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Drei Affen

Dieser Artikel behandelt die drei Affen aus einem japanischen Sprichwort, zu den gleichnamigen Filmen siehe Drei Affen (Film) und Tatort: Drei Affen. Die drei …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Ursprung in Sprichwort und Religion
  3. 3. Vierter Affe und heutige Namen
  4. 4. Berühmtes Kunstmotiv in Nikkō
  5. 5. Verbreitung und Bedeutungswandel im Westen
  6. 6. Moderne Rezeption und Unicode

Grundidee und Bedeutung

Die drei Affen, japanisch 三猿 (sanzaru/san’en) oder 三匹の猿 (sanbiki no saru), stammen aus einem japanischen Sprichwort. Sie stehen dort für den richtigen Umgang mit Schlechtem: Man soll Schlechtes nicht ansehen, nicht anhören und nicht aussprechen. Die bekannte Formel lautet auf Deutsch „nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“.

In Japan ist die ursprüngliche Bedeutung positiv gemeint: Die Affen verkörpern, über Schlechtes weise hinwegzusehen. In der westlichen Welt hat sich die Deutung verändert. Dort werden die drei Affen häufig so verstanden, dass jemand Schlechtes nicht wahrhaben will. Deshalb gelten sie im Westen oft als Symbol für fehlende Zivilcourage oder bedingungslose Loyalität.

Ursprung in Sprichwort und Religion

Der japanische Spruch wird als mizaru, kikazaru, iwazaru (見ざる、聞かざる、言わざる) wiedergegeben. Eine verbreitete Erklärung verbindet ihn mit einer Stelle aus dem 12. Buch der Analekten des Konfuzius. Dort erklärt Konfuzius seinem Schüler Yan Yuan, auch Yan Hui genannt, das Wesen der „Sittlichkeit“ beziehungsweise „Menschlichkeit“ (chinesisch 仁, Pinyin rén). Die zitierte Regel lautet sinngemäß: Was nicht angemessenem Verhalten entspricht, darauf schaue nicht; darauf höre nicht; davon rede nicht; und das tue nicht.

Die Verbindung mit Affen beruht im Japanischen auf einem Wortspiel: Die klassische Verneinungsform ざる (zaru) klingt ähnlich wie 猿 (saru), das Wort für Affe. Daraus entstanden die drei Affen Mizaru (見ざる), Kikazaru (聞かざる) und Iwazaru (言わざる). Dieser Teil des Artikels ist als nicht ausreichend belegt markiert; die Angaben gelten also als unsicher.

Mit dem Motiv war auch ein religiöser Brauch verbunden. Nach einem Glauben sollten die drei Affen an Kalendertagen des „Metall-Affen“ (庚申 kōshin) den Göttern über die Menschen berichten. Um diesen Bericht zu verhindern, entstand der Brauch des kōshin-machi, der sich zu einem religiösen Kult entwickelte. Als Herr der Drei Affen wurde eine synkretistische Gottheit namens Grüngesichtiger Vajra (青面金剛 Shōmen Kongō) angesehen. Dieses Brauchtum ist heute selbst in Japan kaum noch bekannt, trug aber zur Verbreitung des Drei-Affen-Motivs bei.

Vierter Affe und heutige Namen

Manchmal wird neben den drei traditionellen Affen ein vierter Affe dargestellt. Er heißt Shizaru (しざる; von 四猿 shisaru, „vier Affen“) und bedeckt mit den Händen seinen Unterleib. Seine Bedeutung wird unterschiedlich angegeben: „Tu nichts Böses!“, „Habe keinen Spaß!“ oder „Habe keinen Sex!“.

Bei Darstellungen mit vier Affen handelt es sich meist um die drei bekannten Gebärden plus eine mehr oder weniger sexuelle Gebärde. Im Englischen lautet die Beschriftung häufig „See no evil! Hear no evil! Speak no evil! Have no fun!“. Möglich sind aber auch Varianten wie „Think no evil“ oder „Take no evil“; in manchen Zusammenhängen kann ein lächelnder vierter Affe sogar „Have fun“ bedeuten.

Heute sind die Affen in Japan als Glücksbringer bekannt. Ihre modernen Namen lauten Minai, Kikanai, Iwanai und Shinai. Die Endung -nai ist dabei die moderne japanische Verneinungsform.

