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EZB-Chefin Lagarde über Leitzins, Teuerung und die Zukunft des Bargelds | ZDfheute
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 84 Zeilen
- In unseren Vorhersagen wird die Inflation noch weiter ansteigen bis zum Ende des Jahres 2026. Es wird also schlimmer werden, bevor es besser wird,
- aber [räuspern] es wird besser. Madame Lag. Frau Lagart, vielen Dank für das Interview.
- Ich möchte mit Ihnen über die größte Sorge der Deutschen sprechen, Inflation. Wir waren gerade an einer Tankstelle in der Nähe. Am Mittag sprang der Preis für
- 1 l Diesel auf unglaubliche 2,50 €. Incredible. Wird es bald günstiger werden zu tanken?
- Sie sprechen über die Ware Energie und ganz besonders Diesel. Das ist der am schnellsten steigende Preis, den wir im Moment sehen.
- Diesel, das wird durch das Raffinieren von Öl hergestellt und der Preis steigt im Moment stark.
- Vor allem, weil Brand, das ist das nichtraffinerierte Öl, teurer wird, denn die Straße von Hormus ist geschlossen und es gibt weniger Angebot auf dem
- Markt. Er geht aber auch nach oben, weil es weniger Raffineriekapazitäten gibt, dieses Öl in Diesel umzuwandeln.
- Man hat also ein teureres Rohmaterial und weniger Raffineriekapazitäten und dann geht der Preis nach oben. Wird das zu einem Ende kommen?
- Ich habe nicht die Antwort auf diese Frage. Die Antwort, die ich Ihnen anbieten kann, ist, dass wir alles tun werden, was möglich ist, um
- sicherzustellen, dass die Inflation mittelfristig bei der Zielmarke von 2% ist und wir tun alles, was notwendig ist, um das zu erreichen.
- Aber als Europäische Zentralbank haben Sie weder Einfluss auf den globalen Ölmarkt noch auf die Straße von Hommus. Ist die EZB nicht im Grunde machtlos
- gegenüber diesem Angebotsschock? Nein, nein, wir können die Straße von Homus nicht wieder öffnen. Da haben Sie recht. Die EZB, egal wie mächtig sie
- ist, kann das nicht. Was wir aber tun können, ist zu versuchen, die Folgen zu verringern, die durch die Schließung der Straße von Hormons entstehen. Und genau
- das tun wir. Also mittelfristig Preisstabilität zu erreichen und das werden wir tun.
- Viele Deutsche erinnern sich an die Inflation 2022, damals über 8% in Deutschland. Können Sie garantieren, dass das nicht wieder passiert?
- Was ich Ihnen sagen kann, ist, dass wir aus der Geschichte lernen. Wir wissen, was 2022 passiert ist. Wir wissen, wie schnell das gegangen ist. Und wir sind
- sehr aufmerksam, was die einzelnen Entwicklungen angeht, was die einzelnen Faktoren angeht, die uns sagen können: "Achtung, es geht nach oben und es geht
- schnell, sodass wir sofort die richtigen Maßnahmen ergreifen können, um der Entwicklung vorzugreifen und sie zu verhindern.
- Und wenn es eine Verknappung gibt, dann kann ich das nicht ausgleichen. Ich kann nicht bohren, ich kann nicht raffinieren, ich bin nur die
- Zentralbank. Meine Werkzeuge sind Zinssätze. Das ist alles, was ich tun kann.
- Wann wird die Inflation wieder auf ihr Ziel von 2% kommen? So, wir versuchen vorher zu sagen, sodass wir dann sagen können, wann wir
- die 2% erreichen werden. In 2027, in 2028 und wie schnell. In unseren Vorhersagen wird die Inflation noch weiter ansteigen bis zum Ende des Jahres
- 2026. Es wird also schlimmer werden, bevor es besser wird. Aber es wird besser. Im Laufe des Jahres 2027 wird sie sich verringern. Wenn sie
- 2026 sehr hoch ist, wird sie sich 2027 verringern und wir werden das Ziel am Ende des Jahres 2028 erreichen.
