Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Léon Minkus

März 1826 in Wien, Kaisertum Österreich; † 7. Dezember 1917 ebenda) war ein österreichisch-ungarischer Ballettkomponist, Violinist, Kapellmeister und Pädagoge, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Profil und Bedeutung
  2. 2. Leben und beruflicher Weg
  3. 3. Musikalischer Stil und Überlieferung
  4. 4. Wichtige Ballette
  5. 5. Einlagen, Arrangements und Revisionen

Profil und Bedeutung

Léon Minkus, eigentlich Aloysius Bernhard Philipp Minkus, auch Ludwig Alois Minkus, Louis Minkus, Ludwig Fjodorowitsch Minkus oder französisch Minkous, war ein österreichisch-ungarischer Ballettkomponist, Violinist, Kapellmeister und Pädagoge. Er wurde am 23. März 1826 in Wien geboren und starb dort am 7. Dezember 1917 im Alter von 91 Jahren an einer Lungenentzündung. Seine wichtigste Schaffenszeit verbrachte er in Russland.

Minkus gehört zu den bekanntesten Ballettkomponisten des 19. Jahrhunderts. Besonders bekannt sind Don Quixote (1869/70) und La Bayadère (1877), außerdem seine Hälfte der Musik zu La Source (1866) und seine Einlagen zu Paquita (1882). Als reiner Ballettkomponist schrieb er keine Sinfonien; seine Musik ist auf die Anforderungen von Handlung, Tanz und pantomimischer Darstellung ausgerichtet. Seine Werke verbinden die Tradition früher romantischer Ballettkomponisten, besonders Cesare Pugnis, mit den späteren russischen Balletten von Tschaikowski und Riccardo Drigo.

Leben und beruflicher Weg

Minkus erhielt mit vier Jahren ersten Violinunterricht und gab mit acht Jahren sein erstes öffentliches Konzert. Von 1838 bis 1842 wurde er bei der Gesellschaft der Musikfreunde ausgebildet. Kompositionsunterricht erhielt er bei Gottfried von Preyer, Violinunterricht bei Joseph Böhm. 1841 galt er bereits als vielversprechender junger Violinvirtuose; 1846 wurden seine ersten fünf Stücke für Violine veröffentlicht.

Über die Jahre 1842 bis 1852 ist wenig bekannt. Minkus reiste nach Deutschland, Frankreich und England und hielt sich ab Ende 1842 in Paris auf. 1845 gab Louis Minkus in Wien ein Konzert. Möglicherweise leitete er dort auch eine Tanzkapelle. 1852 wurde er leitender Geiger am Wiener Hoforchester, emigrierte jedoch 1853 nach Sankt Petersburg. Bis 1855 war er Musikdirektor und Violinsolist im Orchester des Fürsten Nikolai Jussupow, das aus Leibeigenen zusammengesetzt war.

1855 heiratete Minkus Maria Antoinette Schwarz. Von 1856 bis 1861 arbeitete er als erster Geiger am Moskauer Bolschoi-Theater, ab 1861 als Konzertmeister. Zusätzlich leitete er das Orchester des Italienischen Operntheaters. 1864 wurde er Inspektor der kaiserlichen Theaterorchester in Moskau und Professor für Violine am neu eröffneten Moskauer Konservatorium.

Seine wahrscheinlich erste Ballettmusik, L’Union de Thétis et Pélée, wurde 1857 im Jussupow-Palast uraufgeführt. Mit Arthur Saint-Léon begann eine besonders fruchtbare Zusammenarbeit. Der Erfolg von La Flamme d’amour, ou La Salamandre (1863), das auch als Fiammetta und Néméa aufgeführt wurde, machte Minkus international bekannt. 1866 komponierte er etwa die Hälfte der Musik zu La Source; den übrigen Teil schrieb Léo Delibes.

1869 begann mit Don Quixote die Zusammenarbeit mit dem Choreografen Marius Petipa. Der Erfolg des Balletts verschaffte Minkus die Stellung des offiziellen Komponisten des Kaiserlichen Russischen Balletts. Für Petipa entstanden zahlreiche Werke, darunter La Bayadère (1877), Minkus’ meist als Meisterwerk bezeichnete Komposition. Minkus blieb daneben als Geiger tätig und spielte 1871 bei der Moskauer Uraufführung von Tschaikowskys Streichquartett op. 11 Nr. 1 in D-Dur die zweite Violine.

