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Le Corbusier

Le Corbusier. schweizerisch-französischer Architekt, Stadtplaner, Maler, Zeichner, Bildhauer und Möbeldesigner (1886–1965). Artikel · Diskussion.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Profil
  2. 2. Ausbildung und frühe Entwicklung
  3. 3. Architektur, Städtebau und Gestaltung
  4. 4. Fünf Punkte der neuen Architektur
  5. 5. Späte Bauten und Tod
  6. 6. Politische Kontroverse und Nachwirkung

Bedeutung und Profil

Le Corbusier, eigentlich Charles-Édouard Jeanneret-Gris (* 6. Oktober 1887 in La Chaux-de-Fonds, Schweiz; † 27. August 1965 in Roquebrune-Cap-Martin, Frankreich), war ein schweizerisch-französischer Architekt, Architekturtheoretiker, Stadtplaner, Maler, Zeichner, Bildhauer und Möbel-Designer. Er zählt zu den einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Seine Ideen prägten die moderne Architektur und den Städtebau, lösten aber auch Kontroversen aus.

Er veröffentlichte über 50 Bücher und initiierte mit der CIAM (Congrès International d’Architecture Moderne) eine modernistische Bewegung für Städtebau und Architektur. Seine Betongebäude begründeten den Architekturstil des Brutalismus. Das Pseudonym Le Corbusier verwendete er erstmals 1920 in der Zeitschrift L’Esprit nouveau; es bezieht sich auf den Namen seiner Urgrossmutter Lecorbésier und auf corbeau, französisch für „Rabe“.

Seit 2016 sind 17 Bauten Le Corbusiers in sieben Ländern als „Das architektonische Werk von Le Corbusier“ UNESCO-Welterbe. Dazu gehören unter anderem die Villa Savoye in Poissy, Häuser der Weissenhof-Siedlung in Stuttgart, die Unité d’Habitation in Marseille, der Kapitol-Komplex in Chandigarh und das Nationalmuseum für westliche Kunst in Tokio.

Ausbildung und frühe Entwicklung

1900 begann Jeanneret an der Kunstgewerbeschule École d’arts appliqués in La Chaux-de-Fonds eine Lehre zum Gravierer und Ziseleur. Sein Lehrer Charles L’Eplattenier lenkte sein Interesse auf Malerei und Architektur. Zunächst standen seine Arbeiten unter dem Einfluss der Arts-and-Crafts-Bewegung und des Art nouveau. 1905 wirkte er am Entwurf der Villa Fallet mit; bis 1916 entstanden weitere frühe Bauten.

Studienreisen und Tätigkeiten bei wichtigen Architekten erweiterten seine Kenntnisse. Von März 1908 bis Ende 1909 arbeitete er 15 Monate im Pariser Büro von Auguste Perret, einem Pionier des Stahlbetonbaus. 1910/1911 hielt er sich fünf Monate im Atelier von Peter Behrens bei Berlin auf. Er studierte dabei auch die deutsche Kunstgewerbebewegung, besuchte Josef Hoffmann in Wien und lernte die Theorien Adolf Loos’ kennen. Reisen führten ihn unter anderem nach Italien, Wien, Budapest, Istanbul, Griechenland und Rom; die Akropolis in Athen beeindruckte ihn besonders.

1912 entwarf er für seine Eltern die Maison Blanche. Von 1912/1913 an lehrte er Architektur und Inneneinrichtung und arbeitete zugleich selbständig. Wichtig wurde das mit dem Ingenieur Max du Bois entwickelte und patentierte System „Dom-ino“: Häuser sollten industriell aus vorgefertigten Teilen als Stahlbeton-Skelettbau hergestellt werden. Da tragende Wände in den einzelnen Geschossen entfallen, ermöglicht dieses System den freien Grundriss. Die Villa Schwob von 1917 besitzt noch eine klassizistische Fassade, zeigt im Stahlbetonbau aber bereits Merkmale seiner späteren Architekturprinzipien.

