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Liste der Herrschaftsformen

Demokratie- und Diktaturvarianten ; Demokratie, Volksherrschaft (griechisch), Griechische Antike bis heute ; Varianten der Demokratie, Direkte Demokratie (auch …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Abgrenzung
  2. 2. Herrschaft nach Zahl, Herkunft und Stellung der Herrschenden
  3. 3. Herrschaft durch Institutionen, Regeln und Einflussgruppen
  4. 4. Weitere Modelle der gemeinsamen oder begrenzten Herrschaft
  5. 5. Demokratie und ihre Varianten
  6. 6. Diktatur und ihre Varianten

Begriff und Abgrenzung

Herrschaftsformen beschreiben die tatsächliche Art, wie Herrschaft ausgeübt wird. Entscheidend ist unter anderem, welche Personen oder Gruppen politische Macht innehaben. Sie sind von Regierungssystemen zu unterscheiden: Diese werden nach der Stellung und dem Verhältnis von Staatsoberhaupt, Regierungschef und Parlament gegliedert. Ebenfalls verschieden sind Staatsformen, die sich heute meist nach der verfassungsrechtlichen Stellung des Staatsoberhauptes richten.

Fallbeispiele zeigen, dass mehrere Herrschaftsformen gleichzeitig auftreten können. In segmentären Gesellschaften, wie sie häufig bei Jäger-und-Sammler-Kulturen der Jungsteinzeit und bei Nomaden vorkommen, gibt es keinen dauerhaften Herrscher. Respektspersonen können aufgrund gemeinschaftlicher Entscheidungen zeitweise Führungsaufgaben übernehmen. Akephalie bezeichnet allgemein eine Sozialstruktur ohne dauerhafte Oberhäupter. Anarchie bedeutet dagegen, dass faktisch niemand herrscht; sie wird als bewusst gewählte „Rückkehr“ aus einer zuvor bestehenden Herrschaftsform verstanden und gilt streng genommen nicht als Herrschaftsform.

Herrschaft nach Zahl, Herkunft und Stellung der Herrschenden

Bei der Alleinherrschaft steht eine Person im Mittelpunkt. Monarchie ist die Herrschaft einer, oft angeblich von Gott autorisierten, Person durch Erbfolge oder Wahl. In der absoluten Monarchie kann der König ohne ständische Vertretung, Parlament und Verfassung regieren; in der konstitutionellen Monarchie ist er einer Verfassung unterworfen; in der parlamentarischen Monarchie ist er nur Chef der Exekutive, während das Parlament die Legislative bildet. Absolutismus ist die Sonderform einer von Kontrollen losgelösten Monarchie; absolutistisch regierende Herrscher handelten aus eigener Machtvollkommenheit. Das europäische Zeitalter des Absolutismus lag zwischen 1648 und 1789; Beispiele sind Frankreich unter Ludwig XIV. und Fürstentümer im Römisch-Deutschen Reich.

Monokratie ist der Oberbegriff für Alleinherrschaft und kann eine legitime Monarchie, Tyrannei oder Diktatur sein. Ihr Gegenstück ist Polykratie, die Herrschaft vieler parallel; Polyarchie bedeutet ebenfalls Herrschaft vieler oder mehrerer. Dyarchie ist die gleichberechtigte Herrschaft zweier Personen. Tyrannis ist vor allem eine antike Alleinherrschaft, in der der Herrscher nach Aristoteles absolut regieren kann. Despotismus ist die totalitäre Herrschaft eines Tyrannen.

Andere Formen ordnen Macht sozialen Gruppen zu: Aristokratie ist meist Adelsherrschaft, auch etwa als Senats-, Priester- oder Patrizieraristokratie; Oligarchie ist die Herrschaft einer kleinen, eigennützigen Gruppe und im Verfassungskreislauf das Gegenstück zur Aristokratie. Plutokratie ist eine Unterform der Oligarchie, in der Staatsämter nur Reichen zugänglich sind. Timokratie ist „Ehrenherrschaft“ der Angesehensten oder Besitzenden, Politie nach Aristoteles die beste Form legaler Herrschaft durch Vernünftige und Besonnene. Kakistokratie bedeutet analog dazu „Herrschaft der Schlechtesten“.

Androkratie und Patriarchat beziehen sich auf männliche Herrschaft, Gynarchie und Matriarchat auf Frauen beziehungsweise Mütter oder die Älteste. Gerontokratie ist Herrschaft der Alten, oft durch einen Ältestenrat; Ptochokratie die der Armen. Häuptlingstum beruht auf einem dauerhaft anerkannten, meist an ein erbbares Amt gebundenen Anführer mit zumeist begrenzter Macht. Xenokratie bedeutet Fremdherrschaft.

