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Limbus (Theologie)
Limbus (lateinisch für „Rand, Saum, Umgrenzung“), umgangssprachlich auch Vorhölle, bezeichnet in der katholischen Theologie einen Ort (im Volksmund auch als …
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Begriff und Grundidee
Limbus bezeichnet in der katholischen Theologie einen Ort für Seelen, die ohne eigenes Verschulden vom Himmel und von der ewigen Anschauung Gottes ausgeschlossen sind oder waren. Umgangssprachlich wird er auch „Vorhölle“, „Vorraum der Hölle“ oder „äußerster Kreis der Hölle“ genannt. Der Begriff wurde in der Theologie etwa seit Ende des 12. Jahrhunderts benutzt.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen zwei Formen: dem Limbus patrum, dem „Limbus der Väter“, und dem Limbus puerorum oder Limbus infantium, dem „Limbus der Kinder“. Beide Vorstellungen entstanden aus theologischen Fragen zur Erbsünde, zur Erlösung durch Christus und zur Bedeutung der Taufe für das Seelenheil. Der Limbus als Ort war jedoch nie Dogma der katholischen Kirche, sondern eine theologische Annahme oder Theorie. Für keinen der beiden Limbus-Typen nennt der Artikel ein biblisches Fundament.
Zwei Formen des Limbus
Der Limbus patrum galt als Aufenthaltsort der Seelen der gerechten oder frommen Menschen des Alten Bundes, also der Zeit vor der Geburt Jesu Christi. Dazu zählten Adam und Eva, die Patriarchen, die Propheten und alle, die im Glauben an Gott starben, ohne Christus zu kennen. Nach dieser Vorstellung befreite Christus diese Seelen bei seinem Abstieg in die Unterwelt. Deshalb befinde sich heute niemand mehr im Limbus patrum.
Der Limbus puerorum oder Limbus infantium wurde in der Tradition als Ort für die Seelen ungetauft gestorbener Kinder verstanden. Dazu kamen andere Menschen, die nicht den Gebrauch der Vernunft erlangten und daher keine persönliche Sünde begehen konnten. Sie standen nach dieser Vorstellung beim Tod nur unter den Folgen der Erbsünde. Erbsünde meint hier den Zustand, der nach katholischer Lehre seit dem Sündenfall alle Menschen betrifft und durch die Taufe aufgehoben wird.
Diese Theorie wurde seit dem Mittelalter von Theologen ausgearbeitet. Bis zum II. Vatikanischen Konzil wurde sie in der ordentlichen Lehre des Lehramtes erwähnt und war vielen Gläubigen bekannt. Anders als beim Fegefeuer konnten Hinterbliebene das Schicksal der Kinder nach dieser Vorstellung nicht durch Gebete oder Almosen erleichtern. Zugleich gab es Versuche, die harte Wirkung dieser Lehre abzumildern und Eltern zu trösten.
Vorstellungen über den Limbus der Kinder
Zum Limbus puerorum gab es verschiedene geschichtliche Vorstellungen. Gemeinsam war ihnen meist der Verlust der Gottesschau, also der Visio beatifica. Damit ist die ewige Anschauung Gottes gemeint, die als Ziel der Seligkeit verstanden wird.
Einige Auffassungen verbanden den Verlust der Gottesschau mit geistiger Umnachtung, Traurigkeit und milden Sinnesstrafen. Andere nahmen zwar ebenfalls Verlust der Gottesschau, geistige Umnachtung und Traurigkeit an, aber keine Sinnesstrafen. Wieder andere beschränkten sich auf den Verlust der Gottesschau ohne weitere Aussagen. Eine mildere Vorstellung besagte, dass die Betroffenen zwar die Gottesschau verlieren, zugleich aber eine rein natürliche Glückseligkeit besitzen.
Theologische Entwicklung und Lehrentscheidungen
Seit Augustinus von Hippo die Lehre von der Erbsünde formulierte, sah die Theologie die Taufe als unverzichtbar für das Seelenheil und die Erlösung an. Augustinus hielt es für ausgeschlossen, dass ungetaufte Kinder in das Paradies oder an einen anderen Ort der Glückseligkeit gelangen könnten. Die Synode von Karthago im Jahr 418 verfestigte diese Lehre und damit die Ansicht, dass Säuglinge, die ungetauft sterben, in die Hölle kommen.
