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Moor
Ökologische Moortypen · Hochmoore · Zwischenmoore/Übergangsmoore · Niedermoore/Flachmoore · Tropische Waldmoore (Nieder- und Hochmoore) · Hartpolstermoore.
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Definition, Entstehung und Boden
Moore sind dauerhaft nasse Feuchtgebiete mit einer charakteristischen Vegetation aus Moosen, besonders Torfmoosen, Sauergräsern und häufig Zwergsträuchern. Durch unvollständige Zersetzung bilden sie meist saure, überwiegend nährstoffarme Torfböden mit mindestens 30 cm Mächtigkeit. Moore entstehen, wenn der Pflanzenzuwachs größer ist als der Abbau abgestorbener Pflanzenmasse. Die anhaltende Wassersättigung verdrängt den Sauerstoff aus dem Boden; dadurch wird organisches Material nur langsam zersetzt und reichert sich als Torf an. Im Unterschied zu einem Sumpf trocknet ein Moor nicht regelmäßig aus.
Das Wasser kann aus Niederschlägen, Grundwasser, Quellen, Flüssen oder dem Meer stammen. Begünstigend wirken humide Klimate, in denen die Verdunstung geringer ist als der Niederschlag, wasserreiche Tiefebenen, ein hoher Grundwasserstand sowie Böden, die Wasser nur schlecht versickern lassen, darunter Permafrostböden.
Die klassische Einteilung unterscheidet Niedermoore, Hochmoore und Übergangs- beziehungsweise Zwischenmoore. Niedermoore werden vom Grundwasser gespeist und sind meist nährstoffreich sowie artenreich. Hochmoore, auch Regenmoore, erhalten ihr Wasser ausschließlich aus Niederschlägen und sind nährstoffarm. Zwischenmoore verbinden beide Entwicklungsstufen. Ein Hochmoor wächst durchschnittlich nur etwa 1 mm pro Jahr.
In der Bodenkunde gilt ein Boden als Moor, wenn er aus Torf mit mehr als 30 % organischer Masse besteht und diese Schicht mindestens 30 cm mächtig ist. Der Begriff „organische Böden“ wird im Klimakontext weiter gefasst: Nach den IPCC-Regeln muss organisches Material mindestens 10 cm mächtig sein; bei 10 bis 20 cm Schichtdicke ist außerdem ein Gehalt von mindestens 12 % organischem Kohlenstoff erforderlich. Für trockene Böden gelten mindestens 35 % organisches Material, bei nassen Böden je nach Tonanteil geringere Werte.
Verbreitung und Ökosystemleistungen
Moore kommen vor allem in den gemäßigten Zonen, in den Tropen sowie in borealen Gebieten vor. Rund die Hälfte aller Moorböden weltweit liegt in den borealen Nadelwaldzonen der Nordhalbkugel. Die Moore der Nordhalbkugel bedecken etwa 3 % der Erdoberfläche, entsprechend rund 4 Millionen km². Tropische Waldmoore in Amerika, Afrika und Südostasien umfassen etwa 368.000 km². Gemäßigte Moore der Südhalbkugel bedecken rund 45.000 km² und liegen vor allem in Südamerika, Patagonien und Feuerland sowie kleinflächig in Afrika, Südaustralien und Neuseeland.
Karten zu Moorregionen zeigen entweder das Vorkommen von Torfböden oder klimatische Gebiete, in denen bestimmte Moortypen vorkommen könnten. Torfboden bedeutet jedoch nicht zwingend, dass dort noch ein lebendes Moor existiert: Es kann sich um ein ehemaliges, entwässertes Moor oder um andere torfbildende Ökosysteme handeln. In Gebirgen sind solche großräumigen Karten wegen vieler Kleinklimata nur eingeschränkt aussagekräftig.
In Deutschland liegen Moorböden hauptsächlich im Nordwesten, außerdem im Nordosten und im Alpenvorland. Ursprünglich bedeckten Moore über 5 % Deutschlands; heute sind es 3,6 % beziehungsweise 1,28 Mio. ha. Über 95 % dieser Flächen sind entwässert, meist landwirtschaftlich (72 %) oder forstwirtschaftlich (14 %) genutzt; nur etwa 4 % stehen unter Naturschutz. Der Verlust lebender Moore beträgt in Deutschland über 90 %. In der Diepholzer Moorniederung, dem größten Gebiet lebender Hochmoore in Mitteleuropa, sind von ursprünglich 250.000 ha nur noch knapp 10 % vorhanden; ökologisch gelten nur 2 % als intakt.
