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Musik
Musik kann neben körperlichen Reaktionen auch seelische Empfindungen oder Assoziationen unterschiedlicher Art und Intensität hervorrufen. ... Da sich der …
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Was Musik ist
Musik ist eine Erscheinung menschlicher Kultur, die durch individuelle oder gemeinsame Praktiken entsteht. Ihr Kern besteht in geplanten oder spontanen Schallereignissen. Diese können nacheinander oder gleichzeitig erklingen und sind oft nach kulturell geprägten Regeln organisiert. Menschen nehmen sie über Lautstärke, Klangfarbe, Tonhöhe und Tondauer wahr und deuten sie, abhängig von Kultur und Erfahrung, als sinnhaft.
Musik kann körperliche Reaktionen, Gefühle und Assoziationen auslösen. Als in der Zeit verlaufende Kunst wird sie auch Zeitkunst genannt. Das Gehirn kann Tonfolgen durch Rhythmus, Metrum und Tempo als Melodie erkennen; mehrere gleichzeitig erklingende Stimmen oder Instrumente bilden Zusammenklänge. Musik ist wie Sprache eine Universalie menschlicher Kultur, aber keine einheitliche „universelle Sprache“: Musikalische Ausdrucksformen sind weltweit sehr vielfältig. Kulturübergreifende Gemeinsamkeiten zeigen sich vor allem in Situationen wie Wiegenliedern, Kinderliedern und Liebeswerben.
Eine allgemein gültige Definition von Musik gibt es nicht. Historisch wurde sie unter anderem als zahlenbezogene Wissenschaft, als Kunst des richtigen Singens, als Ausdruck von Empfindungen oder als „tönend bewegte Formen“ verstanden. Seit der Moderne bestehen viele unterschiedliche ästhetische Auffassungen nebeneinander.
Klang, Gestaltung und musikalische Werke
Das Material der Musik sind von Menschen erzeugte Töne und Geräusche. Töne unterscheiden sich nach Tonhöhe, Tondauer, Lautstärke und Klangfarbe. Die Klangfarbe hängt von der Erzeugung ab, etwa durch Violine oder Flöte. Ein wahrgenommener Ton besitzt eine Grundfrequenz und mitschwingende Obertöne; deren Spektrum prägt den Klang. Auch Geräuschanteile beeinflussen ihn. Bei Schlaginstrumenten steht der Geräuschcharakter besonders im Vordergrund.
Musik entsteht durch die Ordnung dieses Materials. Zentrale Gestaltungsmittel sind Rhythmik, Melodik und Harmonik. Rhythmik ordnet zeitliche Abläufe, Melodik verbindet Töne zu Tonfolgen, Harmonik betrifft das Zusammenklingen von Tönen. Vokalmusik wird mit der Stimme erzeugt, Instrumentalmusik mit Instrumenten; beides kann verbunden werden, etwa in Kantaten, Oratorien und Opern.
Ein musikalisches Werk oder Opus gilt seit der Frühen Neuzeit als abgeschlossene, individuelle Schöpfung eines Autors. Die Vorstellung eines vollendeten, über den Schöpfer hinaus bestehenden Werks geht auf Nikolaus Listenius’ Traktat Rudimenta musicae von 1533 zurück. Im 19. Jahrhundert wurden außerdem ästhetischer Gehalt und Originalität wichtig. Moderne offene und variable Formen, „Work in progress“, Zwölftonmusik, serielle Musik und Aleatorik stellten einzelne Kriterien des Werkbegriffs in Frage. Heute beruht er vor allem auf der schriftlichen Fixierung im Notentext: Das Werk bleibt als identifizierbare Grundlage für Analyse, Interpretation und Vergleich erhalten, obwohl Aufführungen verschieden klingen können. Improvisierte oder nicht verschriftlichte Gebrauchsmusik hat nach dieser Auffassung meist keinen Werkcharakter.
Musikgeschichte und Vielfalt
Die frühesten erhaltenen eigens zum Musizieren hergestellten Instrumente sind die Gänsegeierflöte vom Hohlefels und Knochenflöten von Geißenklösterle auf der Schwäbischen Alb; sie sind mindestens 35.000 Jahre alt. Die meisten Anthropologen und Evolutionspsychologen gehen jedoch davon aus, dass Musik schon früher zum menschlichen Alltag gehörte.
In schriftlosen Kulturen war Musik häufig Teil animistischer und schamanistischer Rituale und eng mit Gesang, Trommeln, Tanz, Sprache und Kult verbunden. Rhythmik konnte polyrhythmisch sein, also mehrere rhythmische Muster übereinanderschichten; auch Betonungen auf schwachen Taktteilen, Offbeats, kommen vor. In frühen Hochkulturen war Musik ebenfalls zunächst in Ritus und Kult eingebunden. Die Darstellung des Artikels zu frühen Hochkulturen und Antike ist ausdrücklich nicht hinreichend belegt.
