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Kurmandschi

Casus rectus Personalpronomen im West-Kurmandschi Dialekt ; tê, tu, du (feminin), du (neutral) ; î, aw, er, er/sie ; ê, aw, sie, er/sie ; am, wir.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Verbreitung
  2. 2. Politische Lage und Dialekte
  3. 3. Schrift und Aussprache
  4. 4. Pronomen und Nominalformen
  5. 5. Verben, Zeiten und Passiv

Einordnung und Verbreitung

Kurmandschi (Eigenschreibweise Kurmancî), auch Nordkurdisch, ist eine der drei kurdischen Sprachen und gehört innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie zu den nordwestiranischen Sprachen. Es ist eine flektierende Sprache: Wörter verändern ihre Form, um etwa Kasus, Zahl oder Person auszudrücken.

Mit 14,6 Millionen Sprechern ist es laut Artikel die am weitesten verbreitete kurdische Sprache; etwa 65 % aller Kurden sprechen sie. Sie wird vor allem in der Türkei und in Syrien gesprochen, außerdem im Irak, Iran, Libanon, Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Israel und weiteren GUS-Staaten. Durch Zuwanderung ist sie auch in mehreren europäischen Ländern verbreitet. Amtssprache ist sie in der Autonomen Region Kurdistan im Irak und in Rojava in Syrien; als Minderheiten- oder Regionalsprache wird sie im Irak, in Armenien und im Iran anerkannt.

Seit den 1930er Jahren wird Kurmandschi vorwiegend mit lateinischen Buchstaben geschrieben. Beim gegenwärtigen Sprachausbau soll der Botani-Dialekt aus Botan in Cizre zur Standardsprache entwickelt werden. Kamuran Bedirxan verwendete ihn bereits in den 1920er Jahren als Grundlage für ein Buch über kurdische Grammatik.

Politische Lage und Dialekte

In der Türkei war Kurmandschi jahrzehntelang Restriktionen und Verboten ausgesetzt. Verboten waren zeitweise Publikationen, Rundfunk- und Fernsehsendungen, Singen, Unterricht und von den 1980er bis in die 1990er Jahre auch das Sprechen. Das Sprachverbotsgesetz von 1983 untersagte Sprachen, die nicht erste Amtssprache eines von der Türkei anerkannten Staates waren; möglich waren Haftstrafen von sechs Monaten bis drei Jahren. Es galt bis 1991. Das Parteiengesetz von 1983 erlaubte Parteien bei Veranstaltungen nur Türkisch; die entsprechende Regel wurde 2014 durch Gesetz 6529 gestrichen. Seit Januar 2009 sendet TRT 6 als staatlicher kurdischsprachiger Fernsehsender. In Mardin wurden Lehrstühle für kurdische und assyrische Sprache und Literatur eingerichtet; die Universität Tunceli bietet seit 2010 Kurmandschi als Wahlfach an.

In der frühen Sowjetunion gab es aufgrund der Minderheitenpolitik bereits in den 1920er und 1930er Jahren kurdische Veröffentlichungen und Institute in Sankt Petersburg sowie in der Armenischen SSR. Ezdiki beziehungsweise Êzîdîkî bedeutet „Jesidisch“. Ein Teil der Jesiden benutzt die Bezeichnung zur Abgrenzung von Kurden, doch laut Artikel unterscheidet sich Ezdiki nicht von Kurmandschi. Jesiden in Armenien sind seit 2002 als ethnische Minderheit mit Ezdiki als Minderheitssprache anerkannt.

Kurmandschi umfasst zahlreiche Dialekte, darunter Şengalî, Botanî, Serhedkî, Hekkarî, Behdînî, Torî, Westdialekt (Marashkî), Zentraldialekt und Efrînî. Die Mundarten bilden ein Dialektkontinuum, gehen also fließend ineinander über. Südostmundarten stehen Nordwestmundarten gegenüber; für die Nordwestmundarten gibt es kein eigenes Alphabet, und viele ihrer Sprecher verwenden schriftlich Türkisch.

Schrift und Aussprache

Das lateinschriftliche Kurmandschi-Alphabet hat 31 Buchstaben: acht Vokale (a e ê i î o u û) und 23 Konsonanten. Zusätzlich gibt es den Digraphen Xw. Die Schreibung und Aussprache stimmen weitgehend überein.

Wichtige Lautwerte sind: c = [dʒ] wie „dsch“, ç = [tʃ] wie „tsch“, ê = [e] wie langes e in „Sehne“, i = [ə] wie das e in „Pause“, î = [i] wie in „Liebe“, j = [ʒ] wie in „Journal“, q = [q], ein weit hinten im Rachen gebildetes k ohne deutsche Entsprechung, ş = [ʃ] wie „sch“, û = [u] wie in „Schuh“, w = [w] wie englisches w, x = [χ] wie ch in „Bach“ und y = [j] wie j in „Jacke“. Das s ist immer stimmlos, das z stimmhaft.

Die Nordwestmundarten, etwa in Kahramanmaraş, Malatya und Konya, haben teils abweichende Laute: langes offenes a kann wie langes offenes o gesprochen werden, e häufig wie kurzes a, ç wie deutsches z und c als stimmhaftes „ds“. Auch Formen wie kî „wer“, kengî „wann“ sowie bi „mit“, ji „aus, von“ und li „in, zu“ können abweichend ausgesprochen werden.

