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1917

Das Jahr 1917 ist von den internationalen Ereignissen bestimmt, die sich vor dem prägenden Hintergrund des Ersten Weltkrieges ereignen.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Epochenjahr im Weltkrieg
  2. 2. Kriegseintritt der USA und politische Folgen
  3. 3. Kriegsfronten und neue Kriegsmittel
  4. 4. Russische Revolutionen und neue Staaten
  5. 5. Weitere Welt, Wirtschaft und Kultur
  6. 6. Katastrophen und Nobelpreise

Epochenjahr im Weltkrieg

1917 war ein Schlüsseljahr des Ersten Weltkriegs und gilt wegen seiner politischen und sozialen Umbrüche als Epochenjahr. Der uneingeschränkte U-Boot-Krieg des Deutschen Reiches und die abgefangene Zimmermann-Depesche führten zum Kriegseintritt der Vereinigten Staaten auf Seiten der Entente. Damit begann ihr langsamer Aufstieg von einer industriellen Großmacht zu einer politischen Weltmacht. Material- und Truppenüberlegenheit sowie der verstärkte Einsatz von Panzern verlagerten die strategische Initiative zur Entente.

Gleichzeitig stürzten Revolutionen im Russischen Kaiserreich die Romanow-Dynastie und später die Provisorische Regierung. Das entstandene Rätesystem wurde zum Ausgangspunkt der späteren UdSSR. Krieg, Versorgungskrise und Massenpolitik markierten nach dem Artikel den Bruch mit monarchischen Traditionen und das Ende des „langen 19. Jahrhunderts“.

Kriegseintritt der USA und politische Folgen

Am 1. Februar nahm das Deutsche Reich den uneingeschränkten U-Boot-Krieg wieder auf: U-Boot-Kommandanten konnten Schiffe ohne Vorwarnung mit allen verfügbaren Waffen angreifen. Bis zum 31. Dezember versenkte die deutsche U-Boot-Flotte 6,141 Millionen BRT alliierten und 1,127 Millionen BRT neutralen Schiffsraum. BRT bedeutet Bruttoregistertonnen, ein damaliges Maß für Schiffsraum.

Die Zimmermann-Depesche war ein deutsches Bündnisangebot an Mexiko für den Fall eines US-Kriegseintritts. Deutschland stellte Unterstützung für die Rückgewinnung von 1848 an die USA verlorener Gebiete in Aussicht. Der britische Geheimdienst fing das Telegramm ab; am 1. März veröffentlichte US-Außenminister Robert Lansing Einzelheiten. Am 6. April erklärten die Vereinigten Staaten Deutschland den Krieg. John J. Pershing wurde Oberbefehlshaber der American Expeditionary Forces; am 26. Juni landeten erste US-Kampftruppen in Saint-Nazaire, kamen aber zunächst noch nicht an die Front.

Im Deutschen Reich forderte die Friedensresolution des Reichstags vom 19. Juli einen Verständigungsfrieden. Dennoch besaß Generalquartiermeister Erich Ludendorff großen politischen Einfluss. Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg wurde am 13. Juli entlassen; Georg Michaelis folgte ihm, trat aber schon am 1. November zurück. An der Heimatfront führten Hunger und die schlechte Versorgung nach dem Steckrübenwinter im April zu Massenstreiks. Vom 6. bis 8. April entstand die USPD als kriegskritische Abspaltung der SPD.

Weitere wichtige Entwicklungen waren die Abdankung des griechischen Königs Konstantin I. am 11. Juni und der Kriegseintritt der Venizelos-Regierung auf Seiten der Entente, die Deklaration von Korfu am 20. Juli als Grundlage eines südslawischen Staates sowie die Balfour-Deklaration vom 2. November. In ihr sagte Großbritannien der zionistischen Bewegung eine „nationale Heimstätte“ in Palästina zu. Am 15. Dezember schlossen Russland und die Mittelmächte in Brest-Litowsk einen Waffenstillstand.

Kriegsfronten und neue Kriegsmittel

An der Westfront zog sich das deutsche Heer vom 16. bis 20. März im Unternehmen Alberich auf die Siegfriedstellung zurück. Das geräumte Somme-Gebiet wurde planmäßig verwüstet; etwa 200 Ortschaften und Infrastruktur wurden zerstört, mehr als 100.000 Zivilisten deportiert. Die Schlacht bei Arras begann am 9. April; britische und kanadische Truppen nahmen den Höhenzug bei Vimy, erreichten aber keinen Durchbruch. Frankreichs Großoffensive am Chemin des Dames ab 16. April scheiterte wegen schwerer Verluste. Bis zum 10. Juni verweigerten etwa 25.000 bis 50.000 französische Soldaten Befehle.

