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Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes

Sie erschien im Februar 1936 und gilt als sein wirtschaftswissenschaftliches Hauptwerk. John Maynard Keynes (1933). Das abstrakte und rein makroökonomische Werk …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk und Grundposition
  2. 2. Nachfrage statt automatisch ausgelasteter Produktion
  3. 3. Sparen, Investieren und Krise
  4. 4. Löhne, Preise und staatliche Ausgaben
  5. 5. Multiplikator und Liquiditätsfalle

Werk und Grundposition

John Maynard Keynes verfasste die Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes; sie erschien im Februar 1936 und gilt als sein wirtschaftswissenschaftliches Hauptwerk. Das abstrakte, rein makroökonomische Werk untersucht also die Wirtschaft als Ganzes: Produktion, Einkommen, Beschäftigung, Zins, Geld, Konsum und Investitionen.

Keynes wendet sich gegen klassische und neoklassische Postulate, besonders gegen den „natürlichen Zinssatz“ und das Saysche Theorem. Nach ihm tendiert ein freier Markt nicht automatisch zur Vollbeschäftigung, sondern kann bei Unterbeschäftigung im Gleichgewicht sein. Nach der Weltwirtschaftskrise 1929 wurde das Werk zur Grundlage neuer wirtschaftspolitischer Konzepte und der Keynesianischen Revolution.

Das Buch besteht aus sechs Büchern mit insgesamt 24 Kapiteln. Es behandelt unter anderem effektive Nachfrage, Einkommen, Ersparnis und Investition, Konsumneigung und Multiplikator, Investitionsanreize und Zinssatz, Nominallöhne und Preise sowie Konjunkturzyklen und wirtschaftspolitische Folgerungen.

Nachfrage statt automatisch ausgelasteter Produktion

In der orthodoxen Ökonomie bestimmen Unternehmen die Produktion und beschäftigen zur Gewinnmaximierung alle Arbeitskräfte, deren Lohnforderungen nicht über ihrer Grenzproduktivität liegen. Wegen der unterstellten Neutralität des Geldes soll weniger Konsum stets durch höhere Investitionen ausgeglichen werden; das Produktionspotenzial wäre dann voll ausgelastet.

Keynes zufolge bestimmt dagegen die Güternachfrage Produktion und Beschäftigung. Haushalte entscheiden über Konsumgüterkäufe, Unternehmen über Investitionen. Vollbeschäftigung ist nur ein Sonderfall: Sie erfordert ausreichend hohe Investitionen und dafür insbesondere niedrige Zinsen. Das Saysche Theorem, wonach Produktion ein entsprechendes Einkommen schafft, gewährleistet keine ausreichende Nachfrage. In einer Krise sinken Produktion und Einkommen gemeinsam.

Auch die Quantitätstheorie des Geldes trifft nach Keynes nicht allgemein zu. Preise werden nicht einfach durch die umlaufende Geldmenge gesteuert, sondern sind Folgen von Boom oder Absatzkrise. Solange Arbeitslosigkeit besteht, erhöht zusätzliches Geld die Beschäftigung nur insoweit, wie es die Nachfrage erhöht. Erst bei Vollbeschäftigung verändern sich Preise im Verhältnis zur Geldmenge.

Sparen, Investieren und Krise

Die klassische Vorstellung eines Kapitalmarkts beruht nach Keynes auf einem Trugschluss: Wenn einzelne Haushalte den Konsum um den Betrag X senken, steigt zwar ihre persönliche Geldersparnis. Zugleich sinkt aber das Einkommen in der Gesamtwirtschaft um X; anderen Haushalten fehlt dieser Betrag für weitere Ausgaben. Aus Konsumverzicht entsteht daher makroökonomisch kein zusätzliches Angebot an Ersparnissen, das Unternehmen über sinkende Zinsen für Investitionen nutzen könnten.

