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Leitzins

Leitzins ist im Finanzwesen der von einer Zentralbank im Rahmen ihrer Geldpolitik einseitig festgelegte Zinssatz, zu dem sie mit den ihr angeschlossenen …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und aktuelle Leitzinsen
  2. 2. Entwicklung und Zuständigkeit
  3. 3. Festlegung und geldpolitische Wirkung
  4. 4. Wechselkurs, Wachstum und Orientierung

Begriff und aktuelle Leitzinsen

Der Leitzins ist im Finanzwesen der von einer Zentralbank im Rahmen ihrer Geldpolitik einseitig festgelegte Zinssatz, zu dem sie mit den ihr angeschlossenen Kreditinstituten Geschäfte abschließt. Er ist ein zentrales geldpolitisches Instrument: Als Preis beeinflusst er unmittelbar, ob Geschäftsbanken Geld bei der Zentralbank nachfragen oder dort anlegen. Über den Interbankenhandel wirkt er auf den Geldmarkt und schließlich auf die gesamte Volkswirtschaft. Steigende Leitzinsen wirken kontraktiv, also bremsend; sinkende Leitzinsen expansiv, also anregend.

Wichtige Leitzinsen am 17. September 2026 waren: Bei der EZB galten seit 16. September 2026 ein Einlagesatz von 2,50 %, ein Hauptrefinanzierungssatz von 2,65 % und ein Spitzenrefinanzierungssatz von 2,90 %. Der SNB-Leitzins betrug seit 20. Juni 2025 0,00 %. Das Zielband der Federal Funds Rate lag seit 17. September 2026 bei 3,75 bis 4,00 %, die Primary Credit Rate bei 4,00 %. Weitere Sätze waren die Overnight Call Rate der Bank of Japan von 1,00 %, die Official Bank Rate der Bank of England von 3,75 %, der chinesische Diskontsatz für einjährige Kredite von 3,00 % sowie die Repo Rate der Reserve Bank of India von 5,25 %.

Entwicklung und Zuständigkeit

In Deutschland führten die Reichsbank ab Januar 1876 und später die Deutsche Bundesbank beziehungsweise ihr Vorgängerinstitut Bank deutscher Länder Diskont- und Lombardsatz als wichtige Zinssätze. Bis 1987 hatte der Diskontsatz eine entscheidende Rolle für die Refinanzierung der Kreditinstitute und als Leitzins: Banken konnten durch den Verkauf bundesbankfähiger Wechsel Liquidität zum Diskontsatz beschaffen. Er war außerdem Referenzzinssatz in Verträgen und Gesetzen.

Seit 1987 verlor die Wechsel-Diskontierung an Bedeutung; der Lombardsatz und offenmarktpolitische Instrumente traten stärker in den Vordergrund. Der Anteil der Wechselrefinanzierung an allen Notenbankkrediten sank von 83,5 % im Jahr 1980 auf 29,5 % im Jahr 1994. Wertpapierpensionsgeschäfte stiegen im selben Zeitraum von 6 % auf 69,7 % der Gesamtrefinanzierung.

Mit der Europäischen Währungsunion ging die Zuständigkeit für Leitzinsen im Januar 1999 von der Bundesbank auf die Europäische Zentralbank über. Die EZB verwendet drei Zinssätze: für Hauptrefinanzierungsgeschäfte, die Spitzenrefinanzierungsfazilität und die Einlagefazilität. Der frühere Diskontsatz wurde für Vertrags- und Gesetzesverweise in § 247 Abs. 1 BGB durch den Basiszinssatz ersetzt; dieser wird seit Januar 2002 permanent ermittelt.

Festlegung und geldpolitische Wirkung

Über Änderungen des Leitzinses entscheidet das zuständige Organ der Zentralbank. Bei der EZB ist dies der EZB-Rat; er bestimmt Zeitpunkt, Ausmaß und Richtung einer Erhöhung oder Senkung. Die Bundesbank ist seit Januar 1999 bei der Leitzinsfestlegung nur noch Ausführungsorgan der EZB. Deshalb wurde ihr Zentralbankrat, dem diese Aufgabe entzogen war, im April 2002 abgeschafft.

Leitzinsen sind die Sätze, zu denen sich Kreditinstitute Zentralbankgeld beschaffen oder bei der Zentralbank anlegen können. Eine Erhöhung verteuert die Liquiditätsbeschaffung der Banken. Um Gewinneinbußen zu vermeiden, können sie diese Kosten an Bankkunden weitergeben. Eine Senkung erleichtert dagegen die Geldaufnahme und kann ebenfalls an Kunden weitergegeben werden. Änderungen haben im Euroraum Signalwirkung für die Volkswirtschaften der Mitgliedstaaten.

Der Leitzins beeinflusst auch die Geldschöpfung der Banken, also ihre Möglichkeit, durch Kreditvergabe Geld zu schaffen. Höhere Leitzinsen schränken diese Möglichkeit ein, niedrigere erweitern sie. Dadurch wird die Geldmenge beeinflusst, was für die Entwicklung des Preisniveaus entscheidend ist. Eine unmittelbare Möglichkeit zur Verringerung der Geldmenge wäre eine Erhöhung der Mindestreserven. Dauerhaft niedrige Leitzinsen heißen Niedrigzinspolitik, dauerhaft hohe Hochzinspolitik. Niedrige Zinsen bergen eine Inflationsgefahr; höhere Zinsen wirken umgekehrt.

Wechselkurs, Wachstum und Orientierung

Leitzinsänderungen beeinflussen auch den Außenwert einer Währung. Eine Leitzinserhöhung führt zu einem Anstieg ihres Wechselkurses. Dies kann den Export belasten und Importe verbilligen und damit die Terms of Trade verschlechtern. Leitzins und Wechselkurs verhalten sich reziprok: Eine harte Währung lässt einen niedrigen Leitzins zu. Im Leitzins spiegeln sich daher Erwartungen über Wechselkurse und Inflation. Die Bank of England berücksichtigt bei ihrer Festlegung die „balance of payment position“ und die erwartete Inflationsrate.

Nach der 1993 von John B. Taylor entwickelten Taylor-Regel bestimmen viele Zentralbanken den Leitzins nicht nur anhand von Geldmengenwachstum und Inflation. Auch Arbeitslosenquote und Abweichungen vom natürlichen Wirtschaftswachstum fließen ein; damit wurde das klassische LM-Modell modifiziert. Billiges Geld kann Investoren und Verbraucher zu kreditfinanzierten Investitionen anregen und so Wirtschaftswachstum begünstigen. Für eine positive Wirkung von Zinssenkungen auf das Wachstum gibt es jedoch keinen empirischen Beweis. Eine Studie von 2018 ermittelte sogar eine umgekehrte Kausalität: Leitzinsen werden vom Wirtschaftswachstum bestimmt.

Leitzinsänderungen sind zugleich ein öffentliches Signal über die Richtung der Geldpolitik. Besonders die Börse reagiert häufig empfindlich: Senkungen führen oft zu steigenden Aktienkursen und Erhöhungen umgekehrt, weil eine bessere Unternehmenssituation erwartet wird und/oder bei sinkenden Anleiherenditen von Anleihen in Aktien umgeschichtet wird. Allerdings ist eine zunehmende Entkopplung zwischen dem Leitzins und den tatsächlichen Soll- und Habenzinsen der Geschäftsbanken zu beobachten. Nach der drastischen Senkung des Hauptrefinanzierungssatzes ab Oktober 2008 sanken Kreditzinsen nicht entsprechend, während Habenzinsen deutlich zurückgenommen wurden.

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