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Leon Schwarzbaum
In seinen letzten Lebensjahren trat er als Zeitzeuge auf und berichtete von seinem Überleben im Ghetto, als Zwangsarbeiter und Häftling in den Konzentrations- …
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Überblick und Herkunft
Leon „Henry“ Schwarzbaum (20. Februar 1921, Hamburg – 13. März 2022, Potsdam) war ein deutsch-polnischer Überlebender der Shoa. In seinen letzten Lebensjahren berichtete er als Zeitzeuge über Verfolgung, Ghettoisierung, Zwangsarbeit sowie seine Haft in Auschwitz und Sachsenhausen. Seine Aussagen dienten besonders der Erinnerung an den Holocaust.
Er stammte aus einer Familie polnischer Juden, die vor dem Ersten Weltkrieg nach Hamburg gezogen war. 1923 zog die Familie nach Będzin im oberschlesischen Industriegebiet in Polen. Dort besuchte Schwarzbaum die Schule und legte 1939 am jüdischen Fürstenbergus-Lyzeum das Abitur ab. Mit Freunden sang und steppte er außerdem in der A-cappella-Gruppe Die Jolly Boys.
Verfolgung, Lagerhaft und Befreiung
Nach dem Überfall auf Polen wurde Będzin völkerrechtswidrig in das Deutsche Reich eingegliedert. Schwarzbaum arbeitete zunächst als Telefonist in der „jüdischen Verwaltung“ des Ghettos Kamionka, später als Zwangsarbeiter im deutschen Galvanisierungsbetrieb Tönskemper.
1943 wurde das Ghetto Będzin geräumt; seine Familie und er wurden nach Auschwitz deportiert. Bei seiner Ankunft im August 1943 erfuhr er, dass seine gesamte Familie ermordet worden war. Er war etwa zwei Jahre im KZ Auschwitz gefangen. Nach zehn Monaten als „Läufer“ beim Lagerältesten wurde er im Siemens-Schuckert-Außenlager „Bobrek“ als Zwangsarbeiter bei Siemens eingesetzt.
Im Januar 1945 wurde er wegen des Heranrückens der Roten Armee auf dem „Todesmarsch von Auschwitz“ in das KZ Buchenwald verlegt. Von dort kam er mit 88 Zwangsarbeitern in das Außenlager Haselhorst des KZ Sachsenhausen in Berlin-Siemensstadt. Auf einem weiteren Todesmarsch wurde er am 5. Mai 1945 nahe Schwerin von amerikanischen Soldaten befreit.
Leben nach 1945 und Zeitzeugenarbeit
Nach der Rückkehr nach Będzin fand Schwarzbaum dort keine Juden mehr vor. In Stettin arbeitete er einige Monate als Übersetzer für die polnische Polizei. Mit Hilfe der Fluchthilfe-Organisation des späteren Filmproduzenten Arthur „Atze“ Brauner gelangte er nach Berlin und fand Anschluss an andere Holocaust-Überlebende.
Er arbeitete zunächst in Brauners Umfeld, dann im Export von Kunstgegenständen nach Amerika, besonders nach New York. 1950 reiste er in die USA aus, kehrte jedoch nach einem Jahr aus Heimweh nach Berlin zurück. Mit seiner Frau führte er über Jahrzehnte einen Handel mit Antiquitäten und Kunstgegenständen.
Erst im hohen Alter, nach dem Tod seiner Frau, begann er in Schulen, Betrieben und Filmen öffentlich von seinen Erfahrungen zu erzählen. Er war Vertreter des Internationalen Sachsenhausen-Komitees und der Häftlingsverbände von Sachsenhausen. 2016 sagte er im Prozess gegen den früheren Auschwitz-Wachmann Reinhold Hanning vor dem Landgericht Detmold als Zeuge aus. 2019 erhielt er ein rekonstruiertes, neu ausgestelltes Abiturzeugnis; sein ursprüngliches Zeugnis hatte er spätestens bei der Deportation nach Auschwitz abgeben müssen. Er starb im Alter von 101 Jahren.
Auszeichnungen und Dokumentarfilme
Für seine Zeitzeugenarbeit erhielt Schwarzbaum 2019 das Bundesverdienstkreuz am Bande.
Der Dokumentarfilm Der letzte Jolly Boy von Hans-Erich Viet (2017/18) begleitet Schwarzbaum an Drehorten in Deutschland und Polen, darunter beim Hanning-Prozess in Detmold sowie in Będzin und Auschwitz. Der Film erhielt 2018 den DGB-Filmpreis. In Zeitzeugengespräch (2021) spricht Volker Schlöndorff mit dem hundertjährigen Schwarzbaum; Fragen stammen auch von Auszubildenden sowie Schülerinnen und Schülern aus Brandenburg.