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KZ Buchenwald

Auf dem Gelände des ehemaligen Lagers wurde 1958 die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald eröffnet. Ab 1991 wurde die Gedenkstätte neugestaltet. Sie …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Bedeutung
  2. 2. Lageraufbau und Zwangsarbeit
  3. 3. Entwicklung 1938 bis 1945
  4. 4. Widerstand und Befreiung
  5. 5. Nachkriegszeit, Prozesse und Gedenken
  6. 6. Opferzahlen und besondere Aspekte

Kern und Bedeutung

Das KZ Buchenwald, amtlich KL Buchenwald, war eines der größten Konzentrationslager in Deutschland. Es bestand von Juli 1937 bis April 1945 auf dem Ettersberg bei Weimar und diente als Haftstätte zur Zwangsarbeit. Insgesamt waren etwa 277.800 Menschen aus 50 Ländern dort inhaftiert. Die Zahl der Todesopfer wird auf etwa 56.000 geschätzt, darunter 15.000 Sowjetbürger, 7.000 Polen, 6.000 Ungarn und 3.000 Franzosen.

Buchenwald war kein Vernichtungslager mit industrieller Massenvernichtung wie die großen Konzentrationslager in Polen. Trotzdem wurden viele Gefangene von der SS ermordet oder starben an Hunger, Krankheiten, Misshandlungen, medizinischen Versuchen, Hinrichtungen und unmenschlicher Zwangsarbeit. Bestimmte Gruppen, besonders sowjetische Kriegsgefangene, wurden gezielt zur Ermordung ausgesondert.

Das Lager wurde 1937 von Häftlingen aus Sachsenhausen, Sachsenburg und Lichtenburg aufgebaut. Der Name „K.L. Buchenwald, Post Weimar“ wurde gewählt, weil die Bezeichnung „Ettersberg“ wegen der Nähe zu Schloss Ettersburg und der Verbindung zu Goethe politisch unerwünscht war. Erster Lagerkommandant wurde Karl Otto Koch. Zunächst waren vor allem politische Gegner des NS-Regimes, vorbestrafte Kriminelle, sogenannte Asoziale, Juden, Zeugen Jehovas und Homosexuelle inhaftiert. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs kamen immer mehr Häftlinge aus besetzten Ländern hinzu; bei der Befreiung im April 1945 waren 95 Prozent der Häftlinge keine Deutschen.

Lageraufbau und Zwangsarbeit

Das Lager bestand aus drei voneinander getrennten Bereichen: dem sogenannten Schutzhaftlager für die Gefangenen, dem SS-Übungslager und dem Produktionsbereich. Zum Konzentrationslager gehörten außerdem bis zum Kriegsende mehr als hundert ständige Arbeitskommandos und Nebenlager in Mittel- und Westdeutschland.

Das Schutzhaftlager lag terrassenförmig am Nordhang des Ettersbergs, damit es leichter überwacht werden konnte. Es war von einem 3,5 km langen und 3 m hohen Stacheldrahtzaun, einem Elektrozaun mit 220/380 Volt und 22 dreistöckigen Wachtürmen mit Maschinengewehren umgeben. Die Häftlinge lebten in 34 Holzbaracken und 16 zweistöckigen Steinbaracken. Das Lagertor trug die Inschrift „Jedem das Seine“, die vom Appellplatz aus zu lesen war. Sie wurde vom politischen Häftling und Bauhauskünstler Franz Ehrlich gestaltet.

Der „Bunker“, also die Arrestzellen im Torgebäude, war eine Folter- und Mordstätte. Das Krematorium wurde 1940 fertiggestellt; es besaß Verbrennungsöfen, einen Sezierraum und eine Pathologie. Im Keller wurden viele Häftlinge an Wandhaken getötet. Vermutlich wurde dort in der Nacht vom 17. auf den 18. August 1944 Ernst Thälmann auf direkten Befehl Adolf Hitlers erschossen.

