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Kurt Eisner

Bekannt ist er vor allem als Anführer der Novemberrevolution von 1918 in München. Vom 8. November 1918 bis zu seiner Ermordung war er der erste …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und politische Grundhaltung
  2. 2. Vom Journalisten zum bayerischen Oppositionsführer
  3. 3. Kriegsgegner und Revolutionär
  4. 4. Revolution und Regierung in Bayern
  5. 5. Ermordung, Räterepublik und Nachwirkung

Bedeutung und politische Grundhaltung

Kurt Eisner (14. Mai 1867–21. Februar 1919) war ein deutscher Journalist, Schriftsteller und sozialistischer Politiker. Seine größte historische Bedeutung liegt in seiner führenden Rolle bei der Novemberrevolution in Bayern: Am 8. November 1918 rief er den „Freistaat Bayern“ aus, erklärte die Monarchie für beendet und wurde erster Ministerpräsident der neuen bayerischen Republik. Er blieb bis zu seiner Ermordung im Amt.

Eisner gehörte von 1898 bis 1917 der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) an. Sein Sozialismus beruhte nicht allein auf Karl Marx, sondern auch auf der Aufklärungsphilosophie Immanuel Kants und dem Neukantianismus. Er vertrat damit einen „ethischen Sozialismus“, der politische und gesellschaftliche Veränderungen mit moralischer Verantwortung verband.

Während des Ersten Weltkriegs entwickelte sich Eisner vom anfänglichen Befürworter der Landesverteidigung zu einem radikalen Pazifisten und Gegner der deutschen Kriegspolitik. 1917 wechselte er zur Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD), die aus Protest gegen die Unterstützung des Krieges durch die SPD entstanden war. Als Ministerpräsident wollte er Demokratie und soziale Reformen verwirklichen. In der Auseinandersetzung zwischen parlamentarischer Demokratie und Räterepublik nahm er eine Zwischenposition ein: Arbeiter- und Soldatenräte sollten das Parlament beraten und kontrollieren, aber langfristig weder die gesetzgebende noch die ausführende Gewalt übernehmen.

Vom Journalisten zum bayerischen Oppositionsführer

Eisner wurde in Berlin als Sohn des jüdischen Textilfabrikanten Emanuel Eisner und dessen Frau Hedwig geboren. Nach dem Abitur 1886 studierte er Philosophie und Germanistik an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Seine geplante Dissertation über Achim von Arnim gab er 1889 auf. Anschließend arbeitete er für verschiedene Zeitungen, darunter die Frankfurter Zeitung und die Hessische Landeszeitung. Besondere Aufmerksamkeit fanden seine Kritiken an Friedrich Nietzsche.

1897 wurde Eisner wegen Majestätsbeleidigung zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. 1898 trat er in die SPD ein und wurde Redakteur des Vorwärts, des Zentralorgans der Partei. Dort gewann er rasch großen Einfluss. Konflikte zwischen seiner journalistischen Richtung, der Parteiführung und orthodoxen Marxisten führten 1905 dazu, dass die Redaktionsmehrheit um Eisner kündigte.

Von 1907 bis 1910 leitete er die sozialdemokratische Fränkische Tagespost in Nürnberg. Danach zog er nach München und arbeitete als freier Journalist, Schriftsteller und Theaterkritiker. Mit seiner Pressekorrespondenz Arbeiter-Feuilleton belieferte er vor allem kleinere sozialdemokratische Zeitungen. Zugleich kam er mit dem Münchner Künstler- und Intellektuellenmilieu in Kontakt.

Eisner war seit 1892 zunächst mit Elisabeth „Lisbeth“ Hendrich verheiratet; aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor. Nach der Scheidung heiratete er 1917 Elise „Else“ Belli, mit der er zwei Töchter hatte.

