten freien Wahlen demokratischer Sozialismus. Die DDR unterschied sprachlich zwischen „sozialistischen Bruderländern“ und „nichtsozialistischem Ausland“.
Afrika: afrikanischer und marxistisch-leninistischer Sozialismus
Nach der Dekolonisierung neigten afrikanische Staaten in den frühen 1960er Jahren fast geschlossen zur Bewegung der Blockfreien Staaten. Viele bekannten sich in unterschiedlicher Form zum Sozialismus. Der Afrikanische Sozialismus grenzte sich häufig vom Marxismus-Leninismus ab und wurde teilweise auch vom christlichen Sozialismus beeinflusst. Ab Mitte der 1960er Jahre nahm der sowjetische Einfluss zu; UdSSR und Volksrepublik China warben mit Militärinvestitionen und Entwicklungshilfe um Einfluss. Bürgerkriege in Äthiopien, Angola und Mosambik ab 1975 wurden zeitweise Stellvertreterkriege; Kuba griff in Angola und Äthiopien militärisch ein. Nach 1985 verringerte die UdSSR unter Michail Gorbatschow Hilfe und militärisches Engagement. Mit dem Ende des Staatssozialismus ab 1989 brach diese Unterstützung weitgehend weg.
Marxistisch-leninistisch oder deutlich staatssozialistisch waren unter anderem Benin (1974–1989), die Volksrepublik Kongo (1969–1991), Äthiopien unter dem Derg beziehungsweise als Demokratische Volksrepublik Äthiopien (1974–1990) und Mosambik (1975–1990). Typische Maßnahmen waren Verstaatlichungen, Bodenreformen, Kollektivfarmen und Einparteienherrschaft. Angola war 1974–1992 sozialistisch geprägt; die von Kuba und UdSSR unterstützte MPLA wurde 1976 Einheitspartei, während der Bürgerkrieg von 1975 bis 2002 dauerte.
Weitere Formen waren Arabischer Sozialismus in Ägypten (1952–1981/2011), Libyen (1969–2011), Sudan (1969–1983/89) und Tunesien (1963–1969), Ujamaa in Tansania (1964/77–1992), Sankarismus in Burkina Faso (1983–1987) sowie Sambischer Humanismus in Sambia (1967–1991). Algerien ist seit 1963 bis heute mit Einheitsorganisation, Verstaatlichungen und Planwirtschaft aufgeführt; Eritrea seit 1993. Auch Ghana, Guinea, Mali, Burundi, Uganda, Madagaskar, Somalia, Senegal, Seychellen, São Tomé und Príncipe, Guinea-Bissau und Kap Verde erscheinen mit zeitlich begrenzten sozialistischen Entwicklungen. Sansibar und Pemba ist seit 1964 bis heute als afrikanisch-sozialistisch verzeichnet.
Amerika und Ozeanien
In Amerika reichen die aufgeführten Modelle von kurzfristigen Umstürzen bis zu gegenwärtigen Verfassungsbezügen. Kuba ist seit der Revolution 1959 sozialistisch: Es folgten Land- und Agrarreform, Verstaatlichungen, 1961 die Ausrufung der Sozialistischen Republik, 1972 der Beitritt zum RGW und 1976 eine marxistisch-leninistische Verfassung mit Planwirtschaft. Chile hatte 1932 eine Sozialistische Republik für 12 Tage. Unter Salvador Allende wurden 1970–1973 Schlüsselindustrien verstaatlicht, ausländische Kapitalgesellschaften enteignet und Bodenreformen betrieben; der Militärputsch Augusto Pinochets 1973 erfolgte laut Artikel mit Unterstützung der CIA.
Nicaragua wird für 1979–1991 und seit 2007 genannt. Nach dem Sturz Anastasio Somoza Debayles durch die FSLN entstanden Landreformen, Alphabetisierungskampagnen und ein nationales Gesundheitswesen; von 1981 bis 1990 dauerte der Contra-Krieg. Venezuela ist seit 1999 dem Bolivarischen Sozialismus zugeordnet, Bolivien 2006–2019. Weitere Beispiele sind Guyana (1970–1989/heute), Grenada (1979–1983), Jamaika (1972–1980), Peru (1968–1975) und Suriname (1980–1990).
