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Landkreis Ammerland
Der Landkreis Ammerland ist ein Landkreis im Nordwesten von Niedersachsen. Bis zur Verleihung des Stadtstatus an den Kreishauptort Westerstede am 28.
Inhalt5 Abschnitte
Überblick und Landschaft
Der Landkreis Ammerland liegt im Nordwesten von Niedersachsen. Verwaltungssitz ist Westerstede. Der Kreis hat eine Fläche von 730,64 km², 127.632 Einwohnerinnen und Einwohner (31. Dezember 2025) und eine Bevölkerungsdichte von 175 Einwohnern je km². Das Kfz-Kennzeichen ist WST, der Kreisschlüssel lautet 03 4 51. Der Landkreis gliedert sich in sechs Einheitsgemeinden; damit ist er der Landkreis in Deutschland mit den wenigsten kreisangehörigen Gemeinden. Die einzige Stadt ist Westerstede, das am 28. Mai 1977 Stadtrechte erhielt. Bis dahin hatte der Landkreis keine einzige Stadt im Kreisgebiet.
Naturräumlich gehört das Ammerland größtenteils zur Ostfriesisch-Oldenburgischen Geest. Im Südwesten geht der Geestrücken über große Randmoore in die Leda-Jümme-Niederung über, im Osten fällt das Gelände zur Wesermarsch ab. Ein kleiner Teil der Wesermarsch gehört zum Landkreis. Das südliche Ammerland war lange eine Siedlungsinsel zwischen schwer zugänglichen Hochmooren. Noch heute prägen weite, baumarme Moorflächen besonders Osten und Süden; der größte Teil dieser Moorflächen wird als Dauergrünland genutzt. Die Geestgebiete bestehen traditionell aus kleinen Wäldern, Feldern und Wallhecken, weshalb das Ammerland als „Parklandschaft“ bezeichnet wird.
Eine geologische Besonderheit ist die sogenannte „Parallelrinnen-Landschaft“ oder „Parallelrücken-Landschaft“. Außerdem prägen unterschiedliche Moortypen und das Zwischenahner Meer die Landschaft. Obwohl das Ammerland etwa 40 Kilometer von der Nordseeküste entfernt liegt, beeinflussen die Gezeiten den westlichen Teil des Kreises. Über Leda und Jümme besteht eine Verbindung zur Ems und damit mittelbar zur Nordsee. Im Gebiet von Aper Tief und Godensholter beziehungsweise Nordloher Tief liegen fast 17.000 ha des Verbandsgebiets der Ammerländer Wasseracht nur etwa 0,70 m über Normalnull. Am Pegel Augustfehn beträgt das mittlere Tidehochwasser +1,15 mNN, das mittlere Tideniedrigwasser +0,35 mNN; der Tidenhub erreicht also noch 80 cm.
Nachbarkreise und Nachbargebiete sind im Uhrzeigersinn ab Norden die Landkreise Friesland und Wesermarsch, die kreisfreie Stadt Oldenburg (Oldb) sowie die Landkreise Oldenburg, Cloppenburg und Leer.
Geschichte und Bevölkerung
Der heutige Landkreis Ammerland liegt vollständig auf dem Gebiet des sächsischen Ammergaus. Dieser lag an der nordwestlichen Grenze zum Siedlungsgebiet der Friesen. Im Ammergau lebten Angehörige des sächsischen Teilstammes der Angrivarier, auch Engern genannt. Im Zuge der Territorialisierung fiel der Ammergau an die Grafschaft Oldenburg. Schon Egilmar I. (ca. 1040-1108), der erste namentlich bekannte Graf von Oldenburg, herrschte über Lerigau, Hasegau und Ammergau. Das Ammerland gehörte damit zu den oldenburgischen Stammlanden und wurde vom Mittelalter bis 1946 nicht von Oldenburg getrennt.
Seit dem 19. Jahrhundert gehörte das Gebiet des heutigen Landkreises zu den oldenburgischen Ämtern Westerstede und Oldenburg. 1933 entstand aus dem Amt Westerstede sowie den Gemeinden Rastede und Wiefelstede des Amtes Oldenburg das Amt Ammerland. 1939 wurde daraus der Landkreis Ammerland. Nach der Bildung des Landes Niedersachsen aus Hannover, Braunschweig, Schaumburg-Lippe und Oldenburg wurde der Landkreis ein niedersächsischer Landkreis im Verwaltungsbezirk Oldenburg. Dieser ging 1978 im Regierungsbezirk Weser-Ems auf; alle niedersächsischen Regierungsbezirke wurden 2005 aufgelöst.
Bei der Kreisreform zum 1. August 1977 wurde der Landkreis Friesland zunächst aufgelöst. Die Gemeinden Bockhorn und Zetel sowie die Stadt Varel kamen zum Landkreis Ammerland. Nach Verfassungsklagen erklärte der Niedersächsische Staatsgerichtshof Teile der Reform für verfassungswidrig. Zum 1. Januar 1980 wurden die Landkreise Ammerland, Friesland und Wittmund in ihrer ursprünglichen Form wiederhergestellt.
