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A cappella

ab dem 19. Jahrhundert Chormusik bzw. Chorgesang ohne Instrumentalbegleitung; ein modernes Musikgenre, bei dem ein Close-Harmony-Vokalensemble ohne oder mit …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Begriff und ursprüngliche Aufführungspraxis
  2. 2. Bedeutungswandel zur unbegleiteten Chormusik
  3. 3. A cappella in der populären Musik

Begriff und ursprüngliche Aufführungspraxis

A cappella bedeutet ursprünglich italienisch alla cappella, also Musik „nach Art der Kapelle“ beziehungsweise eines kirchlichen Sängerchors. Der Begriff bezeichnete zunächst nicht zwingend Musik ohne Instrumente. Gemeint war mehrstimmige Vokalmusik, bei der Instrumente den Chor begleiten und genau dieselben Stimmen spielen wie die Sänger. Diese Mitführung einer Singstimme durch Instrumente heißt Colla parte.

Der A-cappella-Stil entstand in der polyphonen Kirchenmusik des späten 15. Jahrhunderts. Polyphon bedeutet mehrstimmig: Mehrere selbstständige Stimmen erklingen gleichzeitig. Als wichtige Vertreter nennt der Artikel Josquin des Prez sowie Palestrina, dessen Chormusik für die Sixtinische Kapelle Ende des 16. Jahrhunderts eine Vorrangstellung erlangte.

Die konkrete Besetzung war variabel. Ein Kapellmeister zog nach Möglichkeit Orgel oder andere Instrumente hinzu, um einzelne oder alle Gesangsstimmen zu „verdoppeln“. Die Instrumente konnten also im Unisono, das heißt auf derselben Tonhöhe wie die Stimme, mit den Sängern verlaufen. Im 17. Jahrhundert wurde diese Musik zunehmend von der Kantate abgelöst, einer Kompositionsform für Instrumente und Singstimmen. Eine Ausnahme war die päpstliche Musik der Sixtinischen Kapelle, bei der im 18. Jahrhundert keine Orgel oder anderen Instrumente verwendet wurden und die Stücke nur gesungen wurden.

Bedeutungswandel zur unbegleiteten Chormusik

Im 19. Jahrhundert entdeckten Laienchöre alte Chormusik wieder. Dabei wurde die Bezeichnung a cappella missverstanden und erhielt im allgemeinen Sprachgebrauch eine neue Bedeutung: Musik sollte vollständig auf Instrumente verzichten und allein mit der menschlichen Stimme ausgeführt werden. Nach dem Artikel besagt der ursprüngliche Ausdruck dies jedoch nicht.

Dieses Verständnis hat sich bei traditionellen Chören weitgehend gefestigt. Deshalb meint a cappella heute häufig unbegleiteten Chorgesang. Berufsmusikern ist durch die Beschäftigung mit historischer Aufführungspraxis meist auch die ältere Bedeutung bekannt. Chöre und Kantoreien, die alte Chormusik historisch aufführen wollen, verwenden im Cappellstil daher wieder häufiger Instrumente zur Begleitung und Verdopplung der Stimmen.

A cappella in der populären Musik

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand in den USA ein populärmusikalisches A-cappella-Genre mit kleinen Vokalgruppen, etwa The Whiffenpoofs im Jahr 1909. Gesungen wurde in Barbershop-Manier in Close Harmony. Close Harmony bezeichnet einen engen, harmonisch dichten mehrstimmigen Satz. Die Comedian Harmonists entstanden 1927 in Deutschland nach dem Vorbild von The Revelers; obwohl sie mit Klavierbegleitung sangen, förderte ihre Popularität das rein vokale Genre. Weitere Einflüsse kamen aus dem Doo Wop der 1950er Jahre. Zu den ersten rein a cappella singenden Girlgroups gehörten The Chordettes; ihr bekanntester Hit war Mister Sandman [Bring me a Dream] von 1954.

Heute wird A-cappella-Musik vor allem von modernen Vokalensembles mit vier bis sechs Personen aufgeführt. Sie verwenden entweder instrumentenlos arrangierte Coverversionen aus Pop und Rock oder eigens geschriebene und arrangierte Lieder. In manchen Arrangements sind alle Stimmen bei Melodie und Text gleichberechtigt. Häufig übernimmt jedoch eine oder übernehmen mehrere Stimmen die Haupt- oder Leadstimme, während die übrigen Stimmen begleiten.

Stimmen können Instrumente nachahmen. Besonders wichtig ist die rhythmische Begleitung: Schlagzeugklänge werden durch Vocal Percussion oder Beatboxing imitiert, teils ergänzt durch Händeklatschen, Fingerschnipsen oder vereinzelt Eggshaker. Elektronische Hilfsmittel und Studiotechnik können diese Wirkungen verstärken. Daraus ergibt sich die typische Aufteilung in Melodiegruppe und Rhythmusgruppe.

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