In Ozeanien wird Vanuatu für 1980–1991 genannt. Walter Lini etablierte einen Melanesischen Sozialismus nach dem Vorbild des Ujamaa Julius’ Nyereres. Vanuatu trat der Bewegung der Blockfreien Staaten bei, näherte sich 1980 Libyen und Kuba an und erhielt 1987 Wirtschaftshilfe der Sowjetunion; 1991 trat Lini wegen wirtschaftlicher Probleme zurück.
Asien: unterschiedliche sozialistische Staatsmodelle
Mit der Ausrufung der Volksrepublik China 1949 und ihrem Bündnis mit der Sowjetunion entstand zusammen mit Mongolei, Nordkorea und Nordvietnam ein großer „eurasischer Ostblock“. Der Koreakrieg 1950–1953, der Vietnamkrieg 1964–1975 und der Sowjetisch-Afghanische Krieg 1979–1989 werden als Stellvertreterkriege im Zusammenhang des Kalten Krieges genannt.
Zu den weiterhin bestehenden marxistisch-leninistisch geprägten Staaten zählen China seit 1949, Nordkorea seit 1948, Laos seit 1975 und Vietnam seit 1945. China wird bis 1976 als maoistisch, seit 1976 als Dengismus beziehungsweise „Sozialismus chinesischer Prägung“ und seit 2018 zusätzlich als Xiismus beschrieben. Nordkorea wechselte 1977 vom Marxismus-Leninismus zur Chuch’e-Ideologie. Die Mongolische Volksrepublik bestand 1921–1990/92; die Tuwinische Volksrepublik 1921–1944 und wurde 1944 in die Sowjetunion eingegliedert.
Daneben nennt die Liste konstitutionellen Sozialismus, also einen in der Verfassung festgeschriebenen Bezug zum Sozialismus, für Bangladesch seit 1971, Indien seit 1976, Nepal seit 2015 und Sri Lanka seit 1948. Für Bangladesch und Nepal wird ausdrücklich vermerkt, dass sie real nicht sozialistisch seien. Weitere Modelle waren Birmanischer Sozialismus in Birma (1948–1988), Nasakom in Indonesien (1949–1966), Islamischer Sozialismus in Pakistan (1971–1977) und Baathismus, ein Arabischer Sozialismus, im Irak (1971–2003) sowie Syrien (1963–2012/2024). Südjemen bestand 1967–1990 als sozialistisch umgestalteter Staat; Kampuchea war 1975–1979 maoistisch und 1979–1989 marxistisch-leninistisch. Afghanistan wird für 1973–1992 mit gemäßigtem Sozialismus und zeitweise Marxismus-Leninismus geführt.
Begrenzt anerkannte und kurzlebige Gebilde
Als Staaten mit begrenzter Anerkennung oder De-facto-Regime führt die Liste die Demokratische Arabische Republik Sahara seit 1976, Rojava seit 2013, den Wa-Staat seit 1989 und die Rebellisch-Zapatistischen Autonomen Gemeinden seit 1994 auf. Ihre genannten Ideologien sind Demokratischer Konföderalismus, gemäßigter Birmanischer Sozialismus sowie Demokratischer Sozialismus beziehungsweise Neo-Zapatismus.
Die kurzlebigen sozialistischen Staaten und staatsähnlichen Gebilde reichen von der Pariser Kommune (18.03.1871–28.05.1871) bis zu Gebilden des 20. Jahrhunderts. Mehrere waren Räterepubliken mit Rätekommunismus, etwa die Bremer Räterepublik (10.01.1919–09.02.1919), die Münchner Räterepublik (06.04.1919–03.05.1919), die Ungarische Räterepublik (21.03.1919–01.08.1919) und die Slowakische Räterepublik (16.06.1919–07.07.1919). Andere waren leninistisch oder marxistisch-leninistisch, darunter die Bessarabische Sozialistische Sowjetrepublik, die Chinesische Sowjetrepublik, die Volksrepublik Mahabad und die Republik Ost-Turkestan. Die Demokratische Republik Georgien und die Transkaukasische Demokratisch-Föderative Republik werden als demokratisch-sozialistisch beziehungsweise menschewistisch eingeordnet. Einige wurden in die Sowjetunion eingegliedert, darunter die Sozialistische Volksrepublik Buchara 1925 und die Demokratische Republik Georgien 1921.