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Serbien
Serbien liegt im Zentrum der Balkanhalbinsel und grenzt im Norden an Ungarn, im Osten an Rumänien und Bulgarien, im Süden an Nordmazedonien und Albanien bzw.
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Staat, Lage und Bevölkerung
Serbien ist eine parlamentarische Republik und ein Binnenstaat in Südost- und Mitteleuropa. Es liegt im Zentrum der Balkanhalbinsel und grenzt an Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Nordmazedonien, Albanien beziehungsweise Kosovo, Montenegro, Bosnien und Herzegowina sowie Kroatien. Hauptstadt und größte Stadt ist Belgrad; weitere bedeutende Städte sind Novi Sad, Niš, Kragujevac und Subotica. Die Amtssprache ist Serbisch, die Währung der Dinar (RSD).
Die Staatsfläche wird je nach Einbeziehung des völkerrechtlich umstrittenen Kosovo mit 88.361 km² oder 77.474 km² angegeben. Für 2025 nennt die Übersicht 6,55 Millionen Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von 85 Einwohnern je km². Im Jahr 2023 lebten 6,6 Millionen Menschen im Land; die Bevölkerung sank um 0,7 %. Ursache ist unter anderem ein Sterbeüberschuss: 2023 standen 9,3 Geburten je 1000 Einwohner 16,2 Todesfällen gegenüber. Die Geburtenrate lag 2022 bei 1,6 Kindern je Frau, die Lebenserwartung bei 75,5 Jahren. 2023 waren 14,6 % der Bevölkerung jünger als 15 Jahre und 20,5 % älter als 64 Jahre.
Nach der Volkszählung von 2011 ohne Kosovo bezeichneten sich 83,3 % als Serben. Bedeutende Minderheiten sind Ungarn mit 3,53 %, Roma mit offiziell 2,05 % und Bosniaken mit 2,02 %; die tatsächliche Zahl der Roma wird höher geschätzt. Besonders vielfältig ist die Vojvodina. Im Kosovo bilden Albaner die Mehrheit; dessen Einbeziehung in die Angaben zu Serbien ist politisch und völkerrechtlich umstritten.
Serbisch wird offiziell in kyrillischer Schrift geschrieben, doch die lateinische Schrift ist im Alltag und in den Medien ebenfalls verbreitet. In der Vojvodina sind außerdem Ungarisch, Kroatisch, Russinisch, Slowakisch und Rumänisch amtlich anerkannt; im Kosovo und in Teilen Südserbiens wird Albanisch gesprochen. 84,6 % der Bevölkerung ohne Kosovo bekannten sich 2011 zum orthodoxen Christentum, 5 % zum Katholizismus und 3,1 % zum Islam.
Naturraum, Gewässer und Städte
Save und Donau teilen Serbien in zwei große Landschaftsräume. Nördlich davon liegt die Vojvodina als Teil der flachen Pannonischen Tiefebene mit fruchtbaren Schwarzerde- und Lössböden. Südlich der Flüsse ist das Land durch Gebirge, Hochebenen, Becken und Flusstäler geprägt. Der niedrigste Punkt liegt am Austritt der Donau bei Prahovo auf 17 Metern, der höchste in der Darstellung ohne Kosovo am 2169 Meter hohen Midžor. Bei Einbeziehung Kosovos wird die Đeravica als höchste Erhebung bezeichnet.
Die Donau durchquert Serbien auf 588 Kilometern. Zu ihren wichtigsten Zuflüssen gehören Save, Theiß und Temesch; Donau, Save und Theiß sind die einzigen schiffbaren Wasserwege des Landes. Das Moravatal bildet eine zentrale natürliche Verkehrsachse zwischen Donauebene und Mittelmeerraum. Viele Flüsse sind hochwassergefährdet, weshalb Dämme, Rückhaltebecken und Kanäle angelegt wurden. Größter natürlicher See ist der etwa 6 km² große Palić-See. Der Đerdapsee am Eisernen Tor umfasst auf serbischer Seite 163 km² und insgesamt 253 km². Das Eiserne Tor gilt als größte und längste, jedoch nicht tiefste Schlucht Serbiens und Europas.
Serbien besitzt gemäßigtes Kontinentalklima mit kalten, schneereichen Wintern und warmen Sommern. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 10 °C, der mittlere Jahresniederschlag 896 mm. Gemessen wurden Extreme von −38,0 °C am 26. Januar 1954 in Sjenica und 45,8 °C am 16. August 2006 in Paraćin.
