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EZB-Chefin Lagarde über Leitzins, Teuerung und die Zukunft des Bargelds | ZDfheute

ZDFheute Nachrichten13:19 83.371 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 84 Zeilen
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  1. In unseren Vorhersagen wird die Inflation noch weiter ansteigen bis zum Ende des Jahres 2026. Es wird also schlimmer werden, bevor es besser wird,
  2. aber [räuspern] es wird besser. Madame Lag. Frau Lagart, vielen Dank für das Interview.
  3. Ich möchte mit Ihnen über die größte Sorge der Deutschen sprechen, Inflation. Wir waren gerade an einer Tankstelle in der Nähe. Am Mittag sprang der Preis für
  4. 1 l Diesel auf unglaubliche 2,50 €. Incredible. Wird es bald günstiger werden zu tanken?
  5. Sie sprechen über die Ware Energie und ganz besonders Diesel. Das ist der am schnellsten steigende Preis, den wir im Moment sehen.
  6. Diesel, das wird durch das Raffinieren von Öl hergestellt und der Preis steigt im Moment stark.
  7. Vor allem, weil Brand, das ist das nichtraffinerierte Öl, teurer wird, denn die Straße von Hormus ist geschlossen und es gibt weniger Angebot auf dem
  8. Markt. Er geht aber auch nach oben, weil es weniger Raffineriekapazitäten gibt, dieses Öl in Diesel umzuwandeln.
  9. Man hat also ein teureres Rohmaterial und weniger Raffineriekapazitäten und dann geht der Preis nach oben. Wird das zu einem Ende kommen?
  10. Ich habe nicht die Antwort auf diese Frage. Die Antwort, die ich Ihnen anbieten kann, ist, dass wir alles tun werden, was möglich ist, um
  11. sicherzustellen, dass die Inflation mittelfristig bei der Zielmarke von 2% ist und wir tun alles, was notwendig ist, um das zu erreichen.
  12. Aber als Europäische Zentralbank haben Sie weder Einfluss auf den globalen Ölmarkt noch auf die Straße von Hommus. Ist die EZB nicht im Grunde machtlos
  13. gegenüber diesem Angebotsschock? Nein, nein, wir können die Straße von Homus nicht wieder öffnen. Da haben Sie recht. Die EZB, egal wie mächtig sie
  14. ist, kann das nicht. Was wir aber tun können, ist zu versuchen, die Folgen zu verringern, die durch die Schließung der Straße von Hormons entstehen. Und genau
  15. das tun wir. Also mittelfristig Preisstabilität zu erreichen und das werden wir tun.
  16. Viele Deutsche erinnern sich an die Inflation 2022, damals über 8% in Deutschland. Können Sie garantieren, dass das nicht wieder passiert?
  17. Was ich Ihnen sagen kann, ist, dass wir aus der Geschichte lernen. Wir wissen, was 2022 passiert ist. Wir wissen, wie schnell das gegangen ist. Und wir sind
  18. sehr aufmerksam, was die einzelnen Entwicklungen angeht, was die einzelnen Faktoren angeht, die uns sagen können: "Achtung, es geht nach oben und es geht
  19. schnell, sodass wir sofort die richtigen Maßnahmen ergreifen können, um der Entwicklung vorzugreifen und sie zu verhindern.
  20. Und wenn es eine Verknappung gibt, dann kann ich das nicht ausgleichen. Ich kann nicht bohren, ich kann nicht raffinieren, ich bin nur die
  21. Zentralbank. Meine Werkzeuge sind Zinssätze. Das ist alles, was ich tun kann.
  22. Wann wird die Inflation wieder auf ihr Ziel von 2% kommen? So, wir versuchen vorher zu sagen, sodass wir dann sagen können, wann wir
  23. die 2% erreichen werden. In 2027, in 2028 und wie schnell. In unseren Vorhersagen wird die Inflation noch weiter ansteigen bis zum Ende des Jahres
  24. 2026. Es wird also schlimmer werden, bevor es besser wird. Aber es wird besser. Im Laufe des Jahres 2027 wird sie sich verringern. Wenn sie
  25. 2026 sehr hoch ist, wird sie sich 2027 verringern und wir werden das Ziel am Ende des Jahres 2028 erreichen.