In der griechischen Antike meinte mousikḗ zunächst die Einheit von Poesie, Tanz und Tonkunst. Die westliche klassische Musik beginnt mit dem Mittelalter; Musik gehörte damals im Quadrivium zu Arithmetik, Geometrie und Astronomie. Mittelalter, Renaissance und Barockzeit von etwa 1600 bis 1750 werden als Alte Musik zusammengefasst. In Renaissance und späteren Epochen gewann der Komponist als schöpferische Person an Bedeutung. Die Romantik betonte persönliches Erleben und diskutierte absolute Musik, Programmmusik und sinfonische Dichtung.
Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Unterhaltungsmusik zunehmend eigenständig und brachte unter anderem Jazz, Pop und Rock mit vielen Genres hervor. Um 1910 begann in der E-Musik die Neue Musik. Stil- und Gattungsgrenzen verwischten sich; Weltmusik, Crossover und Third Stream stehen für solche Mischungen. Elektronische Musik erweiterte die Klangerzeugung. Der Artikel weist zugleich auf eine teilweise eurozentrische Perspektive und eine zu geringe Berücksichtigung sozialer Vielfalt hin.
Notation, Aufnahmen und Musikindustrie
Medien bewahren die flüchtige Musik, ermöglichen ihre Verbreitung und beeinflussen Komposition, Aufführung und Wahrnehmung. Notation hält musikalische Gedanken in Zeichen fest und überbrückt Zeit und Raum. Sie kann Resultatschrift für bestehende Zusammenhänge, Konzeptionsschrift für neu erfundene Zusammenhänge oder Aktionsschrift für Spieltechniken sein. Notation erfasst ein Werk nie vollständig; deshalb bleibt bei Ausführung und Interpretation Spielraum.
Neumen im byzantinischen und gregorianischen Choral zeichneten Melodiebewegungen auf. Um 1025 führte Guido von Arezzo Notenlinien im Terzabstand und Notenschlüssel ein. Die mehrstimmige Musik des 13. Jahrhunderts verlangte genauere Notation der Tondauern: Modal- und Mensuralnotation ermöglichten dies. Die heutige internationale Standardnotation entstand seit dem 17. Jahrhundert. Das 1816 von Johann Nepomuk Mälzel erfundene Metronom erlaubte genaue Angaben der Taktschläge pro Minute.
Notendruck begann bald nach Gutenbergs Buchdruck um 1450; ein gedrucktes Musikwerk ist für 1457 nachweisbar. Schallaufzeichnung begann 1877 mit Thomas Alva Edisons Phonographen, 1887 entwickelte Emil Berliner Schallplatte und Grammophon. Die Compact Disc kam 1982 auf den Markt. Digitale Formate wie MP3 und Streaming machten Musik geräteunabhängig verfügbar. Das Internet ermöglicht Internetradio, Podcasts, Downloads, Selbstvermarktung und Zusammenarbeit; der Tausch urheberrechtlich geschützter Dateien außerhalb von Privatkopien wird als strafwürdige Urheberrechtsverletzung beschrieben.
Die Musikindustrie ist seit 1945 ein globaler, stark konzentrierter Wirtschaftszweig. Major-Labels bilden ein Angebotsoligopol, während Independent-Labels Nischenmärkte bedienen. Tonträger, Lizenzrechte, Mediennutzung, Merchandising, Produktion, Vertrieb und Live-Veranstaltungen gehören dazu. Nach den genannten Angaben sind ungefähr 10 % der jährlich veröffentlichten Produktionen wirtschaftlich erfolgreich: 3 % erzielen Gewinn, 7 % decken nur die Kosten, 90 % verursachen Verluste.
Musik in Gesellschaft, Bildung und Therapie
Musik und Gesellschaft beeinflussen sich gegenseitig. Gesellschaftliche Faktoren prägen Komposition, Aufführung, Verbreitung und Hören; Musik kann zugleich soziale Gruppen, Normen und Identitäten bilden oder verändern. Sie ist Ausdruck individueller und kollektiver kultureller Identität sowie Träger kulturellen Gedächtnisses und Vielfalt.