In der Schweiz gingen seit Beginn des 19. Jahrhunderts fast 90 % der Moorflächen verloren. Die verbliebenen Moore bedecken etwa 2 % der Landesfläche und beherbergen rund ein Viertel aller gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. Seit der Rothenthurn-Initiative von 1987 stehen Moore und Moorlandschaften unter dem Schutz der Bundesverfassung.
Intakte Moore speichern bei Starkregen Wasser und geben es bei Trockenheit verzögert ab. Sie können Hochwasserspitzen mindern und den Grundwasserspiegel stabilisieren. Außerdem halten sie Nähr- und Schadstoffe im Torf zurück, wirken durch ihre Wassermassen ausgleichend auf das lokale Klima und bieten Erholungs- und Naturerlebnisräume. Als Kohlenstoffsenken entziehen sie der Atmosphäre langfristig Kohlendioxid. In sechs deutschen Mooren wurde die Klimaschutzleistung mit 10 bis 135 € pro vermiedener Tonne Kohlendioxid bewertet; Renaturierungen werden teilweise durch Klimaschutzzertifikate, sogenannte Moorfutures, finanziert.
Moortypen und Vegetation
Es gibt keine weltweit anerkannte Moorklassifikation. Wichtig sind vor allem zwei Betrachtungsweisen: Die hydrogenetische oder hydrologische Einteilung beschreibt Herkunft und Bewegung des Wassers; die ökologische Einteilung betrachtet Vegetation, Nährstoffgehalt sowie Säure- und Basenverhältnisse. Die hydrologische Einordnung ist besonders wichtig für Sanierung und Wiederherstellung, die ökologische für den Naturschutz.
Zu den mineralbodenwasserernährten Mooren gehören Quellmoore, Hangmoore, Versumpfungsmoore, Verlandungsmoore, Überflutungsmoore, Durchströmungsmoore und Kesselmoore. Quellmoore entstehen an dauerhaft wasserreichen Quellen; Hangmoore an flachen Hängen mit stauendem Untergrund. Versumpfungsmoore bilden sich in flachen Senken bei periodischer Vernässung und sind meist großflächig, aber torfarm. Verlandungsmoore entstehen durch das Zuwachsen von Seen; etwa 15 % der Moore in Deutschland gehören zu diesem Typ. Überflutungsmoore liegen an Küsten oder Flüssen und enthalten häufig Torf, der mit Schluff oder Sand wechsellagert. Durchströmungsmoore werden von Grundwasser durchflossen, das im Torfkörper bleibt. Kesselmoore entstehen in abflusslosen Senken, etwa Toteislöchern oder Vulkanlandschaften, und sind meist kleinflächig, aber torfreich.
Hochmoore werden ausschließlich durch Regenwasser gespeist. Sie liegen mit ihrem Wasserspiegel über dem Grundwasser der Umgebung und können sich durch Torfbildung aufwölben. Das Wasserregime wird durch die Eigenschaften der Torfmoose stabilisiert. Kondenswassermoore sind eine seltene Sonderform aus den österreichischen Alpen: Ihr Wasser stammt aus an Blockhalden kondensierender Luftfeuchtigkeit. Frostgeprägte Moore umfassen Aapamoore mit mineralbodenwasserernährten Moorstreifen, Palsamoore mit eisgefüllten Torfhügeln sowie arktische Polygonmoore mit wabenartigen Froststrukturen und 0,3 bis 1 m mächtigen Torfdecken.
Ökologisch werden fünf Typen unterschieden: eutrophe Reichmoore, mesotroph-kalkhaltige Kalk-Zwischenmoore, mesotroph-subneutrale Basen-Zwischenmoore, mesotroph-saure Sauer-Zwischenmoore und oligotroph-saure Sauer-Armmoore. Saure Moore haben pH-Werte unter 4,8, schwach saure beziehungsweise subneutrale Moore Werte von 4,8 bis 6,4 und alkalische Moore Werte von 6,4 bis 8. Hochmoore sind sauer und extrem nährstoffarm; ihre Vegetation besteht vor allem aus Torfmoosrasen. Zwischenmoore enthalten Kleinseggenriede und Mineralbodenwasserzeiger wie Fieberklee, Sumpf-Blutauge und Schmalblättriges Wollgras. Reichmoore weisen häufig Erlenbruchwälder, Röhrichte und Großseggenriede auf.