Mehr als 8 % der Fläche ohne Kosovo und Metochien stehen unter Naturschutz. Genannt werden sechs Nationalparks, 22 Naturparks und rund 590 Naturschutzgebiete auf 7315,08 km². Wichtige Landschaften sind das Eiserne Tor, die Banater Sandwüste, der Uvac-Canyon und das Tara-Gebirge mit der seltenen Serbischen Fichte. 2023 lebten 57 % der Bevölkerung in Städten. Belgrad und Novi Sad sind die wichtigsten Verwaltungs-, Verkehrs-, Kultur- und Dienstleistungszentren; Niš ist das zentrale Zentrum Südserbiens.
Geschichtliche Entwicklung
Ein Staat Serbien wurde erstmals 822 urkundlich erwähnt. Unter der Dynastie der Nemanjiden stieg das mittelalterliche Serbien zur Regionalmacht auf. Seine größte Ausdehnung und seinen stärksten politischen Einfluss erreichte es unter Stefan Uroš IV. Dušan, König von 1331 bis 1346 und Zar von 1346 bis 1355. Die Schlacht auf dem Amselfeld von 1389 endete ohne eindeutigen Sieger, schwächte den serbischen Widerstand aber entscheidend und wurde später zu einem nationalen Mythos. 1459 eroberten die Osmanen Serbien vollständig.
Der Erste Serbische Aufstand von 1804 bis 1813 und der Zweite von 1815 bis 1817 leiteten die Loslösung vom Osmanischen Reich ein. 1867 mussten die letzten osmanischen Truppen das Fürstentum verlassen, 1878 wurde Serbiens Unabhängigkeit international anerkannt und 1882 entstand das Königreich Serbien. Nach den Balkankriegen von 1912 und 1913 vergrößerte sich sein Gebiet.
Im Ersten Weltkrieg kämpfte Serbien auf Seiten der Entente. Nach schweren Verlusten, Besatzung und Widerstand gehörte es 1918 zu den Siegermächten. Danach entstand unter serbischer Königsherrschaft das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, das 1929 in Königreich Jugoslawien umbenannt wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde Jugoslawien 1941 von den Achsenmächten besetzt. In Serbien kämpften kommunistische Partisanen und monarchistische Tschetniks; Teile der Tschetniks kollaborierten mit den Besatzern. Im Oktober 1944 eroberten Rote Armee und jugoslawische Volksbefreiungsarmee Belgrad.
Nach 1945 war Serbien eine von sechs Teilrepubliken des sozialistischen Jugoslawien. Die Gesellschaft wurde stark industrialisiert und urbanisiert. Die Verfassung von 1974 stärkte die Autonomie der Vojvodina und des Kosovo. Unter Slobodan Milošević wurde die Autonomie Kosovos 1989 aufgehoben; Nationalismus und Staatskrise verschärften den Zerfall Jugoslawiens.
In den Jugoslawienkriegen ab 1991 unterstützte Serbien serbische Kräfte in Kroatien und Bosnien. Ethnische Säuberungen, Flucht und Vertreibung prägten die Kriege; etwa 700.000 Serben flohen nach Serbien. Im Kosovokonflikt kämpften ab 1996 die UÇK und serbische Sicherheitskräfte. Nach schweren Menschenrechtsverletzungen begann die NATO am 24. März 1999 ohne Mandat des UN-Sicherheitsrats die 78-tägige Luftkriegsoperation Allied Force, die von der Mehrheit der Völkerrechtler als illegal angesehen wird. Resolution 1244 stellte Kosovo anschließend unter UN-Verwaltung, bestätigte aber zunächst dessen Zugehörigkeit zu Jugoslawien vorbehaltlich einer endgültigen Statusregelung.
Der Wahlsieg Vojislav Koštunicas 2000 beendete die Ära Milošević. 2006 löste sich der Staatenbund mit Montenegro auf und Serbien wurde selbstständig. Kosovo erklärte 2008 seine Unabhängigkeit; Serbien erkennt sie nicht an, und der Status bleibt umstritten.