Besonders schlechte Bedingungen herrschten im Judenlager und im „kleinen Lager“. Letzteres bestand aus fensterlosen Wehrmachtspferdeställen, war ursprünglich nur für Überbelegung gedacht und wurde später als Quarantäne- und Lager für arbeitsunfähige Häftlinge genutzt. Die Sterblichkeit war dort hoch; in Ställen für 50 Pferde wurden bis zu 1960 Häftlinge untergebracht.

Im SS-Übungslager lagen Lagerverwaltung, Kommandantur, SS-Kasernen, Exerzierplätze, Garagen, Tankstellen und Sonderbereiche für prominente Gefangene. In einem Pferdestall wurde ab 1941 eine getarnte Genickschussanlage eingerichtet. Dort wurden zwischen 1941 und 1945 zahlreiche Häftlinge und über 8000 der insgesamt 8483 ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen durch das „Kommando 99“ getötet.

Zur Zwangsarbeit gehörten der Steinbruch, das Gustloff-Werk II und Betriebe der Deutschen Ausrüstungswerke. Der Steinbruch galt als besonders tödlicher Arbeitsort. Ab 1943 wurden Häftlinge stark für die Rüstungsindustrie ausgebeutet. Bis Kriegsende gab es bis zu 136 Außenlager und Außenkommandos, unter anderem für Unternehmen wie IG Farbenindustrie, Krupp, HASAG, Ford Köln, Junkers und die Deutsche Reichsbahn. Einige Außenlager wurden später selbst zu Konzentrationslagern, etwa Dora-Mittelbau.

Entwicklung 1938 bis 1945

Ab 1938 verschärfte sich der Lageralltag deutlich. Der „Bunker“ wurde zur Folter- und Mordstätte, es kam zu öffentlichen Hinrichtungen, Massenverhaftungen sogenannter „Arbeitsscheuer“ und zur Einweisung vieler Menschen aus Österreich. Nach der Reichspogromnacht wurden 9.845 jüdische Männer nach Buchenwald gebracht, um sie zur Emigration zu zwingen und ihr Vermögen zu arisieren. Ende 1938 zählte das Lager 11.028 Häftlinge; 771 Menschen starben in diesem Jahr.

1939 brachen wegen schlechter hygienischer Bedingungen Typhus und später Ruhr aus. Das Lager wurde unter Quarantäne gestellt. Nach Kriegsbeginn wurden im Oktober 1939 8.500 Männer aus der Tschechoslowakei, Polen und Österreich eingewiesen. 1940 wurde das Krematorium in Betrieb genommen, weil das städtische Krematorium die Zahl der Toten nicht mehr bewältigen konnte.

Nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 kamen tausende sowjetische Kriegsgefangene nach Buchenwald. Viele wurden in den folgenden Jahren gezielt durch Genickschuss ermordet; schätzungsweise 8.000 Insassen fielen dem zum Opfer. Ende 1941 wurde Karl Otto Koch abgelöst; sein Nachfolger wurde im Januar 1942 Hermann Pister.

Unter Pister wurden medizinische Versuche an Häftlingen durchgeführt. Viele starben qualvoll, etwa nach Infektionen mit Fleckfieber oder TBC-Erregern. Auch Brandbombenverletzungen wurden zugefügt. Die meisten Versuche fanden in den Blöcken 46 und 8 statt. Gleichzeitig wuchs die Bedeutung Buchenwalds für die Rüstungsproduktion. 1943 entstand die 14,5 Kilometer lange „Buchenwaldbahn“ nach Weimar, die Häftlinge ohne schweres Gerät in knapp drei Monaten bauten. Sie diente zunächst der Versorgung der Rüstungsbetriebe und später auch dem Transport von Häftlingen.

