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La traviata

La traviata (italienisch für „Die vom Wege Abgekommene“) ist eine Oper von Giuseppe Verdi (Musik) und Francesco Maria Piave (Libretto) nach dem Roman La …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Werk und Bedeutung
  2. 2. Begegnung und Liebe
  3. 3. Trennung und öffentliche Demütigung
  4. 4. Rückkehr und Tod
  5. 5. Musik und Entstehung
  6. 6. Bühne und Film

Werk und Bedeutung

La traviata ist eine italienischsprachige Oper in drei Akten von Giuseppe Verdi. Das Libretto schrieb Francesco Maria Piave nach Alexandre Dumas’ Roman La dame aux camélias von 1848 und dessen Bühnenfassung von 1852. Die etwa 2 ½ Stunden dauernde Oper wurde am 6. März 1853 im Teatro La Fenice in Venedig uraufgeführt. Die Handlung spielt um 1850 in Paris.

Im Zentrum steht die Kurtisane Violetta Valéry, die gesellschaftlich ausgegrenzt wird, auf eine gemeinsame Zukunft mit Alfredo Germont verzichtet und schließlich an Tuberkulose stirbt. Damit machte Verdi, wie zuvor in Rigoletto und Il trovatore, eine von der Gesellschaft abgelehnte Person zur Hauptfigur. Eine sterbende Kurtisane auf der Opernbühne war damals eine unerhörte Neuerung.

Die wichtigsten Rollen sind Violetta Valéry für Sopran, ihr Geliebter Alfredo Germont für Tenor und dessen Vater Giorgio Germont für Bariton. Weitere Figuren sind Violettas Freundin Flora Bervoix, ihre Vertraute Annina, Baron Douphol und der Arzt Dottore Grenvil. Nach dem anfänglichen Misserfolg der Uraufführung wurde das Werk geringfügig überarbeitet und entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten und meistaufgeführten Opern der Musikgeschichte.

Begegnung und Liebe

Im Oktober veranstaltet Violetta in ihrem Pariser Salon eine Feier. Dort wird ihr Alfredo Germont vorgestellt, der aufrichtiger und aufmerksamer wirkt als ihr gegenwärtiger Begleiter Baron Douphol. Alfredo stimmt das temperamentvolle Trinklied Libiamo ne’ lieti calici an.

Nach einem Hustenanfall muss sich Violetta ausruhen. Alfredo bleibt bei ihr und erklärt ihr seine Liebe. Violetta versucht ihn zunächst zu entmutigen: Sie wisse nicht, wie man liebe, und könne mit starken Gefühlen nicht umgehen. Schließlich gibt sie ihm jedoch eine Kamelie. Sobald diese verblüht ist, also am folgenden Tag, soll er sie zurückbringen. Damit erlaubt sie ihm, wiederzukommen.

Nach dem Abschied der Gäste denkt Violetta über Alfredos Vorstellung einer gegenseitigen, hingebungsvollen Liebe nach und gibt sich ihr beinahe hin. Dann weist sie diese Hoffnung zurück und beschwört erneut ein freies Leben, das dem Genuss gewidmet ist. Musikalisch prägen besonders das Duett Un dì, felice, eterea sowie Violettas Arie Ah, fors’è lui che l’anima und die Cabaletta Sempre libera degg’io diesen inneren Konflikt. Eine Cabaletta ist ein schneller, meist abschließender Teil einer Arie oder eines Duetts.

Trennung und öffentliche Demütigung

Drei Monate später, im Januar, leben Violetta und Alfredo in einem Landhaus bei Paris. Alfredo erfährt, dass Violetta heimlich ihre Besitztümer verkauft, um das gemeinsame Leben zu finanzieren. Beschämt fährt er nach Paris, um selbst Geld zu beschaffen.

Während seiner Abwesenheit besucht Giorgio Germont, Alfredos Vater, Violetta. Er erkennt, dass ihre Liebe aufrichtig ist, fordert aber dennoch die Trennung: Die Beziehung gefährde den Ruf seiner Familie und damit besonders die Zukunft seiner Tochter. Violetta weiß außerdem, dass sie an Tuberkulose sterben wird. Nach langem Widerstand stimmt sie dem Opfer zu.