Berühmtes Kunstmotiv in Nikkō

Ein besonders bekanntes Drei-Affen-Motiv stammt aus dem 17. Jahrhundert. Es befindet sich nahe der Stadt Nikkō auf der japanischen Hauptinsel Honshū, etwa 140 Kilometer nördlich von Tokio. Dort ist es als Fassadenschnitzerei auf dem Gelände des Tōshōgū-Schreins zu sehen.

Die Schnitzerei befindet sich an einem eher unscheinbaren Gebäude, einem ehemaligen Stall für heilige Pferde. Dieses Motiv wurde zu einem der bekanntesten Bilder der drei Affen und spielte auch eine Rolle dabei, dass westliche Reisende und Touristen das Symbol kennenlernten.

Verbreitung und Bedeutungswandel im Westen

In Europa gab es schon vor der modernen Verbreitung des japanischen Motivs ähnliche Sprichwörter. Wolfgang Mieder verweist auf einen Artikel von Lutz Röhrich aus dem Jahr 1957 in der Fachzeitschrift Fabula. Darin stellt der US-amerikanische Parömiologe Archer Taylor einen Bezug zu einem mittellateinischen Sprichwort her, das im frühen vierzehnten Jahrhundert in England im Gesta Romanorum belegt ist: Audi, vide, tace, si vis vivere in pace. Das bedeutet: „Höre, sieh und schweige, wenn du in Frieden leben willst!“

Röhrich beschreibt die Überlieferung als verzwickt. Nach seiner Ansicht dürfte die japanische Variante im Lauf der Zeit eine vertraute europäische Variante überlagert haben. Dazu trugen Souvenirs aus Nikkō bei. Bereits ab 1884 erschienen erste englischsprachige Reiseführer, in denen Drei-Affen-Kōshin-Steine ausführlicher beschrieben wurden. Ab 1901 enthielt Basil Hall Chamberlains Handbook for Travellers in Japan auch eine Skizze. Nikkō wurde schnell ein Ziel westlicher Touristen, und die Mitbringsel verbreiteten sich international.

Dabei ging die ursprünglich religiöse Bedeutung immer stärker verloren. Ein englischer Versandhauskatalog von 1927 bot „The Three wise monkeys. Speak no evil, see no evil, hear no evil. Pear group of three monkeys -/14“ als günstige Ware an. Nach Mieder verbreiteten sich die drei Affen in Deutschland erst nach dem Zweiten Weltkrieg und wurden zunächst direkt aus Japan bezogen. Das erklärt, warum die deutsche Entlehnung „Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“ ursprünglich nicht ausdrücklich vom „Bösen“ spricht, während im Englischen „evil“ prägend ist.

Moderne Rezeption und Unicode

Das Motiv der drei Affen wurde in der neueren Kunst und politischen Kritik mehrfach aufgegriffen. Der US-amerikanische Künstler Keith Haring verwendete Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre das Bild der drei Affen in Form menschlicher Umrisse. Damit forderte er mehr Zivilcourage im Kampf gegen AIDS.

Die Illustratoren Olga Hopfauf und Stephan Baumgarten griffen das Motiv 2020 in Form von sieben Verfassungsfragen auf. Sie kritisierten damit die Rolle von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Justizministerin Christine Lambrecht bei einer Partnerschaft der Regierungskampagne „Wir sind Rechtsstaat“ mit Aiman Mazyek, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Der Künstler Jacques Tilly kritisierte mit einem Wagen-Motiv von drei mannshohen Affen Politik, Bürokratie und Versicherungen für ihr Verhalten nach der Flutkatastrophe im Ahrtal des Jahres 2021.

Die drei Affen sind auch als Emoji im Unicodeblock Smileys enthalten. Mizaru ist der Augen verschließende Affe 🙈, englisch SEE-NO-EVIL MONKEY, mit dem Code U+1F648. Kikazaru ist der Ohren verschließende Affe 🙉, HEAR-NO-EVIL MONKEY, U+1F649. Iwazaru ist der Mund verschließende Affe 🙊, SPEAK-NO-EVIL MONKEY, U+1F64A. Für Shizaru wird in der Tabelle das Affen-Gesicht 🐵, MONKEY FACE, U+1F435 angegeben.

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