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Franz Joseph I.
Franz Joseph I., mit vollem Namen Franz Joseph Karl von Österreich (* 18. August 1830 im Schloss Schönbrunn; † 21. November 1916 ebenda), aus dem Haus …
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Herrschaft und Bedeutung
Franz Joseph I. (voller Name Franz Joseph Karl von Österreich; * 18. August 1830 in Schloss Schönbrunn; † 21. November 1916 ebenda) gehörte dem Haus Habsburg-Lothringen an. Vom 2. Dezember 1848 bis zu seinem Tod war er Kaiser von Österreich, Apostolischer König von Ungarn und König von Böhmen. Seine Regierungszeit von fast 68 Jahren war die längste seiner Dynastie und zählt weltweit zu den längsten Regierungszeiten eines Staatsoberhaupts im 19. und 20. Jahrhundert.
Seine Herrschaft prägte den Übergang vom zentral regierten Kaisertum zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Nach anfänglich absolutistischer Regierung musste er nach militärischen Niederlagen Verfassungsreformen und den Ausgleich mit Ungarn akzeptieren. Das zentrale Problem des Vielvölkerstaats blieben die nationalen Interessen seiner verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Die Entscheidung für den Krieg gegen Serbien 1914 trug zur Entstehung des Ersten Weltkriegs bei. Sein Wahlspruch lautete Viribus Unitis, lateinisch für „Mit vereinten Kräften“.
Jugend und Thronbesteigung
Franz Joseph war der älteste Sohn von Erzherzog Franz Karl von Österreich und Sophie Friederike von Bayern. Weil Kaiser Ferdinand I. keine Nachkommen erwartete und Franz Karl als wenig regierungsfähig galt, bereitete Sophie ihren Sohn früh auf die Nachfolge vor. Seine Erziehung betonte Pflichtbewusstsein, Religiosität, dynastisches Bewusstsein und das Gottesgnadentum: Herrschaft galt als von Gott verliehen und nicht auf die Mitwirkung eines Parlaments angewiesen. Seine Ausbildung umfasste schließlich bis zu 50 Wochenstunden, mehrere Sprachen sowie Militär, Recht und Politikwissenschaft.
Die Revolutionen von 1848 zeigten nach Auffassung von Regierung und Dynastie die Führungsschwäche Ferdinands I. Dieser legte am 2. Dezember 1848 die Regierung nieder; Franz Karl verzichtete auf seine Ansprüche. Der 18-jährige Franz Joseph wurde in Olmütz zum Kaiser proklamiert. Er erklärte, die Länder und Stämme der Monarchie zu einem großen Staatskörper vereinigen zu wollen. Am 18. Februar 1853 scheiterte ein Attentat des ungarischen Schneidergesellen János Libényi auf ihn.
Familie und persönliche Schicksalsschläge
1854 heiratete Franz Joseph Elisabeth von Bayern, genannt Sisi. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor: Sophie Friederike (1855–1857), Gisela (1856–1932), Kronprinz Rudolf (1858–1889) und Marie Valerie (1868–1924). Die Ehepartner entfremdeten sich zunehmend; Elisabeth reiste seit den 1860er Jahren fast ständig. Politisch wirkte sie vor allem 1866/67 mit, indem sie aufgrund ihrer Beziehungen zur ungarischen Hocharistokratie den Ausgleich mit Ungarn unterstützte.
Der Kaiser hielt Kronprinz Rudolf von Staatsgeschäften fern. Rudolf starb am 30. Jänner 1889 gemeinsam mit Mary Vetsera durch Suizid in Mayerling. Elisabeth wurde am 10. September 1898 in Genf vom Anarchisten Luigi Lucheni ermordet. Nach Rudolfs Tod und dem Tod von Franz Josephs Bruder Karl Ludwig 1896 wurde dessen Sohn Franz Ferdinand Thronfolger. Dessen Kinder waren wegen seiner morganatischen, also nicht standesgleichen, Ehe mit Sophie Chotek nicht thronfolgeberechtigt.
Am 28. Juni 1914 wurden Franz Ferdinand und seine Frau in Sarajevo von Gavrilo Princip ermordet. Der Mord wurde zum Anlass für die Eskalation gegenüber Serbien. Franz Joseph starb mit 86 Jahren am 21. November 1916 an einer Lungenentzündung. Er wurde am 30. November nach einem großen Trauerzug in der Wiener Kaisergruft neben Elisabeth und Rudolf beigesetzt. Nachfolger wurde sein Großneffe Karl I.
Innenpolitik und Doppelmonarchie
Die Reichsverfassung vom 4. März 1849 wurde nie vollständig umgesetzt und mit den Silvesterpatenten am 31. Dezember 1851 aufgehoben. Franz Joseph regierte danach absolutistisch und zentralistisch. Erst die Niederlage gegen Frankreich und Sardinien-Piemont bei Magenta und Solferino 1859 machte Reformen unvermeidlich. Das Oktoberdiplom von 1860 und das Februarpatent von 1861 leiteten die Rückkehr zu konstitutionellen Verhältnissen ein, also zu einer Herrschaft mit Verfassung.