Kriegsgegner und Revolutionär

Bei einer Friedenskundgebung am 27. Juli 1914 sah Eisner zunächst im zaristischen Russland die größte Gefahr für den Frieden. Nach Kriegsausbruch unterstützte er deshalb anfangs die Bewilligung der Kriegskredite durch die SPD-Reichstagsfraktion. Ab 1915 kam er nach kritischer Prüfung des Kriegsausbruchs jedoch zu der Überzeugung, Deutschland habe den Weltkrieg begonnen. Er wurde zu einem entschiedenen Kriegsgegner und Systemkritiker.

Eisner schloss sich dem pazifistischen Bund Neues Vaterland an. 1917 gehörte er zu den führenden Gründern der USPD in Bayern und wurde zur Leitfigur ihrer Münchner Organisation. Eine wichtige Grundlage seiner Arbeit waren die wöchentlichen Diskussionsabende im Gasthaus „Zum goldenen Anker“, die er ab dem 7. Dezember 1916 leitete. Vor dem Januarstreik 1918 nahmen daran bis zu 150 Menschen unterschiedlicher linker und pazifistischer Richtungen teil.

Im Januar 1918 organisierte Eisner den Streik der Münchner Munitionsarbeiter mit. Die reichsweite Streikwelle verlangte eine Demokratisierung des Staates und einen Verständigungsfrieden, also einen Frieden ohne gewaltsame Eroberungen. Am 31. Januar 1918 wurde Eisner wegen versuchten Landesverrats verhaftet. Wiederholte Anträge auf Haftverschonung lehnte das Reichsgericht ab. Erst am 14. Oktober 1918 kam er frei, weil die USPD ihn für eine Nachwahl zum Reichstag nominieren wollte.

Revolution und Regierung in Bayern

Am 7. November 1918 führte Eisner nach einer Massenkundgebung auf der Münchner Theresienwiese gemeinsam mit Ludwig Gandorfer einen wachsenden Demonstrationszug zu den Kasernen und in die Innenstadt. Nennenswerter Widerstand blieb aus; König Ludwig III. verließ München. In der Nacht zum 8. November erklärte Eisner vor den Arbeiter- und Soldatenräten die Wittelsbacher Dynastie für abgesetzt und Bayern zum Freistaat. Der Münchner Arbeiter- und Soldatenrat wählte ihn zum Ministerpräsidenten. In der aus SPD und USPD gebildeten Regierung übernahm er außerdem das Außenministerium.

Ludwig III. entband am 12. November mit der Anifer Erklärung die Beamten und Soldaten von ihrem Treueid, verzichtete jedoch nicht ausdrücklich auf den Thron. Eisners Regierung verstand sich weitgehend als Übergang bis zur Landtagswahl. In ihren rund 100 Tagen setzte sie den Achtstundentag und das Frauenwahlrecht durch und schaffte die kirchliche Schulaufsicht ab. Banken und große Unternehmen wurden nicht angetastet; eine geplante Sozialisierung, also die Überführung von Unternehmen in gesellschaftliches Eigentum, wurde verschoben. Die monarchistisch geprägte Verwaltung und Justiz blieben größtenteils bestehen.

Eisner verteidigte die Räte als Mittel politischer Bildung, wollte aber auch ein gewähltes Parlament. Sein Grundgedanke lautete: „Die Revolution ist nicht die Demokratie. Sie schafft erst die Demokratie.“ Außenpolitische Pläne für eine Donauföderation aus Österreich, Bayern und der Tschechoslowakei sowie für stärkere Mitspracherechte der Länder bei der Reichsverfassung scheiterten am Widerstand der Reichsregierung.

Besonders umstritten war Eisners Veröffentlichung gekürzter bayerischer Diplomatendokumente aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg am 24. November 1918. Sie sollten die Verantwortung kaiserlich-preußischer Entscheidungsträger für den Krieg belegen und möglicherweise Bayerns Stellung bei den Friedensverhandlungen verbessern. Die Bearbeitung der Dokumente brachte Eisner den Vorwurf der Fälschung und des Verrats ein. Zugleich geriet seine Regierung von rechts und von der revolutionären Linken unter Druck.

