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Familien-Partei Deutschlands
Traditionelle Begrifflichkeiten des Konservativismus, das traditionelle Familienbild, die intrafamiliäre Subsidiarität und Bezüge zu Religion und Kirche fehlen …
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Überblick und politische Ausrichtung
Die Familien-Partei Deutschlands (Kurzbezeichnung: Familie, Eigenschreibweise: FAMILIE) ist eine deutsche Kleinpartei. Sie wurde am 17. Oktober 1981 gegründet, hat ihren Hauptsitz in Lensahn und konzentriert sich auf Familienpolitik. Parteivorsitzender ist Helmut Geuking. Die Partei hatte zum 31. Dezember 2020 705 Mitglieder. Im Bundestag und in den Landtagen besitzt sie keine Sitze; im Europäischen Parlament verfügt sie über einen von 96 deutschen Sitzen.
Sie versteht sich selbst als freiheitlich-demokratische Partei der politischen Mitte. Im herkömmlichen Links-Rechts-Spektrum ist sie schwer eindeutig einzuordnen. Ihr Gesellschaftsbild wird als bürgerlich-konservativ beschrieben, weil sie die Familie als „Keimzelle der Gesellschaft“ betont. Zugleich vertritt sie in Sozial- und Gesellschaftspolitik Forderungen, die als progressiv oder sozial gelten können, etwa ein Erziehungsgehalt und Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Familie definiert die Partei als Lebensgemeinschaft von Eltern mit Kindern. Nicht-eheliche Partnerschaften und Getrennterziehende sind ausdrücklich eingeschlossen. Sie betrachtet Familienpolitik als Querschnittsaufgabe, also als Aufgabe, die alle Politikbereiche betrifft. Deshalb enthält ihr Programm auch Positionen zu weiteren Themenfeldern und ist nicht nur auf ein einzelnes Thema beschränkt.
Europapolitisch ist die Partei pro-europäisch und strebt eine fortschreitende europäische Integration an, auch in der Außen- und Sicherheitspolitik. Sie kritisiert jedoch Defizite in der Arbeitsweise der Europäischen Union und fordert ein stärkeres Europäisches Parlament sowie mehr direkte Bürgerbeteiligung. Die bürgerlich-konservative Einordnung wird auch mit der früheren Zusammenarbeit mit der ÖDP, der Mitgliedschaft in der Europäischen Christlichen Politischen Partei (ECPP) und der Zugehörigkeit ihres Abgeordneten zur EVP-Fraktion gestützt. Traditionelle konservative Begriffe, ein traditionelles Familienbild, intrafamiliäre Subsidiarität sowie Bezüge zu Religion und Kirche fehlen dagegen im Parteiprogramm.
Entwicklung bis 2017
Die Partei entstand 1981 in Bayern zunächst als Deutsche Familien-Partei e. V. (FP). Sie ging aus dem Verein Mutter als Beruf hervor, der Ende der 1970er Jahre bessere wirtschaftliche Verhältnisse für Mütter erreichen wollte. 1989 belebte der Kinderarzt Franz-Josef Breyer die Partei wieder; er war von 1989 bis 2006 Bundesvorsitzender. Seit Mitte der 1990er Jahre hieß sie Familien-Partei Deutschlands – Familie, seit 2006 Familien-Partei Deutschlands.
Ab 2004 führte sie Kooperationsgespräche mit der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP). Bei der saarländischen Landtagswahl 2004 kandidierten ÖDP-Mitglieder auf ihrer Liste; diese erreichte 3,0 %. In Brandenburg erreichte sie 2004 2,6 %. Zur Bundestagswahl 2005 verzichtete die ÖDP zugunsten der Familien-Partei auf eine Kandidatur. Beide Parteien klagten gegen die verkürzte Frist zum Sammeln von Unterstützungsunterschriften für die vorgezogene Bundestagswahl 2005. 2006 verzichtete die Familien-Partei bei Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zugunsten der ÖDP, beschloss Ende 2006 aber, keine Fusion anzustreben; die Zusammenarbeit endete.
Im Saarland erzielte die Partei ihre vergleichsweise stärksten Landtagsresultate: 2004 3,0 %, 2009 2,0 % und 2012 1,7 %. 2009 war sie mit 2,0 % die stärkste Partei außerhalb des Landtags. In Mecklenburg-Vorpommern erreichte sie 2011 1,5 %. In Schleswig-Holstein verfehlte sie 2012 mit 0,96 % die Ein-Prozent-Hürde für Mittel aus der staatlichen Parteienfinanzierung. 2012 schloss sich die Partei Soziale Gerechtigkeit – Nordrhein-Westfalen, eine Abspaltung der WASG, der Familien-Partei an.