Politisches System und internationale Beziehungen
Serbien besitzt ein parlamentarisches Regierungssystem. Die Nationalversammlung, Narodna Skupština, ist ein Einkammerparlament mit 250 Abgeordneten und bildet die Legislative. Die Regierung unter Leitung des Ministerpräsidenten übt die Exekutive aus; seit 2025 ist Đuro Macut Regierungschef. Der Präsident wird für fünf Jahre direkt gewählt und kann wiedergewählt werden. Aleksandar Vučić ist seit 2017 Präsident und wurde 2022 wiedergewählt.
Verwaltungsmäßig ist Serbien einschließlich Kosovo in 30 Bezirke gegliedert. Die Vojvodina ist eine autonome Provinz mit eigenem Regionalparlament. Die Verfassung betrachtet auch Kosovo und Metochien als autonome Provinz, doch Kosovo steht seit 1999 nicht unter serbischer Kontrolle und erklärte 2008 seine Unabhängigkeit. Der Internationale Gerichtshof stellte 2010 fest, dass die Unabhängigkeitserklärung nicht gegen internationales Recht verstieß, entschied aber nicht über den völkerrechtlichen Status Kosovos.
Bei der Parlamentswahl Ende 2023 gewann erneut die Serbische Fortschrittspartei SNS. Internationale Beobachter berichteten über Gewalt, Stimmenkauf und gefälschte Stimmzettel. Politische Indizes bewerteten Serbien 2024 als „unvollständige Demokratie“ und „teilweise frei“. Die Rangliste der Pressefreiheit sah 2026 eine schwierige Lage; als Probleme gelten Medienkonzentration, staatlicher Einfluss und unzureichender Schutz kritischer Journalisten.
Nach dem Einsturz des renovierten Bahnhofsvordachs in Novi Sad am 1. November 2024 starben insgesamt 16 Menschen. Anschließende, zunächst friedliche landesweite Proteste richteten sich gegen mutmaßliche Korruption und die Regierung. Demonstrierende wurden wiederholt angegriffen, die Polizei ging gegen sie vor; im August 2025 kam es auch zu Gewalt durch Regierungsgegner.
Außenpolitisch strebt Serbien eine EU-Mitgliedschaft an. Es beantragte diese am 22. Dezember 2009 und erhielt am 1. März 2012 den Kandidatenstatus. Zugleich pflegt das Land enge Beziehungen zu Russland und China. Serbien ist militärisch neutral, gehört nicht der NATO an, nimmt aber an deren Partnerschaft für den Frieden teil. Die NATO-Bombardierung von 1999 und die Anerkennung Kosovos durch viele westliche Staaten belasten das Verhältnis. Serbien beteiligt sich trotz des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine bis zum genannten Stand nicht an Sanktionen gegen Russland.
Wirtschaft, Energie und Verkehr
Die Jugoslawienkriege, UN-Sanktionen und der Zusammenbruch gemeinsamer Märkte führten in den 1990er Jahren zu einer schweren Wirtschaftskrise. 1992 hatten zwei Drittel der Betriebe geschlossen; bis 1995 kam die formelle Wirtschaft fast zum Erliegen. Seit 2000 wurden Preise, Steuern, Zoll sowie Finanz- und Energiesektor reformiert. Zwischen 2000 und 2008 wuchs die Wirtschaft jährlich um mehr als 5 %. Für 2024 werden ein nominales Bruttoinlandsprodukt von 89 Milliarden US-Dollar, kaufkraftbereinigt 204 Milliarden US-Dollar und ein reales Wachstum von 3,9 % genannt. Das kaufkraftbereinigte BIP je Einwohner betrug 31.001 US-Dollar.
Der Dienstleistungssektor erwirtschaftet weit mehr als die Hälfte des BIP. Wichtige Bereiche sind Banken, Versicherungen, Handel und Verkehr, vor allem in Belgrad, Novi Sad und Niš. Die Industrie produziert unter anderem Nahrungsmittel, Textilien, Metallwaren, Glas, Zement und Maschinen. Die Automobilindustrie wird durch das modernisierte Stellantis-Werk in Kragujevac und zahlreiche Zulieferer geprägt; 2024 begann dort die Produktion von Elektroautos wie dem Fiat Grande Panda. Der IT-Sektor exportierte 2022 Leistungen im Wert von etwa 2,5 Milliarden Euro und beschäftigte rund 55.000 Programmierer.