Ersparnis und Investition sind bei Keynes immer identisch. Die Unternehmen bestimmen jedoch die Investitionen. Wollen Haushalte bei unzureichender Investition mehr sparen, verringern sie ihren Konsum. Dadurch sinken Güternachfrage, Produktion, Einkommen und Beschäftigung; Unternehmen können ihre Investitionen weiter kürzen. Es gibt keinen Marktmechanismus, durch den der Sparwunsch über sinkende Zinsen automatisch genügend Investitionen hervorbringt.

Dieses Sparparadoxon verschärft Krisen: Mehr gewünschtes Sparen kann über weniger Konsum zu weniger Investition und damit sogar zu sinkender tatsächlicher Ersparnis führen. Umgekehrt kann mehr Konsum höhere Investitionen und damit höhere Ersparnisse bewirken. Nach der Darstellung können Geld- und Finanzpolitik solche sich verstärkenden Entwicklungen zur deflationären Depression oder Hyperinflation aufhalten.

Löhne, Preise und staatliche Ausgaben

Die orthodoxe Theorie erklärt Beschäftigung über den Reallohn. Keynes hält dagegen, dass Beschäftigte über Nominallöhne, nicht über Reallöhne verhandeln. Sinkende Nominallöhne können bei gleichzeitig fallenden Preisen in einer Deflation sogar zu steigenden Reallöhnen führen. Investoren können bei erwarteten weiteren Lohn- und Preisrückgängen weniger investieren.

Flexible Löhne und Preise stabilisieren die Konjunktur daher nach Keynes nicht unbedingt. Sinkende Löhne verringern die Kaufkraft; sinkende Preise erhöhen Schuldenlast und Realzins. Erwartete Lohnsenkungen wirken auf Investitionen wie ein höherer Realzins. Lohnabbau und Deflation führen nach dieser Sicht tiefer in die Depression. Keynes behauptete nicht, Vollbeschäftigung werde wegen starrer Löhne oder Preise verfehlt.

Deficit Spending bezeichnet staatliche Ausgabenüberschüsse. Wenn private Nettoinvestitionen in einer schweren Krise ausbleiben, kann der Staat durch zusätzliche Ausgaben den Privaten höhere Einkommen und entsprechende Ersparnisse ermöglichen. Antizyklische Finanzpolitik verlangt zugleich, im Aufschwung Steuern zu erhöhen, um die in der Rezession entstandenen ausgabenbedingten Schulden zu tilgen.

Multiplikator und Liquiditätsfalle

Richard Kahn erwähnte 1931 den Beschäftigungsmultiplikator: Zusätzliche Beschäftigung erzeugt Einkommen und Konsum und damit indirekt weitere Beschäftigung. Keynes übernahm den Gedanken als Investitionsmultiplikator. Weil Ersparnis mit Investition identisch ist und die Sparquote einen Teil des Einkommens festlegt, führen Änderungen der Investition zu verstärkten Änderungen von Einkommen und Beschäftigung.

Die Sparquote zusätzlichen Einkommens bestimmt den Multiplikator. Bei einer Sparquote von 20 % beträgt er 5: Das Einkommen kann um das Fünffache zusätzlicher Staatsschulden, zusätzlicher Investitionen oder zusätzlicher Exportüberschüsse wachsen. Umgekehrt kann die Wirtschaft um das Fünffache von Sparmaßnahmen des Staates, Investitionskürzungen oder Außenhandelsverlusten schrumpfen. Keynes behauptete nicht, der Multiplikatoreffekt führe automatisch zu einem neuen Marktgleichgewicht.

Liquiditätspräferenz bedeutet die Neigung von Geldbesitzern, Geld liquide zu halten. Unter dem Goldstandard war dies wegen des festen Goldkurses nahezu risikolos. Langfristige Anleihen haben dagegen ein Kursrisiko. In einer Krise kann der langfristige Zins deshalb nicht tief genug fallen, um die Krise allein durch expansive Geldpolitik zu beenden: Bei einer Liquiditätsfalle sollen Finanz- und Wirtschaftspolitik die Konjunktur zusätzlich beleben.

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