1944 nahm die Zahl der Außenlager stark zu. Im März waren 81 Prozent der Häftlinge des Hauptlagers unterernährt, jeder Zehnte litt an Tuberkulose. Am 24. August 1944 bombardierten alliierte Flugzeuge die Rüstungsbetriebe beim Stammlager; auch Häftlinge wurden getötet oder verletzt. Ende 1944 waren Lager und Außenlager mit 87.000 Häftlingen belegt. Anfang 1945 wurde Buchenwald zur Endstation von Todesmärschen aus Auschwitz und Groß-Rosen; im Februar 1945 war es mit 112.000 Häftlingen in Haupt- und Außenlagern das größte noch bestehende Konzentrationslager.

Widerstand und Befreiung

Im Lager entstand eine geheime Widerstandsbewegung. Politische Häftlinge übernahmen nach und nach wichtige Funktionen innerhalb der von der SS eingerichteten Häftlingsverwaltung. In der Arbeitsstatistik konnten sie Listen für Arbeitseinsätze oder Transporte beeinflussen. Im Krankenbau konnten Häftlinge zeitweise versteckt werden. Das Internationale Lagerkomitee und die Internationale Militärorganisation bereiteten Widerstand vor. In Dora-Mittelbau gelang gezielte Sabotage an V2-Raketen; etwa 19 Prozent der fertiggestellten Raketen hatten dadurch Mängel.

Als sich Anfang April 1945 die 3. US-Armee näherte, versuchte die SS, Buchenwald zu räumen. Vom 7. bis zum 10. April verließen etwa 28.000 Häftlinge des Stammlagers und mindestens 10.000 Häftlinge der Außenlager das Lager auf Todesmärschen und in „Evakuierungszügen“ in Richtung Dachau, Flossenbürg und Theresienstadt. Dabei starben zwischen 12.000 und 15.000 Menschen. Die Widerstandsgruppe versuchte, die Evakuierung zu verzögern, damit möglichst viele Häftlinge die Ankunft der Amerikaner erlebten.

Am 8. April 1945 sendeten Häftlinge mit einem heimlich installierten Sender einen Hilferuf an amerikanische Truppen. Am 11. April 1945 erreichte eine Vortruppe der 6. Panzerdivision der 3. US-Armee den SS-Bereich. Häftlinge begannen daraufhin am Torgebäude und an Wachtürmen zu kämpfen, entwaffneten einige zurückgebliebene SS-Leute und öffneten das Lagertor. Um 16 Uhr waren das Lager und etwa 21.000 Häftlinge befreit. Das Kriegstagebuch der 4. Gepanzerten Division hielt fest, dass vor Ankunft der US-Truppen Wachtürme erobert und 125 SS-Männer gefangengenommen worden waren.

Die Rolle der Selbstbefreiung wurde später besonders in der DDR stark betont. Der Artikel weist darauf hin, dass der bewaffnete Widerstand nur im Zusammenhang mit dem sicheren Herannahen der US-Armee möglich war, weil die heimlichen Waffen zu wenige waren und die Häftlinge durch Unterernährung schwer geschwächt waren. Am 19. April 1945 legten 21.000 Überlebende den Schwur von Buchenwald ab.

Nachkriegszeit, Prozesse und Gedenken

Nach dem Abzug der US-Truppen im Juli 1945 nutzte die Sowjetische Militäradministration Teile des Geländes von August 1945 bis Februar 1950 als „Speziallager Nr. 2“. Von 28.000 Internierten starben 7.000. Dieses Speziallager wurde in der DDR-Gedenkkultur lange kaum thematisiert.

Die Verbrechen von Buchenwald wurden nach 1945 in mehreren Verfahren verfolgt. Im Buchenwald-Hauptprozess 1947 standen 31 Personen vor einem US-Militärtribunal, darunter Ilse Koch, die Witwe des früheren Kommandanten Karl Otto Koch. Es wurden 22 Todesurteile, fünf lebenslängliche und vier begrenzte Freiheitsstrafen ausgesprochen; bis 1951 wurden neun Todesurteile vollstreckt. Medizinische Versuche wurden auch im Nürnberger Ärzteprozess 1946/1947 behandelt. Noch 2018 und 2019 ermittelten deutsche Staatsanwaltschaften gegen ehemalige Wachleute wegen Beihilfe zum Mord, wobei die Verfahren wegen hohen Alters, Verhandlungsfähigkeit und Beweislage schwierig waren.

