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Lineare Hülle

In der linearen Algebra ist die lineare Hülle (auch der Spann, Span [aus dem Englischen, von [linear] span], Aufspann, Erzeugnis oder Abschluss genannt) …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Formale Definition
  3. 3. Gleichwertige Sichtweisen und Schreibweisen
  4. 4. Wichtige Eigenschaften
  5. 5. Typische Beispiele

Grundidee und Bedeutung

Die lineare Hülle einer Teilmenge A eines Vektorraums V über einem Körper K ist die Menge aller Vektoren, die sich als Linearkombinationen von Vektoren aus A darstellen lassen. Eine Linearkombination ist eine endliche Summe von Vektoren, die jeweils mit einem Skalar aus K multipliziert werden.

Die lineare Hülle ist ein Untervektorraum von V. Sie ist zugleich der kleinste Untervektorraum, der A enthält. Eine Menge A ist daher ein Erzeugendensystem ihrer linearen Hülle.

Formale Definition

Für A ⊆ V gilt

⟨A⟩ = {∑ᵢ₌₁ⁿ λᵢaᵢ | λᵢ ∈ K, aᵢ ∈ A, n ∈ ℕ}.

Dabei dürfen beliebige Vektoren aᵢ aus A und Skalare λᵢ aus K gewählt werden; die Summe ist stets endlich.

Für eine endliche Menge A = {a₁, a₂, …, aₙ} vereinfacht sich dies zu

⟨{a₁, a₂, …, aₙ}⟩ = {λ₁a₁ + λ₂a₂ + … + λₙaₙ | λ₁, λ₂, …, λₙ ∈ K}.

Die lineare Hülle der leeren Menge ist der Nullvektorraum:

⟨∅⟩ = {0}.

Der Grund ist, dass die leere Summe von Vektoren definitionsgemäß den Nullvektor ergibt.

Gleichwertige Sichtweisen und Schreibweisen

Die lineare Hülle von A kann gleichwertig auf zwei weitere Arten beschrieben werden:

• Sie ist der kleinste Untervektorraum von V, der A enthält.

• Sie ist die Schnittmenge aller Untervektorräume U von V, die A enthalten.

Übliche Schreibweisen sind span(A), Span(A), ⟨A⟩, L(A), lin A und ℒ(A). Für eine endliche Menge A = {a₁, …, aₙ} schreibt man zur Vermeidung doppelter Klammern beispielsweise ⟨a₁, …, aₙ⟩, L{a₁, …, aₙ} oder ℒ{a₁, …, aₙ}.

Wichtige Eigenschaften

Für Teilmengen A und B eines K-Vektorraums V gelten:

• A ⊆ ⟨A⟩: Jeder Ausgangsvektor liegt in seiner linearen Hülle.

• Aus A ⊆ B folgt ⟨A⟩ ⊆ ⟨B⟩.

• ⟨A⟩ = ⟨⟨A⟩⟩: Erneutes Bilden der linearen Hülle ändert nichts.

Diese drei Aussagen charakterisieren die lineare Hülle als Hüllenoperator.

Für jeden Unterraum U gilt ⟨U⟩ = U. Ist eine Vektormenge ein Erzeugendensystem eines Unterraums, so ist dieser Unterraum genau ihre lineare Hülle.

Für zwei Unterräume U₁ und U₂ ist ihre Summe

U₁ + U₂ = {u₁ + u₂ | u₁ ∈ U₁, u₂ ∈ U₂}

gleich der linearen Hülle ihrer Vereinigung:

U₁ + U₂ = ⟨U₁ ∪ U₂⟩.

Auf der Menge T aller Unterräume eines Vektorraums bilden die Operation „lineare Hülle der Vereinigung“ und die dazu duale Schnittmengenbildung einen Verband.

Für Unterräume U und V gilt außerdem die Dimensionsformel

dim(U + V) + dim(U ∩ V) = dim U + dim V.

Typische Beispiele

Für einen einzelnen Vektor a ∈ ℝ² mit a ≠ (0,0) ist ⟨a⟩ eine Gerade durch den Ursprung. Sie besteht aus allen skalaren Vielfachen von a.

Die Vektoren (3,0,0) und (0,2,0) liegen in ℝ³. Ihre lineare Hülle ⟨(3,0,0), (0,2,0)⟩ ist die x-y-Ebene, weil ihre Linearkombinationen genau die Vektoren mit dritter Koordinate 0 ergeben.

Ein abstrakteres Beispiel liefert der Vektorraum K[[X]] der formalen Potenzreihen über K. Für die Menge der Monome A = {Xᵏ | k ∈ ℕ} ist die lineare Hülle der Unterraum der Polynome:

⟨A⟩ = {∑ᵢ₌₀ⁿ λᵢXⁱ | n ∈ ℕ, λ₀, …, λₙ ∈ K} = K[X].

Obwohl formale Potenzreihen unendlich viele Glieder haben können, enthält eine Linearkombination nur endlich viele Summanden; deshalb entstehen hier Polynome.

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