Herrschaft durch Institutionen, Regeln und Einflussgruppen

Bürokratie ist Herrschaft durch Vorgaben, Normen und Regulierungen, die Beamte innerhalb festgelegter Kompetenzen ausführen. Nomokratie ist Herrschaft des Gesetzes: Der Herrscher kann Regeln und Gesetze nicht oder kaum verändern. Feudalismus ist Herrschaft von Lehnsherren; Grundherrschaft liegt bei Grundbesitzern und ähnelt der Gutsherrschaft durch Gutsbesitzer. Neopatrimonialismus verbindet nach Max Weber patrimoniale mit rational-legaler Herrschaft und liegt zwischen Demokratie und Autokratie. Kennzeichen sind Klientelismus, Korruption und Rentenökonomie; diese Form ist vor allem in der Neuzeit, insbesondere in Afrika, verbreitet.

Theokratie ist „Gottesherrschaft“ durch eine göttlich erwählte Person oder die Priesterklasse; ihre Macht wird allein religiös legitimiert. Hierokratie und Ecclesiarchie bezeichnen Priester- beziehungsweise Klerikerherrschaft, Exarchie Bischofsherrschaft. Kyriarchie meint die Einflussnahme eines weltlichen Herrschers auf kirchliche Hierarchien. Kyriarchat steht für miteinander verbundene und interagierende Systeme von Herrschaft und Unterwerfung.

Technokratie bezeichnet, meist abwertend, Entscheidungen nach Sachzwängen durch Fachleute und Politiker; Expertokratie ist Herrschaft durch Experten. Epistokratie ist Philosophenherrschaft, wobei sie nach Platon nicht Intellektuellenherrschaft bedeutet; Kant favorisiert die Koexistenz von Herrschern und Philosophen. Algokratie ist Herrschaft durch Rechner beziehungsweise Algorithmen. Infokratie ist Herrschaft der Massenmedien; dabei wird auf das Problem der Informationsselektion verwiesen. Mediokratie kann Medienherrschaft durch Eigentümer medialer Plattformen mit Missbrauch von Medienmacht sein oder Herrschaft der Mittelmäßigkeit, wenn mittelmäßig begabte Menschen wichtige Schaltstellen besetzen und Aufstieg höher begabter Konkurrenten verhindern.

Korporatokratie beschreibt politische Ordnungen, die von führenden Konzernen oder „Global Playern“ beeinflusst und bestimmt werden. Lobbykratie wird als indirekte Kleptokratie beschrieben, bei der leicht steuerbare Politdarsteller Subventionen und Gesetze nach Wünschen reicher und einflussreicher Gruppen festlegen. Kleptokratie ist die Herrschaft Korrupten, die sich oder ihre Klientel durch willkürliche Verfügungsgewalt über Besitz und Einkünfte der Beherrschten bereichern. Kritarchie bezeichnet entsprechend eine unzulässige Herrschaft von Richtern. Globokratie liegt bei internationalen Regimen oder Organisationen wie UNO, WTO oder EU. Thalassokratie ist die auf Seemacht, Handelsmonopol, Wirtschaft und Handelsflotte gestützte Herrschaft eines maritim-kommerziellen Staates oder Staatenverbunds.

Weitere Modelle der gemeinsamen oder begrenzten Herrschaft

Autokratie ist wörtlich „Selbstherrschaft“: Eine einzelne Person oder Gruppe legitimiert ihre Herrschaft durch sich selbst. Ideokratie ist Herrschaft von Ideologien. Logokratie bedeutet nach Kurt Hiller Herrschaft des Wortes oder der Vernunft. Pornokratie meint die Beeinflussung Regierender durch ihre offizielle Geliebte.

Kommunismus ist die Idee einer herrschaftsfreien und klassenlosen Gesellschaft. Sozialismus bedeutet im Marxismus von Karl Marx und Friedrich Engels die Herrschaft des in einer Partei organisierten Proletariats. Sie soll wirtschaftliches Privateigentum aufheben und kann zur klassenlosen Gesellschaft, dem Kommunismus, führen. Minarchie oder Minimalstaat begrenzt Herrschaft auf Justiz, Polizei, Gefängnisse und Streitkräfte; Parlamente üben nur minimale Herrschaft zum Schutz von Freiheit und Eigentum jedes Individuums aus.