Die Dritte Flandernschlacht begann am 31. Juli. Regen verwandelte das Gelände in Schlamm, überflutete Schützengräben und verhinderte den Panzereinsatz. Mit der Einnahme des völlig zerstörten Passchendaele durch kanadische Divisionen endete sie am 6. November. Die Schlacht von Cambrai vom 20. November bis 6. Dezember setzte mehrere hundert Tanks ein, blieb aber ohne Entscheidung. Am 12. Juli verwendeten deutsche Truppen bei Ypern erstmals Senfgas. Die alliierten Flugzeuge Royal Aircraft Factory S.E.5 und Sopwith Camel trugen ab Sommer zur Luftherrschaft der Alliierten bei.

Im Gebirgskrieg brachte die zehnte Isonzoschlacht vom 12. Mai bis 10. Juni Italien nur geringe Geländegewinne. In der elften Isonzoschlacht vom 17. August bis 12. September scheiterte Italien daran, Triest zu erobern. Am 24. Oktober begann die Schlacht von Karfreit, in der Österreich-Ungarn und seine Verbündeten Italien bis an den Piave zurückdrängten.

An der Ostfront scheiterte die russische Kerenski-Offensive, die am 1. Juli begann, nach der Gegenoffensive der Mittelmächte. Deutsche Truppen eroberten vom 1. bis 5. September Riga. Nach der Oktoberrevolution kam es im Dezember zum Waffenstillstand.

Im Osmanischen Reich nahmen britische Truppen am 11. März Bagdad ein. Arabische Kräfte unter Faisal und T. E. Lawrence nahmen am 6. Juli Akaba ein; dadurch konnten sie Nachschub erhalten und die Arabische Revolte nach Palästina und Syrien ausweiten. Edmund Allenbys Offensive führte über Beʾer Scheva und Gaza zur Einnahme Jerusalems am 9. Dezember. In Deutsch-Ostafrika setzte Paul von Lettow-Vorbeck den Buschkrieg fort und schlug portugiesische Truppen am 25. November bei Ngomano.

Russische Revolutionen und neue Staaten

Die Februarrevolution begann in Petrograd mit Streiks und Protesten gegen die Versorgungskrise. Am 23. Februar julianischen Kalenders beziehungsweise 8. März gregorianischen Kalenders traten Arbeiter in den Generalstreik. Es entstanden Sowjets, also Räte von Arbeitern und Soldaten. Als Teile der Armee zu den Aufständischen überliefen, verlor der Zar die Kontrolle. Nikolaus II. dankte am 2. März julianischen beziehungsweise 15. März gregorianischen Kalenders ab; sein Bruder Michail verzichtete am nächsten Tag auf den Thron. Damit endete die Romanow-Dynastie.

Es entstand eine Provisorische Regierung unter Fürst Georgi Lwow, während der Petrograder Sowjet ebenfalls Macht ausübte. Diese „Doppelherrschaft“ entstand besonders durch Befehl Nr. 1 des Sowjets: Regierungsbefehle sollten nur gelten, wenn sie den Beschlüssen des Sowjets nicht widersprachen. Die Regierung setzte den Krieg fort, was die Krise verschärfte.

Lenin reiste ab 27. März julianischen beziehungsweise 9. April gregorianischen Kalenders im plombierten Wagen von Zürich über Deutschland und Schweden nach Petrograd. In den Aprilthesen forderte er eine Sowjetrepublik, die Verstaatlichung von Boden und Produktionsmitteln sowie sofortigen Frieden mit Deutschland. Nach dem gescheiterten Juliaufstand übernahm Alexander Kerenski am 8. Juli julianischen beziehungsweise 21. Juli gregorianischen Kalenders den Vorsitz der Provisorischen Regierung. Der Putschversuch Lawr Kornilows im September misslang.

Am 25. Oktober julianischen beziehungsweise 7. November gregorianischen Kalenders begann die Oktoberrevolution: Bolschewiki stürmten den Winterpalast und nahmen die Regierung fest; Kerenski entkam. Die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik wurde gegründet. Das Dekret über Grund und Boden ordnete die entschädigungslose Konfiszierung von Grundbesitz von Gutsherren, Kirchen und Staatsdomänen an. Das Dekret über den Frieden forderte Frieden. Es entstanden der Rat der Volkskommissare, 13 Volkskommissariate, der Oberste Rat für Volkswirtschaft und am 20. Dezember die Geheimpolizei Tscheka unter Feliks Dzierżyński. Bei den Wahlen zur konstituierenden Versammlung erhielten die Sozialrevolutionäre die meisten Stimmen; die Bolschewiki nur knapp ein Viertel.