Bei der Landtagswahl vom 12. Januar 1919 erlitt die USPD mit 2,53 Prozent und drei Abgeordneten eine schwere Niederlage. Die Bayerische Volkspartei erreichte 35 Prozent, die SPD 33 Prozent. Eisner wollte bei der ersten Sitzung des neuen Landtags am 21. Februar zurücktreten. Zuvor nahm er vom 3. bis 10. Februar an der Sozialistenkonferenz der Zweiten Internationale in Bern teil und unterstützte dort eine Resolution zugunsten der Kriegsgefangenen.

Ermordung, Räterepublik und Nachwirkung

Am 21. Februar 1919 wurde Eisner auf dem Weg zum Landtag in der Münchner Promenadestraße, der heutigen Kardinal-Faulhaber-Straße, erschossen. Der Täter war der Student und beurlaubte Leutnant Anton Graf von Arco auf Valley. Er schoss Eisner aus unmittelbarer Nähe in Rücken und Kopf, um seine „nationale Gesinnung“ zu beweisen; Eisner starb sofort. In seiner Aktentasche befand sich die vorbereitete Rücktrittsrede. Spätere Zweifel an seiner Rücktrittsabsicht gelten nach einer Analyse des Historikers Bernhard Grau als unbegründet.

Zwei Stunden später schoss Alois Lindner, ein Mitglied des Revolutionären Arbeiterrats, im Landtag auf den SPD-Vorsitzenden Erhard Auer, den er für einen Hintermann hielt. Major Paul von Jahreiß und der konservative Abgeordnete Heinrich Osel wurden getötet. Auer überlebte. Die Landtagssitzung wurde vertagt; in München begann ein Generalstreik, und ein Zentralrat unter Ernst Niekisch übernahm vorübergehend die Regierungsgewalt.

Am Trauerzug für Eisner am 26. Februar 1919 sollen rund 100.000 Menschen teilgenommen haben. Seine Urne wurde 1933 zusammen mit der Gustav Landauers auf den Neuen Israelitischen Friedhof umgebettet. Der 1922 auf dem Ostfriedhof errichtete Gedenkstein wurde 1933 vom NS-Regime entfernt und 1954 wieder aufgestellt.

Arco-Valley wurde am 16. Januar 1920 zum Tode verurteilt. Das Gericht erklärte zugleich, seine Tat sei nicht aus „niederer Gesinnung“, sondern aus „glühender Liebe zum Vaterland“ entstanden. Bereits am folgenden Tag wandelte die bayerische Regierung die Strafe in lebenslange Festungshaft um. Im April 1924 wurde Arco-Valley entlassen, 1927 endgültig begnadigt.

Nach Eisners Tod verschärfte sich der Konflikt zwischen Parlamentariern und Anhängern eines Rätesystems. Am 7. April 1919 wurde in München die Bayerische Räterepublik ausgerufen, zunächst unter dem Einfluss anarchistischer und pazifistischer Intellektueller, später unter Führung von Kommunisten. Anfang Mai 1919 schlugen Reichswehr und rechtsnationalistische Freikorps sie im Auftrag der SPD-geführten Regierungen gewaltsam nieder. Nach der Erschießung von zehn Gefangenen aus dem Umfeld der Thule-Gesellschaft durch Rotgardisten fielen mehr als 2200 tatsächliche oder vermeintliche Anhänger der Räterepublik der Rache der Freikorps zum Opfer. Bayern entwickelte sich anschließend zu einer konservativ-reaktionären „Ordnungszelle“; antikommunistische und antisemitische Stimmungen begünstigten in München den späteren Aufstieg Adolf Hitlers und der NSDAP.

Eisner wurde lange als jüdischer „Bolschewist“ und Landesverräter diffamiert. Später trat diese Stigmatisierung zurück, unter anderem durch die Neubewertung der deutschen Kriegsschuld. Dennoch blieben seine Person und öffentliche Denkmäler umstritten. Gedenkorte entstanden unter anderem 1989 am Tatort und 2011 am Münchner Oberanger. Heute wird Eisner vor allem als Revolutionär, Pazifist, demokratischer Sozialist und erster Ministerpräsident des Freistaats Bayern erinnert.

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