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Demokratie: Die beste aller Staatsformen?

MrWissen2go Geschichte | Terra X11:01 339.276 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 123 Zeilen
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  1. Vor einiger Zeit hab ich mal auf meinem Kanal gefragt: Würdet ihr der Aussage zustimmen,
  2. unsere Demokratie ist die beste Regierungsform, die wir haben können? Viele finden schon, dass die Demokratie die beste Staatsform ist,
  3. aber noch mehr stimmten eben nicht zu oder sind sich nicht sicher, hier seht ihr das Ergebnis.
  4. Das hat mich ehrlich gesagt schon ziemlich überrascht. Andererseits hören und sehen wir auch immer wieder,
  5. wie Menschen an der Demokratie zweifeln. Denn die ist alles andere als perfekt und fehlerlos.
  6. Die Frage ist aber: Welche Alternativen zur Demokratie gibt es denn?
  7. Diese Frage werden wir in diesem Video hier beantworten. Mit Beispielen aus der Geschichte und - mit Star Wars. Los geht's.
  8. Was ist eigentlich eine Demokratie? Schauen wir uns vielleicht zuerst mal das Wort an.
  9. Das Wort Demokratie stammt aus dem Altgriechischen. Demos ist das Volk und Kratos bedeutet Herrschaft.
  10. Demokratie ist also die Herrschaft des Volkes. Und die alten Griechen haben schon
  11. über die verschiedenen Formen von Herrschaft nachgedacht. Wenn eine Person herrscht, dann spricht man von einer Monarchie.
  12. Wenn diese Alleinherrschaft sehr grausam ist, kann man auch von Tyrannei sprechen.
  13. Oder es herrscht eine Gruppe, dann kann das eine Oligarchie sein: die Diktatur einer Partei
  14. oder auch die Herrschaft von besonders weisen Menschen, Experten. Und man kann natürlich auch auf die Idee kommen,
  15. dass etwa in einer Stadt, einem Stadtstaat, den man altgriechisch Polis nennt,
  16. dass alle Leute, die in dieser Stadt leben, gemeinsam entscheiden und regieren.
  17. Genau das, was ich eben beschrieben habe, ist eben die Demokratie.
  18. Und diese Regierungs- oder Staatsform entwickelt sich zwischen 508 vor Christus und 322 vor Christus.
  19. Und zwar durch die Einwohner von Athen. Demokratie aller - das trifft es in diesem Fall allerdings nicht ganz,
  20. wenn man genau hinschaut. In dieser Demokratie
  21. sind alle freien Männer ständig am Staatswesen beteiligt. Sklaven oder Frauen haben politisch nichts zu sagen.
  22. Aber immerhin sind um die 30.000 bis 35.000 Männer beteiligt. Diese Männer stimmen aktiv ab.
  23. Sie übernehmen Ämter in der Verwaltung oder als Richter. Natürlich kommen nicht 30.000 Männer zur Volksversammlung zusammen,
  24. aber es dürften schon regelmäßig so um die 6.000 Personen sein. Athen braucht jedes Jahr 1.100 Amtsträger.
  25. Von denen werden etwa 100 gewählt, und etwa 1.000 werden per Los bestimmt.
  26. Denn die Athener gehen davon aus, dass die Gewählten nur besonders wichtige oder komplexe Aufgaben übernehmen.
  27. Alles andere kann jeder Mann erledigen. Alles sind gleich - na ja, fast alle, wie gesagt.
  28. Das Losglück deutet nach Überzeugung der Athener auch darauf hin, dass hier vielleicht die Götter mit aussuchen,
  29. wer welche Position übernehmen soll. Auf jeden Fall werden jedes Jahr
  30. 6.000 Männer schon mal zu Richtern ernannt. Ihr seht: In der athenischen Demokratie
  31. sind viele Bürger ständig am Staatswesen beteiligt. Diese antike Demokratie ist also sehr anders
  32. als unsere moderne Demokratie. Na ja, das mit den Richtern
  33. kennt ihr vielleicht 'n bisschen ähnlich aus den USA. Dort gibt es die Geschworenen:
  34. Bürger:innen, die keine Juristen sind, die aber das Urteil fällen.
  35. Aber auch die erste Demokratie steht schon in der Kritik. Vor allem die Philosophen warnen vor einer Herrschaft des Pöbels.
  36. Und da sieht man schon ein Grundproblem der Demokratie: Wenn alle herrschen, dann bestimmen eben auch manchmal Menschen,
  37. die kaum Erfahrung oder Können besitzen. Die reine Mehrheit kann auch sehr grausam sein.
  38. Man sagt damals: "Tyrannei der Masse" Der Franzose Alexis de Tocqueville wird Demokratie im 19. Jahrhundert
  39. sogar als "Tyrannei der Mehrheit" bezeichnen. Andererseits: Wenn nur wenige, gut Ausgebildete herrschen,
  40. dann ist die große Masse unfrei. Und die Menschen sind auch nicht gleich.
