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Spekulation (Wirtschaft)
Profitable Spekulation erhöht nach Friedman die niedrigen Preise, senkt die hohen Preise und nivelliert damit Preisschwankungen. Friedman folgerte hieraus …
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Begriff und Grundprinzip
Spekulation ist im Wirtschaftsleben die mit Risiko verbundene Ausnutzung von Kurs-, Zins- oder Preisunterschieden innerhalb eines bestimmten Zeitraums, um Gewinn mitzunehmen. Sie wird in der Wirtschaftswissenschaft wertneutral verwendet und gehört neben Arbitrage und Hedging zu den Finanzmanagementstrategien.
Dabei hält ein Marktteilnehmer eine offene Position: bei einer Long-Position wurde ein Objekt gekauft, bei einer Short-Position zunächst verkauft. Die Position wird später durch Verkauf oder Kauf glattgestellt. Spekulationsobjekte können Finanzinstrumente wie Immobilien, Forderungen, Verbindlichkeiten, Wertpapiere, Devisen, Sorten, Edelmetalle und Derivate sein, außerdem Handelswaren oder Kunstwerke. Entscheidend ist, dass sie ausschließlich zur Gewinnerzielung gehalten werden.
Da die spätere Kurs-, Zins- oder Preisentwicklung beim Geschäftsabschluss ungewiss ist, trägt der Spekulant Marktrisiko und trifft eine Entscheidung unter Ungewissheit. Spekulation liegt bereits vor, wenn eine offene Position aus reinem Gewinninteresse nicht sofort geschlossen wird. Wegen unterschiedlicher Haltedauern, Long- oder Short-Entscheidungen sowie Strategien lässt sich nicht immer eindeutig sagen, dass einem Gewinner genau ein Verlierer gegenübersteht.
Kaufen, Leerverkaufen und Abgrenzung
Üblicherweise kaufen Spekulanten ein Objekt und verkaufen es später, weil sie auf einen Preisanstieg setzen. Sie können jedoch auch von fallenden Preisen profitieren: Beim Leerverkauf verkauft der Spekulant ein Objekt zunächst zu einem hohen Preis, obwohl er es noch nicht besitzt. Später kauft er es günstiger, um das Geschäft zu decken. Leerverkäufer gehen davon aus, dass ein überbewertetes Objekt wegen seines niedrigeren Fundamentalwerts im Kurs fallen wird.
Von der Kapitalanlage unterscheidet sich Spekulation durch Ziel und Haltedauer. Kapitalanleger wollen vor allem Erträge wie Zinsen oder Dividenden erhalten und ihr Vermögen langfristig steigern; sie interessieren sich für die Anlage selbst und verfolgen häufig „buy and hold“. Spekulanten nutzen das Objekt als Mittel für einen erwarteten Preisgewinn. Im Hochfrequenzhandel oder automatisierten Handel können Positionen nur Sekunden oder Minuten gehalten werden; Daytrading zielt auf tägliche Gewinnmitnahme.
Arbitrage ist keine Spekulation: Bei ihr werden Preis-, Zins- oder Kursunterschiede gleichzeitig an verschiedenen Orten ausgenutzt und Positionen zugleich geschlossen. Da alle Informationen beim Abschluss vorliegen, gilt sie als risikolos; der Informationsgrad beträgt 100 %.
Wirtschaftliche Funktionen
Spekulation kann eine Preisausgleichsfunktion erfüllen. Spekulanten kaufen bei niedrigen Preisen, weil sie steigende Preise erwarten. Treten diese ein, verkaufen sie und erhöhen damit das Angebot; der Preis wird gesenkt und kann sich dem Gleichgewichtspreis annähern. Als preisstabilisierend gilt Spekulation, wenn sie die Höhe der Preisausschläge, gemessen an der Häufigkeit der Preisschwankungen, verringert. Moderne Theorien beurteilen die Stabilisierung seit 1963 insbesondere über die Informationseffizienz der Märkte. Umstritten bleibt, ob Spekulation tatsächlich stabilisiert oder Schwankungen verstärkt.
Sie kann außerdem Risiken verteilen. Spekulanten übernehmen als Risikoträger Preisänderungsrisiken von Herstellern, Verarbeitern und Abnehmern von Waren und Rohstoffen. Diese anderen Marktteilnehmer können ihre betrieblichen Risiken durch Hedging, also Absicherungsgeschäfte, vermindern. Ohne risikofreudige Spekulanten müssten risikoaverse Marktteilnehmer einen Teil dieser Risiken selbst tragen.
Für Spekulation ist Liquidität nötig: Objekte müssen jederzeit auf Märkten mit genügend Käufern und Verkäufern handelbar sein. Die dadurch mögliche hohe Transaktionsgeschwindigkeit ist wesentlich. Spekulation erhöht zumindest in Phasen geringer Kursschwankungen die Marktliquidität und trägt zur Preiserkennung bei. Sie hat aber keine Versorgungsfunktion, weil Spekulanten die erworbenen Vermögenswerte nicht zu ihrem eigentlichen Zweck nutzen.