Architektur, Städtebau und Gestaltung

1917 zog Jeanneret dauerhaft nach Paris. Mit Amédée Ozenfant entwickelte er den Purismus, eine Kunstauffassung, die eine rationale Komposition aus elementaren geometrischen Formen verlangt und rein dekorative Wirkungen vermeiden will. Diese Prinzipien flossen in seine Architektur ein. Gemeinsam veröffentlichten sie 1918 Après le Cubisme. In L’Esprit nouveau verbreitete Le Corbusier seine Vorstellungen durch Artikel, später auch durch Bücher, Ausstellungen und Vorträge; seine Artikel erschienen 1923 gesammelt als Vers une Architecture.

Er entwickelte 1920 das Maison Citrohan als serienfertigbaren Haustyp mit quaderförmigem Baukörper. Als Stadtplaner stellte er 1922 die „Zeitgenössische Stadt für drei Millionen Einwohner“ (Ville Contemporaine) vor. Im Plan Voisin von 1925 sollten große Teile des historischen Zentrums von Paris abgerissen und durch regelmäßig angeordnete Hochhäuser ersetzt werden. Der Plan Obus für Algier von 1932 sah den Abriss der Innenstadt und ihre Überbauung mit einem riesigen Gebäude vor, auf dessen Dach Autobahnen liegen sollten; er wurde nicht ausgeführt. Die Charta von Athen, an deren Ausarbeitung und Verabschiedung Le Corbusier 1933 beim IV. CIAM-Kongress maßgeblich beteiligt war, verlangte die Trennung von Arbeit, Wohnen und Erholung. Sie beeinflusste den Städtebau der 1950er und 1960er Jahre stark.

1922 gründete er mit seinem Vetter Pierre Jeanneret ein Büro. Charlotte Perriand arbeitete von 1927 bis 1937 mit ihnen. Gemeinsam entstanden auch Möbel, die als LC1 bis LC7 vertrieben werden; besonders bekannt ist die verstellbare Chaiselongue LC4 von 1928. Le Corbusier schuf außerdem mehr als 400 Gemälde auf Leinwand oder als Wandmalerei, 44 Skulpturen, 27 Gobelinentwürfe sowie Lithografien und Zeichnungen. Sein fotografisches Werk ist ebenfalls umfangreich.

Fünf Punkte der neuen Architektur

Le Corbusier forderte eine Architektur, die zweckmäßig, funktional und wirtschaftlich ist und die technischen Möglichkeiten von Eisenbeton, Stahl und Fertigteilen nutzt. Ornamente, die keinen funktionalen Zweck erfüllen, lehnte er ab. Gebäude sollten aus klaren geometrischen Grundformen wie Rechteck, Kreis und Quader bestehen. Die Funktionalität der Maschine galt ihm als Vorbild.

In den 1920er-Jahren formulierte er die „Fünf Punkte zu einer neuen Architektur“. Sie wurden ab 1927 im Doppelhaus der Stuttgarter Weissenhof-Siedlung und ab 1928 in der Villa Savoye deutlich umgesetzt.

  • Stützen: Ein Stahlbeton-Gerippe aus Pfosten trägt das Gebäude. Dünne, nicht tragende Membranen schließen die Räume ab. Das Haus wirkt dadurch schwebend, wird vor Feuchtigkeit geschützt und lässt die Fläche unter dem Gebäude nutzbar.
  • Dachgarten: Flachdächer werden als zusätzliches Geschoss oder begrünt als Garten genutzt. Die überbaute Fläche wird auf dem Dach wiedergewonnen.
  • Freie Grundrissgestaltung: Weil die Wände nicht tragen, müssen sie nicht übereinander liegen. Räume können daher weitgehend frei angeordnet werden.
  • Fenster: Das Pfostensystem erlaubt breite, lange Öffnungen und eine gleichmäßigere Belichtung als herkömmliche Hochfenster. Le Corbusier nutzte ein patentiertes Horizontal-Schiebefenster mit zwei je 1,25 m breiten, übereinanderschiebbaren Flügeln. Sein Entwurf für den Völkerbund-Bau in Genf enthielt ein 200 m breites Bandfenster.
  • Freie Fassadengestaltung: Wird die Fassade vor den vertikalen Tragelementen angeordnet, kann sie unabhängig von deren Position gestaltet werden.

Auch Farbe war für ihn Teil der Architektur. Seine Polychromie Architecturale umfasst 63 kombinierbare Farben, die in Harmonien geordnet sind. Blau sollte Weite schaffen, Rot sich in der Fläche festigen, Grau Ruhe bringen und Weiß sichtbar machen.

