Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Vokal
„Vokale“ im genauen Sinne des Wortes sind vokalische Laute, also Phone: Einheiten der gesprochenen Sprache. Buchstaben der geschriebenen Sprache wie A, E, I, O, …
Inhalt6 Abschnitte
Grundbegriff
Ein Vokal oder Selbstlaut ist ein Sprachlaut, bei dessen Artikulation der Phonationsstrom weitgehend ungehindert durch den Mund ausströmen kann. Vokale sind im Allgemeinen stimmhaft. Genau genommen bezeichnet „Vokal“ einen vokalischen Laut, also ein Phon der gesprochenen Sprache. Die Buchstaben A, E, I, O, U und weitere entsprechende Zeichen sind dagegen Vokalbuchstaben; im Alltag werden sie aber oft ebenfalls „Vokale“ genannt.
Für das Verständnis ist wichtig, Laut und Buchstabe zu unterscheiden: Ein Vokallaut ist das, was gesprochen wird; ein Vokalbuchstabe ist ein Zeichen der Schrift, das solche Laute meist wiedergibt.
Artikulation und Lautqualität
In der artikulatorischen Phonetik werden Vokale danach beschrieben, wie sie im Mundraum gebildet werden. Zur Darstellung dient das Vokaldreieck oder Vokaltrapez. Darin werden Vokale senkrecht nach dem Öffnungsgrad des Mundraums geordnet: von offen, wie beim a-Laut, bis geschlossen, wie bei i- und u-Lauten. Waagerecht werden sie danach eingeteilt, ob sie weiter vorn oder weiter hinten im Mundraum entstehen. Man spricht entsprechend von Vorderzungenvokalen und Hinterzungenvokalen.
Ein weiteres wichtiges Merkmal ist die Lippenrundung. Fast jeder Vokal kann grundsätzlich gerundet gesprochen werden; dadurch ändert sich die Lautqualität. Aus einem gespannten i-Laut [i] wird durch Lippenrundung ein ü-Laut [y], aus einem ungerundeten [e] ein ö-Laut [ø]. Im Deutschen gibt es gerundete Vokale wie ü [y, ʏ], ö [ø, œ], o [o, ɔ] und u [u, ʊ] sowie ungerundete Vokale wie a [a], e [ɛ, e] und i [i, ɪ]. Durch Absenken des Gaumensegels können außerdem Nasalvokale entstehen, etwa [ɔ̃] im französischen on „man“.
Viele Sprachen unterscheiden Vokale auch nach ihrer Länge, der Vokalquantität. In der deutschen Standardsprache sind kurze Vokale meist ungespannt, zum Beispiel [ɪ] in Mitte. Lange Vokale sind meist gespannt, zum Beispiel [i:] in Miete. Es gibt aber auch kurze gespannte Laute, etwa [i] in Musiker.
Akustische Merkmale
Akustisch gehören Vokale, anders als die meisten Konsonanten, zu den Klängen. Sie besitzen einen Primärklang mit einem Grundton der Grundfrequenz f0. Dieser Grundton bildet Obertöne, die immer ganzzahlige Vielfache des Grundtons sind. Ändert sich der Grundton, ändern sich daher auch die Obertöne.
Im Vokaltrakt, also im Ansatzrohr mit Stimmritze, Larynx- und Pharynxraum sowie Mund- und Nasenraum, entstehen Resonanzen. Dadurch werden bestimmte Obertonbereiche besonders stark hervorgehoben. Diese resonanzverstärkten Teiltöne heißen Formanten. Bei Vokalen lassen sich vier bis fünf Formanten nachweisen. Besonders wichtig sind F1 und F2, weil sie bei Vokalen im Zungenbereich für die Identifizierung verantwortlich sind: Sie tragen dazu bei, dass man zum Beispiel [iː] und [uː] unterscheidet.
Die Artikulation hängt vor allem mit den Frequenzen der ersten beiden Formanten zusammen. F1 gibt die Offenheit beziehungsweise Zungenhöhe an, F2 die Zungenstellung von hinten nach vorn. Ein [i] hat zum Beispiel einen höheren F2-Wert als ein [u], aber einen deutlich geringeren F1-Wert als ein [a]. Andere Merkmale sind weniger eindeutig einzelnen Formanten zuzuordnen; Lippenrundung senkt zum Beispiel F2 leicht und erhöht F3.
Abgrenzung zu Konsonanten
Nach der Artikulationsart unterscheiden sich Vokale von Konsonanten dadurch, dass der Phonationsstrom bei Vokalen fast ungehindert durch das Ansatzrohr strömt. Genauer: Die Verengung im Artikulationsraum ist nicht so stark, dass sie ein Geräusch erzeugt. Dieses Merkmal allein trennt Vokale aber nicht vollständig von Halbvokalen oder konsonantischen Approximanten.
Eine andere Einteilung nutzt die Sonorität, also die Schallfülle. Die meisten Konsonanten sind Geräusche ohne Sonorität; Vokale und einige Konsonanten wie l, m, n, ng und teilweise r sind dagegen Klänge und heißen sonorant. Sonorität ist wichtig, weil sonorante Laute als Silbenträger dienen können: Je sonorer ein Laut ist, desto stärker hebt er sich von den umgebenden Lauten ab.
In einigen Sprachen können l, m, n, ng oder r silbisch sein und den Hauptton tragen, etwa l in Plzeň im Tschechischen oder r in Krk im Serbokroatischen. Auch im Deutschen kommen l, m, n und ng silbisch vor, aber nur in unbetonten Silben, zum Beispiel in Endungen wie -em, -en und -el/-l nach Konsonanten: großem, reden, liegen, Apfel.
