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Leopold Berchtold
Er spielte eine wichtige Rolle in der Julikrise, die zum Ersten Weltkrieg führte. Leopold Graf Berchtold …
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Diplomat und Außenminister
Leopold Graf Berchtold (18. April 1863 in Wien; 21. November 1942 in Peresznye, Komitat Ödenburg) war ein österreichisch-ungarischer Diplomat und Politiker. Als Minister des kaiserlichen und königlichen Hauses und des Äußern leitete er ab 17. Februar 1912 die Außenpolitik Österreich-Ungarns und führte zugleich den gemeinsamen Ministerrat. Seine Entscheidungen in der Julikrise 1914 spielten eine wichtige Rolle auf dem Weg zum Ersten Weltkrieg.
Nach dem Staatsexamen trat er 1887 in Brünn in den Staatsdienst ein und bestand 1894 die Diplomatenprüfung. Stationen waren Paris, London und Sankt Petersburg. Dort war er vom 28. Dezember 1906 bis 25. März 1911 österreichischer Botschafter. 1908 vermittelte er auf Schloss Buchlau eine Zusammenkunft von Außenminister Alois Lexa von Aehrenthal und dem russischen Außenminister Iswolski. Im Abkommen von Buchlau vom 16. September sollte Österreich-Ungarn Bosnien-Herzegowina behalten, während das Russische Kaiserreich die freie Durchfahrt durch die Dardanellen gewinnen sollte.
Berchtold übernahm das Außenministerium, nachdem die Politik seines Vorgängers Österreich international isoliert und besonders das Verhältnis zu Russland verschlechtert hatte. Er setzte diesen Kurs fort und vertrat eine anti-serbische Politik.
Balkanpolitik und Serbien
Im Ersten Balkankrieg ab Oktober 1912 wollte Berchtold Serbien wirtschaftlich eng an die Monarchie anschließen, lehnte aber einen serbischen Zugang zur Adria ab. Er initiierte deshalb die Gründung eines autonomen Albanien. Die wirtschaftlichen Interessen Österreich-Ungarns auf dem Balkan sollten unter anderem durch eine Bahn nach Saloniki gesichert werden, das in einen Freihafen umgewandelt werden sollte.
Seine Pläne einer Zollunion mit Serbien und Montenegro zielten darauf, beide Staaten durch wirtschaftliche Angliederung politisch auszuschalten. Während der Skutari-Krise sprach sich Berchtold im Gemeinsamen Ministerrat am 2. Mai 1913 für die Angliederung Serbiens als gleichberechtigten Teil der Monarchie aus. In einer Denkschrift vom 1. Juli 1914 beschrieb er das Ziel, das durch Serbiens Expansion und Rumäniens Stellung gestörte Gleichgewicht auf dem Balkan wiederherzustellen und den Einfluss Österreich-Ungarns erneut zu stärken.
Rolle in der Julikrise
Nach der Ermordung des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 im Attentat von Sarajevo übernahm Berchtold, der zuvor ablehnend gewesen war, die Führung der Kriegspartei. Anders als Generalstabschef Franz Conrad von Hötzendorf wollte er nicht sofort angreifen: Zunächst sollten das Attentat untersucht und diplomatische Vorbereitungen getroffen werden. Im Ministerrat für gemeinsame Angelegenheiten vom 7. Juli 1914 verlangte er, „Serbien durch eine Kraftäußerung für immer unschädlich zu machen“.
Am 23. Juli formulierte und vertrat Berchtold das Ultimatum an Serbien. Dessen Ablehnung leitete letztlich den Ersten Weltkrieg ein. Seine Taktik bestand darin, gegenüber anderen Staaten kein Interesse an einer Annexion Serbiens zu behaupten. Gegenüber Russland erklärte er, Österreich-Ungarn beabsichtige keinen territorialen Erwerb und wolle die selbständige Existenz Serbiens nicht vernichten. Am 29. Juli wurde diese Zusicherung jedoch abgeschwächt: Nach einem siegreichen Krieg lasse sich nicht voraussehen, was eine Regierung tun werde.
Die Entscheidungsträger wussten um die Gefahr eines russischen Eingreifens. Berchtold schrieb am 25. Juli, diese Möglichkeit dürfe Österreich-Ungarn nicht von einem ernsten Vorgehen gegen Serbien abhalten. Die Verantwortung für diese Entscheidungen lag laut Artikel bei Franz Joseph und seinen Ratgebern Berchtold, den Ministerpräsidenten Karl Stürgkh und Stephan Tisza sowie Conrad. Das österreichische Parlament war seit März 1914 vertagt und wurde nicht gefragt.
Italienische Forderungen und spätere Jahre
Berchtold informierte die offiziell verbündeten Staaten Italien und Rumänien absichtlich nicht über die beabsichtigte Aktion gegen Serbien, weil er erwartete, dass sie ihre Zustimmung nur gegen Ausgleichsleistungen geben würden. Italien verlangte am 19. Dezember 1914 Kompensationen nicht nur bei territorialer Besetzung, sondern auch bei politischen Einflussmöglichkeiten oder wirtschaftlichen Privilegien Österreich-Ungarns.
Unter Druck der Botschafter Bernhard von Bülow und Karl Macchio schlug Berchtold Franz Joseph am 9. Januar 1915 vor, das Trentino an Italien abzutreten. Der Kaiser und Stephan Tisza lehnten dies ab. Auf Tiszas Betreiben wurde Berchtold am 13. Januar 1915 als Außenminister durch Stephan Burián ersetzt.
Danach beriet er den Thronfolger und späteren Kaiser Karl I. und war von Mai bis November 1918 dessen letzter Obersthofmeister. Anfang November 1918 begleitete er habsburgische Juwelen aus der Wiener Hofburg in die Schweiz. Seit 1923 lebte er überwiegend zurückgezogen in Ungarn und starb 1942 auf seinem Gut in Peresznye.