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Leibstandarte SS „Adolf Hitler“

Die am 17. März 1933 von Adolf Hitler als Stabswache Berlin gegründete und ihm persönlich unterstellte paramilitärische Organisation firmierte rasch unter …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Entwicklung des Verbandes
  2. 2. Vom Wachverband zur Panzerdivision
  3. 3. Kriegseinsätze und Ende
  4. 4. Kriegsverbrechen
  5. 5. Morde 1934, Strafverfahren und Führung

Überblick und Entwicklung des Verbandes

Die Leibstandarte SS „Adolf Hitler“ (LSSAH oder LAH) war eine Adolf Hitler persönlich unterstellte Organisation der SS im NS-Staat. Sie bestand vom 17. März 1933 bis zum 8. Mai 1945, war zunächst paramilitärisch und entwickelte sich zu einem Verband der Waffen-SS. Ihre Garnison befand sich in der ehemaligen Kadettenanstalt Berlin-Lichterfelde.

Sie wurde am 17. März 1933 als Stabswache Berlin gegründet, hieß ab Mai SS-Sonderkommando Zossen und ab September 1933 Leibstandarte Adolf Hitler. Am 9. November 1933 leistete sie den Führereid auf Hitler persönlich. Dieser Eid gab Hitler nach der Darstellung im Artikel einen persönlichen Machtbereich neben Partei und Staat. Angehörige des Führerbegleitkommandos gehörten verwaltungsmäßig zum Stab der LSSAH, erhielten ihre Befehle aber unmittelbar von Hitler oder dessen Chefadjutanten Julius Schaub.

Die Einheit diente auch als Organisationsmuster für weitere kasernierte SS-Verbände und als Propagandaobjekt. Sie wurde bei politischen Aktionen wie dem Anschluss Österreichs und dem Einmarsch ins Sudetenland besonders sichtbar eingesetzt. Der Artikel betont jedoch, dass sie zu Kriegsbeginn kein tatsächlich überlegener militärischer Eliteverband war: Ausrüstung und Ausbildung übertrafen Wehrmachtseinheiten nicht.

Vom Wachverband zur Panzerdivision

Am 15. August 1938 wurde die Leibstandarte als stehender militärischer Verband in Regimentsstärke aufgestellt; Kommandeur blieb Josef Dietrich. Im September 1938 wurde sie mit anderen SS-Standarten zur Division „SS-Verfügungstruppe“ zusammengefasst. Aus dieser entstand 1940 die Waffen-SS.

Nach dem Westfeldzug wurde sie im August 1940 zur „verstärkten Leibstandarte Adolf Hitler“ umgegliedert. Der Verband hatte nun ungefähr Stärke und Gliederung einer Brigade, mit Aufklärungs-, Artillerie-, Pionier-, Nachrichten-, Panzer- und Versorgungseinheiten. Nach dem Balkanfeldzug wurden die aus der SA stammenden Bezeichnungen wie Sturmbann und Sturm durch militärische Begriffe wie Bataillon und Kompanie ersetzt.

Am 15. Juli 1942 erhielt der Verband nach Ausbau in Nordfrankreich die Bezeichnung „SS-Division (mot.) Leibstandarte SS Adolf Hitler“ und wurde als Panzergrenadier-Division geführt. Eine Panzergrenadier-Division war ein teilgepanzeter Verband mit eigener Panzerabteilung. Sie besaß unter anderem zwei Infanterie-Regimenter, ein Panzer-Regiment, Artillerie, Aufklärung, Panzerjäger, Sturmgeschütze, Flak und Pioniere. Die letzte große Umgliederung erfolgte am 22. Oktober 1943: Durch den Ausbau der Panzer-Abteilung zum Regiment entstand die „1. SS-Panzer-Division Leibstandarte SS Adolf Hitler“.

Kriegseinsätze und Ende

Die LSSAH nahm während des gesamten Zweiten Weltkriegs an Angriffskriegen, Besatzungseinsätzen, Rückzügen und Wiederaufstellungen teil. Ab dem 1. September 1939 kämpfte sie im Überfall auf Polen, danach im Westfeldzug. Von März bis April 1941 war die verstärkte Leibstandarte im Balkanfeldzug eingesetzt. Beim deutschen Überfall auf die Sowjetunion ab Juni 1941 kämpfte sie zunächst in Angriffs- und später in Abwehrkämpfen des Winters 1941/42.

Im Juli 1942 wurde die Division zur Auffrischung und zum Ausbau nach Nordfrankreich verlegt. Im Februar und März 1943 kam sie erneut an die Ostfront und beteiligte sich im SS-Panzerkorps unter Paul Hausser an der Rückeroberung Charkows. Nach der Kursker Offensive im Unternehmen Zitadelle verlegte sie im August 1943 nach Oberitalien. Im Winter 1943/44 kämpfte sie in der Ukraine, unter anderem bei Shitomir, Fastow, Tscherkassy, Tarnopol und Proskurow. Sie wurde im Raum Tscherkassy und Tarnopol erstmals nahezu vollständig zerschlagen und im April 1944 nach Belgien verlegt.