Im Alltag kann Musik Bedürfnisse nach Fürsorge, emotionaler Hinwendung, Zugehörigkeit und Heimat erfüllen. Musikalische Lebenswelten unterscheiden sich nach sozialen Gruppen, Generationen und kulturellen Räumen. Subkulturen wie Punk, Hip-Hop oder Gothic entstehen nicht nur durch gemeinsamen Musikgeschmack, sondern auch durch Kleidungs- und Lebensstil, Gruppensprache und gemeinsame Aktivitäten wie Festivals. Aktives Musizieren, etwa das autodidaktische Lernen eines Instruments oder das Gründen einer Band, kann zur Selbstsozialisation beitragen.
Musikalische Sozialisation bezeichnet die Ausbildung von Werten, Regeln, Vorlieben und Kompetenz in Bezug auf Musik. Familie, Kirche, Schule, Gruppen und Medien wirken dabei mit. In Jugendgruppen kann Musikgeschmack Kontakte anbahnen; gegenseitige Anpassung und gemeinsames Wissen stärken den Zusammenhalt. Medien machen Musik leichter verfügbar, erlauben auch individuelles mobiles Hören und prägen den Umgang mit Musik.
Musikpädagogik erforscht und gestaltet Bildung, Erziehung und Sozialisation durch Musik. Ihr Ziel ist musikalische Akkulturation und ein reflektierter Umgang mit Musik. Neben praktischem Musizieren gehören ästhetische Bildung, kritische Wahrnehmung, Popularmusik und Musik außerhalb Europas zu ihren Aufgaben. Studien zufolge kann Musik Empathie sowie sozialen und kulturellen Zusammenhalt fördern, unter anderem durch gemeinsame synchrone Reaktionen und Rituale.
Musik kann in Psychotherapie und Musiktherapie eingesetzt werden. In der Verhaltenstherapie dient sie beispielsweise Ablenkung, Beruhigung, Entspannung oder Achtsamkeit; bei Tinnitus kann sie Entspannungs- und Einschlaftechniken unterstützen. Musiktherapie nutzt Musik innerhalb einer therapeutischen Beziehung zur Förderung oder Wiederherstellung seelischer, körperlicher und geistiger Gesundheit. Sie wird unter anderem in Psychiatrie, Neurologie, Onkologie, Suchtbehandlung, Rehabilitation, Schulen sowie Alten- und Behindertenhilfe eingesetzt.
Bedeutung, Symbole und Beziehungen zu anderen Künsten
Musikwissenschaft erforscht Musik in ihren Ausprägungen, Funktionen und Wirkungen. Ihre drei seit dem 20. Jahrhundert genannten Hauptbereiche sind historische Musikwissenschaft, systematische Musikwissenschaft und Musikethnologie. Musiktheorie befasst sich unter anderem mit Harmonik, Tonsatz, Formenlehre und Analyse; Musikpsychologie untersucht etwa Wahrnehmung, Verständnis, Sozialisation und Musikalität.
Musik und Sprache besitzen beide Struktur und Rhetorik, doch Musik ist keine Sprache im eigentlichen Sinn. Sie kann keine Denotate, also eindeutig bezeichnete Gegenstände oder Sachverhalte, mitteilen und enthält keine wahren oder falschen Aussagen. Sie kann Emotionen, Affekte und Motivationszustände gestalten, aber diese sind keine sprachähnlichen Zeichen. Die Generative Theory of Tonal Music von Fred Lerdahl und Ray Jackendoff beschreibt westliche Musik allerdings als vier Strukturen, die mit ähnlichen Regeln wie Sprache analysiert werden können.
Musikalische Symbolik entsteht, wenn musikalische Elemente auf Außermusikalisches verweisen. Beispiele sind der Tritonus als Diabolus in musica für das Böse, die Tonfolge B-A-C-H als Namenssymbol und Nationalhymnen als ganze symbolische Werke. In Alban Bergs Wozzeck symbolisiert C-Dur die Banalität des Geldes. Ein musikalisches Signal übermittelt unmittelbar Information; ein Beispiel ist das Jagdsignal „Fuchs tot“, das mit dem Halali endet.
Musik steht außerdem in Beziehung zu Architektur und bildender Kunst. Architektur und Musik wurden seit der Antike über mathematische Proportionen verbunden; einfache ganzzahlige Saitenverhältnisse ergeben konsonante Intervalle. Raumakustik beeinflusst Musikaufführungen: Für romantische Orchestermusik galten Nachhallzeiten von anderthalb bis zwei Sekunden als ideal. Oper, Musikdrama, Film und Musikvideo verbinden Musik mit anderen Künsten und Medien. Filmmusik unterstützt die Handlung und muss technisch genau mit dem Bild synchronisiert sein; beim „Mickey-Mousing“ unterstreichen musikalische Effekte Bildbewegungen zeitlich exakt.
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