Für die Krönung Alexanders III. schrieb Minkus 1883 Nuit et Jour. Dafür verlieh ihm der Zar den Orden des Heiligen Stanislaus, mit der Begründung, Minkus habe „als Ballettkomponist die Vollkommenheit erreicht“. Les Pilules magiques wurde 1886 zur Einweihung des Mariinski-Theaters aufgeführt. Sein letztes Werk als offizieller Komponist war Les Offrandes à l’Amour, ebenfalls 1886. Nach seiner Pensionierung wurde die Stelle nicht mehr neu besetzt.

1891 kehrten Minkus und seine Frau nach Wien zurück. Nach dem Tod seiner Frau 1895 lebte er allein. Als seine russische Rente nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs gestrichen wurde, geriet er in finanzielle Not. Über sein Grab gab es widersprüchliche Angaben: Lange glaubte man, seine sterblichen Überreste seien 1939 in ein anonymes Massengrab überführt worden. Nach neueren Forschungen wurde sein Grab jedoch rechtzeitig umbenannt und blieb vermutlich erhalten.

Musikalischer Stil und Überlieferung

Minkus’ Stärke liegt in melodisch und rhythmisch sehr ansprechender Musik. Er bevorzugte ausdrucksvolle, klar geformte und oft melancholische oder elegische Melodien bei relativ sparsamer, rhythmisch betonter Begleitung. Zu seinen Vorbildern gehörten Cesare Pugni sowie italienische Opernkomponisten wie Bellini und Verdi. Seine Musik konnte Tänzern Raum für individuelle Gestaltung geben und war besonders für elegante Tänze, pantomimische Szenen und Pas d’action geeignet.

In Don Quixote und Paquita schrieb Minkus mitreißende, eingängige und teilweise spanisch geprägte Tanzmusik. Seine Musik ist außerdem russisch gefärbt; Einflüsse der Wiener Tanzmusik, etwa von Johann Strauss Sohn, sind dagegen nicht erkennbar. Bei sehr langsamen Tempi kann sie laut Artikel plump wirken. Minkus’ Stil ist daher nicht mit den oft stärker orchestrierten und vom französischen Impressionismus beeinflussten Balletten von Delibes oder Tschaikowski gleichzusetzen.

Die Bewertung seines Schaffens wird durch spätere Veränderungen erschwert. Don Quixote wurde stark gekürzt, umgestellt und durch Einlagen späterer Komponisten ergänzt; die Originalpartitur wurde dadurch stilistisch mitunter von sowjetrussischer Musik des 20. Jahrhunderts überlagert. Die vollständige Originalfassung hat nach dem Artikel bis 2020 kein lebender Mensch gehört. Auch der berühmte Grand Pas aus Paquita wurde um vier bis fünf Variationen anderer Komponisten erweitert. Die Einspielung von 1988 mit Richard Bonynge und dem English Chamber Orchestra ist ein Arrangement, möglicherweise von John Lanchbery, im amerikanischen Hollywood-Stil.

Die nie veröffentlichte Orchesterpartitur von La Bayadère wurde 2002 von Sergei Vikharev und Pavel Guerchenzon im Archiv des Mariinski-Balletts gefunden. Zuvor wurde das Werk im Westen häufig in einer Bearbeitung und Orchestrierung von John Lanchbery aufgeführt. Außerdem wird La Bayadère oft ohne den ursprünglichen vierten Akt gespielt. Die wahrscheinlich vollständige Originalpartitur erklang 2018 in Alexei Ratmanskys Rekonstruktion für die Staatsoper Berlin.

Wichtige Ballette

Minkus’ Ballettschaffen umfasst Einakter, mehraktige Grand Ballets und Ballets fantastiques. Zu den frühen Werken gehören L’Union de Thétis et Pélée (1857), Deux jours en Venise (1862) und La Flamme d’amour, ou La Salamandre (1863). Die verschiedenen Fassungen dieses Erfolgswerks heißen Fiammetta, ou L’amour du Diable (1864) und Néméa, ou L’Amour vengé (1864). La Source (1866) entstand gemeinsam mit Léo Delibes; Minkus schrieb den ersten und den dritten Aktteil 2.

