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Schwa
Das Schwa oder e-Schwa (zu unterscheiden vom fast offenen Zentralvokal a-Schwa [ɐ]) bezeichnet einen Laut, der auch mittlerer Zentralvokal genannt wird.
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Definition und Kennzeichnung
Das Schwa oder e-Schwa [ə] ist ein Laut, der als mittlerer Zentralvokal bezeichnet wird. Im Vokaltrapez liegt er artikulatorisch und akustisch im Zentrum zwischen den anderen Vokalen. Er ist vom fast offenen Zentralvokal a-Schwa [ɐ] zu unterscheiden.
Im Internationalen Phonetischen Alphabet wird das Schwa mit ə dargestellt; seine IPA-Nummer ist 322 und sein Unicode-Codepunkt U+0259. In X-SAMPA und Kirshenbaum lautet das Zeichen @.
Das Schwa wird häufig schwächer ausgesprochen als Vollvokale. Daher kann es vollständig entfallen. Dieser Ausfall eines Lautes heißt Elision.
Schwa im Deutschen
Im Deutschen kommt das Schwa nur in unbetonten Silben vor und wird gewöhnlich mit dem Buchstaben <e> geschrieben, etwa in bereit oder viele [ˈfi:lə]. Ob das e-Schwa und das verwandte a-Schwa, beispielsweise in Lehrer [ˈleːʀɐ], im Deutschen den Status eigenständiger Phoneme besitzen, ist umstritten. Ein Phonem ist eine kleinste lautliche Einheit, durch die Wörter unterschieden werden können.
In Reduktionssilben, also schwach ausgesprochenen unbetonten Silben wie in gelegen, wird das Schwa häufig ausgelassen. Der folgende Konsonant übernimmt dann die Funktion des Silbenkerns und wird silbisch gesprochen: Tafel kann als Tafl [ˈtaːfl̢] und Dschungel als Dschungl [ˈd͡ʒʊŋl̩] ausgesprochen werden.
Obwohl der Laut häufig vorkommt, wird er in der deutschen Rechtschreibung nicht eigens gekennzeichnet: Es gibt dafür weder ein besonderes Lautzeichen noch ein diakritisches Zeichen wie im Luxemburgischen.
Vorkommen in europäischen Sprachen
In vielen europäischen Sprachen erscheint das Schwa nur in unbetonten Silben. Ausnahmen sind unter anderem Albanisch, Rumänisch und viele slawische Sprachen.
Im Albanischen wird [ə] mit ë geschrieben, etwa in është [ˈəʃtə] („ist“) und ëmbël [əmbəl] („süß, angenehm, freundlich“). Im Rumänischen steht dafür ă, zum Beispiel in măr [mər] („Apfel“) und (noi) lucrăm [luˈkrəm] („wir arbeiten“). Das rumänische ă bezeichnet genauer einen Laut zwischen [ə̠] und [ɜ̠].
Im Englischen ist das Schwa der häufigste Vokal. In unbetonten Silben können alle einfachen und zusammengesetzten Vokalgrapheme, also schriftlichen Vokalzeichen, diesen Lautwert annehmen. Beispiele sind das a in about [əˈbaʊt], das e in synthesis [ˈsɪnθəsɪs], das i in pencil [ˈpɛnsəl], das o in harmony [ˈhɑːmənɪ], das u in medium [ˈmiːdiəm] und das y in syringe [səˈɹɪndʒ]. Teilweise kann [ə] durch [ɪ] ersetzt werden, wie bei syringe [sɪˈɹɪndʒ]. In nicht-rhotischen Aussprachevarianten erscheint es auch in parlour [ˈpɑːlə]; rhotische Varianten wie in den USA verwenden in Endungen wie -er, -our und -or stattdessen den „r-colored vowel“ [ɚ].
Im Französischen ist ein unbetontes, akzentloses e meist ein gerundetes Schwa. Es klingt beinahe wie ein gehauchtes, kurzes und offenes ö, etwa in menace [mə̹ˈnas], secret [sə̹ˈkʀɛ] und reprise [ʀə̹ˈpʀiːz].
Im Russischen kann das Schwa als Realisierung der Phoneme /o/ und /a/ in unbetonten Silben auftreten, sofern die Silbe nicht unmittelbar vor der betonten Silbe steht. Beispiele sind корова [kʌˈrovə], собака [sʌˈbakə] und молоко [məlʌˈko].
Weitere Sprachen und regionale Varianten
Im modernen Hebräisch, dem Ivrit, wird in bestimmten Konsonantengruppen regelmäßig ein kurzes [ɛ] hörbar: Die Gruppe beginnt dabei stimmhaft, und die Konsonanten besitzen denselben Artikulationsort. In anderen Konsonantengruppen ist der Laut kaum wahrnehmbar. Für das Bibelhebräische zeigt das Wort בְּרֵאשִׁית [bəreʃit] ein entsprechendes Beispiel.
Im Armenischen gibt es mit ը einen eigenen Buchstaben für das Schwa. Geschrieben wird er am Anfang einiger Wörter, auch innerhalb zusammengesetzter Wörter, sowie am Wortende, wenn das Schwa den bestimmten Artikel bildet. An anderen Stellen bleibt der Laut in der Schrift unbezeichnet. Beispiele sind ընկեր – ënker – [ənˈkeɹ] („Kamerad, Freund“), դասընկեր – dasënker – [dasənˈkeɹ] („Schulkamerad, Schulfreund“) und անունը – anunë – [aˈnunə] („der Name“).
Im Kölschen und Ripuarisch-Limburgischen tritt das Schwa in verschiedenen Positionen und Betonungsstufen auf. Es kann als unbetonter Auslaut vorkommen, etwa in poppe [ˈpɔpə], oder als unbetonter Inlaut wie in pisselisch [ˈpizəlɪʃ]. Teilweise ist es optional: Kerresch [ˈkeʀːəʃ] kann auch Kersch [ˈkeʀːʃ] und esu [əˈzu] auch su [ˈzu] oder [ˈzuː] lauten. Daneben gibt es schwach oder nebenbetonte Formen wie ene [ˈənə], ens [ˈəns] und et [ˈət].
Herkunft der Bezeichnung
Die Bezeichnung Schwa stammt vom hebräischen Wort שווא. Es bezeichnet das diakritische Zeichen ◌ְ, ein senkrechtes Punktpaar unter einem Konsonanten, beispielsweise in אְ. Ein diakritisches Zeichen ist ein Zusatzzeichen, das die Aussprache oder Bedeutung eines Schriftzeichens näher bestimmt.
Im modernen Ivrit ist dieses Zeichen unüblich. Es kommt jedoch im Bibelhebräischen in der masoretischen Vokalisation des Tanach vor. Das Wort שָׁוְא bedeutet dort „das Gehaltlose, Eitle, ein Nichts“.
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