Als Alfredo zurückkehrt, schreibt Violetta gerade ihren Abschiedsbrief. Sie versichert ihm noch einmal ihre Liebe und fährt dann fort. Im Brief erklärt sie, zu ihrem früheren Leben zurückzukehren. Alfredo glaubt, sie habe ihn verlassen. Sein Vater versucht vergeblich, ihn zur Heimkehr zu bewegen. Als Alfredo eine Einladung zu einem Fest bei Flora entdeckt, vermutet er Violetta dort und folgt ihr wütend.

Auf Floras Ball erscheint Violetta am Arm Baron Douphols. Verkleidete Gäste treten als Zigeunerinnen und Stierkämpfer auf. Alfredo gewinnt beim Kartenspiel und provoziert den Baron mit Bemerkungen über Violetta. In einem Gespräch bittet sie Alfredo fortzugehen. Sie kann ihm ihr Versprechen gegenüber Giorgio Germont nicht offenbaren und behauptet schließlich, Douphol zu lieben.

Von Eifersucht überwältigt, ruft Alfredo die Gäste zusammen und wirft Violetta sein gewonnenes Geld vor die Füße, als bezahle er sie für ihre Liebesdienste. Violetta wird ohnmächtig, die Gäste reagieren empört, und selbst Alfredos Vater verurteilt das Verhalten seines Sohnes. Alfredo bereut seine Tat; Violetta leidet darunter, dass sie ihm die Wahrheit nicht sagen darf. Baron Douphol fordert Alfredo zum Duell. Zu den zentralen Musiknummern gehören das große Duett zwischen Violetta und Giorgio Germont, Germonts Arie Di Provenza il mare, il suol und das umfangreiche Finale des zweiten Akts.

Rückkehr und Tod

Im Februar liegt Violetta schwer krank in ihrem Schlafzimmer. Ihr Arzt erklärt Annina, dass sie nur noch wenige Stunden zu leben habe. In einem Brief berichtet Giorgio Germont, Baron Douphol sei im Duell verwundet worden, erhole sich aber wieder. Alfredo habe eine Zeit lang ins Ausland gehen müssen.

Giorgio hat seinem Sohn inzwischen gestanden, dass Violetta die Beziehung nur auf sein Drängen beendet hatte. Beschämt erkennt er, welchen Kummer seine starren gesellschaftlichen Grundsätze verursacht haben. Alfredo macht sich sofort auf den Weg zu Violetta. Diese weiß jedoch bereits, dass sie keine Zukunft mehr hat, und nimmt in der Romanze Addio, del passato bei sogni ridenti Abschied von ihrem früheren Leben. Von draußen hört sie den fröhlichen Gesang der Pariser Karnevalsfeiernden, der einen starken Gegensatz zu ihrem Sterben bildet.

Alfredo erscheint, bittet um Verzeihung und nimmt Violetta in die Arme. Für kurze Zeit glaubt sie wieder an ihre gemeinsamen Zukunftspläne. Im Duett Parigi, o cara, noi lasceremo stellen sich beide vor, Paris zu verlassen. Als Violetta aufstehen will, bricht sie jedoch in einem Hustenanfall zusammen.

Giorgio Germont kommt hinzu und segnet nun die Liebe des Paares. Violetta gibt Alfredo ein Medaillon mit ihrem Bild. Es soll ihn an sie erinnern; zugleich fordert sie ihn auf, später eine andere Frau zu heiraten, der er das Medaillon geben soll. Plötzlich glaubt Violetta, ihre frühere Kraft kehre zurück. Sie erhebt sich und fällt tot zu Boden.

Musik und Entstehung

Verdis Partitur verbindet solistische Szenen, Arien, Duette, Chöre und große Finalensembles. Die Oper beginnt und der dritte Akt erneut mit einem Preludio, also einem instrumentalen Vorspiel. Zu den bekanntesten Nummern gehören das Trinklied Libiamo ne’ lieti calici, Violettas Sempre libera, Germonts Di Provenza il mare, il suol und Violettas Abschiedsromanze Addio, del passato bei sogni ridenti. Der zweite Akt enthält außerdem Ballmusik, Chöre der als Zigeunerinnen und Stierkämpfer verkleideten Gäste und ein großes Ensemble nach Alfredos öffentlicher Beleidigung Violettas.