Holokratie steuert Organisationen durch transparente, partizipative Beteiligung aller und integrative Entscheidungsfindung. Synarchie ist gleichzeitige Regierung durch viele Menschen; Synkratie bezeichnet einen Staat, in dem das Volk etwa durch Abstimmungen oder gewählte Vertreter an Gesetzgebung und Regierung beteiligt ist. Panarchie trennt Regierung und Territorium, sodass in einem Gebiet „alle“ Systeme bestehen können. Pantisokratie meint Herrschaft aller gleichermaßen. Panarchie und Panarchismus unterscheiden sich: Beim Panarchismus gilt die Wahlentscheidung für den einzelnen Wähler, also Personenbindung statt Territorialbindung.

Demokratie und ihre Varianten

Demokratie bedeutet Volksherrschaft. Im antiken Griechenland bezeichnete sie ursprünglich direkte Volksherrschaft; heute umfasst der Begriff alle Herrschaftsformen, deren Grundlagen aus dem Volk abgeleitet werden. Das Volk übt Macht entweder direkt aus oder indirekt durch ausgewählte Mandatsträger. In der Antike war Demokratie auch negativ besetzt: Ochlokratie, Herrschaft des „Pöbels“ oder Mobs, galt als entartete Form. Im Verfassungskreislauf ist sie neben der Demokratie die entartete Form der Politie.

Direkte oder unmittelbare Demokratie bedeutet, dass Bürger die Macht selbst ausüben. Basisdemokratie ist eine direkte, von Vertretern unabhängige Volksherrschaft „von unten her“. Partizipatorische Demokratie will politische Mitwirkung vieler in möglichst vielen Bereichen erreichen. In einer Liquid Democracy kann der Bürger selbst abstimmen oder seine Stimme, auch zusammen mit gegebenenfalls übernommenen Stimmen, einer anderen Person übertragen; Übertragungen lassen sich jederzeit und für jede Entscheidung ändern oder zurücknehmen. Dies wird über ein Computernetz organisiert. Demarchie oder aleatorische Demokratie bestimmt Regierung oder Volksvertreter durch Los statt durch Wahlen; als Beispiel wird die Attische Demokratie genannt.

In repräsentativer oder mittelbarer Demokratie entscheiden nicht die Bürger selbst, sondern zyklisch gewählte Volksvertreter. Weitere genannte Varianten sind Rätedemokratie, deliberative Demokratie und illiberale Demokratie. Parteiendemokratie weist politischen Parteien eine entscheidende Rolle zu. Kanzlerdemokratie ist ein Sondertyp der repräsentativen Demokratie mit besonderer Machtstellung des Kanzlers. Plebiszitäre Demokratie verbindet Repräsentation mit zahlreichen direkten Einflussmöglichkeiten für Volk oder Bürger. Soziokratie bezieht meist auch normalerweise nicht wahlberechtigte Einwohner ein; eine klare Abgrenzung zu Demokratie oder Ochlokratie ist nicht möglich.

Diktatur und ihre Varianten

Diktatur bedeutet im lateinischen Ursprung „vorschreiben, befehlen“. Ein römischer Diktator war ursprünglich ein in Notzeiten auf Zeit mit Sondervollmachten legitimierter Befehlshabender für alle Bereiche. Moderne Diktatur bedeutet dagegen Herrschaft eines einzelnen Diktators oder einer kleinen Gruppe ohne freie Wahlen. Moderne Diktatoren gelangen meist nicht durch Erbschaft oder Wahl wie Monarchen, sondern illegitim durch Sturz einer legitimen Staatsform an die Macht. Die Herrschaft kann autoritär oder totalitär sein; auch formelle Republiken und Monarchien können diktatorisch geführt werden. Als Beispiele des 20. Jahrhunderts werden Adolf Hitler und Josef Stalin genannt.

Despotie oder Tyrannei ist meist eine entartete diktatorische Monarchie, in der ein Despot unumschränkt herrscht; Kennzeichen sind Willkür und Tyrannei. Die Diktatur des Proletariats ist politische Herrschaft speziell der Arbeiterklasse. Im Einparteiensystem herrscht diktatorisch eine Partei, in der Militärdiktatur ein militärisches System. Eine personelle Diktatur ist auf eine Führungsperson fixiert, weniger ideologisch und eine Sonderform charismatischer Herrschaft. Mischformen verbinden die genannten Diktaturformen.

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