Die Einwohnerzahl stieg langfristig deutlich: 1933 hatte der Kreis 44.753 Einwohner, 1950 waren es 74.032, 1980 90.000, 2000 110.650, 2020 126.643 und Ende 2025 127.632. Nach der Volkszählung 2011 waren 60,4 % der Einwohner evangelisch, 8,8 % römisch-katholisch und 30,9 % gehörten zu den Sonstigen, also Konfessionslosen, anderen Glaubensgemeinschaften oder Personen ohne Angabe. Nach dem Zensus 2022 waren 48,3 % evangelisch, 8,4 % katholisch und 43,3 % Sonstige. Der Artikel nennt außerdem, dass der Anteil der Protestanten seit 2011 jährlich um etwa 1 Prozentpunkt sinkt, während der Anteil der Sonstigen entsprechend steigt.
Politik und Verwaltung
Der Kreistag ist das gewählte politische Vertretungsorgan des Landkreises. Seit 2021 besteht er aus 50 Abgeordneten; vorher waren es 46. Diese Zahl gilt für Landkreise mit 125.001 bis 150.000 Einwohnern. Die Mitglieder werden für fünf Jahre gewählt. Zusätzlich ist der Landrat oder die Landrätin sitz- und stimmberechtigt.
Bei der Kreistagswahl am 12. September 2021 erreichte die CDU 32,0 % und 16 Sitze, die SPD 28,6 % und 14 Sitze, Bündnis 90/Die Grünen 14,4 % und 7 Sitze, die UWG 8,3 % und 4 Sitze, die FDP 7,0 % und 4 Sitze, die AfD 3,1 % und 2 Sitze, Die Linke 2,8 % und 1 Sitz, die FWG WA 1,5 % und 1 Sitz sowie Die Zwischenahner 0,9 % und 1 Sitz. Die Wahlbeteiligung lag bei 61,3 %. Im aktuellen Kreistag gibt es keine Gruppenbildungen.
Landrätin ist seit dem 1. November 2021 die parteilose Karin Harms. Sie folgte auf den ebenfalls parteilosen Jörg Bensberg. Bei der Landratswahl am 12. September 2021 gewann sie im ersten Wahlgang mit 50,6 % der Stimmen gegen Jens Nacke (CDU) und Dirk Hooymann (Linke). Sie trat für ein Bündnis aus SPD, Grünen und unabhängigen Wählergemeinschaften an.
Das Kreiswappen in seiner heutigen Gestalt wurde am 3. Juli 1978 verliehen und ersetzte ein ähnliches Wappen von 1952. Es enthält unter anderem zwei rote Balken auf goldenem Grund aus dem altoldenburgischen Grafenwappen, rote Zickzackbalken als „ammersche Balken“, Eichenblatt und Eicheln für die typischen ammerländischen Eichen sowie ein goldenes Ankerkreuz auf blauem Grund. Dieses Ankerkreuz wurde 1978 aufgenommen, um die damals eingegliederte Friesische Wehde zu repräsentieren; nach der Rückgliederung 1980 blieb es als Zeichen für Spohle und Conneforde im Wappen.
Direkt gewählter Bundestagsabgeordneter im Wahlkreis Oldenburg-Ammerland ist Dennis Rohde von der SPD. Direkt gewählter Landtagsabgeordneter im Wahlkreis Ammerland ist Björn Meyer von der SPD; Jens Nacke von der CDU zog über die Landesliste in den Landtag ein. Seit 2000 ist der Powiat Pleszewski, also der Kreis Pleszew in Polen, Partnerlandkreis des Landkreises Ammerland.
Wirtschaft, Natur und Gesellschaft
Im 19. und 20. Jahrhundert lebten viele Bewohnerinnen und Bewohner von Landwirtschaft und Torfabbau. Heute arbeitet ein großer Teil der ehemaligen Urproduzenten im sekundären Wirtschaftssektor, also in der Verarbeitung und Industrie, oder im tertiären Wirtschaftssektor, also in Dienstleistungen. Viele ehemalige Moorflächen sind abgetorft; naturbelassene Moore stehen weitgehend unter Naturschutz. Nach Plänen der Niedersächsischen Landesregierung sollen 726 Hektar im Hankhauser Moor und 587 Hektar im Loyer Moor weiterhin als Vorranggebiete für den Torfabbau vorgesehen werden.
Besonders wichtig ist der Gartenbau. Wegen der leichten Verfügbarkeit von Torf als Dünger gibt es im Landkreis auf 2600 Hektar mehr als 350 Baumschulen. Von dort stammen 90 Prozent aller in Deutschland gezogenen Rhododendronbüsche und 75 Prozent der Freilandazaleen. Bekannt sind die Rhododendronparks der Baumschulen Hobbie in Linswege und Bruns in Gristede. Auf dem Gelände des heutigen Parks der Gärten wurde 1976/77 die Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau angesiedelt. Daraus entwickelte sich ab 1998 das Niedersächsische Gartenkulturcentrum. 2002 fand dort die Niedersächsische Landesgartenschau statt; seit 2003 heißt das 14 Hektar große Gelände Park der Gärten. 2009 besuchten ihn 132.000 Gäste.
