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Federal Funds Rate
Federal Funds Rate ; Hauptrefinanzierungssatz (main refinancing operations rate), 2,40 % ; Spitzenrefinanzierungssatz (marginal lending facility rate), 2,65 %.
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Definition und Bedeutung
Die Federal Funds Rate, oft Fed Rate genannt, ist der Zinssatz, zu dem sich US-amerikanische Finanzinstitute wie Banken und Sparkassen untereinander kurzfristig Geld leihen. Diese Kredite dienen vor allem dazu, die Guthaben der Institute bei der Zentralbank an die vorgeschriebenen Mindestreserven anzupassen. Da der Ausgleich täglich erfolgt, handelt es sich um Übernachtkredite („overnight credit“).
Der effektive Federal Funds Rate ist der gewichtete Durchschnitt der tatsächlich zwischen den Banken vereinbarten Zinssätze. Davon zu unterscheiden ist der nominale Zinssatz beziehungsweise das Zielband, das die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) als geldpolitische Zielgröße festlegt. Durch Offenmarktgeschäfte versucht die Fed, den effektiven Zinssatz möglichst nahe an diesem Ziel zu halten. Wenn Medien von einer Änderung des US-Leitzinses berichten, ist gewöhnlich dieses Ziel der Federal Funds Rate gemeint.
Nach dem angegebenen Stand gilt seit dem 11. Dezember 2025 ein Zielband von 3,50 bis 3,75 %. Der Primary Credit Rate beträgt 3,75 %.
Mindestreserven und täglicher Ausgleich
US-Banken müssen gesetzlich einen bestimmten Anteil ihrer Mittel als Reserve halten. Diese Reserve kann als unverzinsliches Guthaben bei der Fed oder als Kassenbestand geführt werden. Die Fed bestimmt den erforderlichen Anteil anhand der Anlagegüter und Verbindlichkeiten eines Kreditinstituts. Üblich sind 10 % des Gesamtwertes der Sichteinlagen, also der Einlagen, über die Kunden kurzfristig verfügen können.
Vergibt eine Bank im normalen Geschäft ein Darlehen, verringern sich ihr verfügbares Geld und damit ihre Reserven. Unterschreitet sie den vorgeschriebenen Mindestreservesatz, muss sie ihre Reserve wieder erhöhen. Dazu kann sie Geld von einer anderen Bank leihen, die bei der Fed einen Reserveüberschuss besitzt. Der dafür verlangte Zinssatz wird zwischen den beteiligten Banken ausgehandelt. Aus dem gewichteten Durchschnitt aller solchen Transaktionen entsteht der effektive Federal Funds Rate.
Alternativ kann sich eine Bank direkt bei der Fed Geld leihen. Für dieses von der Fed kontrollierte Darlehen gilt der Diskontsatz, der normalerweise höher als die Federal Funds Rate ist. Beide Zinssätze werden häufig verwechselt: Die Fed kann einen bestimmten Diskontsatz unmittelbar festsetzen, während sie beim Tagesgeldsatz nur eine Zielgröße vorgibt und den Markt entsprechend beeinflusst.
Festlegung, Steuerung und Markterwartungen
Das Federal Open Market Committee (FOMC), der Offenmarktausschuss der Fed, legt das Ziel der Federal Funds Rate fest. Abhängig von der wirtschaftlichen Lage der Vereinigten Staaten und der jeweiligen Tagesordnung erhöht oder senkt es den Zielzins oder lässt ihn unverändert. Die praktische Steuerung erfolgt hauptsächlich durch Offenmarktgeschäfte. Dabei handelt die Federal Reserve Bank of New York über ihren „Domestic Trade Desk“ vor allem mit inländischen Wertpapieren wie Staatsanleihen und Wertpapieren von Bundesbehörden.
Auch der Markt versucht, künftige Entscheidungen des FOMC vorherzusagen. Dafür werden die Preise von Terminkontrakten beziehungsweise Optionskontrakten auf Federal Funds, den „fed funds futures“, am Chicago Board of Trade (CBOT) ausgewertet. Aus ihnen lassen sich implizierte Wahrscheinlichkeiten für erwartete Änderungen des geldpolitischen Kurses ableiten. Solche Wahrscheinlichkeiten werden von der Cleveland Fed veröffentlicht.
Erwartete und tatsächliche Zinsänderungen beeinflussen den Wert des US-Dollars sowie den Umfang der Kreditvergabe. Dadurch wirken sie sich auf neue wirtschaftliche Aktivitäten aus, beispielsweise auf Investitionen von Unternehmen.
Wirkungen auf Banken und Wirtschaft
Interbankenkredite ermöglichen es Banken, schnell Kapital zu beschaffen. Möchte eine Bank beispielsweise einem Industrieunternehmen ein größeres Darlehen geben, kann sie den benötigten Betrag von anderen Banken leihen, anstatt auf neue Einlagen oder die Rückzahlung bestehender Kredite zu warten.
