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Nomen
Nomen im engeren Sinn als gleichbedeutend mit Substantiv (der Herkunft nach ein Anglizismus zu noun; heute so in weiten Teilen der Sprachwissenschaft und auch …
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Zwei Bedeutungen von Nomen
Nomen ist ein grammatischer Fachausdruck mit zwei Bedeutungen. Im weiteren Sinn bezeichnet es einen Oberbegriff für deklinierbare Wortarten, also Wortarten, die Kasusformen tragen können: Substantive, Adjektive, Zahlwörter und Pronomen, nicht jedoch Artikel. Im engeren Sinn ist Nomen gleichbedeutend mit Substantiv, also mit der Wortart, deren typische Vertreter etwa Personen, Dinge oder Sachverhalte bezeichnen.
Die enge Bedeutung hat sich im Deutschen heute in vielen Bereichen durchgesetzt, besonders in der anglistischen, romanistischen und theoretischen Linguistik sowie in weiten Teilen der Schulgrammatik. Sie wurde vor allem durch das Englische und Französische beeinflusst. Im Englischen wird für Substantive ausschließlich noun verwendet; dieser Ausdruck geht auf das lateinische nomen zurück. Der Einfluss bedeutender grammatiktheoretischer Strömungen aus dem englischen Sprachraum, etwa der Generativen Grammatik Chomskys, prägte deshalb auch die deutsche Fachsprache. Substantiv bleibt daneben gebräuchlich, unter anderem in der Germanistik, der historischen Sprachwissenschaft und in Schulbüchern. Die deutschsprachige Wikipedia verwendet „Substantiv“, weil dieser Ausdruck eindeutiger ist.
Auch Nennwort, der deutsche Ausdruck für Nomen, ist in gleicher Weise mehrdeutig. In Lateingrammatiken kann Nennwort sowohl die weitere als auch die engere Bedeutung wiedergeben.
Nomen in der lateinischen Grammatiktradition
In der lateinischen Grammatiktradition wurde Nomen zunächst für Substantive und Adjektive verwendet. Später wurden auch Pronomina und Numeralia, also Zahlwörter, einbezogen; zumindest einige Adverbien konnten ebenfalls dazugehören. Das entscheidende Kriterium entwickelte sich zur Fähigkeit, einen Kasus zu tragen. Nomen bedeutete in dieser weiteren Auffassung daher ungefähr „deklinierbare Wortart“.
Diese Einteilung entstand unter dem Einfluss der griechischen Grammatik, insbesondere des Grammatikers Dionysios Thrax. Die von ihm zunächst unterschiedenen acht Wortarten lassen sich als Nomen, Verb, Partizip, Artikel, Pronomen, Präposition, Adverb und Konjunktion wiedergeben. Im Lateinischen gab es keine Artikel. Deshalb musste die lateinische Definition des Nomens als deklinierbare Wortart den Artikel nicht eigens ausnehmen. Bei der Übertragung auf das Deutsche entsteht jedoch ein Problem, weil auch der Artikel dekliniert wird.
Die Zusammenfassung von Substantiven und Adjektiven in einer Kategorie beruht somit auf den Eigenschaften der lateinischen und griechischen Grammatik sowie auf der lang fortgeschriebenen Tradition der antiken Grammatiker. Der Gegensatz zwischen Substantiv und Adjektiv entwickelte sich aus ausführlicheren Bezeichnungen: nomen substantivum („Substanznomen“) und nomen adiectivum („hinzugefügtes Nomen“).
In dieser Terminologie können lateinische Partizipien als Verbalnomen bezeichnet werden, weil sie adjektivische Formen von Verben und damit Verbaladjektive sind. Meist wird Verbalnomen allerdings in einer anderen, spezielleren Bedeutung verwendet. Außerdem erscheint nomen in lateinischen grammatischen Ausdrücken, die nur Substantive betreffen, etwa nomen agentis für eine Agens-Nominalisierung und nomen actionis für eine Ereignisnominalisierung.
Die Bedeutungen von nominal
Das Adjektiv nominal ist ebenso mehrdeutig wie Nomen und kann sich auf dessen enge oder weite Bedeutung beziehen.
In der engen Bedeutung bedeutet nominal „substantivisch“, also auf ein Substantiv bezogen. Ein deutsches Beispiel ist Nominalphrase als Bezeichnung für eine Substantivgruppe. Im Englischen wird nominal entsprechend als Adjektiv zu noun verwendet, wenn noun nur „Substantiv“ bedeutet. Der Ausdruck „das Nominal“ kann daneben noch eine weitere, auf der Bedeutung „Substantiv“ beruhende fachsprachliche Bedeutung haben.
In der weiten Bedeutung wird nominal für deklinierbare Wortarten verwendet. Wenn von nominalen Wortarten gesprochen wird, können damit Substantive, Adjektive, Zahlwörter und Pronomen gemeint sein. In deutschen Fachlexika ist jedoch uneinheitlich, ob Artikel in die nominalen Wortarten eingeschlossen oder ausgeschlossen werden. Im Englischen kann nominal ebenfalls weit gebraucht werden, auch in Zusammenhängen, in denen noun gleichzeitig nur „Substantiv“ bezeichnet. Deshalb muss die jeweilige Verwendung aus dem sprachwissenschaftlichen Zusammenhang erschlossen werden.
Sprachvergleichende Grenzen der Einteilung
Die Kategorie Adjektiv ist in den Sprachen der Welt sehr unterschiedlich ausgeprägt. Nicht alle Sprachen besitzen Adjektive als eigene Wortart, die sich im morphologischen Verhalten von Substantiven unterscheidet. Selbst wenn Adjektive als separate Wortart erkennbar sind, können ihre Unterschiede zu anderen Wortarten graduell sein.
Die Einteilung der lateinischen Tradition lässt sich deshalb nur auf bestimmte Sprachtypen verallgemeinern. Sie passt besonders dort, wo Adjektive Substantiven hinsichtlich Kongruenzformen oder Wortbildungsmechanismen nahestehen. Beispiele dafür sind Sanskrit und Fulfulde. Andere Sprachen verfügen über anders aufgebaute Systeme. Im Japanischen zeigen die sogenannten Adjektive beispielsweise einen verbalen Charakter. Die Bezeichnung Nomen beziehungsweise nominal ist daher sprachvergleichend nicht automatisch in jeder Sprache mit denselben Wortarten oder Eigenschaften verbunden.
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