  41. Insgesamt sehen viele Philosophen in der Antike die Demokratie schon ziemlich kritisch.
  42. Sie bevorzugen Verfassungen, die die Macht verteilen und kontrollieren, aber keine breite Beteiligung aller Bürger.
  43. Es wird befürchtet, dass besonders geschickte Redner es schaffen können, mehr und mehr Leute auf ihre Seite zu ziehen.
  44. Sich allein zum Anführer zu machen. Womit sie recht behalten werden, diese Leute, die das befürchten,
  45. denn die Geschichte hat gezeigt, dass die Demokratie recht leicht umstürzen kann in eine Diktatur.
  46. Vielleicht kennt ihr diesen Satz: "Um weiterhin allgemeine Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten,
  47. wird die Republik umgestaltet werden, und zwar zum ersten Galaktischen Imperium."
  48. "Zum Wohle und Nutze einer stabilen und sicheren Gesellschaft." Genau das sagt der böse Palpatine
  49. im Film "Star Wars - Die Rache der Sith", als er unter dem Jubel im Senat seine Diktatur errichtet.
  50. Ja, ein Film, aber: ein Film, der sich an historischen Vorbildern orientiert.
  51. Auch die Nationalsozialisten kommen auf demokratischem Wege an die Macht, und schaffen dann sofort die Demokratie ab - mit brutaler Gewalt.
  52. Die Nazis haben zwar keinen Todesstern, aber paramilitärische Schlägertruppen.
  53. Und auch Hitler macht sich die Armee untertan. Ich hab euch das schon mal in 'nem anderen Video genauer erklärt,
  54. oben auf dem "i" oder unten in der Infobox. Die Nazis begründen ihre Diktatur so:
  55. Die beste Regierung ist eine, die im Einvernehmen, im Einverständnis mit dem Volk herrscht,
  56. die weiß und versteht, was für das Volk das Beste ist. Das ist: der Führer.
  57. Dieser Führer soll das machen, was für das Volk am besten ist, und das Volk gehorcht deshalb, ohne zu diskutieren.
  58. Nur am Rande: Am Ende von Hitlers Herrschaft ist das deutsche Volk am Boden zerstört.
  59. Die Herrschaftsbegründung der Nazis war eine glatte Lüge. Die Kommunisten begründen ihre Diktaturen auch damit,
  60. die unterdrückten Klassen zu befreien, und auf dem Weg zur herrschaftsfreien Demokratie
  61. muss eben die Diktatur des Proletariats die Wende einläuten. In der Geschichte gibt es viele Palpatines.
  62. Diktaturen führen immer zu Mord und Terror, meistens auch zu Kriegen.
  63. Aber die Diktatur ist nicht die einzige Alternative zur Demokratie. Schon Aristoteles zählt in der griechischen Staatenwelt
  64. und darum herum 158 verschiedene Verfassungen. Bei den alten Römern gibt es lange Zeit eine Republik.
  65. Dort darf das Volk von Rom bei Versammlungen auch seine Amtsträger wählen.
  66. Aber das Sagen hat eigentlich der Senat, ein Gremium, in dem die reichen und adligen Familien sitzen.
  67. Aber immerhin: Es regieren mehrere gemeinsam, die aufeinander angewiesen sind.
  68. Bis Julius Cäsar und nach ihm der Kaiser Augustus die Alleinherrschaft des Kaisers aufrichten - auch so ein Palpatine.
  69. Die Königsherrschaft ist in Europa das ganze Mittelalter hindurch die normale Form der Herrschaft.
  70. Je nach Herrscher kann sie den Menschen auch Wohlstand und Glück bescheren.
  71. Es ist aber klar: Das Sagen hat der König. Schließlich in der Form des absoluten Monarchen,
  72. wenn der König niemandem mehr rechenschaftspflichtig ist. In dieser Monarchie haben die Unter- tanen keine politische Mitsprache.
  73. Aber ein aufgeklärter Herrscher, wie etwa Preußenkönig Friedrich der Zweite,
  74. versteht sich als Erster Diener des Staates. Es kommt also nicht auf den Herrscher selbst an,
  75. wie im Mittelalter, sondern auf das Staatswesen. Aber es gilt: Alles für das Volk und nichts durch das Volk.
  76. Die Menschen merken im 19. Jahrhundert, dass das nicht so gut funktioniert.
  77. Die Gesellschaften werden arbeitsteiliger, komplexer. Der Grundbesitz ist nicht mehr die einzige Quelle des Reichtums.
  78. Vielmehr werden Händler und Industrielle reich Die Bürger, die das Land
  79. wirtschaftlich und kulturell am Laufen halten, wollen politische Mitsprache.
  80. In England erkämpft sich das Parlament wichtige Rechte. Könige müssen auch anderswo ihre Macht mit Parlamenten teilen.