- Also, wir nehmen Sie da beim Wort noch mal. Die steigenden Lebenshaltungskosten sind die größte Sorge der Deutschen. Würden Sie zustimmen, dass das die
- Wähler direkt in die Arme von Extremisten und Populisten treibt? Wissen Sie, unsere Aufgabe als Zentralbank ist es, Preisstabilität
- herzustellen. Es gibt verschiedene Dinge, die eine Rolle spielen. Finanzielle Stabilität ist eines davon, denn man kann nicht eins haben ohne das
- andere. Wir sind also auch da aufmerksam. Was ich in meinem Leben festgestellt habe während meiner 8 Jahre als Leiterin
- des internationalen Währungsfonds und jetzt 7 Jahre als Leiterin bei der EZB ist, dass wir politische Stabilität brauchen und nicht geopolitische
- Instabilität, wie wir sie in anderen Regionen der Welt sehen, um eben diese Preisstabilität herzustellen, also politische Stabilität, finanzielle
- Stabilität und Preisstabilität. und wir sind für die Preisstabilität verantwortlich. Es gibt andere Faktoren, bei denen ich
- mir wünschen würde, dass ich sie kontrollieren könnte, aber ich kann es nicht. Wir haben an diesem Wochenende ein
- Rekordergebnis für die AfD in Sachsen Anhalt erlebt. Wir sehen, dass Marine Le Pen in ihrem Heimatnand Frankreich die Umfragen anführt. Macht Ihnen das
- Sorgen? Ich bin keine politische Person, wenn Sie mir diese Frage stellen als Leiterin
- der EZB. Deswegen antworte ich in dieser Rolle. Ich habe schon gesagt, dass politische Stabilität wichtig ist und Unsicherheit
- ist schwierig zur Handhaben. Und wir sind in einer solchen Situation, denn es gibt um uns herum Unsicherheit hier in Europa und auch außerhalb von
- Europa. Und ich möchte gerne sagen, dass für die Menschen, die für Diesel, für Benzin oder Lebensmittel zahlen müssen, der größte Faktor ist der nahe Osten und
- der Einfluss, den das auf die Energie hat. Und darüber machen wir uns besonders viele Sorgen.
- Der Präsident der deutschen Bundesbank, Herr Nagel, hat gerade auf der Pressekonferenz erklärt, er sei besorgt. Hat er nicht recht?
- Er ist ein Kollege, ein Freund und der Präsident der deutschen Bundesbank. Er schaut sich also die politische Situation in seinem Land an, weil er da
- der Präsident der Bundesbank ist. Ich schätze seine Meinung sehr und verstehe seine Sorge.
- Lassen Sie uns auf die deutsche Wirtschaft schauen. Im letzten Quartal ist sie um 0,3% gewachsen. Manche haben bereits den Aufschwung ausgerufen.
- Was glauben Sie, ist das wirklich eine Trendwende oder nicht eher Stagnation? Wissen Sie, wir haben das vorher gesagt im Jahr 2022 2023, dass das
- Geschäftsmodell von Deutschland tot sei, dass das Land bestenfalls stagnieren würde, die Energie aus Russland, die Nachfrage aus China und die Sicherheit
- aus den USA, das war wirklich eine Schieflage, was wir nicht nur in Deutschland sehen, sondern in der ganzen Eurozone. ist die
- Reaktion der Wirtschaft, der Unternehmen, der KMUs, der Konzerne, sich an die neue Situation anzupassen.
- Aber das hat sie überrascht. Es hat uns überrascht. Wir haben nicht vorausgesehen, dass die Reaktion so agil aussehen würde, dass die Anpassungen so
- gut ausfallen würden. Ich sage jetzt nicht, dass es einfach war. Es war sicherlich schwierig für die Unternehmen, für die KMUs auf die
- Situation zu reagieren. Sie finden aber Mittel und Wege diesen schwierigen externen Faktoren etwas entgegenzusetzen. Sie zeigen
- Widerstandsfähigkeit. Meine Hoffnung ist, dass es so weitergeht und dass wir als Europäer zusammenarbeiten und das
- weiterentwickeln. Ich möchte Sie an etwas erinnern. Im Moment ist es so, dass der größte
- Handelspartner von Deutschland Europa ist. Es war anders vor vier oder 5 Jahren. Wir sind vielleicht alleine in der Welt,
- aber wir sind zusammen. In Deutschland wird gerade über die Rente diskutiert. Das Thema ist ja auch
- für andere europäische Länder von großer Bedeutung. Für alle auch für Sie und mich. Absolut. In Deutschland diskutiert man
- über die Rente mit 63 nach 45 Arbeitsjahren. Ich weiß, zu konkreten Vorhaben äußern Sie sicher nicht, aber halten Sie es grundsätzlich für eine
- gute Idee, qualifizierte Arbeitskräfte früher in den Ruhestand zu schicken? Also ich denke, was wichtig ist, ist, dass man sich der Realität stellt und
- dass man Maßnahmen ergreift, um darauf zu antworten. Wenn wir uns heute die Demografie anschauen, dann werden Sie
- wahrscheinlich 90 Jahre alt oder knapp 100. Ich nicht. Also, ich hoffe es, aber ich denke nicht. Das müssen wir berücksichtigen.