Zu den Werken mit Arthur Saint-Léon gehören außerdem Le Poisson d’or (1866), zunächst als Einakter und 1867 als erweiterte Fassung in vier Akten. Mit Marius Petipa entstanden unter anderem Don Quixote in einer vieraktigen Fassung von 1869 und einer erweiterten fünfaktigen Fassung von 1871, La Camargo (1872), Les Brigands (1875), Les Aventures de Pélée (1876), La Bayadère (1877), Roxana, die Schöne von Montenegro (1878), Die Schneetochter und Mlada (beide 1879), Soraya, die Maurin in Spanien (1881), Nuit et Jour (1883), Les Pilules magiques (1886), Les Offrandes à l’Amour (1886) und Kalkabrino (1891).

Kalkabrino wird traditionell Minkus zugeschrieben; einige Forscher bezweifeln jedoch, dass es sich um eine neue Partitur von ihm handelt. Les Pilules magiques verband Ballett, Komödie und Gesang im Vaudeville-Stil. Minkus komponierte darin drei Ballett-Tableaus mit Nationaltänzen im belgischen, englischen, spanischen und russischen Stil.

Einlagen, Arrangements und Revisionen

Minkus schrieb auch einzelne Nummern für Ballette anderer Komponisten. Dazu gehören ein Entr’acte für Solo-Violine in Adolphe Adams Orfa (1862), ein Pas de deux für Ekaterina Vazem in Satanella (1875), ein Grand Pas Classique für Eugenia Sokolova in Die Perle von Sevilla (1877), eine Variation für Sokolova in Trilby (1879), mehrere Nummern für Paquita von Édouard Deldevez (1881), ein Pas de deux für Maria Gorschenkowa in Giselle sowie eine Variation für Virginia Zucchi in La Fille mal gardée.

Auf Wunsch Petipas ergänzte Minkus außerdem bestehende Partituren, etwa Adams Giselle und Deldevez’ Paquita. Als Arrangement entstand Frizak der Barbier (1879), eine Ballettmusik aus Arien von Giacomo Meyerbeer, Giuseppe Verdi, Vincenzo Bellini und Gioachino Rossini.

Darüber hinaus überarbeitete Minkus Partituren anderer Komponisten: Le Papillon von Jacques Offenbach (1874), Ein Sommernachtstraum von Felix Mendelssohn Bartholdy (1876), La Fille du Danube von Adolphe Adam (1880), Pâquerette von François Benoist (1882) und Le Diable à quatre, ou La femme capricieuse von Adolphe Adam (1885).

Weiterlesen

Kaisertum Österreich Es wurde am 11. August 1804 als Erbmonarchie von Erzherzog Franz von Österreich gegründet, der als Franz II. letzter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches war. 1917 Das Jahr 1917 ist von den internationalen Ereignissen bestimmt, die sich vor dem prägenden Hintergrund des Ersten Weltkrieges ereignen. Komponist Die musikalischen Kompositionen werden mit Hilfe von Interpreten (Musikern, Gesang) vertont und für Tonaufnahmen anschließend in einem Tonstudio abgemischt. Violine Die Violine oder Geige ist ein zu den Kastenhalslauten gehörendes Streichinstrument. Ihre vier Saiten (g – d 1 – a 1 – e 2) werden hauptsächlich mit den … Russland Russia: The Migration Dimension of the War in Ukraine . Brain Drain from Russia after February 24th 2022. In: Russian Analytical Digest (RAD) Judentum Das jüdische Volk entstand ab etwa 1200 v. Chr. und entwickelte den JHWH-Monotheismus, aus dem später die weiteren abrahamitischen Religionen Christentum und … Katholizismus Katholizismus bezeichnet die Repräsentation des römisch-katholischen Christentums in der Gesellschaft, basierend auf der durch den katholischen Glauben … Tanzmusik Als Tanzmusik bezeichnet man Musik, zu der getanzt werden kann bzw. die für einen speziellen Tanz komponiert wurde. Was genau als Tanzmusik betrachtet wird, … Deutschland Deutschland (; Vollform des Staatsnamens: Bundesrepublik Deutschland) ist ein Bundesstaat in Mitteleuropa. Es besteht aus 16 Ländern und ist als … Frankreich Die Französische Republik wird in ihrer Verfassung als unteilbar, laizistisch, demokratisch und sozial erklärt. Ihr Grundsatz lautet: „Regierung des Volkes … England England · 1 Etymologie · 2 Geographie. 2.1 Klima; 2.2 Flora und Fauna · 3 Geschichte. 3.1 Vor der Römerzeit; 3.2 Römerzeit und Christianisierung · 4 Bevölkerung. Paris Paris (deutsch: [paˈʁiːs]; französisch: [paʁi]) ist die Hauptstadt der Französischen Republik und Hauptort der Region Île-de-France.