Vokale im Deutschen
Das Deutsche ist im Sprachvergleich verhältnismäßig reich an Vokalen: Es hat 15 kurze und 8 lange Vokale. Zu den gesprochenen Monophthongen des Standarddeutschen gehören unter anderem [i:] in Lied, [ɪ] in frisch, [e:] in Schnee, [ɛ] in nett, [ɛ:] in Mädchen, [a:] in Tal, [a] in Blatt, [ə] in Blume, [ɐ] in Leder, [o:] in Ton, [ɔ] in Rost, [u:] in gut, [ʊ] in Mund, [y:] in kühl, [ʏ] in hübsch, [ø:] in schön und [œ] in löschen.
In betonten Silben unterscheidet das Deutsche meist zwei Vokaltypen: lange geschlossene Vokale, zum Beispiel [o:] in Ton, und kurze offene Vokale, zum Beispiel [ɔ] in Sonne. Dieses Muster hat Ausnahmen. Der offene Zentralvokal [a] kommt lang und kurz vor, bleibt aber offen. Außerdem stehen dem kurzen [ɛ] zwei Langformen gegenüber: [e:] und [ɛ:] wie in Mädchen. In vielen Dialekten Nord- und Mitteldeutschlands wird langes <ä> wie [e:] gesprochen; dies ist inzwischen auch in der Standardaussprache als Lizenz akzeptiert.
In unbetonten Silben besitzt das Deutsche sieben weitere Vokale, deren Qualität dem entsprechenden langen Vokal ähnelt, die aber kürzer sind. Häufig betrifft dies Fremdwörter, zum Beispiel direkt, Debatte, Physik oder Ökonomie, kommt aber auch in deutschen Wörtern wie daheim, wieso, sodass und zuvor vor. Zwei Laute erscheinen im Standarddeutschen ausschließlich in Affixen und Reduktionssilben: [ə], das Schwa wie in Blume, und [ɐ] wie in Leder. Sie werden oft nicht zu den Phonemen gerechnet.
Ein Problem der Einordnung betrifft [ɐ], weil dieser Laut eine Realisierungsvariante des konsonantischen [ʁ] ist. Ein weiteres Problem ist das Verhältnis zwischen gespannten langen Vokalen wie in Ofen und ungespannten kurzen Vokalen wie in offen. Das Silbenschnittkonzept erklärt diesen Unterschied nicht durch Länge oder Gespanntheit allein, sondern durch einen prosodischen Kontrast am Silbenende: In sanft auslaufenden Silben stehen gespannte Langvokale; in anderen Silben wird die Vokalbildung durch den nachfolgenden Konsonanten scharf abgeschnitten, der Vokal ist dann kurz und ungespannt.
Sprachvergleich und Schrift
Im Sprachvergleich zeigen sich deutliche Unterschiede. Das Englische ist ärmer an Vokalphonen als das Deutsche, besitzt aber mehr Diphthonge, etwa in take, go, night, flower, boy, here, there und sure. Im Spanischen, genauer im Kastilischen, gibt es nur fünf Vokalphoneme: /a e i o u/. Der a-Laut ähnelt dem deutschen kurzen offenen a, i und u ähneln den langen geschlossenen deutschen Vokalen. Spanisches e und o haben eine mittlere Höhe und daher kein genaues Gegenstück im Hochdeutschen.
Das Französische besitzt weitgehend die gleichen oralen Vokale wie das Deutsche, aber zusätzlich vier Nasalvokale. Es fehlen jedoch der ungespannte i-Laut wie in Wind, der ungespannte ü-Laut wie in wünscht, der ungespannte u-Laut wie in Wunsch und der tiefe Schwa-Laut wie der -er geschriebene Vokal in Mutter. Außerdem kennt das Französische nicht den für das Deutsche typischen systematischen bedeutungsverändernden Gegensatz zwischen kurzen ungespannten und langen gespannten Vokalen, wie in Wahl/Wall, den/denn oder Fühler/Füller.
Als Vokalbuchstaben gelten im Deutschen A, Ä, E, I, O, Ö, U, Ü und Y. Ihnen stehen Konsonantenbuchstaben wie B, C, D, F, G, H, J, K, L, M, N, P, Q, R, S, ẞ, T, V, W, X und Z gegenüber. Diese Zuordnung beruht auf Graphem-Phonem-Korrespondenzen, also grundlegenden Beziehungen zwischen Buchstaben und Lauten. Sie ist aber nicht immer eindeutig: Vokalbuchstaben können in bestimmten Kontexten nicht-silbische oder halbvokalische Laute wiedergeben, etwa in Mai, Union, Mauer, Biskuit, Etui oder Bayern. Umgekehrt können Konsonantenbuchstaben silbische Laute darstellen, zum Beispiel R in Zentaur, J in Matrjoschka oder W in Rwanda. Eine besondere Rolle hat H nach Vokalbuchstaben, etwa als Dehnungs-h oder silbentrennendes h.
Lernvideos zu Vokal
4:23
Kurze und lange Vokale
Grundschule Ludwigsfeld · 117.643 Aufrufe
3:54
doppelte Konsonanten - auf die Vokallänge kommt es drauf an
Frau Weber digital · 62.405 Aufrufe
11:00
Aussprache | LANGE und KURZE VOKALE | Typische Fehler
GermanSkills.com · 48.637 Aufrufe
12:49
DEUTSCH Lange und kurze Vokale / Denken, Lernen, Verstehen
Denken, Lernen, Verstehen · 36.209 Aufrufe