Die Revolution förderte Unabhängigkeitsbewegungen: Die Bolschewiki erklärten am 2. November julianischen beziehungsweise 15. November gregorianischen Kalenders das Selbstbestimmungsrecht der Völker des Zarenreichs. Die Ukraine rief am 7./20. November eine autonome Volksrepublik aus. Finnland erklärte am 6. Dezember seine Unabhängigkeit, die Sowjetrussland am 31. Dezember anerkannte.

Weitere Welt, Wirtschaft und Kultur

Außerhalb der Hauptkriegsschauplätze erhielt Mexiko am 5. Februar eine neue Verfassung; Venustiano Carranza wurde im Mai erster konstitutioneller Präsident. Die USA erwarben am 1. April Dänisch-Westindien für 25 Millionen US-Dollar und nannten das Gebiet Amerikanische Jungferninseln. In China wurde der elfjährige Puyi am 1. Juli nochmals zum Kaiser gekrönt, doch der Restaurationsversuch endete bereits nach 12 Tagen. Das Lansing-Ishii-Abkommen vom 2. November regelte Interessen der USA und Japans in China bei Beibehaltung der Politik der offenen Tür. In Portugal übernahm Sidónio Pais nach einer Militärrevolte im Dezember die Macht und rief die República Nova aus.

Die Kriegswirtschaft verstärkte staatliche Eingriffe: Österreich erließ am 24. Juli das Kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz. Am 22. Dezember wurde der Normenausschuss der deutschen Industrie gegründet, ein Vorläufer des DIN. Zu den Unternehmensgründungen gehörten Anglo American am 25. September, Noda Shōyu KK am 7. Dezember, später als Kikkoman bekannt, sowie die Deutsche Luft-Reederei am 13. Dezember, eine Vorläuferfirma der Lufthansa.

In Wissenschaft und Technik endete am 10. Januar die gescheiterte Endurance-Expedition Ernest Shackletons, als die Aurora die letzten sieben Überlebenden der Ross Sea Party aufnahm. Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft beschloss die Gründung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik mit Albert Einstein als erstem Direktor. Robert Innes entdeckte Proxima Centauri. Erstmals wurde Technicolor mit einem 2-Farben-Verfahren im Film The Gulf Between eingesetzt; wegen technischer Probleme enttäuschte das Ergebnis. Eugene Clark stellte den ersten Gabelstapler her.

Kulturell wurde Marcel Duchamps Ready-made Fountain, ein signiertes handelsübliches Urinal, im April von der Society of Independent Artists abgelehnt. Die Künstlergruppe De Stijl entstand und vertrat eine geometrisch-abstrakte, funktionalistische Kunstauffassung. Der Pulitzer-Preis wurde am 4. Juni erstmals verliehen. Im Sport erhielt das von Max Heiser für Frauen entwickelte „Torballspiel“ am 29. Oktober feste Regeln und den Namen Handball; vom 22. bis 26. November wurde die National Hockey League gegründet.

Katastrophen und Nobelpreise

Die größte unfallbedingt von Menschen verursachte Explosion ereignete sich am 6. Dezember im Hafen von Halifax in Kanada. Der französische Munitionsfrachter Mont Blanc kollidierte mit dem norwegischen Schiff Imo, geriet in Brand und explodierte. Mindestens 1.946 Menschen starben, viele Tausend wurden verletzt. Druckwelle, Flutwelle und Erderschütterungen zerstörten Gebäude, entwurzelten Bäume und verbogen Eisenbahnschienen.

Weitere schwere Unglücke waren die Zugentgleisung von Ciurea am 13. Januar mit zwischen 600 und 1000 Toten, der Bruch der Tigra-Talsperre in Indien am 4. August mit rund 1000 Toten und das Eisenbahnunglück von Saint-Michel-de-Maurienne am 12. Dezember mit rund 700 Todesopfern, überwiegend französischen Soldaten; nur 425 konnten identifiziert werden. Ein Erdbeben auf Bali am 21. Januar forderte etwa 15.000 Tote, ein Erdbeben der Stärke 6,5 in China am 30. Juli etwa 1.800 Tote. Beim Großbrand in Thessaloniki ab 18. August wurden 32 Prozent der Stadt zerstört und etwa 70 Prozent der Arbeitsplätze vernichtet.

Der Nobelpreis für Physik ging an Charles Glover Barkla für die Entdeckung der charakteristischen Röntgenstrahlung der Elemente, wurde aber erst 1918 verliehen. Chemie sowie Physiologie oder Medizin wurden nicht vergeben. Den Literaturnobelpreis erhielten Karl Gjellerup und Henrik Pontoppidan. Der Friedensnobelpreis ging an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz für seinen Einsatz für Kriegsgefangene, Verwundete und die Genfer Konvention im Ersten Weltkrieg.

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