Tropische Waldmoore kommen unter anderem in Indonesien, Malaysia und Papua-Neuguinea vor. Die dortigen Moore umfassten vor ihrer großflächigen Zerstörung etwa 270.000 km². Sie können bis zu 50 km Durchmesser und Torfkörper bis zu 20 m Mächtigkeit erreichen; die pH-Werte liegen bei 2,9 bis 4. Hartpolstermoore der Südhalbkugel bestehen vor allem aus harten Polsterpflanzen und kommen in windreichen, niederschlagsreichen Gebirgs- und Küstenlagen vor.
Entwässerung, Klimawirkung und Brände
Entwässerung durch Gräben, Rohrdrainagen, Flussregulierungen, Trinkwasserentnahme oder Grundwasserabsenkung zerstört den Wasserhaushalt des Moores. Im trockenen Torf sinken die Poren zusammen; der Boden sackt ab, verliert an Mächtigkeit und wird durch Sauerstoffzufuhr mineralisiert. Es können schwer wieder benetzbare Gefüge wie Vermulmungs- und Vermurschungshorizonte entstehen. Gleichzeitig verändert sich die Vegetation zugunsten weniger wasserliebender Arten, die moortypische Biodiversität nimmt ab und die kühlende Wirkung der Verdunstung wird schwächer.
Intakte Moore speichern Kohlenstoff und geben zugleich Methan ab. Langfristig überwiegt dennoch ihre Funktion als Kohlenstoffsenke. Entwässerte Moore setzen kein Methan mehr frei, emittieren aber erhebliche Mengen Kohlendioxid und Lachgas. Nach dem vierten Sachstandsbericht des Weltklimarates beträgt das Treibhauspotenzial über 100 Jahre für Methan das 25-Fache und für Lachgas das 298-Fache von Kohlendioxid. Drainierte Moorböden verursachen in Deutschland 2 bis 5 % der gesamten Treibhausgasemissionen.
Wiedervernässte Moore können nach einigen Jahren bis Jahrzehnten wieder Kohlenstoff speichern. Die Lachgasemissionen sinken sofort; bei einem Wasserstand von 20 cm unter der Oberfläche entsteht kein Lachgas mehr. Die Methanemissionen steigen zunächst und hängen stark von der entstehenden Vegetation ab. Insgesamt vermindert Wiedervernässung die Treibhausgasemissionen deutlich.
Auch Klimaveränderungen, Grundwasserentnahmen, Bautätigkeit und die Wahl von Baumarten können den Grundwasserspiegel senken. Längere Hitze- und Trockenperioden erhöhen die Verdunstung; Starkregen führt häufiger zum schnellen Abfluss statt zur Grundwasserneubildung. Stickstoffeinträge aus Landwirtschaft und Verbrennungsmotoren verursachen Eutrophierung. Dadurch werden die an nährstoffarme Hochmoore angepassten Arten von nährstoffliebenden Pflanzen verdrängt.
Trockene Torfe können in lang anhaltenden Schwelbränden unterirdisch brennen. Glutnester sind schwer zu finden und können noch Jahre später neue Oberflächenfeuer auslösen. 2018 brannten mindestens 18 km² des Saddleworth Moor bei Manchester und über 12 km² Moorfläche bei Meppen; 2020 breitete sich ein Brand im Naturschutzgebiet Der Loben auf etwa 1 km² aus.
Nutzung, Schutz und Renaturierung
Konventionelle land- und forstwirtschaftliche Nutzung setzt eine Absenkung des Wasserstandes voraus und führt dadurch zur Torfzehrung, zu irreversibler Schädigung und zur Freisetzung von Kohlendioxid. Historische Verfahren waren die Moorbrandkultur, bei der entwässertes Moor abgebrannt und anschließend Buchweizen oder Hafer ausgesät wurde, die Fehnkultur mit Entwässerungsgräben und Torfabbau, die Hochmoorkultur für mindestens 1,3 m mächtige Hochmoore, die Sandmischkultur, die Tiefpflug-Sanddeckkultur für Niedermoore bis 80 cm Torfdicke, sowie die Schwarzkultur auf entwässerten Niedermooren. Bei der Moorbrandkultur waren die Nährstoffreserven nach 10 Jahren erschöpft; anschließend musste die Fläche 30 Jahre brachliegen.
