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Giuseppe Verdi
Giuseppe Fortunino Francesco Verdi (* 9. oder 10. Oktober 1813 in Le Roncole; † 27. Januar 1901 in Mailand) war ein italienischer Komponist der Romantik, …
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Bedeutung und musikalisches Profil
Giuseppe Fortunino Francesco Verdi (* 9. oder 10. Oktober 1813 in Le Roncole; † 27. Januar 1901 in Mailand) war ein italienischer Komponist der Romantik. Berühmt wurde er vor allem durch Opern wie Rigoletto, Otello und Falstaff. Er gilt als Reformator der italienischen Oper und prägte die Opernkultur des 19. Jahrhunderts neben Richard Wagner; beide waren im selben Jahr geboren und entwickelten aus der Nummernoper unterschiedliche Opernkonzepte. Ihre Werke gehören weiterhin zum Kernrepertoire großer Opernhäuser.
Verdi knüpfte zunächst an Gioachino Rossini, Vincenzo Bellini, Saverio Mercadante und Gaetano Donizetti an. Im frühen Belcanto, einer Stilrichtung mit eleganter Stimmführung, standen die Sänger oft stärker im Vordergrund als Charakterzeichnung und dramatische Handlung. Verdi löste sich schrittweise davon: Seine Opern gestalten Menschen in zugespitzten Situationen als Dramen aus Aktion und Reaktion. Die Melodie trägt den dramatischen Ausdruck; das Orchester ist oft prachtvoll und raffiniert, tritt aber meist hinter der Handlung zurück.
Im Mittelpunkt stehen Tragik und Humor sowie das Menschliche, nicht ein festes Programm mit Symbolgehalt. Seine musikalische Charakterisierung lässt etwa Rigoletto, Lady Macbeth, Violetta in La traviata, Amneris in Aida, Desdemona in Otello und den König in Don Carlos als besonders ausgeformte Bühnenfiguren erscheinen. Angaben des Artikels, Verdi habe nach dem Hören von Wagners Musik dreizehn Jahre unter einer depressiven Komponierhemmung gelitten, stehen in einem Abschnitt, der ausdrücklich als nicht hinreichend belegt gekennzeichnet ist.
Ausbildung, Durchbruch und Lebensweg
Verdi stammte aus einfachen Verhältnissen: Sein Vater Carlo war Gastwirt und Kleinbauer, seine Mutter Louise Uttini Spinnerin. Sein Geburtstag ist nicht eindeutig: Der Taufeintrag vom 11. Oktober nennt den vorherigen Abend, Verdi selbst betrachtete den 9. Oktober als Geburtstag. Weil die Tage damals von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang gerechnet wurden, sind beide Deutungen möglich. Von 1808 bis 1814 gehörte das Herzogtum Parma zum Französischen Kaiserreich; deshalb wurde er als „Joseph Fortunin François Verdi“ eingetragen.
Sein Talent fiel früh auf. Mit Hilfe des Kaufmanns Antonio Barezzi besuchte er ab 1823 das Gymnasium in Busseto, erhielt Unterricht und wurde später Organist (1834) sowie Musikdirektor in Busseto (1835). Das Mailänder Konservatorium hatte ihn 1832 abgelehnt; danach wurde er Privatschüler von Vincenzo Lavigna. 1836 heiratete er Margherita Barezzi. Die gemeinsamen Kinder Virginia Maria Luigia (1837–1838) und Icilio Romano (1838–1839) starben jeweils im zweiten Lebensjahr; Margherita starb 1840 im Alter von 26 Jahren an Enzephalitis.
Oberto conte di San Bonifacio wurde 1839 an der Mailänder Scala erfolgreich aufgeführt. Die komische Oper Un giorno di regno (1840) fiel dagegen durch. Verdi wollte daraufhin das Komponieren aufgeben, schrieb aber auf Anregung des Scala-Direktors Bartolomeo Merelli Nabucodonosor (1842), später Nabucco. Der Erfolg machte ihn international bekannt. Die Behauptung, der Gefangenenchor Va pensiero sei damals eine italienische Nationalhymne und ein belegter Protest gegen Fremdherrschaft gewesen, wird im Artikel ausdrücklich als unbelegt bezeichnet.
In den 1840er Jahren komponierte Verdi rasch für seinen Lebensunterhalt und gefährdete nach eigener Aussage als „Galeerensklave“ seine Gesundheit. Sein Ziel war finanzielle Unabhängigkeit auf dem Landgut Sant’Agata. Dort widmete er sich später Landwirtschaft und regionaler Infrastruktur, etwa Straßen, Gräben, Aufforstung, Bauernhäusern und einem kleinen Spital. 1861 ließ er sich auf Bitte Graf Cavours in die Abgeordnetenkammer wählen, trat aber bald zurück; 1874 wurde er Senator des Königreichs Italien. Seine Lebensgefährtin und spätere zweite Ehefrau war die Sängerin Giuseppina Strepponi, die Abigaille der Nabucco-Uraufführung. Sie heirateten 1859; Strepponi starb 1897 nach langer Krankheit.