Das Orchester umfasst zwei Flöten, wobei die zweite auch Piccolo spielt, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte, vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen, Cimbasso, Pauken, Becken, Große Trommel, Triangel und Streicher. Hinzu kommt Bühnenmusik unter anderem mit Piccoloflöten, Klarinetten, Hörnern, Flügelhorn, Trompeten, Posaunen, Tamburin, Großer Trommel, Kastagnetten, Harfe und zwei Kontrabässen.

Die literarische Vorlage enthält autobiographische Elemente. Dumas’ Roman beruht auf seiner Beziehung zur Modistin und Kurtisane Marie Duplessis in den Jahren 1844 bis 1845. Ihre Krankheit zeigte sich bereits damals; sie starb am 3. Februar 1847. Verdi kannte den Roman und sah während eines Parisaufenthalts die erfolgreiche Theaterfassung von 1852. Im Frühjahr 1852 entwarf er mit Piave den szenischen Rahmen der Oper. Als Titel war zunächst Amore e Morte, „Liebe und Tod“, vorgesehen. Verdi vollendete die Musik in nur 45 Tagen.

Die Uraufführung am 6. März 1853 wurde ein Fiasko. Verdi hatte die Handlung wegen ihrer gesellschaftlichen Brisanz vorsichtshalber in die Zeit Ludwigs XIV. verlegen lassen. Neben dem gewagten Stoff trugen auch Besetzungsprobleme zum Misserfolg bei. Für die Aufführung am 6. Mai 1854 im Teatro San Benedetto in Venedig überarbeitete Verdi die Partitur geringfügig, unter anderem im Duett zwischen Violetta und Germont im zweiten Akt, in Germonts Cabaletta und im Duett Violetta–Alfredo im dritten Akt. Diese Aufführung wurde ein großer Erfolg. Wegen der Zensur lief das Werk in Italien zeitweise unter dem Titel Violetta.

Bühne und Film

Violetta ist fast ununterbrochen auf der Bühne. Wegen der großen Ausdrucksbreite und des weiten Stimmumfangs gilt die Partie als besonders anspruchsvoll für einen dramatischen Koloratursopran, also eine Sopranstimme, die dramatische Kraft mit beweglichen, verzierten Passagen verbinden muss.

Die erste Aufführung im deutschsprachigen Raum fand am 4. Mai 1855 im Wiener Theater am Kärntnertor noch auf Italienisch statt. Die erste deutschsprachige Aufführung folgte am 10. November 1857 in Hamburg; Natalie Eschborn sang Violetta und übersetzte das Libretto. Spätere Inszenierungen verlegten die Handlung häufig in andere Zusammenhänge. Eine Zürcher Aufführung wurde am 30. September 2008 mitten im Hauptbahnhof und in den Pendlerströmen gespielt und live übertragen. Simon Stone zeigte Violetta 2019 in Paris und Wien als moderne Influencerin. Für die Bregenzer Festspiele 2026 und 2027 ist eine teilweise mit Ballett gestaltete Inszenierung vorgesehen, deren Handlung im Paris der 1920er Jahre spielt.

Zu den Verfilmungen der Oper gehören La traviata von 1948 unter Carmine Gallone, eine Fassung von 1967 unter Mario Lanfranchi und Franco Zeffirellis La Traviata von 1982 mit Teresa Stratas und Plácido Domingo. Auch der zugrunde liegende Stoff Die Kameliendame wurde mehrfach verfilmt, unter anderem 1911 mit Sarah Bernhardt, 1936 mit Greta Garbo und 1981 mit Isabelle Huppert. 2018 entstand außerdem der Musiktheaterfilm Traviata – Vous méritez un avenir meilleur nach einer Inszenierung von Benjamin Lazar.

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