Bei der Europawahl 2014 gewann die Partei nach Aufhebung der damaligen Sperrklausel durch das Bundesverfassungsgericht erstmals ein überregionales Mandat. Arne Gericke zog mit 0,7 % der Stimmen ins Europäische Parlament ein und schloss sich der Fraktion Europäische Konservative und Reformer (EKR) an. Im März 2016 beantragte er den Ausschluss der beiden AfD-Abgeordneten aus dieser Fraktion. Im selben Jahr trat der Thüringer Landtagsabgeordnete Siegfried Gentele der Partei bei. Der Bundesvorstand annullierte seine Mitgliedschaft zunächst, der Bundesparteitag beschloss jedoch, ihn weiter als Mitglied zu führen. Damit war die Partei kurzzeitig erstmals in einem Landtag vertreten. Nach Gerickes Rücktritt und Parteiaustritt im Mai 2017 übernahm Helmut Geuking kommissarisch den Bundesvorsitz.
Seit 2017 und europäische Vertretung
Zur Bundestagswahl 2017 trat die Familien-Partei nur mit einem Direktkandidaten an, der 506 Erststimmen erhielt. 2018 schlossen sich die aufgelöste Partei Die Bürgerlobby und später auch Demokratische Bürger Deutschland (DBD) der Familien-Partei an. Für DBD-Mitglieder war zunächst eine begrenzte Doppelmitgliedschaft zugelassen worden.
Bei der Europawahl 2019 erhielt die Partei bundesweit 0,7 % beziehungsweise 273.755 Stimmen und erneut ein Mandat. Helmut Geuking zog ins Europäische Parlament ein und trat zunächst der EKR-Fraktion bei. Die Partei beschloss 2019 den Beitritt zum European Christian Political Movement, das seit 2025 European Christian Political Party (ECPP) heißt. Im April 2021 wechselte Geuking zur Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP). Als Grund nannte er die fehlende Abgrenzung der EKR zur AfD und zur polnischen PiS.
2020 entstanden Landesverbände in Hamburg und Thüringen; der Hamburger Landesverband besteht in den später aufgeführten sechs Landesverbänden nicht mehr. Bei der Europawahl am 9. Juni 2024 erzielte die Partei laut amtlichem Endergebnis 0,6 % beziehungsweise 244.030 Stimmen und gewann wiederum einen Sitz. Helmut Geuking hatte sein bisheriges Mandat bereits am 4. Februar 2024 niedergelegt, um sich auf den Wahlkampf zu konzentrieren; sein Sohn Niels Geuking rückte nach. Dieser Schritt wurde kritisiert, weil Helmut Geuking seine Abgeordnetenbezüge als Übergangsgeld weiter erhielt. Nach der Wahl verzichtete Helmut Geuking aus gesundheitlichen Gründen auf das Mandat, sodass Niels Geuking im Europäischen Parlament blieb.
Die Partei kandidierte 2024 erstmals mit einer eigenen Liste zur Landtagswahl in Thüringen und erreichte 0,5 %. Bundesvorsitzender ist seit 2017 Helmut Geuking; im September 2024 wurde er in diesem Amt bestätigt.
Aufbau und regionale Basis
Höchstes Beschlussgremium ist der Bundesparteitag. Ihm gehören der Bundesvorstand, die Vorsitzenden der Landesverbände, Ehrenvorsitzende und Ehrenmitglieder des Bundesverbandes sowie Delegierte der Gliederungen an. Er wählt unter anderem Bundesvorstand, Bundesschiedsgericht und Kassenprüfer sowie die Kandidaten der Bundesliste für die Europawahl. Außerdem beschließt er Satzung, Finanzstatuten, Geschäftsordnungen, Programme und die Grundlinien der Bundespolitik.
Der Bund-Länder-Ausschuss besteht aus dem Bundesvorstand und jeweils zwei Bevollmächtigten der Landesverbände oder Landesgruppen. Er kontrolliert den Bundesvorstand und soll Anliegen zwischen Bundes- und Landesebene vermitteln. Der Bundesvorstand erledigt die Verwaltungsangelegenheiten zwischen Bundesparteitagen. Er besteht aus dem Vorsitzenden, ein bis fünf stellvertretenden Vorsitzenden, Schriftführer und Schatzmeister; Beisitzer sowie Bundesgeschäftsführer und Bundesgeneralsekretär können ihn erweitern.