Opern und Entwicklung des Schaffens
Nach Nabucco folgten unter anderem die erfolgreichen Opern I Lombardi alla prima crociata (1843) und Ernani (1844). Macbeth (1847) und Luisa Miller (1849) wurden ebenfalls Teil des Standardrepertoires. La battaglia di Legnano (1849) antwortete auf das Risorgimento, die italienische Einheitsbewegung nach dem Revolutionsjahr 1848.
Den Höhepunkt der mittleren Schaffensphase bildet die Trilogia popolare: Rigoletto (11. März 1851, Venedig), Il trovatore (19. Januar 1853, Rom) und La traviata (6. März 1853, Venedig). Diese Opern festigten Verdis internationalen Ruhm und gehören weltweit zu den beliebtesten Opern. Verdi wählte literarische Vorlagen anspruchsvoll aus, beispielsweise von Victor Hugo, Shakespeare, Lord Byron, Voltaire und Friedrich Schiller. Zensur erzwang wiederholt Änderungen, besonders bei Anschlägen auf Könige in Rigoletto und Un ballo in maschera.
In späteren Opern wie Les vêpres siciliennes (1855), Simon Boccanegra (1857; zweite Fassung 1881), Un ballo in maschera (1859), La forza del destino (1862; überarbeitete Fassung 1869) und Don Carlos (1867) wurden Melodieführung, Charaktergestaltung, Rezitative und Arien freier; zugleich erhielt das Orchester mehr Gewicht. Aida entstand erst nach Zustimmung Verdis im Juni 1870 und nicht zur Eröffnung des Kairoer Opernhauses oder des Suezkanals. Die Uraufführung war am 24. Dezember 1871 in Kairo.
Im hohen Alter arbeitete Verdi mit Arrigo Boito zusammen. Boito überarbeitete zunächst erfolgreich Simon Boccanegra und schrieb danach die Libretti zu Otello nach Shakespeares Tragödie (Uraufführung: 5. Februar 1887, Mailänder Scala) und Falstaff nach Shakespeare (9. Februar 1893, Mailänder Scala). Falstaff war Verdis letzte Oper und gilt vielen als bedeutendste komische Oper überhaupt.
Weitere Werke und späte Jahre
Verdis bedeutendstes Werk außerhalb des Musiktheaters ist die Messa da Requiem („Manzoni-Requiem“, 1874), komponiert zum ersten Todestag des Schriftstellers und Freundes Alessandro Manzoni. Das Requiem steht den Opern nach der Darstellung des Artikels sehr nahe. Weitere geistliche Werke sind die Messa per Rossini (1869, gemeinsam mit zwölf weiteren Komponisten; postum veröffentlicht), Pater noster für fünfstimmigen Chor (1880), Ave Maria für Sopran und Streichquartett (1880) sowie die Quattro pezzi sacri für Chor und Orchester (1898). Zu diesen vier geistlichen Stücken gehören Ave Maria für vierstimmigen Chor a cappella, Te Deum, Stabat mater und Laudi alla Vergine Maria.
Neben Opern schrieb Verdi unter anderem Romanzen für Singstimme und Klavier sowie das Streichquartett e-Moll (1873). Zu seinen Kantaten zählen Suona la tromba (1848) und Inno delle nazioni für hohe Solostimme, Chor und Orchester (1862). Er hinterließ etwa 35.000 eigenhändige Briefe, ungefähr zwei täglich; allein der Briefwechsel mit Boito umfasst 276 Briefe.
Am 21. Januar 1901 erlitt Verdi eine Blutung im Bereich der Capsula interna, die eine Lähmung der rechten Körperhälfte verursachte. Er starb am 27. Januar 1901 in Mailand.
Casa Verdi und Erinnerung
Verdi stiftete in Mailand die Casa di Riposo per Musicisti an der Piazza Buonarroti, heute meist Casa Verdi genannt. Das weiterhin bestehende Altersheim ist für etwa 60 Sängerinnen oder Musiker bestimmt. Auf die Frage nach seinem besten Werk soll Verdi geantwortet haben: „Das Altenheim in Mailand.“ Der Dokumentarfilm Il Bacio di Tosca von Daniel Schmid aus dem Jahr 1984 porträtiert die Sänger der Casa Verdi.
Verdi wurde zunächst auf dem Cimitero Monumentale bestattet. Am 26. Februar 1901 wurden er und Giuseppina Strepponi unter Beteiligung von mehr als 300.000 Trauernden in die Gruft des Altenheims überführt; dort sind sie bestattet. Sein Geburtshaus in Le Roncole ist heute ein Museum und erhielt zusammen mit den Geburtshäusern von Giacomo Puccini und Gioachino Rossini das Europäische Kulturerbe-Siegel. Verdi wurde 1864 auswärtiges Mitglied der Académie des Beaux-Arts, 1865 assoziiertes Mitglied der Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique und erhielt 1887 den Orden Pour le Mérite.