Nach der Niederlage gegen Preußen im Deutschen Krieg 1866 musste der Kaiser der ungarischen Aristokratie weiter entgegenkommen. Der Österreichisch-Ungarische Ausgleich schuf 1867 Österreich-Ungarn als Realunion: zwei Staaten mit gemeinsamen Angelegenheiten, aber jeweils eigener Verfassung und Regierung in wichtigen Bereichen. Franz Joseph wurde am 8. Juni 1867 in Ofen zum Apostolischen König von Ungarn gekrönt; die cisleithanischen Länder erhielten am 21. Dezember 1867 die Dezemberverfassung.
Franz Joseph hielt an dieser Ordnung bis 1916 fest und lehnte föderalistische Reformen ab, auch das Konzept der Vereinigten Staaten von Groß-Österreich seines vorgesehenen Nachfolgers Franz Ferdinand. In beiden Reichshälften verhinderten Nationalitätenkonflikte grundlegende Reformen. Dies stärkte die Unabhängigkeitsbestrebungen und trug nach dem verlorenen Weltkrieg zum Zerfall des Vielvölkerstaats bei. 1907 unterstützte der Kaiser in Österreich gegen Widerstand der Aristokratie das allgemeine und gleiche Wahlrecht für Männer. Jüdinnen und Juden wurden während seiner Herrschaft emanzipiert; wegen seiner Ablehnung des antisemitischen Politikers Karl Lueger als Wiener Bürgermeister nannten Antisemiten ihn „Judenkaiser“.
Außenpolitik und Erster Weltkrieg
Unter Franz Joseph verlor Österreich seine Stellung in Italien und Deutschland. Im Krieg gegen Frankreich und Sardinien-Piemont wurde die Armee 1859 aus der Lombardei verdrängt. Nach dem Deutschen Krieg 1866 verlor Österreich Venetien, schied aus der gesamtdeutschen Politik aus und der Deutsche Bund endete. Die Monarchie versuchte daraufhin, ihren Einfluss in Südosteuropa auszubauen. Das verschärfte insbesondere den Gegensatz zu Russland auf dem Balkan.
Beim Berliner Kongress erhielt Österreich-Ungarn 1878 das Mandat, Bosnien und Herzegowina zu besetzen und zu verwalten. 1908 wurden beide Gebiete formal annektiert; daraus entstand die Bosnische Annexionskrise. Seit 1879 war Österreich-Ungarn durch den Zweibund eng mit dem Deutschen Kaiserreich verbunden; nach Italiens Beitritt hieß das Bündnis Dreibund. Dem stand später die Entente gegenüber. Der Bündnispartner gab Schutz, verstrickte die Monarchie aber zugleich in die europäischen Bündnissysteme.
Franz Joseph hatte zuvor Forderungen seines Generalstabschefs Franz Conrad von Hötzendorf nach Präventivkriegen abgelehnt und 1911 seine „Politik des Friedens“ betont. In der Julikrise 1914 entschied der 84-Jährige jedoch, Serbien gegenüber Stärke zu zeigen. Er genehmigte das Ultimatum und damit den Krieg; die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien erfolgte am 28. Juli 1914. Balkanische Konflikte und die Bündnisdynamik ließen daraus den Ersten Weltkrieg entstehen. Bei seinem Tod war der Krieg offen, die Monarchie aber bereits durch Mangel geschwächt. Im Herbst 1918 zerfiel Österreich-Ungarn.
Zeitbild und historische Beurteilung
Die lange Regierungszeit fiel in eine Phase wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwungs. In Wien entstand nach der Schleifung der Stadtbefestigungen die Ringstraße mit ihren Prachtbauten im Ringstraßenstil der Gründerzeit. Franz Joseph selbst blieb den intellektuellen und künstlerischen Strömungen seiner Zeit eher fern, nutzte aber technische Neuerungen nicht grundsätzlich nicht: Ab 1908 verwendete er beispielsweise ein Automobil; auch das Telefon nutzte er, wollte es jedoch nicht auf seinem Schreibtisch haben.
Historisch gilt er als zwiespältige Figur. Nach 1848 war er wegen des repressiven Neoabsolutismus unpopulär; die späteren liberalen Reformen geschahen laut Artikel gegen seine innere Überzeugung. Seine Weigerung zu weitergehenden Reformen und seine Nachgiebigkeit gegenüber Kriegstreibern 1914 werden als wichtige Gründe für das Scheitern der Monarchie bewertet. Zugleich verbanden viele Menschen mit ihm Pflichterfüllung, Genauigkeit und Beständigkeit.
Schon zu Lebzeiten und besonders später entstand das Bild eines stoisch leidenden, gütigen „Landesvaters“. Es wurde durch persönliche Verluste, seine lange Amtszeit und die Beziehung zu Elisabeth verstärkt. Dieses nostalgische Bild kann verdecken, dass seine Politik die Nationalitätenkonflikte nicht löste und seine Kriegsentscheidung von 1914 schwerwiegende Folgen hatte.