Die Partei ist in sechs Landesverbände gegliedert: Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen. Nordrhein-Westfalen ist mit 258 Mitgliedern nach dem Stand 2023 der größte Landesverband und verfügte über fünf kommunale Mandate. Es folgen das Saarland mit 81 und Schleswig-Holstein mit 60 Mitgliedern. Die anderen Landesverbände hatten jeweils weniger als 30 beziehungsweise Thüringen 36 Mitglieder. Als politische Hochburg gilt das Saarland, in dem die Partei mehrfach zu Landtagswahlen antrat. Kreis- und Stadtverbände bestehen insbesondere in Nordrhein-Westfalen.
Kommunale Mandate besitzt die Partei vor allem im Saarland und in Nordrhein-Westfalen. Nach den aufgeführten Ergebnissen von 2024 und 2025 hat sie beispielsweise drei Sitze im Gemeinderat von St. Ingbert, je einen Sitz im Saarpfalz-Kreis, im Kreistag Coesfeld, in Billerbeck und Herten sowie zwei Sitze im Gemeinderat Coesfeld. Seit 2023 ist sie durch einen Übertritt auch mit einem Mandat in der Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Treptow-Köpenick vertreten.
Wahlen und Beziehungen zu anderen Parteien
Bei Bundestagswahlen blieb die Familien-Partei deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde. Ihr bestes genanntes bundesweites Zweitstimmenergebnis war 2005 mit 191.842 Stimmen und 0,4 %. 1998 und 2002 erreichte sie jeweils 0,1 %, 2009 0,3 % und 2013 0,0 %. 2017 und 2021 trat sie nicht mit Landeslisten an, sondern jeweils nur mit einem Direktkandidaten.
Bei Europawahlen kandidierte sie 1994 und 1999 nur mit einer Landesliste im Saarland, ab 2004 mit einer Bundesliste. 2004 und 2009 erzielte sie jeweils 1,0 %, gewann wegen der damaligen Regelungen aber keinen Sitz. Nach der Aufhebung der 3-%-Sperrklausel gewann sie 2014, 2019 und 2024 mit 0,7 %, 0,7 % und 0,6 % jeweils einen Sitz.
Bei Landtagswahlen lagen die Ergebnisse meist unter 2 %. Die höchsten genannten Werte waren 3,0 % im Saarland 2004 und 2,6 % in Brandenburg 2004. In Thüringen trat die Partei 2019 im Bündnis mit der ÖDP an und erreichte 0,4 %; 2024 erzielte sie dort mit eigener Liste 0,5 %.
Die Angaben zum Verhältnis zu anderen Parteien sind im Artikel als nicht hinreichend belegt gekennzeichnet. Demnach gab es die Zusammenarbeit mit der ÖDP von 2004 bis 2006, später den Anschluss von Die Bürgerlobby und DBD. Innerhalb der Partei besteht ein Abgrenzungsbeschluss gegenüber der AfD: Ehemalige AfD-Mitglieder dürfen demnach nicht aufgenommen und auf kommunaler Ebene keine Fraktionen mit der AfD gebildet werden. Kommunal arbeitete die Partei dennoch teils mit anderen Parteien oder Wählergruppen zusammen, etwa mit FDP, Die Linke oder Freien Wählern.
Finanzen und Vermögen
Die Finanzierung stützt sich auf Mitgliedsbeiträge, Spenden und staatliche Parteienfinanzierung. 2005 erhielt die Partei laut Bundestagsdrucksache 16/1870 etwa 345.000 Euro Zuwendungen: etwa 13.000 Euro Beiträge (4 %), etwa 170.000 Euro Spenden (50 %) und 155.000 Euro staatliche Mittel. Der Einnahmeüberschuss betrug etwa 13.000 Euro. 2014 waren es laut Bundestagsdrucksache 18/8475 etwa 269.600 Euro, darunter etwa 8.300 Euro Beiträge (3 %), etwa 125.000 Euro Spenden (46 %) und 133.000 Euro staatliche Mittel.
Die Rechenschaftsberichte weisen 2017 einen Überschuss von etwa 41.000 Euro, aber ein Reinvermögen von etwa −82.000 Euro aus; unter anderem stand eine Rückzahlung von etwa 130.000 Euro aus staatlicher Parteienfinanzierung offen. 2018 betrugen Überschuss und Reinvermögen etwa 43.000 Euro beziehungsweise −38.000 Euro. 2019 nahm die Partei etwa 6.000 Euro Mitgliedsbeiträge, 57.000 Euro Spenden und 54.000 Euro staatliche Zuwendungen ein; das Reinvermögen lag bei etwa −34.000 Euro. 2020 betrug der Überschuss etwa 40.000 Euro, das Reinvermögen etwa 6.000 Euro. Die Partei besitzt weder Immobilien noch Firmenbeteiligungen.