Späte Bauten und Tod

Im Zweiten Weltkrieg kam seine Bautätigkeit fast zum Stillstand. Ab 1942 entwickelte er den Modulor, ein Auswahl-System von Längenmaßen, das er fortan in seinen Entwürfen verwendete. Nach der Befreiung Frankreichs eröffnete er 1944 wieder ein Büro. 1947 gehörte er der Architektenkommission für das UN-Hauptquartier in New York an: Das Grundkonzept und die Pläne für das UNO-Sekretariats-Hochhaus stammen von ihm, ausführender Architekt wurde jedoch Wallace Harrison.

Ab 1951 beriet er den indischen Bundesstaat Punjab bei der Planung der neuen Hauptstadt Chandigarh. Bis 1952 stellte er die Raumplanung fertig und entwarf dort unter anderem Justizpalast, Sekretariat und Parlamentsgebäude. In Marseille wurde 1952 die erste Unité d’Habitation fertig: Das 135 Meter lange und 56 Meter hohe Gebäude auf Stelzen enthielt 337 Wohnungen für 1500 Einwohner sowie Infrastruktur vom Hotel bis zur Ladenstraße. Vier weitere Ausführungen dieses Haustyps folgten.

Zu seinen wichtigen späten Bauwerken zählen die Wallfahrtskirche Notre-Dame-du-Haut de Ronchamp (fertig 1955), das Kloster Sainte-Marie de la Tourette in Éveux (fertig 1960), der Philips-Pavillon für die Weltausstellung 1958 in Brüssel, das Nationalmuseum für westliche Kunst in Tokio (ab 1959) und das Carpenter Center for Visual Arts an der Harvard University (1959–1962). Die Schleuse Kembs-Niffer entstand 1960–1962. Sein Centre Le Corbusier in Zürich wurde erst 1967, zwei Jahre nach seinem Tod, eingeweiht; es ist sein einziger realisierter Bau in der deutschsprachigen Schweiz und der einzige aus Stahl und Glas. Mit 77 Jahren erlitt Le Corbusier 1965 beim Baden nahe Le Cabanon in Cap-Martin einen Herzinfarkt und ertrank.

Politische Kontroverse und Nachwirkung

Le Corbusier ist besonders wegen seiner Sympathien und Verbindungen zum Faschismus seit den 1920er-Jahren umstritten. Am 3. Juli 1940 zog er nach Vichy, nahm Kontakt zur Pétain-Regierung auf und erhielt Aufträge. Ein von Pétain am 27. Mai 1941 unterzeichnetes Dokument berief ihn in ein Komitee für Wohnbauprobleme. Briefe dokumentieren Sympathien für Hitler; am 30. Oktober 1940 schrieb er seiner Mutter, Hitler könne sein Leben mit der „Neugestaltung Europas“ krönen.

In der Forschung und öffentlichen Diskussion werden seine rigorosen Stadtutopien, darunter Ville Contemporaine, Plan Voisin, La Ville Radieuse und Plan Obus, teilweise als totalitär beschrieben. Die Einordnung bleibt im Artikel jedoch differenziert: Seine privaten Briefe enthielten vereinzelt antisemitische Stereotype und Ressentiments, öffentlich äußerte er sich laut der angeführten Einschätzung nie antisemitisch und wirkte nicht an rassistischer Propaganda mit. Er suchte zur Auftragsgewinnung auch Kontakte zu totalitären Ideologien, blieb aber seinen künstlerischen, architektonischen und städtebaulichen Überzeugungen treu.

Sein Erbe wird durch die Fondation Le Corbusier bewahrt, die er am 13. Januar 1960 in Paris gründete. Sie schützt und erhält sein künstlerisches Erbe, unterstützt Forschung und veröffentlicht Publikationen. Anerkennungen umfassen Ehrendoktorwürden, unter anderem 1934 von der Universität Zürich und 1955 von der ETH Zürich. Auf der Schweizer 10-Franken-Note der achten Serie von 1997 erscheinen sein Porträt, der Grundriss des Regierungsviertels von Chandigarh und der Modulor-Mann.

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