  26. Also, wir nehmen Sie da beim Wort noch mal. Die steigenden Lebenshaltungskosten sind die größte Sorge der Deutschen. Würden Sie zustimmen, dass das die
  27. Wähler direkt in die Arme von Extremisten und Populisten treibt? Wissen Sie, unsere Aufgabe als Zentralbank ist es, Preisstabilität
  28. herzustellen. Es gibt verschiedene Dinge, die eine Rolle spielen. Finanzielle Stabilität ist eines davon, denn man kann nicht eins haben ohne das
  29. andere. Wir sind also auch da aufmerksam. Was ich in meinem Leben festgestellt habe während meiner 8 Jahre als Leiterin
  30. des internationalen Währungsfonds und jetzt 7 Jahre als Leiterin bei der EZB ist, dass wir politische Stabilität brauchen und nicht geopolitische
  31. Instabilität, wie wir sie in anderen Regionen der Welt sehen, um eben diese Preisstabilität herzustellen, also politische Stabilität, finanzielle
  32. Stabilität und Preisstabilität. und wir sind für die Preisstabilität verantwortlich. Es gibt andere Faktoren, bei denen ich
  33. mir wünschen würde, dass ich sie kontrollieren könnte, aber ich kann es nicht. Wir haben an diesem Wochenende ein
  34. Rekordergebnis für die AfD in Sachsen Anhalt erlebt. Wir sehen, dass Marine Le Pen in ihrem Heimatnand Frankreich die Umfragen anführt. Macht Ihnen das
  35. Sorgen? Ich bin keine politische Person, wenn Sie mir diese Frage stellen als Leiterin
  36. der EZB. Deswegen antworte ich in dieser Rolle. Ich habe schon gesagt, dass politische Stabilität wichtig ist und Unsicherheit
  37. ist schwierig zur Handhaben. Und wir sind in einer solchen Situation, denn es gibt um uns herum Unsicherheit hier in Europa und auch außerhalb von
  38. Europa. Und ich möchte gerne sagen, dass für die Menschen, die für Diesel, für Benzin oder Lebensmittel zahlen müssen, der größte Faktor ist der nahe Osten und
  39. der Einfluss, den das auf die Energie hat. Und darüber machen wir uns besonders viele Sorgen.
  40. Der Präsident der deutschen Bundesbank, Herr Nagel, hat gerade auf der Pressekonferenz erklärt, er sei besorgt. Hat er nicht recht?
  41. Er ist ein Kollege, ein Freund und der Präsident der deutschen Bundesbank. Er schaut sich also die politische Situation in seinem Land an, weil er da
  42. der Präsident der Bundesbank ist. Ich schätze seine Meinung sehr und verstehe seine Sorge.
  43. Lassen Sie uns auf die deutsche Wirtschaft schauen. Im letzten Quartal ist sie um 0,3% gewachsen. Manche haben bereits den Aufschwung ausgerufen.
  44. Was glauben Sie, ist das wirklich eine Trendwende oder nicht eher Stagnation? Wissen Sie, wir haben das vorher gesagt im Jahr 2022 2023, dass das
  45. Geschäftsmodell von Deutschland tot sei, dass das Land bestenfalls stagnieren würde, die Energie aus Russland, die Nachfrage aus China und die Sicherheit
  46. aus den USA, das war wirklich eine Schieflage, was wir nicht nur in Deutschland sehen, sondern in der ganzen Eurozone. ist die
  47. Reaktion der Wirtschaft, der Unternehmen, der KMUs, der Konzerne, sich an die neue Situation anzupassen.
  48. Aber das hat sie überrascht. Es hat uns überrascht. Wir haben nicht vorausgesehen, dass die Reaktion so agil aussehen würde, dass die Anpassungen so
  49. gut ausfallen würden. Ich sage jetzt nicht, dass es einfach war. Es war sicherlich schwierig für die Unternehmen, für die KMUs auf die
  50. Situation zu reagieren. Sie finden aber Mittel und Wege diesen schwierigen externen Faktoren etwas entgegenzusetzen. Sie zeigen
  51. Widerstandsfähigkeit. Meine Hoffnung ist, dass es so weitergeht und dass wir als Europäer zusammenarbeiten und das
  52. weiterentwickeln. Ich möchte Sie an etwas erinnern. Im Moment ist es so, dass der größte
  53. Handelspartner von Deutschland Europa ist. Es war anders vor vier oder 5 Jahren. Wir sind vielleicht alleine in der Welt,
  54. aber wir sind zusammen. In Deutschland wird gerade über die Rente diskutiert. Das Thema ist ja auch
  55. für andere europäische Länder von großer Bedeutung. Für alle auch für Sie und mich. Absolut. In Deutschland diskutiert man
  56. über die Rente mit 63 nach 45 Arbeitsjahren. Ich weiß, zu konkreten Vorhaben äußern Sie sicher nicht, aber halten Sie es grundsätzlich für eine
  57. gute Idee, qualifizierte Arbeitskräfte früher in den Ruhestand zu schicken? Also ich denke, was wichtig ist, ist, dass man sich der Realität stellt und
  58. dass man Maßnahmen ergreift, um darauf zu antworten. Wenn wir uns heute die Demografie anschauen, dann werden Sie
  59. wahrscheinlich 90 Jahre alt oder knapp 100. Ich nicht. Also, ich hoffe es, aber ich denke nicht. Das müssen wir berücksichtigen.