Pronomen und Nominalformen

Die Personalpronomen im Casus rectus, dem Subjektfall, lauten ez „ich“, tu „du“, ew „er/sie/es“ beziehungsweise „sie“, em „wir“ und hûn „ihr“. Der Casus obliquus, ein Fall für mehrere andere Funktionen, lautet unter anderem min „ich/mein/mich“, te „du/dein/dich“, wî beziehungsweise vî „er/sein/ihn“, wê beziehungsweise vê „sie/ihr/sie“, me „wir/unser/uns“, we „ihr/euer/euch“ und wan beziehungsweise van „sie/ihre/sie“. Vî, vê und van beziehen sich auf „hier“, wî, wê und wan auf „dort“. Im West-Kurmandschi können in Pazarcık und Elbistan Formen der ersten bis dritten Person Singular das Geschlecht markieren, etwa azî „ich“ maskulin und azê „ich“ feminin.

Nomen, Adjektive und Pronomen haben die Kategorien Geschlecht, Numerus, Kasus, Definitheit und Attributierung. Es gibt Maskulinum und Femininum, Singular und Plural sowie Rectus und Obliquus. Das Geschlecht lässt sich bei Substantiven nicht an der Endung erkennen und muss mit jedem Wort gelernt werden. Der Rectus entspricht dem deutschen Nominativ. Der Obliquus übernimmt Funktionen, die im Deutschen unter anderem Genitiv, Dativ, Akkusativ und Lokativ ausdrücken. Beispiele sind Mer jinê dibîne „Der Mann sieht die Frau“, Jin ji merî re dibêje „Die Frau sagt dem Mann“ und Jin merî dibîne „Die Frau sieht den Mann“.

Der Vokativ ist die Anredeform: Rêzan-o! „Oh Rezan!“, Delal-ê! „Oh Delal!“ und Heval-ino! „Oh Freunde!“. Die Ezafe verbindet ein Substantiv mit einer näheren Bestimmung, etwa Mal-a jin-ê „das Haus der Frau“. Ihre Formen sind im Singular ê für Maskulinum und a für Femininum, im Plural ên. Beispiele: Evîna te „deine Liebe“, Navê wî „sein Name“ und Zarokên me „unsere Kinder“. Im Obliquus lauten die Endungen î (maskuliner Singular), ê (femininer Singular) und an (Plural).

Verben, Zeiten und Passiv

Verben besitzen einen Infinitivstamm und einen Präsensstamm; beide können gleich sein, weichen aber oft stark voneinander ab. Beispiele: hatin „kommen“ mit Präsensstamm -ê- und Infinitivstamm hat, dan „geben“ mit -d- und da, gotin „sagen“ mit -bêj- und got sowie xistin „schlagen“ mit -x- und xist.

Kennzeichnend ist die präteritale Splitergativität: Bei transitiven Verben in der Vergangenheit steht das Agens, also der Handelnde, im Obliquus und das direkte Objekt im Rectus. Min tu dîtî bedeutet „Ich habe dich gesehen“, wörtlich etwa „du wurdest durch mich gesehen“. Bei intransitiven Verben steht das Agens im Rectus: Ez çûm „Ich bin gegangen“.

Das Perfekt beschreibt abgeschlossene vergangene Sachverhalte mit noch relevantem Ergebnis: Min kir „Ich habe gemacht“, Te kir „Du hast gemacht“, Wî/Wê kir „Er/Sie hat gemacht“. Das Plusquamperfekt für abgeschlossene Ereignisse lautet beispielsweise Min kiri bû „Ich hatte gemacht“. Das Präteritum beziehungsweise Durativ wird in der Schriftsprache für Vergangenheit oder wiederholte Tätigkeiten verwendet und bildet sich mit di- am Infinitivstamm: Min dikir „Ich machte“.

Das Präsens wird mit di- und Personalendung gebildet: Ez dikim „Ich mache“, Tu dikî, Ew dike, Em/Hûn/Ew dikin. Bei çûn „gehen“ lautet es Ez diçim, Tu diçî, Ew diçe und Em/Hûn/Ew diçin. Das Präsens Progressiv entsteht durch angehängtes e, etwa Ez diçime „Ich bin am Gehen“. Im Futur I ersetzt bi- das Präfix di-; außerdem erhält das Subjekt ê oder yê: Ezê nan bifiroşim „Ich werde Brot kaufen“. Bei herin heißt es Ezê herim „Ich werde gehen“. Das Futur II bezeichnet eine vermutlich zu einem Zeitpunkt vollendete Handlung: Min ê kiribe „Ich werde gemacht haben“.

Für den Konjunktiv bei unmöglichen oder unwahrscheinlichen Bedingungen steht bi- am Infinitivstamm und a/ya am Stamm, etwa Bila min bikira „Hätte ich gemacht/wenn ich gemacht hätte“. Im Present conditional trägt zusätzlich das Personalpronomen ê/yê, etwa minê bikira „Ich hätte gemacht/würde machen“. Verneinungspartikeln sind ni oder na in der Gegenwart, ne in der Vergangenheit sowie ne oder me im Imperativ: Em nizanin „Wir wissen nicht“, Ez nakim „Ich mache nicht“, Min nekir „Ich habe nicht gemacht“ und Neke/Meke „Mach nicht!“. Das Passiv wird mit hatin „kommen“ gebildet und ist nur bei transitiven Verben möglich: Ew ji mêran tê dîtin „Er/Sie wird von den Männern gesehen“.

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