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Liquiditätsfalle
Liquiditätsfalle (englisch liquidity trap) ist in der Volkswirtschaftslehre ein von John Maynard Keynes eingeführter Begriff für den Teil der Kurve der …
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Begriff und Grundmechanismus
Die Liquiditätsfalle (englisch liquidity trap) ist ein von John Maynard Keynes eingeführter Begriff der Volkswirtschaftslehre. Gemeint ist der Teil der Kurve der Liquiditätspräferenz, in dem die Geldnachfrage zu Spekulationszwecken unendlich zinselastisch ist. Eine zusätzliche Geldmenge führt dann nicht zu weiter sinkenden Zinsen oder zu mehr Investitionen, sondern wird als zinsloses Bargeld gehalten und damit gehortet.
Die Ursache liegt darin, dass die Transaktionskosten einer Geldanlage den erwarteten Zins übersteigen können. Bei einem sehr niedrigen Zinsniveau erwarten die Wirtschaftssubjekte tendenziell steigende Marktzinsen. Sie halten deshalb Vorsichtskasse, also sofort verfügbares Bargeld, weil bei steigenden Zinsen der Wert bereits gekaufter Wertpapiere sinken würde. Nach Keynes’ Hauptwerk Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes vom Februar 1936 entsteht dadurch eine „Massenbewegung ins Bargeld“: Weitere Liquidität wird nicht in Wertpapiere oder Güter geleitet, sondern dem Wirtschaftskreislauf entzogen. Der Zinssatz sinkt dann nicht weiter.
Als kritischer Zinssatz gilt der Strike-Zins. Er wird nicht unterschritten, weil die Wirtschaftssubjekte trotz eines höheren Geldbestandes nicht mehr in Zinstitel investieren. Die Liquiditätsfalle kann bei einem Zinssatz nahe oder genau null auftreten; im Allgemeinen wird als Extremfall auch ein Negativzins genannt.
Liquiditätsprämie und wirtschaftliche Folgen
Liquides Geld ist sofort für Käufe und Investitionen verfügbar. Dieser Vorteil gegenüber langfristig investiertem Vermögen und gegenüber Waren wird von Keynes als Liquiditätsprämie oder liquidity preference bezeichnet. Keynes bezifferte diesen Liquiditätsvorteil auf etwa 3 %. Flüssiges Geld wird daher grundsätzlich nur dann als Kredit am Finanzmarkt angeboten und zu Geldkapital, wenn der erwartete Geldzins den Liquiditätsvorteil von etwa 3 % übersteigt oder zumindest ausgleicht.
Für Investitionen mit einer Rendite unterhalb dieser „ehernen Grenze“ von etwa 3 % wird kein Geld bereitgestellt. Das betrifft sowohl Investitionen in Sachkapital als auch Anlagen am Kreditmarkt. Da die erwartete Rendite des Sachkapitals, der sogenannte Sachzins oder Realkapitalzins, bei wachsendem Sachkapitalstock stetig abnimmt, können langfristig wichtige Investitionen unterbleiben. Das Geld steht dem Wirtschaftskreislauf dann nur noch kurzfristig zur Verfügung und wird wegen der erwarteten Liquiditätsprämie gehortet. Das ursprünglich als Tauschmittel dienende Geld wird dadurch zu einem dem Wirtschaftskreislauf entzogenen Schatzmittel; langfristige Finanzmittel fehlen, und es kommt zu einer Kreditverknappung.
Nach Keynes führt ein Absinken des Sachzinses auf unter 3 % in die Liquiditätsfalle. Mögliche Folgen sind eine strukturelle Nachfragelücke, langfristige Deflation, latente Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit. Der Staat greift dann häufig mit umfangreichen Finanzspritzen oder Zinssenkungen der Zentralbank ein. Dadurch können gleichzeitig eine latente Inflationsgefahr und eine steigende Deflationsgefahr entstehen. Nach Keynes kann die anhaltende Liquiditätsprämie außerdem zu gewaltigen Vermögensumverteilungen führen, weil Geld weder für Wertpapiere noch für Güter ausgegeben wird, sondern in der Spekulationskasse bleibt.
Grenzen der Geldpolitik und staatliche Reaktion
Die Aussage, dass Geldpolitik in der Liquiditätsfalle unwirksam ist, gilt nur für eine expansive Geldpolitik, also für eine Erhöhung der Geldmenge. Eine hinreichend große Geldmengensenkung kann dagegen einen Nachfrageüberhang auf dem Geldmarkt erzeugen: Die Geldnachfrage übersteigt dann das Geldangebot. Nach dem im Artikel genannten Zusammenhang mit dem Walras-Gesetz entspricht dem ein Angebotsüberhang auf dem Wertpapiermarkt, sodass Wirtschaftssubjekte einen Teil ihrer Wertpapiere verkaufen.
Die dadurch sinkenden Wertpapierkurse führen der Theorie zufolge zu einem Zinsanstieg. Eine solche Politik kann die Liquiditätsfalle verlassen, erhöht aber zunächst nur das Zinsniveau. Bei zinselastischer Investitionsnachfrage sinkt das gesamtwirtschaftliche Einkommen, weil nun weniger Investitionen lohnend sind. Zusammen mit der Investitionsfalle und nach unten unflexiblen Löhnen kann dies das von Keynes beschriebene Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung erklären.
Da eine weitere Zinssenkung die Nachfrage nach Wertpapieren nicht steigert, muss in dieser Situation der Staat aktiv werden, beispielsweise durch expansive Fiskalpolitik. Eine staatliche Ausgabenerhöhung bedeutet dann, dass der Staat investiert, um einer Deflation vorzubeugen.
Keynes nahm an, dass Geld ein unverderbliches Gut sei und ein negativer Zinssatz nicht existieren könne. In einem Wirtschaftssystem, in dem das Halten von Geld in der Spekulationskasse mit Verlust verbunden wäre und Geld dem Wirtschaftskreislauf nicht ohne Nachteile entzogen werden könnte, gäbe es nach dieser Überlegung keine Liquiditätsfalle.
Monetaristische und neukeynesianische Ansätze sowie Begriffsabgrenzung
Milton Friedman entwickelte in einem Gedankenexperiment die Idee des Helikoptergeldes. Außerdem wird in Japan und den Vereinigten Staaten seit längerer Zeit quantitative Lockerung als geldpolitisches Mittel eingesetzt. Studien zur quantitativen Lockerung in den Vereinigten Staaten zeigen, dass sie grundsätzlich geeignet ist, auch bei nominalen Zinsen an der Nulllinie die Realzinsen zu senken.
Im umgangssprachlichen Gebrauch wird „Liquiditätsfalle“ manchmal dafür verwendet, dass Unternehmen trotz guter Kreditwürdigkeit keine Kredite erhalten. Für diese Situation ist jedoch der Begriff Kreditklemme zutreffender.