  81. Einige wollen das nicht und treten zurück, wie der bayerische König Ludwig der Erste.
  82. Er will sich keiner Verfassung beugen. Aber diese Zeiten sind vorbei - zumindest in Europa.
  83. Im 18. Jahrhundert werden dann Theorien für eine moderne Demokratie entwickelt:
  84. die Trennung der drei Gewalten: Gesetzgebung, also Legislative, Regierung - Exekutive - und Rechtsprechung - Judikative.
  85. Oder die Theorie von der Rechtmäßigkeit einer Herrschaft, die auf das Allgemeinwohl abzielt.
  86. Oder auch die Theorie, dass alle Macht vom Volk ausgeht und nicht vom König.
  87. Der Wunsch nach Demokratie zeigt, dass die Bürger frei sein und über das Gemeinwesen mitbestimmen wollen.
  88. Er zeigt den Wunsch nach Gleichheit. 1789 ereignet sich die Französische Revolution:
  89. Das Volk fegt den König hinweg und regiert sich selbst. Eine sehr intensive Phase,
  90. die schnell zur Diktatur eines Wohlfahrtsausschusses, einer kleineren Gruppe übergeht, und schließlich
  91. in der Alleinherrschaft von Kaiser Napoleon mündet. Aber die Ideen werden im 19. Jahrhundert wieder aufgegriffen,
  92. zum Beispiel in der Revolution von 1848/49. Das deutsche Parlament wird zwar wieder aufgelöst
  93. und die Fürsten behaupten ihre Macht durch militärische Gewalt, aber die Demokratie kommt in Europa ganz langsam voran.
  94. Woanders geht es schneller: in den USA. Abraham Lincoln fasst es so zusammen:
  95. In den USA wird auch das ausprobiert, was heute in den modernen großen Staaten, die wir haben,
  96. Gang und Gäbe ist: repräsentative Demokratie. Die Bürgerinnen und Bürger wählen Abgeordnete,
  97. die in ihrem Auftrag im Parlament entscheiden und eine Regierung bilden.
  98. Im 20. Jahrhundert setzt sich auch in Europa die Demokratie durch. Auch wenn es immer wieder Rückschläge gibt,
  99. wie die Hitler-Diktatur oder die Diktatur von Franco in Spanien. Die Demokratie in Form der parlamen- tarischen repräsentativen Demokratie.
  100. Nur die hat ein Problem: Sie arbeitet relativ langsam. Viele Leute wollen schnellere, direkte Verfahren.
  101. Abstimmungen aller Bürgerinnen und Bürger. Volksentscheide über diese oder jene Frage.
  102. Soll ein Tempolimit eingeführt werden? So eine Frage wäre ja noch ziemlich einfach zu klären,
  103. aber was ist damit: Soll die deutsche Marine an der afrikanischen Küste
  104. gegen Kriminelle vorgehen? Und wie? Wie hoch soll ein Mindestlohn sein?
  105. Wie soll das Steuerrecht in Sachen Ehegattensplitting verändert werden? Wie regeln wir, wie viel englische und europäische Fischer
  106. in der Nordsee fangen dürfen? Je komplizierter eine Frage wird,
  107. desto schwieriger ist es natürlich, sie zu beantworten. Die Erfahrungen aus der Schweiz,
  108. wo es ja Volksabstimmungen landesweit gibt, zeigen, dass meistens die besser Ausgebildeten
  109. und damit auch die mit den besseren Jobs, die also auch reicher sind, an solchen Abstimmungen teilnehmen.
  110. Menschen, die finanziell schlechter gestellt sind, haben dann also weniger zu sagen.
  111. Und auch hier sind wir dann wieder bei einem bekannten Problem der Demokratie.
  112. Zum Thema Volksentscheid auf Bundesebene findet ihr ein Video, wenn ihr oben auf das "i" klickt.
  113. Klar ist auf jeden Fall: Die Demokratie ist nicht perfekt. Jeder ärgert sich über manche Entscheidungen.
  114. "Tyrannei weniger", sagen einige. Lobbyismus, Korruption, schwerfällige und lange Entscheidungsprozesse.
  115. Es gibt da sicher noch unzählige Punkte. Theoretisch gibt es eine ganze Menge Alternativen zur Demokratie,
  116. aber im echten Leben ist jede Alternative zur Demokratie eine Alternative, die weniger Freiheit,
  117. mehr Angst, weniger Recht bringt, und ich bin froh, das Glück zu haben in einem Land zu leben,
  118. das Bürger und Menschenrechte in seiner Verfassung verankert hat, um es 'n bisschen pathetisch zu sagen.
  119. Oder vielleicht wie es Winston Churchill 1947 in einer Rede vor dem Unterhaus einmal meinte:
  120. Was meint ihr? Wie könnte Demokratie aussehen? Wie könnten wir sie umgestalten?
  121. Schreibt's gerne unten in die Kommentare. Und hier neben mir findet ihr noch ein Video zur Weimarer Verfassung,
  122. und direkt darunter eins der Kollegen von Terra Xplore zu der Frage, welchen Einfluss Social Media auf unsere Wahlentscheidung hat.
  123. Danke fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.

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