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Liste deutscher Redewendungen
Die Liste deutschsprachiger Redewendungen führt vor allem Wortlaut, Bedeutung und Herkunft von Redewendungen in der deutschen Sprache auf, deren Sinn sich …
Inhalt4 Abschnitte
Zweck und Aufbau der Liste
Die Liste deutschsprachiger Redewendungen erklärt feste Wortverbindungen, deren übertragene Bedeutung sich nicht sofort aus den einzelnen Wörtern erschließt oder deren ursprüngliche Verwendung heute nicht mehr üblich ist. Sie nennt vor allem Wortlaut, Bedeutung und Herkunft. Manche Wendungen haben mehrere Deutungsversuche; diese können nicht immer vollständig wiedergegeben werden.
Nicht aufgenommen werden eindeutige oder banale Wendungen, Fäkal- und Gossenjargon, reine Szenensprachen und Injurien sowie Einzelworte wie „Potzblitz!“. Geflügelte Worte, also literarische Zitate, die zu Redewendungen wurden, gehören in eine eigene Liste. Die Einträge sind alphabetisch nach einem hervorgehobenen Wort sortiert, meist nach dem ersten Substantiv, und ihre Bedeutung wird knapp erklärt.
Wie Redewendungen Bedeutung übertragen
Redewendungen benutzen oft ein konkretes Bild, um eine allgemeine Situation auszudrücken. „Äpfel mit Birnen vergleichen“ bedeutet, Unvergleichbares miteinander zu vergleichen. „In den sauren Apfel beißen“ heißt, etwas Unangenehmes notgedrungen zu tun. Wer „das Kind mit dem Bade ausschüttet“, handelt übereilt und beachtet mögliche Nachteile oder Vorteile nicht ausreichend.
Viele Wendungen beschreiben Erfolg, Scheitern oder Entscheidungen: „am Ball bleiben“ heißt, an einer Sache dranzubleiben; „alle Register ziehen“ bedeutet, alle Möglichkeiten zu nutzen; „alles auf eine Karte setzen“ heißt, das Risiko des vollständigen Verlusts einzugehen. „Wie ein Kartenhaus zusammenfallen“ bezeichnet eine plötzlich entlarvte Illusion oder ein Lügengebäude. „Die Würfel sind gefallen“ meint eine unumkehrbar gefallene Entscheidung.
Auch Gefühle und Beziehungen werden bildlich ausgedrückt. „Die Chemie stimmt“ beschreibt eine harmonische Beziehung, „wie Feuer und Wasser sein“ bedeutet überhaupt nicht zusammenzupassen, und „jemandem einen Bären aufbinden“ heißt, ihn anzulügen oder ihm etwas vorzumachen. „Ein Haar in der Suppe suchen“ bedeutet, vor allem Negatives zu sehen. „Krokodilstränen weinen“ sind unechte Tränen der Rührung, des Schmerzes oder der Trauer.
Typische Herkunftsbereiche
Zahlreiche Redewendungen stammen aus Berufen, Handwerk, Jagd, Militär, Seefahrt, Sport oder Kartenspielen. Aus der Weberei kommen etwa „etwas anzetteln“, „den Faden verlieren“ und „etwas auf die Reihe bekommen“. „Auf dem Holzweg sein“ geht auf Wege zurück, die beim Holztransport im Wald enden und Wandernde in die Irre führen. „Im Lot sein“ stammt aus der Maurersprache: Ein Bleilot zeigt, ob eine Mauer senkrecht steht.
Jagd- und Schützensprache prägen Wendungen wie „den Bock schießen“ für einen Fehler, „den Braten riechen“ für rechtzeitig misstrauisch werden und „ins Schwarze treffen“ für genau richtig liegen. Aus dem Boxsport kommen „das Handtuch werfen“ für Aufgeben und „mit harten Bandagen kämpfen“ für unerbittliches Kämpfen. Beim Kartenspiel bedeutet „mit offenen Karten spielen“, nichts zu verheimlichen; „mit gezinkten Karten spielen“ heißt betrügen.
Schifffahrt und Seefahrt liefern unter anderem „aus dem Ruder laufen“ für außer Kontrolle geraten, „Wind aus den Segeln nehmen“ für eine geschwächte Position und „immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel“ als Wunsch, nicht auf Grund zu laufen. Aus der Bürokratie stammt „der Amtsschimmel wiehert“: Bürokratie zeigt sich durch Umständlichkeit und Prinzipienreiterei.
Biblische, antike und literarische Bezüge
Viele Redewendungen beziehen sich auf Bibel, Mythologie oder Literatur. „Das A und O“ bezeichnet das Wesentliche; es verweist auf Alpha und Omega sowie auf Offenbarung 1,8 EU: „Ich bin das A und O, der Anfang und das Ende, spricht Gott der Herr …“. „Sicher wie in Abrahams Schoß“ bedeutet, sich wie im Paradies zu fühlen, nach dem Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus in Lukas 16,22 EU.
Aus der griechischen Mythologie stammen „Argusaugen“ für besonders aufmerksames Beobachten, „einen Augiasstall ausmisten“ für das Beseitigen großer Unordnung und „eine Sisyphusarbeit“ für eine Arbeit, die trotz großer Anstrengung nicht zu Ende kommt. „Der Zankapfel“ bezeichnet den Gegenstand eines Streits; im Mythos stritten Hera, Aphrodite und Athene darüber, wer den Apfel als Schönste erhalten sollte.
Literarische oder geschichtliche Beispiele sind „einen Gang nach Canossa machen“: König Heinrich IV. bat 1077 Papst Gregor VII. in Canossa um Aufhebung des Kirchenbannes. Die „Gretchenfrage“ ist die entscheidende Frage und geht auf Goethes Faust zurück: „Wie hast du’s mit der Religion?“ Ein „Pyrrhussieg“ ist ein Scheinsieg: Pyrrhos I. besiegte 279 vor Rom ein römisches Heer, erlitt dabei aber so hohe Verluste, dass er weitere Erfolge aufgab.
Bei einigen Wendungen bleibt die Herkunft unsicher oder es gibt konkurrierende Erklärungen, etwa bei „Fisimatenten machen“, „es zieht wie Hechtsuppe“, „auf den Hund kommen“ oder „frech wie Oskar“. Solche Unsicherheit gehört zur Überlieferung vieler Redewendungen.