Etwa 65 % der Landesfläche sind landwirtschaftlich nutzbar. Die Vojvodina ist wegen ihrer fruchtbaren Böden die Kornkammer des Landes; angebaut werden besonders Ölsaaten, Zuckerrüben, Mais, Kartoffeln und Weizen. Zentralserbien ist für Obstbau bekannt, vor allem für Pflaumen, Himbeeren und Äpfel, außerdem für Weinbau.
Die EU ist Serbiens größter Handelspartner; etwa zwei Drittel der Exporte gehen dorthin. Deutschland war 2024 mit einem Handelsvolumen von rund 9,4 Milliarden Euro der wichtigste einzelne Handelspartner. Daneben bestehen enge Wirtschaftsbeziehungen zu China und Russland. Russland ist insbesondere als Öl-, Gas- und Waffenlieferant bedeutend, China investiert stark in Industrie, Bergbau und Infrastruktur.
Kohle und Wasserkraft sind die wichtigsten heimischen Energieträger. Bedeutend sind die Braunkohlekraftwerke von Kostolac und die Donaukraftwerke Đerdap I und II. Erdgas wird aus Russland importiert. Serbien gilt zugleich als wichtiges Transitland zwischen Mitteleuropa und Südosteuropa. Das Straßennetz umfasst 45.290 Kilometer, das Eisenbahnnetz 3809 Kilometer, davon 1364 Kilometer elektrifiziert. Wichtigster Flughafen ist Belgrad-Nikola Tesla. Donau, Save und Theiß dienen der Binnenschifffahrt; seit 2025 ist der öffentliche Nahverkehr in Belgrad und Niš kostenlos.
Bildung, Gesellschaft und Kultur
Die Schulpflicht beginnt mit sieben Jahren. Auf die neunjährige Grundschule folgen ein vierjähriges Gymnasium, eine zwei- bis vierjährige fachbezogene Mittelschule oder eine zwei- bis dreijährige Berufsausbildung. Der Alphabetisierungsgrad wird mit 93 % angegeben; bei Roma ist Analphabetismus deutlich häufiger. Genannt werden fünf Universitäten in Belgrad, Kragujevac, Niš, Novi Sad und Novi Pazar. Die Gesundheitsausgaben betrugen 2021 10,0 % des BIP; 2018 kamen 28 Ärztinnen und Ärzte auf 10.000 Einwohner.
Serbiens Kultur verbindet byzantinische, mitteleuropäische und osmanische Einflüsse. Das Byzantinische Reich prägte besonders orthodoxes Christentum, kyrillische Schrift, Literatur, Freskenmalerei und Sakralarchitektur. Mittelalterliche Klöster wie Studenica, Sopoćani, Gračanica und Visoki Dečani sind zentrale Kulturdenkmäler. Romanische und byzantinische Formen wurden miteinander verbunden; später wirkten im Norden Barock und mitteleuropäische Stile, im Süden osmanische Bauformen.
Die mittelalterliche Literatur entstand vor allem in Klöstern. Das kyrillische Miroslav-Evangelium von 1180 gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Eine besondere Gattung waren Herrscherbiographien. Später entwickelten sich mündlich überlieferte Heldenlieder, meist begleitet von der Gusle, einem traditionellen Streichinstrument. Vuk Stefanović Karadžić sammelte diese Dichtung und reformierte im 19. Jahrhundert die Schriftsprache auf Grundlage der Volkssprache. International bekannte Autoren sind Ivo Andrić, Miloš Crnjanski, Danilo Kiš und Milorad Pavić.
Nationaltanz ist der Kolo, ein regional unterschiedlich ausgeführter Reigentanz. Traditionelle und populäre Musik reichen von Guslen-Gesängen und orthodoxer Kirchenmusik bis zu Balkan Brass, Rock und Turbo-Folk. Serbien gewann 2007 mit Marija Šerifović und dem Lied „Molitva“ den Eurovision Song Contest. Beliebte Sportarten sind Basketball, Fußball, Handball, Wasserball, Volleyball und Tennis; Novak Đoković ist der erfolgreichste serbische Tennisspieler.
Zum UNESCO-Welterbe gehören Stari Ras mit Sopoćani, Studenica, mittelalterliche Klöster und Kirchen im Kosovo sowie Gamzigrad-Romuliana. Als immaterielles Kulturerbe sind unter anderem das Familienfest Slava, der Kolo, der Gesang zur Gusle, die Zlakusa-Keramik und die traditionelle Herstellung von Šljivovica anerkannt.