- Die Tatsache, dass diese junge Generation, unsere Kinder, unsere Enkel, die werden länger leben, die werden länger produktiv sein und wir müssen uns
- fragen, was wir tun können. Wenn wir weiterhin für Renten zahlen wollen, dann müssen wir wahrscheinlich
- alle länger arbeiten. Also brauchen wir ein höheres Rentenalter. Wir müssen weiterhin den Sozialvertrag
- honorieren, den wir haben, aber es muss gegen die Realität der Veränderungen getestet werden. Und die Wahrheit ist, dass durch den Fortschritt im Bereich
- der Medizin dank des sozialen Umfeldes, in dem wir uns bewegen, leben wir länger und gesünder als unsere Großeltern.
- Ich möchte auf ein weiteres Thema eingehen, den Euro selbst. Frau Lagat, haben Sie noch echte Banknoten dabei? Ja, auf jeden Fall. Und ich liebe die.
- Ja, weil sie ja den digitalen Euro einführen wollen. Manche in Deutschland fürchten, das ist
- der nächste Schritt zur Abschaffung des Bargelds, dass alles digital gezahlt wird. No, no, no, no. Nein, ganz im Gegenteil. Geldscheine sind das Geld der
- Zentralbank, denn wo auch immer man hingeht, der 20 [räuspern] € Geldschein wird überall angenommen. Warum ist das so? Weil die Zentralbank
- garantiert, dass das ein 20 € Geldschein ist. Natürlich wird alles digital. Man möchte etwas kaufen, man möchte ein Kinoticket kaufen, man möchte seinen
- Urlaub buchen, man geht online. Wir können es nicht verhindern, dass Zahlungen online abgewickelt werden und natürlich werden solche Bezahlvorgänge
- online gehen und wir möchten sicherstellen, dass das Geld der Zentralbank auch digital ist. Wir möchten aus diesem Spiel nicht
- ausgeschlossen sein. Wir werden also weiterhin Geldscheine haben und auch wirklich schöne. Das hoffe ich zumindest. Und wir möchten auch dabei
- sein, wenn es um digitales Geld geht, denn wenn alles digital wird, möchten wir dabei sein. Es geht also um beides: Geldscheine und digitales Geld.
- Asking. Derzeit fragen Sie die Bevölkerung nach ihrer Meinung zum neuen Design der Banknoten. Man könnte aber auch fragen, warum sie so viel Geld für
- das neue Design ausgeben, wo es doch eigentlich andere Probleme gibt aus Sicherheitsgründen.
- Je länger Geldscheine unverändert bleiben, das Design, die Sicherheitsmerkmale und die Textur, desto anfälliger wird man für Fälschung,
- für Falschgeld. Das wollen wir nicht. Das ist der Hauptgrund. Die zukünftigen Geldscheine mit ihrem neuen Design und ihrem neuen Format
- werden eine neue Textur haben und neue Sicherheitsmerkmale. Vielleicht sogar auch dreidimensionale Elemente, die man nicht so einfach
- fälschen kann und sie werden auch ein neues Aussehen haben. Und ich möchte auch Ihre Zuschauer aufrufen, auf unsere Webseite zu gehen,
- auf ihre Webseite, denn sie gehört Ihnen und zu sagen, der gefällt mir, der gefällt mir nicht so, damit wir die Meinung aller Menschen in Europa hören,
- was ihnen am besten gefällt. Eine letzte persönliche Frage, Frau Lagart. Angenommen, wir treffen uns in
- einem Jahr zur gleichen Jahreszeit wieder zu einem Interview. Werden Sie dann noch Präsidentin der Europäischen Zentralbank sein?
- Sie laden mich ein zu einem weiteren Interview. Einladung angenommen als Chefin der EZB. Sie haben mich als Person eingeladen. Vielen Dank.
- Abgemacht. Bis zum nächsten Jahr. [gelächter] Vielen Dank für das Interview. Watch.