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Lazarus

Er ist der Patron der Totengräber. Nach dem auferweckten Lazarus wurden der Lazarus-Effekt, die Wiederauffindung von Tierarten, die als ausgestorben galten, der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Zwei biblische Gestalten
  2. 2. Lazarus von Bethanien
  3. 3. Der arme Lazarus
  4. 4. Legenden, Grab und Verehrung
  5. 5. Kulturelle und übertragene Bedeutung

Zwei biblische Gestalten

Der Name Lazarus bezeichnet zwei verschiedene Gestalten der Bibel. Lazarus von Bethanien ist ein Freund Jesu, den Jesus nach dem Johannesevangelium von den Toten auferweckt. Er gilt in mehreren Kirchen als Heiliger und ist der Patron der Totengräber. Der arme Lazarus ist dagegen eine Figur aus einem Gleichnis Jesu im Lukasevangelium. Beide Gestalten dürfen nicht miteinander verwechselt werden.

Der Name Lazarus ist die lateinische Form des griechischen Lazaros. Dieser Name geht auf den hebräischen Namen Elʿazar zurück und bedeutet „Gott hat geholfen“.

Lazarus von Bethanien

Nach Joh 11,1–45 sind Lazarus und seine Schwestern Martha und Maria besondere Freunde Jesu. Als Jesus von Lazarus’ Krankheit erfährt, hält er sich im Norden Israels in der Nähe des Sees Genezareth auf. Er bleibt dort noch zwei Tage und reist anschließend nach Bethanien nahe Jerusalem. Inzwischen ist Lazarus gestorben und bei Jesu Ankunft bereits seit vier Tagen in einer Höhle beigesetzt.

Jesus lässt den Stein vor dem Grab wegwälzen. Auf seinen Zuruf „Lazarus, komm heraus!“ verlässt Lazarus lebendig das Grab, obwohl er noch mit Grabtüchern umwickelt ist. Die Erzählung bezeichnet diese Tat als „Zeichen“, griechisch semeion. Im Aufbau des Johannesevangeliums steht sie am Beginn der Passion Jesu und verweist auf dessen spätere Auferstehung. Gott erscheint als die wirkende Macht; Jesus handelt als der vom Vater bevollmächtigte Sohn. Eine wesentlich erweiterte Fassung der Geschichte findet sich auch im apokryphen, also nicht in den biblischen Kanon aufgenommenen, Geheimen Markusevangelium.

Der arme Lazarus

Das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus steht in Lk 16,19–31. Der kranke und arme Lazarus liegt vor der Tür eines reichen Mannes. Er möchte wenigstens die Brocken essen, die von dessen reich gedecktem Tisch fallen, während Hunde seine Geschwüre lecken.

Nach dem Tod beider Männer befindet sich Lazarus „in Abrahams Schoß“, während der Reiche in der Unterwelt, dem „Hades“, Qualen leidet. Der Reiche bittet Abraham, Lazarus zu ihm zu schicken, damit dieser seine Leiden lindert. Abraham lehnt ab: Der Reiche habe seinen Anteil am guten Leben bereits im Diesseits erhalten. Auch Lazarus zu den noch lebenden Angehörigen des Reichen zu senden, verweigert Abraham. Sie hätten die Weisungen der Tora, also der fünf Bücher Mose, und der Propheten. Abschließend heißt es: „Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht“ (Lk 16,31). Es ist das einzige überlieferte Gleichnis Jesu, in dem eine Person einen Namen trägt.

Legenden, Grab und Verehrung

Um Lazarus von Bethanien entstanden verschiedene, teils widersprüchliche Legenden. Einige lassen ihn unter Kaiser Claudius, der von 41 bis 54 n. Chr. regierte, friedlich sterben. Andere berichten, Kaiser Domitian, der von 81 bis 96 n. Chr. regierte, habe ihn wegen seiner Weigerung, den heidnischen Göttern zu opfern, einkerkern und schließlich enthaupten lassen.

Nach einer anderen Überlieferung ging Lazarus nach Zypern und wurde von Paulus und Barnabas als erster Bischof von Larnaka eingesetzt. Im Jahr 890 soll dort unter Kaiser Leo VI. ein Sarkophag mit der Aufschrift „Lazarus, der Freund Christi“ gefunden worden sein. Über der Fundstelle entstand eine Lazarus geweihte Kirche. Der Sarkophag in ihrer Krypta ist heute leer. Die Gebeine sollen zunächst nach Byzanz, dem heutigen Istanbul, und 1204 durch Kreuzfahrer nach Marseille gelangt sein. Damit hängen mittelalterliche Erzählungen zusammen, nach denen Lazarus Bischof von Marseille wurde. Seine Reliquien sollen sich nach einer weiteren Tradition in der Kathedrale von Autun befinden.