Nach der alliierten Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 kam die Division im Juli an die Front. Beim deutschen Rückzug durch den Kessel von Falaise verlor sie den Großteil ihres Geräts und wurde im November 1944 bei Siegburg zum zweiten Mal formal wiederaufgestellt. Die Ardennenoffensive im Dezember 1944 scheiterte nach wenigen Tagen an Nachschubmangel und alliiertem Widerstand. Anfang 1945 wurde die Division nach Ungarn verlegt und am Plattensee eingesetzt. Ab April verzögerte sie nur noch den sowjetischen Vormarsch nach Österreich; ihre Reste kapitulierten im April 1945 im Raum Steyr in Oberösterreich.

Kriegsverbrechen

Angehörige der LSSAH waren laut Artikel von Kriegsbeginn an wiederholt für Kriegsverbrechen an der Ost- und Westfront verantwortlich. Im Polenfeldzug erschossen Männer unter Hauptsturmführer Hermann Müller-John in der Nacht vom 18. auf den 19. September 1939 westlich von Warschau 50 jüdische Zivilgefangene. Obwohl eine Wehrmachteinheit Müller-John festnahm, setzte Hitler ihn auf Wunsch Josef Dietrichs frei. Im Westfeldzug werden der Einheit die Erschießungen von etwa 80 bis 100 britischen Kriegsgefangenen 1940 in Wormhout zugerechnet. Bei der Rückeroberung Charkows im Frühjahr 1943 töteten Angehörige der Division zahlreiche Verwundete und Gefangene.

In Italien begingen Angehörige der Leibstandarte systematische Morde an Juden und Gewalt gegen Zivilpersonen. Zwischen dem 15. und 23. September 1943 ermordeten sie 54 Juden am Lago Maggiore. In Pazin töteten sie am 4. Oktober 1943 157 Bürger. Im Oktober ermordeten sie Ettore Ovazza und seine ganze Familie in Intra. In Borgo San Dalmazzo wurden 349 jüdische Flüchtlinge gefangen genommen, am 21. November über Frankreich nach Auschwitz deportiert; nur neun überlebten. Beim Massaker in Boves wurden 24 überwiegend alte und kranke Menschen getötet, außerdem brannten 300 Häuser nieder.

Beim Rückzug aus Frankreich wurden in Tavaux-et-Pontséricourt am 31. August 1944 bei einer Strafaktion von Angehörigen der LSSAH und der 12. SS-Panzer-Division „Hitlerjugend“ 20 Zivilisten, darunter zwei Kinder von 6 und 11 Jahren, getötet und 86 Häuser angezündet. Für Plomion ist eine Beteiligung von Divisionstruppen wegen räumlicher Nähe und Rückzugsrichtung wahrscheinlich. Beim Malmedy-Massaker am 17. Dezember 1944 wurden 72 amerikanische Kriegsgefangene erschossen; der genaue Ablauf ist laut Artikel in der Literatur umstritten. Beim Wereth-Massaker wurden 11 afroamerikanische US-Soldaten ermordet.

Morde 1934, Strafverfahren und Führung

Ende Juni und Anfang Juli 1934 war die Leibstandarte an den Morden während des sogenannten „Röhm-Putsches“ beteiligt. Nach einer von Reinhard Heydrich erstellten Liste ermordete sie Teile der SA-Führung und weitere Personen. Sepp Dietrich erhielt von Hitler persönlich den Auftrag, ein Exekutionskommando für in Stadelheim festgehaltene SA-Führer zusammenzustellen. Auch auf dem Kasernengelände in Berlin-Lichterfelde wurden verhaftete SA-Führer und drei in Ungnade gefallene SS-Angehörige ermordet. Kurt Gildisch ermordete Erich Klausener in dessen Dienstzimmer.

Dietrich wurde 1957 dafür wegen Beihilfe zum Totschlag zu einer Haftstrafe verurteilt. Gildisch erhielt am 18. Mai 1953 wegen des Mordes an Klausener fünfzehn Jahre Zuchthaus. Die Beteiligung der Einheit wurde danach durch Bewaffnung und Beförderungen innerhalb der SS belohnt.

Wegen des Massakers am Lago Maggiore begann 1964 in Osnabrück ein Prozess gegen fünf Angeklagte. Sie wurden zunächst verurteilt; höhere Instanzen hoben die Urteile auf, weil die Taten verjährt waren. Kommandeure der militärischen Einheit waren Josef Dietrich vom 15. August 1938 bis 4. Juli 1943, Theodor Wisch bis 20. August 1944, Wilhelm Mohnke bis 6. Februar 1945 und Otto Kumm bis 8. Mai 1945.

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