Torf wurde zunächst als Brennstoff, Dünger, Baustoff und Einstreu verwendet. Heute wird er vor allem im Gartenbau zur Bodenverbesserung eingesetzt. Seit dem 19. Jahrhundert dient er außerdem als Moorbad. Die Nutzungsgeschichte reicht von frühen landwirtschaftlichen Eingriffen und Entwässerungen bis zur Kolonisierung von Moorflächen ab der Mitte des 18. Jahrhunderts. Moorleichen, Artefakte und Bohlenwege sind wichtige Quellen der Feuchtbodenarchäologie.
Eine nachhaltige Alternative ist die Paludikultur. Sie nutzt nasse oder wiedervernässte Moorflächen, sodass der Torf erhalten bleibt oder sich neu bildet. Beispiele sind der Anbau von Röhricht, Torfmoosen oder Erlen sowie die extensive Beweidung mit Wasserbüffeln.
Für die Renaturierung wird der ursprüngliche Wasserhaushalt möglichst weitgehend wiederhergestellt, meist durch das Abdichten von Gräben oder eingetieften Fließgewässern. Vorher müssen Einzugsgebiet, Geländeprofil, Bodeneigenschaften, Flora und Fauna, Eigentumsverhältnisse und Nutzung erfasst sowie alle Betroffenen beteiligt werden. Eine Renaturierung beginnt erfolgreich, wenn moortypische Pflanzen wie Torfmoose zurückkehren; eine vollständige Regeneration mit erneutem Torfwachstum kann Jahrzehnte dauern.
Bei Niedermooren muss zwischen dem Renaturierungsziel und der durch extensive Nutzung entstandenen Artenvielfalt abgewogen werden. Hochmoore werden nach Nährstoffstufe und Veränderungsgrad in die Typen A bis C eingeteilt. Ihre Entwässerungsgräben müssen verschlossen werden, ohne Grundwasser in den Regenwasserkörper einzuleiten. Ein Zeitraum von 10 Jahren bis zum Renaturierungsziel gilt als günstig. Im Anklamer Stadtbruch begann die Wiedervernässung 1995; danach entstanden Flachwasserseen und neue Lebensräume für Seeadler, Fischotter und Moorfrösche.
In Deutschland schützt § 30 Bundesnaturschutzgesetz Moore vor Zerstörung und Beeinträchtigung. Der Klimaschutzplan 2050, die Nationale Moorschutzstrategie von 2022, die Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt 2030, die Bund-Länder-Zielvereinbarung zum Moorbodenschutz und ein Förderprogramm des Bundesumweltministeriums von 2026 unterstützen Schutz, Wiedervernässung und Paludikultur. Die NBS 2030 strebt bis 2030 den Schutz aller natürlichen und naturnahen Moore sowie einen guten Erhaltungszustand von mindestens 70 % an. Die EU behandelt Moorböden in der LULUCF-Verordnung als Schwerpunkt für Klimaschutz und Biodiversität.
Regionale und kulturelle Bezüge
Im deutschen Sprachraum gibt es zahlreiche regionale Bezeichnungen: Bruch, Brook und Luch im Norden, Fenn für bestimmte Niedermoore sowie Ried, Moos und Filz im Süden und in der Deutschschweiz. Dabei bezeichnet „Moos“ meist ein Niedermoor und „Filz“ ein Hochmoor. Der natürliche Abfluss eines Hochmoores innerhalb des Moorkörpers heißt Rülle.
Moore wurden in der Kunst unter anderem in Gedichten, im Lied „Die Moorsoldaten“ und in der Landschaftsmalerei dargestellt. Besonders die Künstlerkolonie Worpswede zeigte um 1900 die damals bereits stark veränderte Moorlandschaft Nordwestdeutschlands. Die Feuchtbodenarchäologie untersucht archäologische Funde unter der Oberfläche von Mooren.
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