In Bethanien war spätestens seit dem ersten Drittel des 4. Jahrhunderts ein Lazarus-Grab bekannt. Eusebius von Caesarea erwähnte die Stelle im Jahr 330; um 390 stand dort nach dem Zeugnis des Hieronymus offenbar eine kurz zuvor errichtete Kirche. Der Ort wurde später „Lazarion“ genannt und heißt heute arabisiert El-Azarjeh. Er liegt in Palästina. Dort soll Lazarus die vier Tage vor seiner Auferweckung gelegen haben.

Der katholische, anglikanische und teilweise auch der evangelische Gedenktag ist der 29. Juli. In der katholischen Kirche galt vor der Reform des Heiligenkalenders der 17. Dezember. Papst Franziskus nahm Lazarus von Bethanien 2021 zusammen mit Maria und Marta von Bethanien in den Generalkalender auf. In Autun wird die Übertragung der Gebeine am 20. Oktober begangen. Die orthodoxen Kirchen erinnern am Samstag vor Palmsonntag, dem Lazarus-Samstag, an ihn.

Kulturelle und übertragene Bedeutung

Die Auferweckung des Lazarus wurde zu einem verbreiteten Sinnbild für die Überwindung des Todes, für Wiederbelebung und für einen Neuanfang. In der bildenden Kunst gehört sie besonders in der Renaissance zu den zentralen biblischen Themen. Die früheste bekannte Darstellung ist ein Wandgemälde aus dem 3. Jahrhundert in der Katakombe Santi Pietro e Marcellino in Rom. Das Motiv erscheint außerdem auf frühchristlichen Sarkophagen sowie in Gemälden, Fresken, Mosaiken, Statuen und Elfenbeinschnitzereien.

Auch Literatur, Musik, Film, Comics und Videospiele greifen den Stoff auf. Heinrich Heine verwendete Lazarus im Gedichtzyklus Romanzero als Selbstbildnis des exilierten Dichters; Fjodor Michailowitsch Dostojewski bezog die Auferweckung in Schuld und Sühne ein. Jean Cayrol prägte nach seiner Haft im KZ Mauthausen den Begriff „lazarenische Literatur“ für eine Literatur im Zeichen der Rückkehr vom Tod ins Leben. Musikalische Bearbeitungen sind unter anderem Franz Schuberts unvollendetes Oratorium Lazarus von 1820, Carl Loewes Oratorium Die Auferweckung des Lazarus von 1863 und Cristóbal Halffters 2008 uraufgeführte Oper Lázaro. In neueren Medien tragen Projekte, Geräte oder Orte der Wiederbelebung häufig den Namen Lazarus, etwa das Lazarus-Projekt in Mass Effect 2 und die Lazarus-Gruben bei DC Comics.

Der Name wird außerdem übertragen auf Vorgänge angewandt, bei denen etwas für verloren, tot oder ausgestorben Gehaltenes wiederkehrt. Als Lazarus-Effekt bezeichnet man unter anderem die Wiederauffindung von Tierarten, die als ausgestorben galten, sowie die Wiederbelebung „tauber“ Teilchendetektoren bei niedriger Temperatur. Das Lazarus-Phänomen beschreibt eine scheinbare Auferstehung. Auch Programme zur Datenwiederherstellung und eine visuelle Entwicklungsumgebung für die Programmiersprache Pascal tragen den Namen.

Mit Lazarus verbunden ist zudem der im 12. Jahrhundert in Jerusalem gegründete Orden des Heiligen Lazarus. Er ging auf ein dem Heiligen geweihtes Leprahaus zurück und wurde vor allem durch die Krankenpflege, besonders von Leprakranken, bekannt. Er führt ein grünes achtspitziges Kreuz. Seine Tätigkeit fand unter anderem im Begriff „Lazarett“ geschichtlichen Niederschlag. Auf den armen Lazarus verweisen dagegen Bezeichnungen für Arme und Besitzlose, etwa die neapolitanischen „Lazzaroni“ und Karl Marx’ Ausdruck „Lazarusschicht der Arbeiterklasse“.

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