Der Tourismus konzentriert sich besonders auf Bad Zwischenahn am Zwischenahner Meer mit Kuranlagen, Beauty- und Wellnesseinrichtungen. Rastede zieht Gäste unter anderem durch Pferdesport-Veranstaltungen und einen mittelalterlichen Markt an. 2006 fand dort die Weltmeisterschaft im Schlittenhundewagenrennen, Canicross und Bikejöring statt. Edewecht ist ein Zentrum der Lebensmittelindustrie, unter anderem mit einer Molkerei und fleischverarbeitenden Betrieben. Die Firma Rügenwalder Mühle hat seit 1956 ihren Stammsitz in Kayhauserfeld, und die Modefirma Ulla Popken hat ihre Hauptzentrale in Hahn-Lehmden. Im Zukunftsatlas 2016 lag der Landkreis auf Platz 181 von 402 untersuchten Regionen und wurde als Gebiet mit „ausgeglichenem Chancen-Risiko Mix“ eingeordnet.
Im Landkreis gibt es 19 ausgewiesene Naturschutzgebiete (Stand Januar 2018), außerdem Landschaftsschutzgebiete, Naturdenkmale und geschützte Landschaftsbestandteile. Zu den wichtigen Verbänden und Einrichtungen gehören der Kreisfeuerwehrverband Ammerland, der Ems-Weser-Elbe Versorgungs- und Entsorgungsverband, der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband, die Rettungsdienst Ammerland GmbH und der Ammerländer Landvolkverband. Für Tourismus und Kultur werden unter anderem die Ammerland Tourist Information und die Oldenburgische Landschaft genannt.
Verkehr, Gemeinden und Kultur
Der Straßenverkehr wird vor allem durch die Bundesautobahn 28 und die A 29 geprägt. Die A 28 führt von den Niederlanden beziehungsweise Emden und Leer nach Bremen und ist zugleich Teil der Europastraße 22. Die A 29 verbindet Wilhelmshaven mit Wildeshausen. Beide Autobahnen durchqueren das Ammerland und kreuzen sich östlich von Oldenburg. Außerdem liegen Teile der A 293 und die Bundesstraßen B 211 und B 401 im Gebiet oder auf wichtigen Verbindungen durch den Kreis.
Der Landkreis wird von zwei Hauptbahnstrecken berührt oder durchquert: seit 1867 von der Linie Oldenburg-Wilhelmshaven in Rastede und seit 1869 von der Strecke Oldenburg-Leer in Ost-West-Richtung. Westerstede lag abseits dieser Hauptlinie; deshalb entstand 1876 eine Schmalspurbahn nach Ocholt, die 1904 auf Normalspur umgebaut und nach Ellenserdamm verlängert wurde. Der regelmäßige Personenverkehr endete 1954. Seit 2006 wird die Strecke als Draisinenstrecke genutzt. Weitere Nebenbahnen führten unter anderem von Ocholt über Friesoythe nach Cloppenburg und von Bad Zwischenahn nach Edewecht beziehungsweise Edewechterdamm. Heute werden im Personenverkehr noch die Bahnhöfe Augustfehn, Westerstede-Ocholt, Bad Zwischenahn und Rastede bedient. Das Ammerland liegt im Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen, sodass Bus und Bahn mit einem Ticket genutzt werden können. Außerdem gibt es mehrere Buslinien, darunter Schnellbusse und Nachtbusse, sowie Flugplätze in Westerstede-Felde und Wiefelstede-Conneforde und das Segelfluggelände Bad Zwischenahn-Rostrup.
Die sechs Einheitsgemeinden sind Apen mit 12.200 Einwohnern, Bad Zwischenahn mit 29.613, Edewecht mit 22.389, Rastede mit 22.936, Westerstede als Kreisstadt mit 23.956 und Wiefelstede mit 16.538 Einwohnern (jeweils 31. Dezember 2025). Am 1. Juli 1956 erhielt der Landkreis bei Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen WST für Westerstede; es wird bis heute ausgegeben.
Zum Sport gehören im Landkreis unter anderem Schützenvereine im Ammerländer Schützenbund, Fußball mit dem SSV Jeddeloh in der Regionalliga sowie das traditionelle Klootschießen und Boßeln. Klootschießen wird bereits ab 1510 erwähnt. Kulinarische Spezialitäten sind Grünkohlessen mit Pinkel, Smoortaal, Bückel, Ammerländer Schinken, Ammerländer Aal, Ammerländer Boßelschluck, Ammerländer Schwarzbrot, Ammerländer Mockturtle und der Ammerländer Löffeltrunk. Der Löffeltrunk ist ein Kornbrand, der aus Zinnlöffeln getrunken wird und mit einem plattdeutschen Spruch verbunden ist, besonders vor und nach einer Smoortaal-Mahlzeit.