  60. Die Tatsache, dass diese junge Generation, unsere Kinder, unsere Enkel, die werden länger leben, die werden länger produktiv sein und wir müssen uns
  61. fragen, was wir tun können. Wenn wir weiterhin für Renten zahlen wollen, dann müssen wir wahrscheinlich
  62. alle länger arbeiten. Also brauchen wir ein höheres Rentenalter. Wir müssen weiterhin den Sozialvertrag
  63. honorieren, den wir haben, aber es muss gegen die Realität der Veränderungen getestet werden. Und die Wahrheit ist, dass durch den Fortschritt im Bereich
  64. der Medizin dank des sozialen Umfeldes, in dem wir uns bewegen, leben wir länger und gesünder als unsere Großeltern.
  65. Ich möchte auf ein weiteres Thema eingehen, den Euro selbst. Frau Lagat, haben Sie noch echte Banknoten dabei? Ja, auf jeden Fall. Und ich liebe die.
  66. Ja, weil sie ja den digitalen Euro einführen wollen. Manche in Deutschland fürchten, das ist
  67. der nächste Schritt zur Abschaffung des Bargelds, dass alles digital gezahlt wird. No, no, no, no. Nein, ganz im Gegenteil. Geldscheine sind das Geld der
  68. Zentralbank, denn wo auch immer man hingeht, der 20 [räuspern] € Geldschein wird überall angenommen. Warum ist das so? Weil die Zentralbank
  69. garantiert, dass das ein 20 € Geldschein ist. Natürlich wird alles digital. Man möchte etwas kaufen, man möchte ein Kinoticket kaufen, man möchte seinen
  70. Urlaub buchen, man geht online. Wir können es nicht verhindern, dass Zahlungen online abgewickelt werden und natürlich werden solche Bezahlvorgänge
  71. online gehen und wir möchten sicherstellen, dass das Geld der Zentralbank auch digital ist. Wir möchten aus diesem Spiel nicht
  72. ausgeschlossen sein. Wir werden also weiterhin Geldscheine haben und auch wirklich schöne. Das hoffe ich zumindest. Und wir möchten auch dabei
  73. sein, wenn es um digitales Geld geht, denn wenn alles digital wird, möchten wir dabei sein. Es geht also um beides: Geldscheine und digitales Geld.
  74. Asking. Derzeit fragen Sie die Bevölkerung nach ihrer Meinung zum neuen Design der Banknoten. Man könnte aber auch fragen, warum sie so viel Geld für
  75. das neue Design ausgeben, wo es doch eigentlich andere Probleme gibt aus Sicherheitsgründen.
  76. Je länger Geldscheine unverändert bleiben, das Design, die Sicherheitsmerkmale und die Textur, desto anfälliger wird man für Fälschung,
  77. für Falschgeld. Das wollen wir nicht. Das ist der Hauptgrund. Die zukünftigen Geldscheine mit ihrem neuen Design und ihrem neuen Format
  78. werden eine neue Textur haben und neue Sicherheitsmerkmale. Vielleicht sogar auch dreidimensionale Elemente, die man nicht so einfach
  79. fälschen kann und sie werden auch ein neues Aussehen haben. Und ich möchte auch Ihre Zuschauer aufrufen, auf unsere Webseite zu gehen,
  80. auf ihre Webseite, denn sie gehört Ihnen und zu sagen, der gefällt mir, der gefällt mir nicht so, damit wir die Meinung aller Menschen in Europa hören,
  81. was ihnen am besten gefällt. Eine letzte persönliche Frage, Frau Lagart. Angenommen, wir treffen uns in
  82. einem Jahr zur gleichen Jahreszeit wieder zu einem Interview. Werden Sie dann noch Präsidentin der Europäischen Zentralbank sein?
  83. Sie laden mich ein zu einem weiteren Interview. Einladung angenommen als Chefin der EZB. Sie haben mich als Person eingeladen. Vielen Dank.
  84. Abgemacht. Bis zum nächsten Jahr. [gelächter] Vielen Dank für das Interview. Watch.

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