Spekulation in Unternehmen und Banken
Unternehmen können Finanz- oder Sachmittel einsetzen, um Kurs- oder Preisgewinne zu erzielen. Ressourcenallokation bedeutet dabei die zielgerichtete Zuteilung von Arbeitskräften, Finanzmitteln und Sachmitteln auf Projekte. Das Halten von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen oder Fertigerzeugnissen enthält zwar ein offenes Preisrisiko, ist aber normalerweise keine Spekulation: Es dient dem Betriebszweck Produktion und Verkauf.
Bei Nichtbanken kann Spekulation vorliegen, wenn offene Positionen wie Wertpapiere, Devisen oder Fremdwährungskredite nicht durch Kurssicherung abgesichert werden. Auch mittel- und langfristige Bankguthaben und Bankkredite mit variablen Zinsen tragen ein Zinsänderungsrisiko und können spekulativen Charakter haben. Der Spekulationsgewinn muss um Transaktionskosten sowie Kosten des Haltens bereinigt werden, etwa Lager-, Finanzierungs- und Versicherungskosten; diese heißen Cost of carry. Problematisch kann es werden, wenn Unternehmen in Spekulation hineingezogen werden.
Kreditinstitute betreiben Spekulation im Eigenhandel, also im eigenen Namen und für eigene Rechnung statt für Kunden, um kurzfristige Handelsgewinne zu erzielen. Auch Zinsänderungsrisiken aus Inkongruenzen bei der Refinanzierung können spekulativen Charakter haben und gehören zum Transformationsbeitrag. Trading am Financial-Future-Markt ist eine Spekulationsform.
Risiken, Blasen und Finanzkrisen
Spekulative Erwartungen können sich als falsch erweisen. Bei weitgehend gleichen Erwartungen kann Herdenverhalten entstehen: Marktteilnehmer folgen einander, und positives Feedback-Trading verstärkt bereits bestehende Trends. Die Volatilität, also die Stärke der Preisschwankungen, steigt.
Eine Spekulationsblase entsteht, wenn optimistische Erwartungen über eine Trendfortsetzung die Spekulation ausweiten, zum Teil kreditfinanziert wird und zusätzlich Kapazitäten aufgebaut werden. Dann können die Fundamentalwerte der Realwirtschaft die zugeschriebenen Kurse oder Preise nicht mehr stützen. Adam Smith beschrieb diesen Zustand 1811 als „overtrading“ (Überspekulation). Von einer Blase wird gesprochen, wenn Börsenkurse deutlich über den fundamentalen Werten liegen und die Abweichung selbst dann fortbesteht, wenn Anleger die Überbewertung kennen. Nach ihrem Platzen können Kurse oder Preise wieder zum Ausgangswert zurückkehren.
Spekulationsblasen beruhen stets auf vorangegangener Spekulation; Finanzkrisen können dagegen auch andere Ursachen haben. Spekulation kann sie verursachen oder verschärfen, wenn sie Preise destabilisiert und sich von einem Markt auf die Gesamtwirtschaft ausbreitet. Hohe Kreditzinsen nach einer Blase können Inflation und einen Preisverfall von Vermögenswerten auslösen. Verluste können Unternehmen in eine Unternehmenskrise führen, einen wichtigen Indikator einer Finanzkrise.
Kritiker machen Spekulation unter anderem für Währungs- und Wirtschaftskrisen verantwortlich und befürworten etwa Finanztransaktionssteuern oder eine Tobin-Steuer. Nach herrschender Auffassung der Wirtschaftswissenschaften würden höhere Transaktionskosten jedoch Arbitrage und Markteffizienz verringern und Spekulation eher erleichtern. Empirische Ergebnisse zeigen einen eindeutigen positiven Zusammenhang zwischen Transaktionskosten und Preisvolatilität.
Marktteilnehmer, Gewinn und Sonderbegriffe
Privatanleger konzentrieren sich meist auf mittel- und langfristige Kapitalanlage und nutzen „buy and hold“. Institutionelle Anleger verbinden mittlere oder lange Anlagehorizonte mit Vermögenserhöhung, können aber auch über Timing-Strategien Gewinne mitnehmen. Arbitrageure, Spekulanten und Trader verfolgen vor allem kurzfristige, teils mittelfristige Handelsstrategien und verwenden Timing-Strategien. Ausnahmen sind möglich: Privatanleger können kurzfristige Termingelder halten, während Immobilienspekulation mittelfristig sein kann. Spekulanten interessiert das Anlageobjekt vor allem als Vehikel für die Gewinnmitnahme, nicht wegen seiner Eigenschaften.
Ein Spekulationsgewinn entsteht bei der Glattstellung, wenn der Verkaufspreis über den Anschaffungskosten liegt. Wegen der Ungewissheit kann ebenso ein Spekulationsverlust entstehen. In Deutschland ist der Gewinn nach § 23 Einkommensteuergesetz (EStG) steuerpflichtig, wenn bestimmte Objekte innerhalb eines bestimmten Spekulationszeitraums erworben und veräußert werden; dies gilt oft auch international.
„Hot money“ bezeichnet Gelder, die aus Spekulationsgründen kurzfristig zwischen Ländern auf Geld- oder Devisenmärkten verlagert werden. Ein ebenso schneller Abzug kann Krisen verstärken. Bei Ratingagenturen bedeutet die Ratingstufe „spekulativ“, dass ein Emittent, Schuldner oder Kreditnehmer nicht als anlagewürdig gilt: Die Objekte tragen ein besonders hohes Finanzrisiko und sind stark ausfallgefährdet.