Im Mittelalter wurde diese Lehre abgemildert. Der Limbus wurde als Ort am Rand oder Saum der Hölle verstanden, an dem Seelen ohne persönliches Verschulden vom Himmel ausgeschlossen seien. Petrus Abaelardus (1079–1142) lehrte, solche Kinder erlitten keine Sinnesstrafen, sondern nur den Verlust der Gottesschau. Thomas von Aquin beschrieb im 13. Jahrhundert den Limbus puerorum als Ort ewiger natürlicher Glückseligkeit. Hugo Ripelin von Straßburg erklärte 1268 im Compendium theologicae veritatis, dieser Ort liege über der Hölle der Verdammten.
Das Konzil von Ferrara/Florenz (1431 bis 1445) bestätigte die Lehre der Synode von Karthago: Die Taufe sei unverzichtbar, und Menschen, die im alleinigen Zustand der Erbsünde sterben, kämen in die Hölle. Im 18. und 19. Jahrhundert formulierten einzelne Theologen, darunter Bianchi 1768, H. Klee 1835, Caron 1855 und H. Schell 1893, Thesen, wie ungetauft gestorbene Kinder dennoch gerettet werden könnten. 1952 stellte Ludwig Ott in seinem Grundriss der katholischen Dogmatik eine solche Möglichkeit dar, bezeichnete den Limbus aber weiterhin als herkömmliche und etablierte Ansicht.
Neuere kirchliche Bewertung
Im Weltkatechismus von 1992 erscheint der Begriff Limbus nicht mehr. Dort heißt es zu ohne Taufe verstorbenen Kindern, die Kirche könne sie nur der Barmherzigkeit Gottes anvertrauen. Begründet wird die Hoffnung auf einen Heilsweg mit Gottes Willen, dass alle Menschen gerettet werden, und mit der Liebe Jesu zu den Kindern. Zugleich bittet die Kirche Eltern, Kinder nicht daran zu hindern, durch die Taufe zu Christus zu kommen. Wie dieser Heilsweg aussieht, wird nicht erklärt, weil darüber keine Offenbarung erfolgt sei.
Seit November 2005 befasste sich die päpstliche Internationale Theologenkommission mit dem Thema. Am 20. April 2007 genehmigte Papst Benedikt XVI. ihre Ergebnisse. Dadurch wurde die Lehre vom Limbus puerorum zu einer „nicht vom kirchlichen Lehramt unterstützten älteren theologischen Meinung“ abgewertet. Roland Minnerath, Erzbischof von Dijon, erläuterte, die Theologen der Kommission seien zu der Auffassung gelangt, die Seelen nicht getaufter, gestorbener kleiner Kinder kämen direkt in das Paradies.
Gleichzeitig erklärte das Dokument der Internationalen Theologenkommission in Absatz 41, der Limbus bleibe eine „mögliche theologische Meinung“. Er gehöre nicht zur Glaubenslehre der katholischen Kirche, werde aber auch nicht verurteilt. Benedikt XVI. hatte die Limbus-Vorstellung bereits vor seiner Papstwahl kritisch gesehen; 1985 wurde er mit dem Satz zitiert: „Ich persönlich würde es aufgeben, da es immer nur eine Hypothese war.“ Gerhard Ludwig Müller urteilt, angesichts der neueren Konzeption des II. Vatikanums zur Heilsmöglichkeit der Nicht-Getauften seien alle Limbus-Theorien überholt.
Darstellung in Kunst und Literatur
In der Literatur nennt der Artikel Dante Alighieris Göttliche Komödie. Dort befinden sich Dichter, Philosophen und Wissenschaftler aus vor- und außerchristlichen Kulturen im Limbus, der der Hölle vorgelagert ist.
In der bildenden Kunst wird der Limbus vor allem im Zusammenhang mit dem Abstieg Christi in die Unterwelt dargestellt. Das im Artikel genannte Beispiel zeigt Christus, der nach Adam, Eva und Abel Seelen aus dem Limbus patrum befreit.