Auf dem ehemaligen Lagergelände entstand eine Gedenkstätte. In der DDR wurde das Gedenken stark auf kommunistischen Widerstand und internationale Solidarität unter Führung der KPD ausgerichtet. Am 14. September 1958 wurde die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald eingeweiht. Nach der Deutschen Wiedervereinigung empfahl 1991 eine Historiker-Kommission eine Neukonzeption: Im Zentrum sollte weiter das Konzentrationslager stehen, aber räumlich getrennt sollte auch an das sowjetische Speziallager Nr. 2 erinnert werden. Seitdem heißt der Ort Gedenkstätte Buchenwald.

Wichtige Ausstellungen sind „Konzentrationslager Buchenwald 1937–1945“ in der früheren Effektenkammer, „Sowjetisches Speziallager Nr. 2 1945–1950“, die Kunstausstellung „Überlebensmittel – Zeugnis – Kunstwerk – Bildgedächtnis“ und eine Ausstellung zur Geschichte der Gedenkstätte. Das Mahnmal mit Glockenturm wurde von 1954 bis 1958 gebaut und folgt dem Motto „Durch Sterben und Kämpfen zum Sieg“. Weitere Erinnerungsorte sind unter anderem das beheizte „Denkmal an ein Denkmal“ auf dem Appellplatz, das Jüdische Mahnmal, der Gedenkweg Buchenwaldbahn sowie Gedenksteine für Zeugen Jehovas, Homosexuelle, Kriegsdienstverweigerer und Deserteure, Frauen und Mädchen in Außenlagern sowie einzelne Opfergruppen und Personen.

Das Digitale Totenbuch wurde am 9. April 2010 mit über 38.000 Namen veröffentlicht. Es ist den Opfern und ihren Angehörigen gewidmet und enthält auch Statistiken zu registrierten und geschätzten Todeszahlen.

Opferzahlen und besondere Aspekte

Die Gesamtzahl der Todesopfer wird auf etwa 56.000 geschätzt. Darunter waren etwa 11.800 Juden, viele politisch Verfolgte, religiös Verfolgte wie Zeugen Jehovas, Homosexuelle und Roma. Bislang konnten 36.000 Opfer namentlich zugeordnet werden. Für registrierte männliche Häftlinge nennt die Tabelle insgesamt 238.980 Einweisungen und 33.462 registrierte Tote.

In 28 Frauenaußenlagern waren ungefähr 27.000 Frauen inhaftiert; 335 von ihnen starben. Zusätzlich wurden etwa 8.000 in Buchenwald nicht registrierte sowjetische Kriegsgefangene erschossen und 1.100 Menschen im Krematorium erhängt. Hinzu kommt eine große Zahl von Toten auf den Evakuierungsmärschen. Rund 2.000 Kinder und Jugendliche starben in Buchenwald oder wurden von dort nach Auschwitz deportiert.

Ein besonders belasteter Teil der Lagergeschichte sind menschliche Überreste aus der Pathologie. Ab 1941 wurden tätowierte Hautstücke von Häftlingsleichen abgelöst, gegerbt und teils zu Gegenständen verarbeitet. Einige Objekte befinden sich in der Sammlung der Gedenkstätte, werden aber aus ethischen Gründen nicht öffentlich ausgestellt. Bei einzelnen Präparaten und einem angeblichen durchschossenen Herz geben Gutachten unterschiedliche oder noch nicht abschließende Einschätzungen; der Artikel nennt offene Untersuchungsergebnisse und strittige Zuordnungen.

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