Steigt die Federal Funds Rate, wird die Kreditaufnahme zwischen Banken teurer und daher weniger attraktiv. Sinkt sie, werden Banken eher dazu angeregt, Geld aufzunehmen. Das günstigere Geld soll Investitionen und Konsum fördern und damit die Wirtschaft unterstützen. Eine Zinssenkung kann jedoch zugleich die Preise erhöhen und inflationär wirken. Die gesamtwirtschaftlichen Folgen der Geldpolitik zeigen sich überwiegend mittel- bis langfristig. Bereits kurzfristig kann jedoch die psychologische Signalwirkung einer Zinsentscheidung die Investitions- und Konsumentscheidungen der Marktteilnehmer beeinflussen.
Das Artikelbeispiel beschreibt die verzögerte Wirkung einer Zinserhöhung: Wegen sinkenden Konsums gehen zunächst die Umsätze der Unternehmen zurück. Das maximale Ausmaß dieses Effekts wird erst nach ungefähr 1 bis 1,5 Jahren erreicht. Daraufhin verringern Unternehmen ihre Produktion; diese Reaktion macht sich erst nach ungefähr 2 Jahren bemerkbar. Mit der Produktion sinkt schließlich auch die Beschäftigung, sodass die Arbeitslosenquote steigt.
Die Federal Funds Rate ist somit ein wichtiges Instrument zur Steuerung der US-Wirtschaft. Wegen der gegenseitigen Abhängigkeit zwischen der US-amerikanischen und der weltweiten Wirtschaft reichen ihre Auswirkungen über die Vereinigten Staaten hinaus. Ein höherer Diskontsatz hält Banken zusätzlich davon ab, direkt bei der Fed Geld zu leihen; die Fed bleibt jedoch als letzte Finanzierungsmöglichkeit verfügbar.
Abgrenzung zum LIBOR
Die Federal Funds Rate und der London Interbank Offered Rate (LIBOR) betreffen beide die Verzinsung von Interbankenkrediten, unterscheiden sich aber in ihrer Bildung und geldpolitischen Rolle.
• Der Zielwert der Federal Funds Rate ist ein vom FOMC festgelegter Leitzins und dient der Steuerung der US-Geldpolitik.
• Der effektive Federal Funds Rate wird aus den tatsächlichen üblichen Zinssätzen von Kreditinstituten berechnet, die der Aufsicht amerikanischer Behörden unterstehen.
• Der LIBOR wird aus den üblichen Zinssätzen von Kreditinstituten in London berechnet. Dort besteht als wesentlicher Unterschied nicht dieselbe Mindestreserveverpflichtung.
• Die Fed beeinflusst die Federal Funds Rate durch Geschäfte des Domestic Trade Desk der Federal Reserve Bank of New York, der hauptsächlich mit inländischen Wertpapieren handelt.
• Der LIBOR kann zur Ableitung von Geschäftsbedingungen verwendet werden, muss dafür aber nicht eingesetzt werden. Er steht nicht im Voraus fest, besitzt dennoch einen makroökonomischen Hintergrund.
Ausgewählte historische Zinsänderungen
Während der wirtschaftlichen Probleme des Jahres 2008 senkte die Fed den Leitzins mehrfach. Am 22. Januar fiel er wegen eines verschlechterten wirtschaftlichen Ausblicks und wachsender Abwärtsrisiken um 75 Basispunkte von 4,25 % auf 3,5 %. Am 30. Januar folgte eine Senkung um 50 Basispunkte auf 3,0 %, am 18. März um 75 Basispunkte auf 2,25 % und am 30. April um 25 Basispunkte auf 2,0 %. Gegen die Entscheidung vom 30. April stimmten zwei Mitglieder des Offenmarktausschusses. Die Maßnahmen sollten unter anderem die durch die Hypothekenkrise verunsicherte Wirtschaft mit günstigerem Geld versorgen, ein moderates Wachstum fördern und einer drohenden Rezession entgegenwirken.
Am 8. Oktober 2008 senkte die Fed den Leitzins im Rahmen einer gemeinsamen Aktion von Zentralbanken weltweit um 50 Basispunkte auf 1,5 %. Am 29. Oktober folgte eine weitere Senkung um 50 Basispunkte auf 1,0 %. Am 16. Dezember 2008 wurde das Zielband schließlich auf 0,0 bis 0,25 % festgelegt.
Erst sieben Jahre später, am 16. Dezember 2015, erhöhte die Fed dieses Zielband auf 0,25 bis 0,5 %. Am 14. Dezember 2016 folgte eine Erhöhung auf 0,5 bis 0,75 %. Am 16. März 2020 senkte sie den Leitzins von 1,75 % auf 0,25 %. Der im Artikel dargestellte historische Verlauf des effektiven Federal Funds Rate reicht bis 1954 zurück.